SOUL ON FIRE. Leben und Musik von Peter Steele (Biografie)

SOUL ON FIRE. Leben und Musik von Peter Steele (Biografie)

Eine Biografie über einen Musiker, bei der seine Bandkollegen nicht zu Wort kommen? Eine Lebensgeschichte ohne Kommentare der Leute, die rund 20 Jahre mit Peter Steele geprobt haben, getourt sind und die mit TYPE O NEGATIVE Musikgeschichte geschrieben haben? Kann man machen. So wie Jeff Wagner mit „Soul on Fire“, einer über dreihundert Seiten starken Rückschau auf das Leben von Peter Steele.

Im Vorwort weißt er darauf hin, dass Gitarrist Kenny Hicker und Drummer Johnny Kelly nicht an seinem Buch mitwirken wollten. Mit Josh Silver habe er einige E-Mails ausgetauscht – allerdings war der TYPE O NEGATIVE-Keyboarder erst dazu bereit, als das Buch fast fertig war.  Das irritiert – denn wer, wenn nicht seine erfolgreichste Band, könnten wohl am besten etwas über den Musiker Peter Steele preisgeben? Autor Jeff Wagner wusste sich zu helfen und hat mit mehr als 60 Leuten aus Steeles Umfeld gesprochen und zig Interviews, darunter seine eigenen, nochmals ausgewertet und zitiert, inklusive Fußnoten und Quellenverweise im Anhang.

Genug Material also, um ein Bild des Mannes zu zeichnen,  der die Rolle vom Krieger in einer vom Atomkrieg zerstörten Welt genauso beeindruckend spielte wie die des megamännlichen Sexsymbols mit  gestähltem Körper und Vampirzähnen. Und der sich ab 2000 als runtergekommenen Rockstar, gezeichnet von Drogen und zu viel Rotwein, präsentierte und schließlich sogar einige Zeit im Knast saß – bei der „World Coming Down“ Tour Ende 1999 wurde ja schon deutlich, dass da jemand einen ganzen Berg Probleme mit sich rumschleppt (hier geht es zu unserem Konzertbericht). Genug Material, um die Wandlung vom wütenden, hasserfüllten NY-Hardcore von CARNIVORE zu den eingängigen Gothic-Schmachtfetzen „Black #1“ oder „Christian Woman“ zum vertonten Depression von „World Coming Down“ zu erklären. Genau das macht das Buch von Wagner so spannend – und Lust darauf, sich wieder ausführlich mit den Alben von CARNIVORE und TYPE O NEGATIVE zu beschäftigen.

Zu Wort kommen Steels Schwestern, Freunde, Freundinnen, seine Therapeutin, Musiker, Journalisten. Aus ihren Beiträgen fügt Waters die Geschichte eines Lebens zusammen, das einerseits von überbordender Kreativität und andererseits von einer wohl ziemlich komplizierten Persönlichkeit geprägt war. Ruhig und unaufgeregt, ohne sensationsheischendes Interesse an Skandalen erzählt er von dem Typen aus Brooklyn, der auch seine seltsamen Seiten hatte – und der am Ende seine Drogen-und Alkoholsucht überwinden konnte und unglaublicherweise zum geläuterten Christen wurde. Oder sollte das auch einer von Steeles Scherzen gewesen sein? So ganz sicher konnte man sich da nicht sein, da hilft auch dieses Buch nicht weiter. So bleibt insbesondere die Frage nach Steels politischen Ansichten unbeantwortet – zu umstrittenen Songs wie „Der Untermensch“ oder der ganzen „Vinnland“-Thematik gibt es zwar die altbekannten Dementi und Erklärungsversuche, alles in allem bleibt dieses Thema seltsam nebulös.

Unterm Strich ist „Soul On Fire“ die akribische Bestandsaufnahme eines Fans, der mit unendlichem Fleiß zusammengesammelt hat, was neben unsterblichen und genialen Alben von einem Musiker übriggeblieben ist. Der Untertitel „Leben und Musik von Peter Steele“ ist schon richtig, es geht dabei nämlich auch um das Leben des Amerikaners – und um seine Musik, die Wagner mit Steeles Biografie erklären will.  Ich glaube, er hat das Beste daraus gemacht – man hört sich seine Alben mit anderen Gedanken an.

Und wer das Buch zu Ende liest, erfährt auch, woran Peter Steele mit nur 48 Jahren am 14. April 2010 gestorben ist. Es war wohl nämlich weder ein Herzinfarkt, noch ein geplatztes Aneurysma – und es ist das Ende einer wahrlich tragischen Entwicklung. 

 

308 Seiten / 16 farbige Fotoseiten
Gebundene Ausgabe
Verlag: Schmenk, Nicole
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-943022-34-6
Übersetzung: Andreas Schiffmann
VK: 19.90 €

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andrea

Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin…