THE GATHERING: Souvenirs

THE GATHERING: Souvenirs

So, die Pause ist zu Ende, bitte alle setzen. Zunächst einmal teilen wir die Klasse auf in die, die Mandylion klar THE GATHERINGs bestes Album finden und die Experimentiererei der letzten Alben eher langweilig empfanden, und die, die mittels How to Measure a Planet?“ in höchste Höhen und finsterste Tiefen entschwebten. Ah ja, dürften jeweils gleich viele sein. Tja, da wird es den Holländern alles andere als leicht fallen, mit Souvenirs alle Erwartungen zu erfüllen. Eins vorweg: Sie versuchen es diesmal auch gar nicht erst. Wirkte „If_then_else“ noch so, als würden trippige Sphärenklänge, metallisches Riffing und blitzsaubere Hooklines zu einer alle Fans ansprechen sollenden Massierung von stilistischen Brüchen vereint, so konzentrieren sich die Jungs um Anneke van Giersbergen diesmal darauf, ihrer vom Wandel bestimmten Geschichte eine weitere Facette hinzuzufügen, ohne jedoch einen so großen Bruch wie bei den ersten Alben herbeizuführen. Vielmehr haben die Holländer es gelernt, ihre Stärken der letzten Alben zu isolieren, zu variieren und zu einem Destillat ruhiger, trippiger und ergreifender Musik zu verarbeiten. Manch einem Fan knackigerer Klänge mag dies zu öde sein, angesichts der opulenten Klangbilder, die irgendwo zwischen Trip Hop und Alternative Rock angesiedelt sind und – wie sollte es anders sein? – von Annekes Stimme dominiert werden, dürften Freunde eines gepflegten Spaziergangs durch die eigene Seele und Psyche jedoch vollauf begeistert sein. Elektronik und menschliche Wärme finden hier zu einem produktiven Miteinander. Schlagzeug und Loops ergänzen sich perfekt, die wehmütigen Melodien und Harmoniefolgen werden mal von zerbrechlichen Synthieklängen, mal von René Ruttens Gitarre (While My Guitar Gently Weeps wäre wohl der perfekte Titel für einige der Songs auf Souvenirs, wenn es ihn nicht schon geben würde) übernommen. Annekes Stimme wirkt zudem facettenreicher und wird gelegentlich im Detail elektronisch modifiziert, was für einige Farbtupfer sorgt. Hinzu kommen noch einige an alte PINK FLOYD erinnernde Psychedeliceinlagen bis hin zum Saxofonsolo, und fertig ist eine Scheibe, die nachhaltig beeindruckt und immer wieder überraschende Wendungen parat hat.

Einzig die atmosphärische Tiefe von How to Measure a Planet? wird nicht ganz erreicht, dazu fehlen weiter ausholende Arrangements, Souvenirs geht kompakter, eingängiger und dadurch eben auch leichter erschließbar und verdaulich zu Werke, was jedoch den Gesamteindruck nicht schmälert. THE GATHERING sind über die Jahre hinweg gereift zu einer Ausnahmeerscheinung, und es bleibt zu hoffen, dass ihr mutiger Schritt, Souvenirs über das eigene Label statt über ein etabliertes Label herauszubringen, um volle künstlerische Freiheit zu besitzen, von den Käufern belohnt wird. Verdient hätte es die Band allemal, fortan in einem Atemzug mit PORTISHEAD und BJÖRK genannt zu werden!

Leider wird A Life All Mine – ein Duett mit ULVERs Trickster G. – im Info noch groß angepriesen, fehlt jedoch auf der vorliegenden Promo, vermutlich aus reingesteigerter Furcht vor Piraterie. Daher muss an dieser Stelle, wo eigentlich ein Fazit stehen sollte, eine Lücke __________________________________________________________________
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__________________________________________________________________ klaffen, die jeder selbst im Plattenladen für sich selbst schließen sollte, indem er in Souvenirs reinhört.

Veröffentlichungstermin: 17.03.2003

Line-Up:
Anneke van Giersbergen – Vocals
René Rutten – Guitars
Hans Rutten – Drums
Hugo Prinsen Geerlings – Bass
Frank Boeijen – Keyboards

Produziert von Zlaya Hadzich
Label: Psychonaut Records

Homepage: http://www.gathering.nl

Tracklist:
These Good People
Even the Spirits Are Afraid
Broken Glass
You Learn about It
Souvenirs
Monsters
We Just Stopped Breathing
Golden Grounds
(unvollständig)

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