MY COLD EMBRACE: Earth Exhausted [EP] [Eigenproduktion]

MY COLD EMBRACE: Earth Exhausted [EP] [Eigenproduktion]

Die Könige Kassels haben sich lange bitten lassen. Über vier Jahre nach ihrem letzten Lebenszeichen, der Split-EP Schnittmenge mit den Münchnern RAPTURE, haben MY COLD EMBRACE eine neue EP parat, die allerdings nur vier neue Songs bietet. Es ist zum Haareraufen. Eine schlimmere Salamitaktik als die langsame Bloßlegung von Politikern über veruntreutes Geld ist das. Wie auch immer, zum fünfzehnten Geburtstag lassen es MY COLD EMBRACE kurz aber schmerzhaft krachen. Earth Exhausted zeigt die Band wie üblich gut gelaunt, mit knallenden Riffs, unwiderstehlichen Leadgitarren, einem komplexen, aber nicht unnötig komplizierten Mix aus Blast Beats und flottem Moshparts. Dazu schreit sich Sänger Den kaputt und rundet das Gesamtbild ab. Kurzum: Alles beim Alten.

Gutes Songwriting haben MY COLD EMBRACE natürlich nicht verlernt, neue Akzente können die fünf Hessen allerdings nicht setzen. Muss auch gar nicht, wenn die Songs beherzt mitreißen. Hits und Übersongs im Stil von Apollo von Hausgeist gibt es in diesen sehr kompakten zwölfeinhalb Minuten aber nicht. Dafür sind die Tracks umso stürmischer und wilder. Yellow Bricks ist zwar sehr melodiös, aber auch von einer Brutalität gezeichnet, die THE BLACK DAHLIA MURDER nur in ihren heftigsten Momenten parat haben. Thrashiger wird es mit In Oceans, I Curse This World ist etwas verspielter und der Abschluss Teardown ist heavy und ziemlich groovy, wird dabei sogar fast episch.

Abwechslung ist innerhalb der kurzen Spielzeit also gegeben, alle Trademarks der Kasseler finden sich in dieser EP wieder, MY COLD EMBRACE definieren sich selbst aber nicht neu. Spielerisch ist die Band wie üblich auf hohem Niveau, die Produktion ist wuchtig, aber auch weit von Sterilität entfernt. MY COLD EMBRACE können Hausgeist mit Earth Exhausted nicht ausstechen, einerseits wegen den fehlenden Hits, andererseits wegen der kurzen Spielzeit. Statt der Liveversion der Bandhymne My Cold Embrace – ursprünglich auf …zurück aus Hölle – hätte ein weiterer neuer Song als Bonustrack vielleicht noch einen besseren Gesamteindruck entstehen lassen. Dass die fünf Hessen mit der vorbildlichsten Ethik des Undergrounds aber noch immer vital und kraftvoll sind, das steht nach dieser kurzen, lauten Vorstellung nicht zur Debatte. Und bei einem günstigen Preis von 3 € für den Download über Bandcamp, beziehungsweise 5 € für die phsysische Version inklusive des Live-Bonustracks, gibt es auch nicht viel zu überlegen.

Veröffentlichungstermin: 26. Juli 2013

Spielzeit: 17:19 Min.

Line-Up:
Dennis Hirth – Vocals
Dirk Wettlaufer – Guitar
Marco Reidelbach – Guitar
Tim Knödgen – Bass
Dennis Dörfler – Drums

Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.mycoldembrace.de

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/mycoldembrace

Tracklist:
1. Yellow Bricks
2. In Oceans
3. I Curse This World
4. Teardown
5. My Cold Embrace (Live / Bonus Track)