AMARANTHE: Helix

amaranthe_helix-cover

Persönlich kenne ich ja keinen bekennenden AMARANTHE-Fan. Und dennoch werden die Schweden hoch gehandelt – zumindest wenn es darum geht, dass sie da und dort Headliner sind oder die Verkaufszahlen ihrer Releases im oberen Bereich angesiedelt sind. Mit ihrem neuen Album „Helix“ wird sich daran wohl nichts ändern, als dass AMARANTHE ihren eingeschlagenen Weg weiter verfolgen. Dieser Weg wird von einer „nu-en“ Allee gesäumt, der die Musik mit poppigen, elektronischen und coreigen Elementen ausschmückt.

AMARANTHE machen Metal-Einstieg zugänglich

Ein Paradebeispiel dafür ist das gelungene „365“, wo die Gegensätze aufeinander prallen. Da bekommt man es mit Core-Brekadowns ebenso zu tun wie mit einem poppigen Refrain – dazu noch ein gehobenes Maß an Elektro-Spielereien und fertig ist ein runder und tighter Song, der mühelos ins Ohr geht und Metal-Neueinsteigern den Zugang zum Metal leicht macht. Puristischen Old-School-Veteranen werden dagegen die Mundwinkel eher nach unten gezogen. Dennoch muss man AMARANTHE zugute halten, dass sie ihr musikalisches Konzept konsequent durchziehen und dabei ihre eigenen Stärken zur Geltung bringen.

Gesangliches Dreiergespann

Diese Stärken sind vor allem im Talent zu finden, neue Härte mit Melodie zu verbinden. Hierzu zählt auch die Heavyness, die zum Beispiel mit einem Deathcore-Beginn wie in „GG6“ zelebriert wird. Maßgeblich beteiligt daran ist Growler Henrik Englund Wilhelmsson (SCARPOINT), der AMARANTHE irgendwie die Legitimation erteilt, doch eine Metal-Band zu sein. Melodisches Aushängeschild ist Sängerin Elize Ryd (RASKASTA JOULUA), die eine schöne und klare Stimme besitzt und sehr viel von den Vocals abdeckt. Der im Vorjahr eingestiegene Sänger Nils Molin (DYNAZTY) geht mit seinem Clean-Gesang dagegen etwas unter. Nicht nur, was seine Einsatzzeiten betrifft, sondern auch durch den Umstand, dass er den Songs mit seinem Gesang keine eigenen Stempel aufdrücken kann.

„Helix“ geht ohne große Aha-Momente ins Ohr

Abgesehen vom Dreier-Geang liefert „Helix“ bedingte Abwechslung. Das Strickmuster der einzelnen Songs wiederholt sich doch immer wieder. Zwar sind AMARANTHE bemüht, in den zumeist dreieinhalb Minuten eines Songs mehrere Elemente einzuarbeiten, aber wirken Tracks wie „Dream“ oder „Breakthrough Stardust“ dann doch irgendwie belanglos. Da hat man dann weit mehr Freude, wenn die Schweden auch Tempo mäßig mal aus sich rausgehen wie in „Iconic“ oder weniger modern agieren wie in „Momentum“. Aber den ganz großen Eindruck hinterlässt „Helix“ dennoch nicht auf mich. Zwar ist die klare und kraftvolle Produktion über jeden Zweifel erhaben und das Album geht auch auf Anhieb ins Ohr, doch die packenden Elemente und Aha-Momente sind zu rar gesät. Doch das werden wohl wieder viele Andere anders sehen – selbst wenn ich „diese Anderen“ nicht persönlich kenne.

Veröffentlichungstermin: 19.10.2018

Spielzeit: 41:00 Min.

Line-Up:
Elize Ryd – Gesang
Henrik Englund Wilhelmsson – Gesang
Nils Molin – Gesang
Olof Mörck – Gitarre & Keyboards
Johan Andreassen – Bass
Morten Løve Sørensen – Schlagzeug

Label: Spinefarm Records

Homepage: http://www.amaranthe.se

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/AmarantheBand

AMARANTHE „Helix“ Tracklist

1. The Score
2. 365 (Video bei YouTube)
3. Inferno (Video bei YouTube)
4. GG6
5. Countdown (Video bei YouTube)
6. Helix
7. Dream
8. Breakthrough Stardust
9. My Haven
10. Iconic
11. Unified
12. Momentum

Christian Wögerbauer
Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge