ABIOTIC: Symbiosis

ABIOTIC: Symbiosis

So richtig schön oldschool ist nur das Cover. Ansonsten schwankt Symbiosis munter zwischen komplexen Rhythmen, technischer Gitarrenarbeit und neumodischen Screams am Mikro, die sich mit klassischen Death-Growls duellieren. Metamorphilia fasst die Essenz ABIOTICs direkt zum Auftakt zusammen: Eine Rhythmusfraktion, die es zu  entschlüsseln gilt, baut ein anspruchsvolles Fundament für die enorm technisch geprägten Riffs, bis ein schier wahnsinnig gewordenes Schlagzeug gegen Ende alles niederprügelt – Blastbeat inklusive. Leichte Kost ist das trotz des minimalen Oldschool-Flairs, das nicht in der Produktion, aber in den mächtigen Growls mitschwingt, nicht. In seinem Kern ist das Debüt der Amerikaner nämlich das genaue Gegenteil: Knallharter Death Metal der Gegenwart, der sich für einen Blick über den Tellerrand nicht zu schade ist. Progressive Bassläufe in A Universal Plague und The Singe stehen genauso auf der Tagesordnung wie dezente MESHUGGAH-Einflüsse. Dazu noch eine Prise THE BLACK DAHLIA MURDER und heraus kommt der eigenwillige Mix, den das so passend betitelte Symbiosis darstellt.

Die im Prinzip spannende Mixtur als bahnbrechende Revolution des Death Metal zu verkaufen, wäre jedoch eine hinterlistige Masche. Erinnert sich noch jemand an den Deathcore-Hype um Bands wie WHITECHAPEL, THOSE WHO LIE BENEATH, SUICIDE SILENCE, ANIMA und wie sie alle heißen? Nun, zieht man die nervtötenden Beatdown-Orgien ab, dann sind ABIOTIC gar nicht so weit vom postmodernen Prügelsoundtrack entfernt. Breaks setzt es in Hegira und To Burgeon And Languish zuhauf, das unverständliche Gegurgel von Frontmann Ray Jimenez zielt auf größtmögliche Brutalität ab, das Riffgefrickel will nicht nur Finger, sondern am besten auch ordentlich Rippen brechen. Eingängige Uptempo-Schneisen Marke THE BLACK DAHLIA MURDER sind die Ausnahme und dienen – so ironisch es klingt – der Erholung.

Die wäre bitter nötig, kommt auf Symbiosis allerdings viel zu kurz. ABIOTIC schaffen es nicht, in den 43 Minuten für genügend Dynamik und vor allem Abwechslung zu sorgen. Spätestens in der zweiten Hälfte macht sich die Abwesenheit erfrischender Kniffe bemerkbar; ein Instrumentalstück wie Conquest Of Gliese ist bereits das höchste der Gefühle. Im Kopf bleibt Symbiosis genauso wenig, wie ABIOTIC mit diesem Einstand das Feld von hinten aufrollen werden. Mit falscher Erwartungshaltung aufgrund des Frontcovers hat das übrigens nichts zu tun. Oldschool hin oder her, auch modernster Death Metal sollte mehr auf dem Kasten haben, als den Aufnahmepegel für eine Dreiviertelstunde auf dem Maximalwert zu halten. Das kurze, dezent angejazzte Intermezzo in Exitus mit anschließender MESHUGGAH-Hommage ist gut gemeint, für ein komplettes Album aber eine lausige Ausbeute.

Veröffentlichungstermin: 19.10.2012

Spielzeit: 43:11 Min.

Line-Up:
Ray Jimenez – Vocals
Johnathan Matos – Guitar
Matt Mendez – Guitar
Alex Vazquez – Bass
Andres Hurtado – Drums
Label: Metal Blade

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/Abioticfl

Tracklist:
01. Metamorphilia
02. Vermosapien
03. A Universal Plague
04. To Burgeon and Languish
05. Hegira
06. Conquest of Gliese
07. The Singe
08. Exitus
09. Facades
10. The Graze of Locusts

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