PIG DESTROYER: Head Cage

PIG DESTROYER: Head Cage

Jep, da ist endlich das Ding, das sehnlichst erwartete sechste Album des Ami Quintetts. Ja, richtig gelesen – nach der Aufnahme des Vollzeit Bassisten werden die Gagen und die Spritkosten fortan durch fünf geteilt. Ob sich dieser Schritt am Ende gelohnt hat und ob das „Head Cage“ sich nahtlos in die fast schon legendäre Banddiskographie einfügen kann, all das erfahrt ihr aus diesem Review. Also los geht‘s!

Skepsis im Vorfeld

Dass die Band neuerdings so krass polarisiert, liegt nicht zuletzt daran, dass PIG DESTROYER zu den ganz wenigen Grindcore Truppen gehört, die auch über die Szenegrenzen hinaus bekannt sind, und das mag den Fans der ersten Stunde und sonstigen Underground Freaks offenbar nicht schmecken. Gott, war der Shitstorm im Netz damals groß, als der erste Vorabsong „Army Of Cops“ präsentiert wurde – vom Ausverkauf war die Rede und im YouTube-Kommentarbereich hagelte es Hohn und Spott. Und warum? Weil der Song keine Blastbeats hatte und dadurch angeblich dem verhassten Deathcore oder gar Nu Metal zu nahe kam. Dann stellt sich natürlich die Frage, ob sich die Kritiker lange genug mit dem älteren Songmaterial der Band beschäftigt haben. Kurz gesagt, haben PIG DESTROYER stets ihr eigenes Ding durchgezogen und einen Scheiß auf die Genrekonventionen gegeben, was sich wie ein roter Faden durch deren komplette Diskographie zieht.

„Head Cage“ überzeugt mit tollen Songs…

Sei es drum, auf „Head Cage“ wird zugunsten der bis dahin beispiellosen Heaviness massiv auf die Bremse getreten. Um genau zu sein, entsprechen mit „Terminal Itch“, „Mt. Skull“, „Dark Train“ und „Trap Door Man“ gerade mal vier Songs von insgesamt zwölf dem ursprünglichen PIG DESTROYER Kanon. Der Rest könnte man als einen hässlichen Bastard aus SEVEN SISTERS OF SLEEP, THE RED CHORD und LENG TCH‘E bezeichnen. Haben PIG DESTROYER damit etwa ihre eigene Identität aufgegeben? Mitnichten. Die Grundtugenden der Band wie etwa die technische Brillanz, verstörende Atmosphäre und das meisterhafte Songwriting bleiben auch auf „Head Cage“ weitestgehend erhalten. Natürlich geht hier die Post nicht so krass ab wie etwa auf „Prowler In The Yard“ (2001) oder „Phantom Limb“ (2007), aber dafür haben wir ja letztlich NAILS, FULL OF HELL und MAGRUDERGRIND.

…und enttäuscht mit einem Soundbrei

Während musikalisch ein Leckerbissen, ist „Head Cage“ soundtechnisch eine mittlere Katastrophe. Man kann und darf dem für das Mixing und Mastering verantwortlichen Will Putney keine Absicht unterstellen, aber er war, natürlich rein subjektiv gesehen, der absolut falsche Mann für dieses Projekt. Das ist einfach nur erschreckend, wie matschig, übersteuert und letztlich undifferenziert das untere Ende da wegkommt. Die Leute ohne einen vernünftigen Equalizer tun einem jetzt schon leid. Dieser Misere fallen leider etliche Nuancen zum Opfer – so gehen, sobald das Tempo steigt, die Kickdrums komplett unter, die Blastbeats klingen oft arg dumpf und können sich in dieser Soundpampe daher kaum durchsetzen. Und das obwohl das gesamte Schlagzeug quasi bis zum Anschlag getriggert ist. Zu allem Überfluss wird dazu noch Scott Hull (Gitarre) von John Jarvis (Bass) immer wieder aus dem Mix „gepresst“, wodurch leider eine Menge Dynamik verloren geht. An dieser Stelle fragt man sich, ob das vielleicht doch nicht ein Fehler war, in diesem Fall auf die vollständige Rhythmussektion zurückzugreifen. Wegen dieser offensichtlichen Defizite hinterlässt die gesamte Platte trotz der Übersongs wie „House Of Snakes“ oder „The Adventures Of Jason And JR“ streckenweise einen ziemlich billigen und aufgesetzten Eindruck.

Fazit

„Head Cage“ ist musikalisch absolut großartig und gespickt mit wuchtigen Killersongs, die jedoch ihr volles Potenzial aufgrund der hölzernen und übersteuerten Produktion über weite Strecken nicht gänzlich ausschöpfen können. Am Ende bleiben die PIG DESTROYER mit ihrer neuen Scheibe leider hinter den hohen Erwartungen zurück und müssen diesmal das Feld den Bands wie SECRET CUTTER oder WHORESNATION überlassen.

Veröffentlichung: 07.09.2018

Spielzeit: 31:00 Min.

Label: Relapse Records

Produziert von: Will Putney

Bandwebsite: https://pigdestroyer.bandcamp.com/

Facebook: https://www.facebook.com/TheRealPigDestroyer/

Line-Up:

JR Hayes: vocals

John Jarvis: bass, vocals

Adam Jarvis: drums

Blake Harrison: noise, samples

Scott Hull: guitar

PIG DESTROYER „Head Cage“ Tracklist

1. Tunnel Under The Tracks
2. Dark Train
3. Army of Cops (Video auf YouTube)
4. Circle River
5. The Torture Fields (Video auf YouTube)
6. Terminal Itch
7. Concrete Beast
8. The Adventures of Jason and JR
9. Mt. Skull (Video auf YouTube)
10. Trap Door Man
11. The Last Song
12. House of Snakes