MERCILESS: Live Obsession (DVD)

Thrash Metal, der einem heute wie aus einer lange vergessenen Zeit vorkommt.

Nach ihrem Comeback-Album ziehen die schwedischen Thrasher von MERCILESS die Multimedia-Schublade auf und präsentieren mit Live Obsession eine Doppel-DVD, die neben einem Gig vom 27.05.2003 in Stockholm eine Bonus DVD bietet. Diese bringt auf 45 Minuten die übliche Mischung aus Live Material (Ausschnitte vom 2003er Hultsfred-Festival-Gig), Backstage Aufnahmen, einigen Interviewsequenzen, Musikvideos, eine Fotogalerie plus Diskografie. Da die Stockholmer Live DVD es ebenfalls nur auf 55 Minuten bringt fragt man sich natürlich, warum 100 Minuten auf 2 DVD verteilt werden müssen. Immerhin sind die Spielzeiten auf dem Cover angegeben, so dass Kaufwütige sich vorher informieren können.

Ob das allerdings all zu viele sein werden, wage ich zu bezweifeln, da Anhänger teutonischen Thrash Metal Sounds a la KREATOR oder DESTRUCTION inzwischen ohnehin eher rar gesät sind. MERCILESS bringen bei ihrem Mitschnitt einen Mix aus älteren Songs und einigen neueren Stücken, wobei das Publikum naturgemäß eher bei den Old-School-Granaten wie „Branded By Sunlight“ richtig mitgeht. Wobei die Kulisse einen agileren Eindruck macht als die Band selbst, es wird in den ersten Reihen gebangt was das Zeug hält, während MERCILESS auf der Bühne einen ziemlich zurückgenommenen Eindruck machen und erst im Laufe der Show nach und nach auftauen.

Trotzdem knüppeln die Skandinavier sich energisch durch die sehr gut ausgewählten Songs und bieten einen ordentlichen Gegenwert für die investierten Euro. Da die ganze Sache akustisch eigentlich spektakulärer ist als optisch, könnte man sich Live Obsession im übrigen auch sehr gut als CD vorstellen. Für Alt-Thrasher oder Fans von gemäßigtem Death Metal bieten die DVDs eine sehr gute Bild- und Tonqualität, offerieren knapp zwei Stunden flotten Thrash Metal, der einem heute wie aus einer lange vergessenen Zeit vorkommt und können mühelos mit anderen wiedererweckten Bands mithalten. Kann man kaufen, obwohl man sich manchmal wünschen würde, dass sich die Promoter mit den Begriffen „Kult“ und „Legende“ etwas zurückhalten würden. Nicht jeder, der vor 10 plus x Jahren eine ordentliche Veröffentlichung vorzuweisen hatte, ist damit automatisch mit dem Legendenstatus belegt.