CHAPEL OF DISEASE: And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye

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CHAPEL OF DISEASE haben sich spätestens mit ihrem letzten Album “The Mysterious Ways of Repetitive Art” als das wohl so ziemlich heißeste Eisen aus meiner Heimatstadt Köln positioniert. Nach dem ebenfalls schon verdammt coolen Old School Death Metal-Debüt “Summoning Black Gods” aus 2012 wagten CHAPEL OF DISEASE auf ihrem 2015er Zweitwerk schon einige vorsichtige Blicke über den Genre-Tellerrand, ohne dabei weniger finster und bösartig zu klingen. Einige Passagen auf “The Mysterious Ways of Repetitive Art” ließen schon ahnen, dass der Band das stilistisch enge Korsett des Death Metals irgendwann zu eng werden könnte.

Die Promo kam einen Tag vor einer mehrtägigen Dienstreise, zu der ich “And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye” noch schnell auf mein Handy gepackt habe um dann während der mehrstündigen Bahnfahrt von Köln nach Karlsruhe und auch in jeder anderen freien Minuten an diesen drei Tagen nichts anderes mehr zu hören. Von der ersten Sekunde des Openers “Void Of Words” hat mich dieses Album gepackt und nicht mehr losgelassen. Nur sechs Songs enthält “And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye”, keiner von ihnen kürzer als sechs Minuten, zwei Stücke knacken sogar die neun Minuten. CHAPEL OF DISEASE geben ihren Kompositionen Zeit und Raum sich zu entfalten, ohne dabei zu langweilen.

Death Metal meets Classic Rock und mehr: CHAPEL OF DISEASE musizieren ohne Scheuklappen!

“Void Of Words” klingt erstmal gar nicht so unvertraut, ähnelt Teilen des Vorgänger-Albums. Was sofort auffällt ist der Klang, welcher sich deutlich von typischen Death Metal-Produktionen abhebt. Die Gitarren sind viel höher gestimmt als man das normalerweise im Genre gewohnt ist. Aber CHAPEL OF DISEASE sind eben auch keine gewöhnliche Death Metal-Band. Nach fünf Minuten ändert der Song komplett die Richtung und endet mit einem ausufernden Instrumentalteil, der mich so dermaßen an LED ZEPPELIN denken lässt, dass, würde plötzlich Robert Plants Stimme ertönen, ich kein bisschen überrascht wäre.

“Oblivious – Obnoxious – Defiant” und “Song Of The Gods” sind die kompaktesten und eingängigsten Stücken des Albums. Das kämpferische “Oblivious – Obnoxious – Defiant” hat den höchsten Death Metal-Anteil aller Songs auf “As We Have Seen The Storm…” und wäre auch auf “The Mysterious Ways of Repetitive Art” nicht aus der Reihe gefallen. Der simple aber mächtige Refrain ist ein echter Mitgröhler und wird live mit Sicherheit voll einschlagen. “Song Of The Gods” wiederum ist ein treibender, rockiger Song, bei dem wirklich nur noch der Gesang von Laurent Teubl etwas mit Death Metal zu tun hat. Davon unabhängig ist der Song einfach ein verdammt intensiver Tritt in den Arsch.

“And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye” packt jeden

Der Übersong “Null” walzt nach dem langsam aufbauenden Intro erstmal alles platt. Im folgenden wechseln sich relaxte Passagen und pure Raserei ab, bevor der Song wieder mit dem Thema vom Anfang ausklingt. Ein unglaublich mächtiges Stück! Das langsam, fast schon bedächtig vor sich hin mäandernde “1.000 Different Paths” überrascht mit Klargesang, der irgendwie an old school Goth-Kram erinnert, kommt insgesamt aber mit sehr wenig Gesang aus und besticht eher durch ausufernde, auf positive Weise ziellos wirkende Instrumentalpassagen. Ein krasser Gegensatz zum unglaublich intensiven “Null”. “The Sound Of Shallow Grey” beginnt mit verträumten Gitarren und nimmt uns mit auf eine letzte, fast zehn Minuten dauernde Achterbahnfahrt, bei der CHAPEL OF DISEASE erneut einen musikalischen Haken nach dem anderen schlagen, ohne dabei auch nur eine Sekunde inkonsistent zu klingen.

Jeder aufgeschlossene Fan härterer Rockmusik sollte dieses Album hören!

Es ist so ein verdammter Klischee-Satz aber “And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye” ist tatsächlich ein Werk, welches man am besten am Stück hört. Natürlich wirken die Songs auch einzeln, doch in seiner Gesamtheit entfaltet dieses Album nochmal eine ganz andere Wirkung. Dieses Album zieht mich immer wieder in seinen Bann und lässt mich erst los, wenn die letzten Akkorde von “The Sound Of Shallow Grey” verklungen sind. Und selbst dann, will ich eigentlich sofort wieder von vorne anfangen. “The Mysterious Ways of Repetitive Art” war bereits ein großartiges und eigenständiges Stück Death Metal, doch mit ihrem dritten Album setzen CHAPEL OF DISEASE nochmal einen drauf, streifen sämtliche Genre-Konventionen ab, vermischen ihre Death Metal-Basis mit Classic Rock und einem Schuss Post Rock zu ihrem eigenen, unwiderstehlichen Sound.

Ich bin schon sehr gespannt, wie CHAPEL OF DISEASE ihr neues Songmaterial live präsentieren werden, wenn die Band am 22. Dezember zusammen mit SULPHUR AEON in Köln zum Tanz bittet. Musikalisch ist das Potential für einen denkwürdigen Konzertabend mehr als gegeben. “And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye” hat den Platz in meiner Jahres Top Ten schon sicher, jetzt muss sich nur noch zeigen wie weit es nach oben preschen wird. The sky is the limit! Eines der faszinierendsten und spannendsten Alben des Jahres und für jeden aufgeschlossenen Fan härterer Rockmusik spreche ich hiermit eine dringende Kaufempfehlung aus!

Veröffentlichungsdatum: 23.11.2018

Spielzeit: 47:33

Line Up:
Laurent Teubl – vocals, guitars
Cedric Teubl – guitars
Christian Krieger – bass
David Dankert – drums

Produziert von: Laurent Teubl @ Sculpt Sound Studios
Label: Van Records

Bandhomepage: http://chapelofdisease.de
Facebook: https://www.facebook.com/ChapelOfDisease

CHAPEL OF DIESEASE “And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye” Tracklist:
01. Void Of Words
02. Oblivious – Obnoxious – Defiant
03. Song Of The Gods
04. Null
05. 1.000 Different Paths
06. The Sound Of Shallow Grey