ANVIL: The Story Of Anvil [Filmkritik Kino]

ANVIL: The Story Of Anvil [Filmkritik Kino]

Um es mal mit den Worten eines Klassikers unter den Werbespots zu sagen: Die Geschichte von ANVIL ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Mit Metal On Metal und insbesondere dem meiner Meinung nach noch deutlich stärkeren Nachfolger Forged In Fire lieferten die Kanadier mindestens zwei saustarke Alben ab. Trotzdem sind ANVIL nie in den Status der großen Speed und Thrash-Legenden aufgestiegen und um genau zu sein haben sogar die meisten Bands aus der zweiten Reihe mehr gerissen als die Herren um Steve Lips Kudlow und seinen Jugendfreund und Drummer Robb Reiner.

Warum das so ist? Schaut euch einfach mal The Story Of Anvil an und ihr ahnt wieso. Los geht es im Jahr 1984. Im Sommer 1984 tourten einige der größten Bands durch Japan. SCORPIONS, WHITESNAKE, BON JOVI. Alle verkauften danach Millionen von Platten. Bis auf eine… ANVIL.

Diese Einleitung zum Film trifft es auf den Kopf. Danach kommen einige Promis wie Slash, Scott Ian, Tom Araya, Lemmy oder dieser Tennisspieler, der später bei METALLICA getrommelt hat, zu Wort und haben nur positives über ANVIL zu sagen. Keiner versteht, wieso die Jungs es nie geschafft haben. Nur Lemmy sagt etwas, das vielleicht auch eine Erklärung liefern könnte: Es ist es egal wie gut du bist, wenn du nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, kannst du es vergessen. Vielleicht waren ANVIL einfach nicht zur rechten Zeit am rechten Ort?

Aber auch wenn viele Berühmtheiten der Metal-Szene nur gutes über ANVIL zu berichten wissen. Glaubt ihr ernsthaft, dass Slash die komplette ANVIL-Diskographie zu Hause hat? Oder Lemmy? Sagen kann man viel. Auch ich habe mich mal – bei uns im Team – um einige Statements zu ANVIL bemüht. Das ist dabei raus gekommen:

Cut Loose, School Love, Metal On Metal und 666 sind für mich Metal-Klassiker und werden es auch in Zukunft bleiben! (Metalmonster)

Wer zur Hölle sind ANVIL? (Schaffi)

Kenne die Band nur vom Namen her (Angel Of Despair)

Ich kann zu der Band leider nicht wirklich was sagen, sorry… (Captain Chaos)

Ich kenne zwar ANVIL, fand und finde sie ziemlich öde, sorry… (Psycho)

Immerhin haben sie mit Metal On Metal ´82 ungefähr die Aufbruchstimmung nach Kanada gebracht wie Judas Priest 1980 es mit British Steel hier in Europa schafften. Was Kanada betrifft waren sie ganz klar Pioniere des Metals. (Slow Frank)

War nie großer ANVIL-Fan, übe jetzt aber und werde einer werden (Ulle)

Konnte mit denen früher auch schon nicht wirklich was anfangen. (boxhamster)

School Love ist einer meiner Lieblingssongs und motiviert mich dazu, Teenager zu unterrichten. (Arlette)

Musikalisch maßlos überbewertet; furchtbar eindimensional und auch nicht leidenschaftlicher als viele andere Metal-Bands. (Jutze)

Kommen wir aber zurück zum Film. Dieser zeigt Lips bei der Arbeit in Toronto. Man merkt, dass er den Glauben, es mit ANVIL noch mal schaffen zu können auch mit fünfzig noch nicht komplett verloren hat. Das ist es, was ihn über Wasser hält. Es ist traurig zu sehen, dass jemand, der über zwei Jahrzehnte mit seiner Band durchgehalten und immer Alben veröffentlicht hat in so armen Verhältnissen lebt wie Lips.

  Es kommen neben Lips und Robb Reiner auch viele Leute aus deren familiären Umfeld zu Wort. Lips Mutter und Geschwister, die Frauen der beiden sowie Lips Kinder. Man sieht Robb in seinem Haus, er erzählt von seinem Hobby, der Malerei. Das alles zeigt ein Bild von Musikern, die so bodenständig sind wie nur was. Und das trotz der Tatsache, dass selbst ihre Mitmusiker noch darüber berichten, dass sie total begeistert waren, als sie bei ANVIL einsteigen konnten.

  Dieser Film ist eine wirklich tragische Geschichte. Los geht es mit einer schlecht organisierten und dementsprechend desaströsen Europatour, deren Tiefpunkt sicher ein Festival-Auftritt in Rumänien ist, wo ANVIL in einer 10.000er Halle vor genau 174 Fans spielen. Oder die Episode in Prag, wo ANVIL zwei Stunden zu spät kommen und daraufhin nicht bezahlt werden sollen, was Lips dazu veranlasst auf den Veranstalter los zu gehen. Ich war vor zwei Jahren mit zwei Freunden in Prag und wir waren mehrere Abende im Hell´s Bell´s, dem Laden in dem ANVIL hier spielten. Einmal haben wir den Besitzer gefragt, ob hier auch Konzerte stattfinden worauf dieser mit ziemlich angenervten Gesicht antwortete: Nicht mehr!. Jetzt weiß ich auch warum. Die Tour endet mit einer heulenden und völlig überforderten Managerin, die sicher nur das beste wollte, und einer sichtlich verzweifelten Band. 

Als nächstes geht es an die Aufnahmen des neuen Albums This Is Thirteen. Lips realisiert, dass das Problem der meisten ANVIL-Alben der bescheidene Sound war und beschließt, bei Chris Tsangarides, dem Produzenten der ersten ANVIL-Scheiben und diverser Metal-Meilensteine, anzufragen.

Und tatsächlich machen ANVIL sich auf den Weg nach Dover um dort mit Chris This Is Thriteen aufzunehmen. Das Geld für die Produktion leiht sich Lips von seiner älteren Schwester. Zwar geraten Lips und Robb während der Aufnahmen wieder mal aneinander und Lips schmeißt ihn kurzfristig raus doch in einer emotionalen Aussprache berappeln sich die beiden wieder und letztendlich ist das Album im Kasten. Nun gilt es ein Label zu finden. Lips geht selber bei den Plattenfirmen vorbei und liefert die CD dort ab aber niemand hat Interesse daran, ANVIL zu signen, also entschließt die Band, das Album im Eigenvertrieb heraus zu bringen. 

  Am Ende erhält Lips eine Anruf: ANVIL sollen beim LOUDPARK FESTIVAL in Japan auftreten. Doch als die Band eintrifft und erfährt, dass sie um halb zwölf ran muss, befürchtet Lips, dass ANVIL wieder vor einer leere Halle spielen. Die Halle fasst 20.000 Leute, Erinnerungen an Rumänien werden wach, doch letztendlich wird alles gut, die Halle ist voll und ANVIL werden abgefeiert. Ein versöhnliches, gutes Ende für einen Film, der die wenigen Höhen und vielen, vielen Tiefen einer Band aufzeigt, die einem spätestens nach diesem Film nur sympathisch sein und irgendwie leid tun kann. Doch ANVIL gebührt vor allem auch Respekt, dass sie trotz all der Widrigkeiten jetzt schon über drei Dekaden durchgehalten haben. The Story Of Anvil ist eine wunderbare, emotionale, ungeschönte Dokumentation über eine Band, aber vor allem auch über zwei Menschen, die ihren Traum vom Rock´n´Roll-Ruhm niemals aufgegeben haben. Diesen Film sollte JEDER Metalhead gesehen haben und danach am besten ein paar ANVIL-CDs kaufen! Im März kommt der Film auch in Deutschland ins Kino – laßt euch das auf keinen Fall entgehen!

Veröffentlichungstermin: 11.03.2010

Spielzeit: 80:00 Min.

Homepage: http://www.anvilmetal.com

MySpace: http://www.myspace.com/anvilmetal

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.