SUMMER BREEZE OPEN AIR 2003: Der Festivalbericht

SUMMER BREEZE OPEN AIR 2003: Der Festivalbericht

Das Festival

Donnerstag, 21.08.2003

Napalm Death | Rage | Pungent Stench | The Kovenant

Freitag, 22.08.2003

Thunderstorm | Hypnos | Heaven Shall Burn | Farmer Boys | Disbelief | Amon Amarth | Naglfar | Die Apokalyptischen Reiter | Children of bodom | Amorphis | Finntroll

Samstag, 23.08.2003

The Armada | Darkseed | Dew-Scented | Callenish Circle | God Dethroned | Undertow | End of Green | Hollenthon | The Crown | In Flames

Das Festival

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Für viele Metalfans ist das SUMMER BREEZE inzwischen so etwas wie der traditionelle Abschluss des alljährlichen Festivalsommers geworden und dementsprechend bietet es sich eigentlich an, die letzten Kräfte nochmals zusammen zu nehmen und die Party zu Ende zu bringen. Von Ermüdungserscheinungen konnte man bislang aber noch nie was spüren und das war auch beim diesjährigen Event in Abtsgmünd nicht anders. Ich mein über 20.000 zahlende Besucher auf zwei Tage verteilt sprechen für sich und alles war in bester Festivallaune.

Ein ganz eigenes Flair strahlt das Summer Breeze nach wie vor aus. Man weiß irgendwie nicht so recht, wo man das ganze ansiedeln soll, eigentlich muss das seit sieben Jahren bestehende Open Air im Jahr 2003 bereits zu den großen Veranstaltungen gezählt werden, auf der anderen Seite herrscht aber noch immer so etwas wie Festivaltipatmosphäre und am Ende des machbaren ist das SUMMER BREEZE ebenso ganz bestimmt noch nicht.

Dafür hat man dieses Jahr aber ganz klar die Grenze des Festivalgeländes erreicht und damit können wir dann auch gleich den großen Negativpunkt des Events abhandeln, der aber schon im Vorjahr angesprochen wurde: das Gelände war einfach zu voll und wenn man tatsächlich größere Zuschauerzahlen erreichen möchte darf dies auf keinen Fall an diesem Ort stattfinden. Denn mal vom persönlichen sich eingeengt fühlen abgesehen ist es fraglich, ob der als Notausgang vorgesehene Rettungsweg (man hat daran gedacht!) in einer Paniksituation ausreichend gewesen wäre. Aber auch so ist nach wie vor die Händlermeile direkt nach dem Eingang ein Engpass der immer wieder und vor allem Abends einfach nur genervt hat.

Ansonsten gibt es nicht viel auszusetzen, die Toilettensituationen waren in Ordnung (von fehlendem Klopapier auf den Festivalklos mal abgesehen), die Essenspreise lagen auf einem (für meinen Geschmack nach wie vor viel zu hohen) Festivaldurchschnittsniveau, die Security war angenehm zurückhaltend, organisatorisches lief zügig ab….also wirklich eine insgesamt gute Gesamtorganisation, was mit hervorragendem Wetter und zum größten Teil friedlichen Publikum (wie man hörte haben es anscheinend ja doch wieder ein paar Spinner mit Randaliererein übertrieben) belohnt wurde.

Bei der Bandauswahl sieht sich der Metalfan nach wie vor einer irgendwie eigenwilligen Zusammenstellung gegenüber, vom Black bis hin zum Melodic Metal ist einfach alles geboten, geschmacklich zeigt man sich generationenübergreifend und bietet eigentlich für jeden Metalfan was – ob Doom-Underground oder Pop-Metal-Größen – das Summer Breeze hat sie alle. Wenngleich das Billing dieses Jahr für einige Leute fast zu knüppellastig ausgefallen, zu Teilen aber beinah auch schon zu vorhersehbar geworden ist. So hat man bei bestimmten Bands inzwischen fast schon das Gefühl, dass sie sich sozusagen gar nicht mehr fürs Festival bewerben müssen und eh auf dem Line-Up stehen werden – bei der einen Band freut es einen, bei der anderen ist man einfach nur genervt. Genauso war so manche Bandabsage enttäuschend (PRIMORDIAL), dafür konnte man sich über die ein oder andere Ersatzband so richtig freuen (DISBELIEF) – insgesamt hielten sich die kurzfristigen Billingänderungen aber in Grenzen und zumindest gab es keine großen Umstellungen im Zeitplan.

Nach wie vor ein echter Spaß ist es, sich durch das kleine Örtchen Abtsgmünd zu bewegen und an jedem Hauseck irgend einen Metaller rumlungern zu sehen, im Einkaufsladen lauter verratzte Langhaarige zu treffen oder zu beobachten wie Gegenstände wie Autoputzanlagen dazu zweckentfremdet werden sich gegenseitig nässende Kühlung zu verschaffen. Was da wohl immer in den Köpfen der einheimischen Bevölkerung vor sich geht?

Das seltsame am SUMMER BREEZE ist aber, dass man eigentlich gar nicht so viel über das Festival erzählen kann. Letzten Endes ist es vom Ablauf her eben ein weiteres Festival und die Veranstalter machen ihre Sache wirklich gut. Man unterscheidet sich in dem was man bietet nicht wirklich von anderen Festivals – sowohl im positiven als auch negativen. Wem einige Bands zusagen, der wird auf diesem Festival auf seine vollen Kosten kommen und kann eine große Party feiern. Und das ist doch das eigentliche was zählt.

Donnerstag, 21. August 2003

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RAGE

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RAGE haben es in den letzten Jahren geschafft, ihren Stil zu verfeinern, ja zu perfektionieren. Wo gerade viele deutsche traditionelle Metal-Bands eine lasche Kopie von irgendwas sind, sind RAGE originell und schaffen es, sich in ihrem Mikrokosmos nicht im Kreis zu drehen. Und so setzten Peavy, Victor Smolksi und Mike Terrana das erste Glanzlicht in der Anfangsphase des diesjährigen Summer Breeze-Festivals. Ganz ehrlich, als Smolski und Terrana vor ein paar Jahren in die Band kamen, dachte ich sofort an diesen hässlichen Projektcharakter, an kalkulierte spielerische Klasse mit wenig Herz. Nix da! Nach diesen 60 Live-Minuten auf der Hauptbühne war klar, daß RAGE in dieser Dreierbesetzung für Spaß und Spielfreude stehen. Zudem schwingt Teamgeist mit. Das machte Songs wie das wuchtige „From The Cradle To The Grave“, ein Medley aus „Solitary Man und „Black In Mind“ oder „War Of Worlds“, einen Reinschmecker in das inzwischen erschienene neue Album „Soundchaser“, mit Nachdruck zu bester Unterhaltung. Am Schluss gab’s „Higher Than The Sky“ … und der ganze Betonplatz sang mit. Eine feine Band! (Frank Meitzler)

NAPALM DEATH

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Ist ja nichts Neues, wenn die englischen Grindcore-Götter mal wieder nur zu viert auf einer Bühne stehen, dennoch vermisst man immer das fehlende Bandmitglied ganz arg. Jesse Pintado war verschwunden, was zur Folge hatte, dass der eh schon matschige Sound noch viel schlechter wurde. NAPALM DEATH mit nur einer Gitarre, das ist ist nicht so schlimm wie ohne Barney oder Danny Hererra, aber dennoch nervig. Apropos: Die beiden waren die wohl verrücktesten Typen überhaupt, denn Barney konnte auf der riesigen Main Stage so richtig rumhüpfen, laufen und Ärsche treten und der kleine, unscheinbare Drummer scheint sich von Konzert zu Konzert um 100 % zu steigern – und ich habe diese Band schon wirklich oft gesehen. Die Songauswahl war fast göttlich, von Order of the Leech und Enemy of the Music Business konnte man so einiges saugen und auch ihr Götter-Albem Harmony Corruption wurde mit Vision Conquest (jaaaaaa wirklich!!!!) und dem obligatorischem Suffer the Children gewürdigt. Dazu noch die Hits Mass Appeal Madness Scum, Siege of Power und Nazi Punks Fuck Off lieferten zusammen mit den ein paar groovigeren Songs von Words From the Exit Wound den richtigen Stoff für die Harten ab, die sehr zahlreich erschienen waren und die bewegungsfreudige Band gehörig feierten. Nicht der beste Gig, den ich von ihnen gesehen habe, aber für die Umstände und für diese Brutalität kann man nicht anders als sich das Genick voller Freude brechen. (Captain Chaos)

PUNGENT STENCH

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PUNGENT STENCH spielen genau genommen überall dasselbe. Mich stört das wenig. Auch die Tatsache, dass sich das Alpentrio nahezu ausschließlich auf alten, gammeligen Lorbeeren ausruht, ist nicht weiter schlimm. Klyster Boogie, True Life, Shrunken and Mumified Bitch oder das Deadly Medley mit alten Klassikern stinken noch genauso wie vor über einem Jahrzehnt – und genau das will der PUNGENT STENCH Fan doch haben. So war es auch nicht verwunderlich, dass For God your soul… vom Publikum lautstark mit der Forderung …For Me Your Flesh beantwortet wurde. Ansagen mit Öschi-Charme-Bonus, gestählte Körper mit wenig Textilien – wer mit Überraschungen rechnete, hatte sich verkalkuliert. PUNGENT STENCH spulten ihr übliches Programm ab, doch das machen sie mittlerweile so gut, dass sich keiner beschweren kann. La Bamba passt zwar so gar nicht zum Konzept der Band, aber lustig ist die PUNGENT STENCH-Variante des Strandgammelsongs allemal – und dass die Herren einen ausgesprochen schrägen Sinn für Humor haben, dürfte bekannt sein. Martin Schirenc war an diesem Abend etwas wortkarg, und viel Bewegung herrschte auch nicht auf der Bühne – ersteres ist schade, denn wenn der Mann aufdreht, wird es richtig witzig. Zweiteres kennt man – und deshalb störte die etwas statische Show auch nicht weiter auf der Zeitreise zurück in die blutbesudelten Jugendtage des Deathmetals. (vampi)

THE KOVENANT

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Als letzte Band des Donnerstags sorgten THE KOVENANT nicht gerade für die Stimmung, die sie sich wohl erhofft hatten. Das Material der guten Studio-Scheiben war live dürftig, die Band war unmotiviert, spielte aber coole Songs von Animatrionic (New World Order, The Human Abstract) und einschläfernde Songs von SETI (Star by Star, Via Negativa). Punkte wurden war noch für Hollow Earth, dem besten Song des neuen Albums und Chariots of Thunder, dem einzigen Nexus Polaris-Track gesammelt, aber dennoch mussten Lex Icon, Psy Coma und die anderen Jungs eine herbe Niederlagen einstecken. Stoned sollte man halt nicht auf einer Bühne erscheinen und singen sollte man halt auch können. Das DEFTONES-Syndrom? Die haben live die gleichen Probleme, aber die besseren Songs. Demnach wars nichts, selbst wenn die ersten Reihen gut hüpften. (Captain Chaos)

Freitag, 22. August 2003

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THUNDERSTORM

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THUNDERSTORM hatten auf dem Summer Breeze eindeutig nicht ihren besten Tag, das muss man schon ganz objektiv sagen. Dabei will ich nicht mal so sehr die Vermutung in den Vordergrund rücken, dass die Italien-Doomer eher eine Club- als eine Festivalband sind und im Scheinwerferlicht einer kleinen Bühnen einfach intensiver wirken als auf den Brettern eines Open Airs im strahlenden Sonnenlicht. Das Trio an sich war nicht so richtig in Form was den eingefleischten Fans den Spaß aber nicht verderben konnte. Viel Leute hatten sich allerdings auch nicht gerade vor der Painstage eingefunden, vielmehr sah man erneut das treue Doom-Publikum zum Sound von THUNDERSTORM den Doomdance zelebrieren – irgendwie war es ja zu erwarten und gleichzeitig fühlte man sich dennoch wohl dabei. Dabei taten die Italiener alles um die Blicke der Leute auf sich zu ziehen, was schon mit dem auffälligen Bühnenoutfit begann, Omar in einem leichten Priestergewand, Fabio Thunder mit lila-schwarzem Samtjäckchen…irgendwie hatte es was…ja….typsich italienisches…. zudem sah man Sänger und Gitarrist Fabio stets in Bewegung (was dann auch mal zur Folge hatte dass er sich selbst die Gitarre ausstöpselte) und den Bassisten grinsen wie ein Honigkuchenpferd als ob er ständig das Lachen über einen kurz zuvor gehörten Witz verkneifen müsste. Von einigen Stellen abgesehen wollte sich das Fehlen der zweiten Gitarre zum Glück nicht wirklich bemerkbar machen und man muss Fabio absolut zugestehen dass er die entstandene Lücke hervorragend füllt und der Sound zu dritt um einiges roher rüber kommt als es zuvor der Fall war. Eine halbe Stunde Spielzeit ist für eine Truppe wie THUNDERSTORM mit derart treuen Anhängern jedoch eindeutig zu wenig und so verging die Zeit wie nix. Mit Inside Me fand man den hervorragenden Einstieg mit dem THUNDERSTORM ordentlich Power gaben und für eine Doom-Truppe sind THUNDERSTORM einfach verdammt bewegungsfreudig und als Omar einige Songs später das Drumpodest erklamm um dann zunächst ordentlich mit seinem Bass zu posen und dann den Sprung von der Erhöhung wagte schien es fast, als hätte er sich damit einen kleinen Traum vom Rockstarsein erfüllt. Vom Rockstartum sind THUNDERSTORM aber noch immer weit entfernt und nach wie vor sympathisch und voller Ehrlichkeit wurden dann auch Star Secret, Parallel Universe und Witchunter Tales dargebracht um mit Time den Set auch schon zu beenden. Ein gelungener Auftritt wenn auch nur für eine kleine Schar, und vor allem stimmlich hat man die Band schon besser erlebt. (Fierce)

HYPNOS

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An Death Metal-Bands mangelte es nicht direkt auf dem Summer Breeze, da hätte man sich – hart ausgedrückt – HYPNOS gerne schenken können. Die Tschechen waren noch nie Faves von mir und ich habe sie dieses Jahr bereits einmal live verrissen. Und jetzt nochmal? Ja, denn ihr Death Metal ist nicht gerade das, was man als essentiell betrachten muss – schlimmer noch: Mich hat es gelangweilt. Dieses mal bei Tageslicht, wo man nicht wirkungsvoll böse posen kann und mit einem durchwachsenen Sound… Auch das Material ist nicht gerade das, was man als Sahne bezeichnen könnte: Geblaste, ohne Sinn und Verstand, ein paar nette groovige Einsprengsel, die ihre Songs gerade noch retten können lieferten die steif wie ein Brett agierenden HYPNOS ab. Dennoch sprang ein Funke über und das Publikum zog sich gerne mal die Bangwurst rein und spendierte einen dicken Applaus. Unverständlich, aber meinetwegen. (Captain Chaos)

HEAVEN SHALL BURN

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Metalcore-Alarm! Endlich! Die Thüringer HEAVEN SHALL BURN standen auch schon lange auf der Liste der Bands, die ich unbedingt mal sehen wollte. Und sie enttäuschten mich nicht, dieses fette Brett ging ab, dass ich mich nicht mehr so recht halten konnte und wie ein Irrer mitbangte. Kein Wunder, die Musiker, allen voran Sänger Marcus wusste sich zu bewegen und das Publikum zu animieren. Doch das reagierte gespalten, schließlich sind drei der Musiker ja kurzhaarig! Schlimm! Dennoch waren die Meisten, die noch nie von dieser Band gehört hatten begeistert. Ihre thrashigen Moshattaken und die Hardcore-Grooves gingen sofort ins Blut. Das Material bestand größtenteils aus Songs des vergangenen Album Whatever it May Take und des bald erscheinenden neuen Albums Antigone wodurch eine bedeutende Weiterentwicklung klar wurde. Zeit wird´s, dass die Jungs endlich so richtig durchstarten! Ihr Auftritt beim Summer Breeze war trotz der zweischneidigen Publikumsreaktionen der richtige Schritt. (Captain Chaos)

FARMER BOYS

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Irgendwie schade, dass sich die Halbwertszeit einiger Bands über die Jahre hinweg als äußerst gering herausstellt. Ich weiß noch, wie begeistert ich vom Debüt der Bauernjungs aus dem Schwäbischen war, nachdem sie lange Zeit im Untergrund der heißeste Geheimtipp gewesen waren und bereits etliche denkwürdige Gigs hinter sich hatten, als Countrified herauskam. Farm Sweet Farm war Dauergast auf meinen Autofahrkassetten, und Never Let Me Down again war für mich bestes Beispiel für eine gelungene DEPECHE MODE-Coverversion. Diese beiden Songs kamen auch auf dem Summer Breeze zum Einsatz und bildeten die Höhepunkte eines Auftritts, der ansonsten deutlich machte, dass den jugendlichen Landwirten in der Zwischenzeit der Sprung auf´s nächste Level misslungen ist. Das Feuer, die Leidenschaft, die Hingabe – all das machte die ersten FARMER BOYS-Konzerte zu etwas speziellem, mit dem sie selbst als Vorband von MY DYING BRIDE punkten konnten, doch inzwischen scheinen ihnen diese Eigenschaften abhanden gekommen zu sein. Klar, die Jungs haben ihr Rezept nicht grundlegend geändert, aber den Tracks neueren Datums haftet nichts Spektakuläres mehr an. Nicht gerade sicher wirkte zudem Sänger Matthias im Umgang mit dem Metalpublikum, erst seine Aufforderung zu VfB-Stuttgart-Sprechchören konnten die Meute vor der Bühne größtenteils auf seine Seite ziehen. Anders als der Verein befinden sich die FARMER BOYS allerdings in kritischer Abstiegsgefahr. Die Musikszene hat sich weiterentwickelt, und was vor ein paar Jahren noch spannend und neu war, ist heute nur noch ein lascher Aufguss. Analog dazu war der Gig der FARMER BOYS nichts anderes als ein musikalischer Schatten früherer Glanztaten. Manchmal ändern sich die Zeiten auf brutale Weise schnell. (Rachendrachen)

DISBELIEF

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Die schönste Überraschung des Summer Breeze war für mich eindeutig, dass nach dem Abgang von VINTERSORG die Darmstädter DISBELIEF verpflichtet wurden und eine der besten Shows hinlegten, die ich von ihnen bislang gesehen habe. Mit dem Opener des neuen Albums Spreading the Rage (hier geht’s zum Vorab-Bericht) namens Ethic Instinct fegte der Fünfer über die Bühne und lockte zahlreiche Besucher an. Die Band spornte es an und gab einen intensiven Gig zum Besten, der sich gewaschen hatte. No Control, Follow, Misery, To the Sky, das ebenfalls auf dem neuen Album vertreten ist und sogar den Worst Enemy-Klassiker Living Wreck packten die Hessen aus und spielten sauber, tight mit ihrem typischen Synchronbanging und brachten das Material, einmal mehr durch Jagger, der jetzt entgültig als einer der besten Frontmänner dieser Tage durchgeht, sehr intensiv rüber. Die vor der Bühne moshende Meute feierte die Band nach allen Regeln der Kunst ab und kauft sich hoffentlich am 20. Oktober ihr neues Album, denn hier ist wirklich allen das Wasser im Mund zusammen gelaufen. (Captain Chaos)

AMON AMARTH

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AMON AMARTH sind live auch dann besser als viele andere Bands, wenn sie einen schlechten Tag haben. Auf dem Summer Breeze hatten die Schweden einen schlechten Tag. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der Sound auf der Bühne genauso übel war wie davor – denn ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass AMON AMARTH plötzlich ihre eigenen Songs verlernt haben. Es hakte an einigen Stellen, und manchmal konnte man wirklich nicht mehr von Timing sprechen. Vor der Bühne war der Sound alles andere als mächtig, die Gitarren zu laut, das Schlagzeug zu leise. Es war auch vollkommen egal, auf welcher Bühnenseite man stand, es war überall dürftig.

Die Schweden wirkten obendrein recht müde, von durchgehenden Propellerbanging war nicht viel zu sehen – auch wenn man dazusagen muss, dass sich die Wikinger immer noch mehr bewegt haben als viele andere Bands unter normalen Umständen.

Die ungünstigen Bedingungen konnten zwar den Spaß am Auftritt etwas schmälern, doch sie konnten nicht die Songs versauen. Kracher wie The Sound Of Eight Hooves, Bloodshed oder Versus The World sind quasi für Liveauftritte geschrieben. Die Bandhymne Victorious March durfte natürlich nicht fehlen – doch insgesamt war der Auftritt ein eher lahmer Triumphzug verglichen mit dem Bang Your Head oder den Clubgigs der letzten Zeit. Wie auch immer, der Großteil des Publikums hatte trotzdem Spaß, auch wenn die Band bedeutend weniger gefeiert wurde als sonst. Auch Wikinger haben eben mal einen schlechten Tag… (vampi)

NAGLFAR

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NAGLFAR bei Tageslicht – da war ich wirklich gespannt, ob das funktioniert. Die Atmosphäre des Auftritts beim Party.San Open Air, wo die Schweden zwei Wochen zuvor aufgetreten sind, wollte im Abtsgmünder Sonnenuntergang nicht aufkommen. Doch NAGLFAR konnten auch so überzeugen, schließlich hat die Band ein paar wirklich großartige Songs geschrieben und darüber hinaus steht mit Jens Rydén einer der charismatischsten Frontmänner der Extrem Metal Szene auf der Bühne. Mitreißendes Stageacting, Ausstrahlung und obendrein perfekte bösartig-bedrohliche Kreischvocals – dieser Mann zog wirklich alle Blicke auf sich.

Das letzte Album Sheol empfand ich zwar als ein klein wenig enttäuschend, doch live kommen die Song fieser und kälter rüber als auf CD; die majestätischen Melodien, die sich in den rasenden Songs verstecken, sorgen für den Wiedererkennungswert und heben NAGLFAR aus der Masse der skandinavischen Krachkombos. Das wusste auch das Publikum und so herrschte richtig viel Gedränge vor der PainStage, was die Band ein ums andere Mal ein untrues Lächeln übers Gesicht huschen ließ.

Überhaupt, NAGLFAR sind mir auch deshalb so sympathisch, weil sie sich nicht hinter aufgesetzter Bösartigkeit verstecken, sondern natürlich agieren. Genau diese Natürlichkeit in Kombination mit mitreißenden Songs wie Blades, As Twilight Gave Birth To The Night oder Wrath Of The Fallen gefiel den Fans dann auch so gut, dass NAGLFAR zu einer Zugabe auf die Bühne geholt wurden – mit Horncrowned Majestiy endete dann ein hervorragender Gig einer Band, die man viel zu selten zu Gesicht bekommt. Insgeheim hoffe ich, dass das so bleibt – denn so bleiben NAGLFAR Shows etwas Besonderes. Eines gibt es allerdings doch zu bemängeln: Ich hatte mich so auf The Brimstone Gate gefreut… gespielt wurde der Song aber nicht. (vampi)

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

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Es ist unglaublich, wie groß diese Band jetzt ist, nachdem sich vor zwei, drei Jahren noch nur der harte Kern für sie interessierte. Irgendwie ist es nicht verwunderlich, wenn die Reiter ihre Mitsinghymnen in die Menge werfen und Sänger Fuchs in seiner Aladin-Hose dazu rumhüpft, als wäre er ein Artist im russischen Staatszirkus. Genau diese Live-Präsenz ist es, durch die die REITER so sympathisch wirken. Auf CD kann ich mit den Thüringern so rein gar nichts anfangen, und auch live sind die Songs sehr anstrengend, doch der Funke springt bei ihren Shows irgendwie über. Ihre stiliste Bandbreite von Power, Death und Black Metal hat ihnen viele Freunde eingebracht und ihre Songs Metal Will Never Die, Terra Nola, Unter der Asche, Reitermania und We Will Never Die brachten auch hier die Meute zum kochen, die mitsang, unglaublich viel Spaß und nach 45 Minuten noch lange nicht genug hatte. (Captain Chaos)

CHILDREN OF BODOM

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Mit einer Verspätung von sage und schreibe 35 Minuten mussten die Fans der finnischen Kabatrinker kämpfen, bis sie schließlich, leicht entzürnt die Bühne enterten. Soundprobleme sind halt was Ekelhaftes. Jedenfalls waren CHILDREN OF BODOM dann auch mit ein paar Fuck mehr als sonst ausgestattet und fegten sich bei durchwachsenem Sound durch die Botanik. Bei dem gekürzten Set kamen aber immer noch die wichtigsten Songs vor: Silent Night, Bodom Night, Everytime I Die, Hatecrew Deathroll, Toward Dead End und Konsorten wurden ein wenig zu grantig runtergezockt, was zur Folge hatte, dass dieser Auftritt sehr überhastet wirkte. Da half auch das Stageacting des neuen Gitarristen nichts, der sich ziemlich ins Zeug hängte. Irgendwie fehlte das Feuer, aber das Publikum folgte im unmenschlichem Gedränge den Kids doch sehr gut. Bitte Alexi, lass Dein ständiges Fluchen sein, das kommt mehr peinlich als böse. Die vielen Fucks rechtfertigen auch nicht den schlechteste Auftritt, den ich von euch gesehen habe. (Captain Chaos)

AMORPHIS

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Heftige Diskussionen unten den vampster- und Radio Zosh Leuten löste der Auftritt von AMORPHIS aus. Die einen hätten vor Freude heulen können, andere wären am liebsten davongelaufen. Die Wahrheit und objektive Einschätzung dürfte wohl wie so oft in der Mitte liegen.

Während ich mein Glück angesichts der Setlist, die erstaunlich viele alte (wirklich alte!) Songs beinhaltete, kaum fassen konnte, beschwerten sich andere über Pasi Koskinens Gesangsleistung. Ich muss zugeben, so ganz sauber war der klare Gesang wirklich nicht, besonders bei Evil Inside klangen Pasis Stimmbänder ziemlich angegriffen. Dafür legte der Finne eine überragende Growl-Performance hin – was vielleicht zunächst überraschen mag. Berücksichtigt man aber, wie Herr Koskinnen bei SHAPE OF DESPAIR und AJATTARA ins Mirko röhrt, sollte klar sein, dass er auch die alten AMORPHIS Stücke, die entstanden sind, bevor er Mitglied der Band war, auf die Bühne bringen kann.

Die Setlist berücksichtige jedes Album der Diskographie und auch wenn Alben wie The Karelian Isthmus” und Far From The Sun anscheinend meilenweit voneinander entfernt scheinen, war dieser Auftritt doch in sich stimmig. Zwei Songs dürfen bei einem AMORPHIS Konzert nicht fehlen: My Kantele und Black Winter Day – beide wurden stürmisch verlangt – und ebenso gefeiert. Es ist egal, wie oft man My Kantele schon gesehen und gehört hat, dieser Song hat eine Gäsehautgarantie. Ich freute mich wahnsinnig über Grails Mysteries vom ersten Album, warum mit Evil Inside aber ausgerechnet mit der schwächste Song vom aktuellen Album auf der Setlist stand, war mir schleierhaft. AMORPHIS waren und sind eine Band, deren Musik sich immer gewandelt hat. Allerdings vergessen AMORPHIS nicht wie viele andere Bands, wo ihre Wurzeln sind – das machte dieser Auftritt mehr als deutlich. Und auch wenn die Band selbst eher unnahbar wirkte, sollte eigentlich jeder bemerkt haben, wie viel Herzblut in dieser Musik steckt. Egal, ob nun Death Metal mit Melodie oder melancholische Rocknummer – AMORPHIS spielen nicht nur ihre Songs runter. Sie verzichten zwar meist auf die klassischen Rockerposen, wirken aber gerade deshalb so natürlich. Ein sehr, sehr schöner Auftritt mit einer ganz besonderen Atmosphäre. (vampi)

FINNTROLL

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Die Finnen waren an diesem Abend wirklich arm dran – ihr Flieger hob nicht planmäßig ab und obendrein gingen die Instrumente irgendwo zwischen Finnland und Deutschland verloren. Irgendwie konnte dann doch noch alles geregelt werden und FINNTROLL wurden von einem fanatischen Publikum für den ganzen Stress entschädigt. Der Sänger und auch der Rest der Band waren wirklich gerührt, als sie sahen, wie viele treue Anhänger sich in den ersten Reihen drängelten – teilweise wurden die Fans dann auch gleich persönlich begrüßt. Musikalisch gingen die Trolle erstaunlich ruppig zur Sache, von Humppa war nicht allzu viel zu spüren.

Jaktens Tid Midnattens Widunder, Rivader, Bastuvisan – allesamt in leicht abgewandelter, weniger trollischen Versionen. Wer FINNTROLL auf dem Summer Breeze vor zwei Jahren gesehen hatte, wurde 2003 mit einer vollkommen anderen Band konfrontiert. Statt fellbehängter Musiker gab es heuer eine (fast) normale Band zu sehen, lediglich die Ansagen erinnerten an den Troll-Tick der Skandinavier. Insgesamt gesehen, war es wirklich interessant, FINNTROLL ohne das ganze Drumherum zu sehen. Wer allerdings auf eine Humppa Party gehofft hatte, dürfte etwas enttäuscht gewesen sein. FINNTROLL waren gut, die Songs sind sowieso gut und vor allem eigenständig und so kam nach anfänglicher Irritation dann doch noch Stimmung auf – die Rumpelwichte auf der Bühne taten jedenfalls alles, um das treue Publikum zufrieden zu stellen. Und die Song funktionieren auch in handgemachter Fassung ohne viel Samples und Gedöns – was zweifelsohne für die Titel und die Band spricht. Auf der Setlist stand auch ein neuer Song, der nicht weiter aus dem Rahmen fiel – da mir das Konzert aber durch die unglücklichen Umstände eher als FINNTROLL-untypisch erschien, lässt sich halt schwer sagen, ob der neue Song weiter auf der Humppa-Schiene fährt oder ob die Trolle mittlerweile etwas vereinfacht zu Werke gehen. (vampi)

Samstag, 23. August 2003

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THE ARMADA

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Auch THE ARMADA gehörten zu den Bands die sich einem Problem dass sich zu viele Leute vor der Bühne sammelten nicht stellen mussten. Vielleicht grade mal 50 Hansel hatten sich zu diesem ja eigentlich gar nicht mehr so frühen Tageszeit vor der Painstage eingefunden, was die Jungs aber nicht davon abhielt eine ordentliche Show auf die Bühne zu legen. So richtig einzuordnen wusste ich diese Truppe bislang noch nicht so richtig, angesichts des Alters der Bandmitglieder und der Bereitschaft auch vor einer kleinen Menge alles zu geben zeigte aber, dass diese Musiker an das was sie machen glauben und dies auch mit Leidenschaft tun. Zu Schade nur, dass es THE ARMADE kompositorisch einfach nicht so richtig schaffen aus der Masse herauszuragen und so ist damit zu rechnen dass die Band weiterhin ein Dasein im Underground fristen wird. Da hilft es auch nur wenig dass die Band so richtig professionell zu Werke geht und das 1 x 1 des Heavy-Metal-Stageactings aus dem FF beherrscht – es fehlt einfach das gewisse Etwas für größere Heldentaten auch wenn Sänger Dirk Schäffner z.B. durchaus das Profil und die Ausstrahlung besitzt um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Bühnenerfahrung ist sehr viel wert aber dennoch nicht alles. Begeistern konnte man die wenigen anwesenden dennoch und wer auf soliden und besseren melodischen Metal steht, der bekommt das von THE ARMADA ja auch geliefert…aber halt do(Fierce)

DARKSEED

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Die Freude, endlich die Band zu sehen, die mit ihren ersten Alben selbst unseren Thrashomaniac Psycho dazu brachte, Gothicmetal zu hören, wich leider der Einsicht, dass der schwächere Eindruck der letzteren Scheiben sich bestätigte. Das kann mit der seichten Songauswahl begründet werden, mag aber auch an der in Anbetracht der langen Bestehenszeit eher geringen Liveerfahrung der Münchner liegen. Jedenfalls wollte zumindest auf mich der Funke nicht überspringen. Als endlich mit Self-Pity Sick der erste und einzige alte Songs des Nachmittags erscholl, war die Enttäuschung über eine zu konventionelle, spannungsarme Performance und die laschen Gothicrock-Kompositionen der neueren Tage bereits zu groß, um sich noch wirklich über den rauen Kracher zu freuen. Vielmehr machte sich Wehmut breit, dass der Kurs der Anfangstage nicht konsequent weiterverfolgt und –entwickelt worden war, denn müde Gothrockkamellen gibt es mittlerweile sogar bei Bravo TV, während DARKSEED sich zu Anfang eine eigene ausbaufähige Nische gesichert hatten. Mit diesem Auftritt haben sich DARKSEED keinen Gefallen getan. (Rachendrachen)

DEW-SCENTED

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Nach dem ich mir fest vorgenommen hatte, DESASTER anzusehen und diesen Vorsatz schon während des ersten, extrem grausigen Song gebrochen habe, freute ich mich umso mehr auf DEW-SCENTED. Das deutsche Flagschiff des modernen Thrash Metals, das trotzdem nach SLAYER klingt setzte zu einem alles vernichtenden Schlag an und prügelte alles in Grund und Boden. Mit technischer Präzision, die denen der Anatomie-Studenten beim Meucheln im gleichnamnigen Film gilt, legten Leif und seine Rasselbande mit Bitter Conflict los und beeindruckten mich nachhaltig. Kopfschütteln bis zum Umfallen auf der Bühne in der prallen Mittagshitze, das soll den Jungs erstmal einer nachmachen, vor allem wenn sich beide Gitarristen in 75 % der Fälle gleichzeitig die Haare schmissig zurückwerfen (da hab ich aufgepasst!). Dafür, das DEW-SCENTED auf der Bühne standen kam mir die Beteiligung an aktiven Zuhörern sehr wenig vor, aber dennoch flogen so einige Matten. Schade eigentlich, denn wenn eine derart motivierte Band Songs wie Soul Poison, Acts of Rage und Inwards zu einer halben Stunde Lehrbuch-Thrash-Manifest verbindet sollte die Erde vor lauter Divern beben. Verneigung vor einer derart sauberen und professionellen Band. Danke. (Captain Chaos)

In glühender Sonne spielten DEW-SCENTED und erstaunlich viele schwitzende Menschen fanden den Weg vor die Mainstage. Wir auch, allerdings etwas zu spät – was mich umso mehr ärgerte, als ich sah, wie viel Einsatz und Spielfreude die Band wieder einmal an den (wirklich heißen) Tag legte. Da das neue Album noch nicht veröffentlicht war, konzentrierten sich die Thrasher eher auf Songs vom Vorgängeralbum Inwards.

DEW-SCENTED haben mittlerweile sehr, sehr viel Routine – live gehören sie ohne Zweifel zu den ganz Großen. Und auch wenn alles bis ins Detail sitzt, wirkt die Band immer so sympathisch und fannah, dass man sie einfach mögen muss. Statt abgeklärt und cool das Programm durchzuziehen, überzeugten DEW-SCENTED einmal mehr mit unbändiger Power und Brutalität. Jeder Schlag war ein Treffer, an diesem Nachmittag lief die Truppe zur Hochform auf und erschütterten das Gelände – Sänger Leif hatte einen Aktionsradius, der sich gerade so mit der Bühnenkante deckte, wirbelnde Haare überall, und dazu SLAYER-mäßige Thrashgranaten, die zielgenau einschlugen – Respekt! Nicht nur am Himmel herrschte eitel Sonnenschein, auch vor Bühne, wo die Songs und die Wasserstrahlen des Security ebenso dankbar angenommen wurden wie der gesamte Auftritt. (vampi)

CALLENISH CIRCLE

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Deutlich weniger Leute als bei DEW-SCENTED fanden sich vor der Pain Stage ein, um CALLENISH CIRCLE zu sehen. Schade eigentlich, denn auch die Holländer sind eine sehr, sehr gute Liveband. Sänger und Energiebündel Pat Savelkoul ließ sich wie seine Mitstreiter nicht von der Hitze bremsen und so lieferte die Band ein ausgesprochen energisches Set ab, das leider von zu wenigen gesehen wurde.

Soul Messiah, Witness you own Oblivion, Obey Me und die verdammt gelungene Coverversion von PESTILENCEs sowie Out Of The Body, ein Song der live einfach alles killt, standen auf der Setlist. Die Energie auf der Bühne übertrug sich im Laufe der Zeit dann doch noch auf das hitzeträge Publikum. Kein Wunder, denn Pat ackerte auch wie ein Bescheuerter auf der Bühne und wurde nicht müde, den Fans zur Sonneneinstrahlung zusätzlich einzuheizen. Sehr sicher und tight ballerten die Holländer dreißig Minuten durch, schade, dass der Funke nur in den ersten Reihen übersprang. (vampi)

GOD DETHRONED

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GOD DETHRONED würden es schwer haben nach den Auftritten von DEW-SCENTED und CALLENISH CIRCLE, das war schon im Vorfeld klar. Sänger und Gitarrist Henri Sattler konnte mit den direkten Vorgängern auf den Bühnen dann auch nicht mithalten – die Show der Niederländer war viel zu statisch. Obendrein hatten sie kaum schnelle Stücke im Gepäck, sondern ließen die Sache eher gemächlich angehen. The Tombstone, Soul Sweeper und der Titeltrack von aktuellen Album Into The Lungs Of Hell sind zwar ordentliche Songs, die auch ordentlich präsentiert wurden, aber wirklich mitreißend dürfte dieser Auftritt nur für diejenigen gewesen sein, die wirklich beinharte Fans der Band sind. Wer GOD DETHRONED nur im Vorbeigehen gesehen hat, wird vermutlich nicht stehen geblieben sein – nicht weil sie schlecht, sondern weil sie einfach zu durchschnittlich waren. Socering The Faithful, The Art Of Immolation und das unvermeidliche Villa Vampiria konnten den etwas schalen Nachgeschmack auch nicht mehr verbessern. Sehr ordentlich, aber einfach nicht mehr – was ganz besonders schwer wiegt, da DEW-SCENTED und auch CALLENISH CIRCLE kurze Zeit zuvor bewiesen haben, wie wertvoll ein aktiver Frontmann ist. Bei GOD DETHRONED passierte einfach viel zu wenig auf der Bühne und auch der Kontakt zum Publikum beschränkte sich auf ein paar Songansagen. Da hätte man mehr draus machen können… (vampi)

UNDERTOW

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Die drei Fragezeichen von der Ostalb standen selbstverständlich dieses Mal auch wieder auf dem Programm und überraschten auf ganzer Linie. Dieses Mal waren sie sehr damit bemüht weniger ihre CROWBAR-Einflüsse raushängen zu lassen, sondern eher mal so richtig Gas zu geben. Mit ihren hauptsächlich thrashigen Songs war das kein Problem, die rissen das Publikum so richtig mit und verschafften viel Spaß. Aber auch UNDERTOW hatten mächtig viel Lust auf diesen Auftritt und brillierten mit technischen Fähigkeiten, sehr guten Songs und diesen typischen herzlichen Ansagen erspielten sie sich viele Sympathiepunkte. Dass ihre Musik dem in nichts nachsteht war allen, die mit dieser Band noch nie in Kontakt waren, nach 35 Schweißtreibenden Minuten auch klar und so feierte die Band mit ihrem Publikum eine tolle Show, die sowohl Thrash als auch Doom beinhaltete und somit mal was wirklich angenehm anderes bot. (Captain Chaos)

END OF GREEN

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Same procedure as last year? – Same procedure as every year! Würde man die Herren von END OF GREEN genau in Augenschein nehmen, kämen garantiert ihre Inventarnummern vom Summer Breeze zum Vorschein. Doch während die Dauerpräsenz vieler Bands bei Festival ein Ärgernis ist, bieten die Schwaben stets Anlass zur Freude. Allerdings begann der diesjährige Auftritt für mich durch das verfrühte Bühneentern von END OF GREEN mit einer denkwürdigen Bestzeit der Strecke Festivalgelände-Eingang-Pain Stage inklusive Festhaltens eines gefüllten Jägermeister-Bechers und Mitzerrens meiner Begleitung. Doch kaum angekommen, zogen die Jungs mich in ihren Bann – wie üblich, möchte man beinahe hinzufügen…auch wenn die Setlist sich nur wenig von der des letzten Jahres unterschied, machten END OF GREEN ihren Auftritt zu einem weiteren denkwürdigen Erlebnis. Egal, ob Highway 69, Everywhere oder Tragedy Insane, sie rissen die versammelte Masse mit und ernteten zum Dank minutenlange Zugabensprechchöre. Hätten WITHIN TEMPTATION den Auftritt sehen können, sie hätten ihre Spielzeit garantiert an dieses Feuerwerk an Leidenschaft und Hingabe, Rebellion und Melancholie abgetreten. Doch bevor END OF GREEN die Bühne räumen mussten, präsentierten sie noch einen neuen Song. Nun, jeder kennt das Gefühl, man steht auf einem Konzert einer favorisierten Band, diese kündigt einen neuen Song an, man freut sich…und ist dann enttäuscht, entweder, weil der Track sich nicht beim ersten Hören erschließt, weil er vielleicht noch nicht ganz ausgearbeitet ist oder weil er schlicht und einfach beschissen ist. Tja, nicht so bei END OF GREEN, ihr neues Werk weckten Gelüste, vor den Räumen von Silverdust Records zu zelten, bis diese die ersten Mastertapes rausrücken. Es war kein Kurswechsel erkennbar, dafür aber eine weitere eindringliche Beschäftigung damit bemerkbar, wie die einzigartigen Vocals von Sänger Michael Huber noch nahtloser ins rockende Gesamtbild eingegliedert werden können bei größtmöglichem Coolnessfaktor und enormer Düsternis. Und so kann man sich unbesorgt schon jetzt auf den Auftritt von END OF GREEN beim nächsten Summer Breeze freuen. (Rachendrachen)

HOLLENTHON

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Wie bringt man zwei Alben auf die Bühne, die im heimischen Schlafzimmer als Soloprojekt entstanden waren und etliche klassische und genrefremde Elemente enthalten? Nun, als praktikabelste Lösung erschien Martin Schirenc, sich Schlagzeuger, Basser und zweiten Gitarristen zu suchen, alles weitere vom Band laufen zu lassen und die Songs ausführlich vorbereitet und mit knalligem, hervorragend ausgependeltem Sound dem Publikum zu präsentieren. Die Folge? Der subjektiv herausragendeste Auftritt auf diesem Festival. Beide HOLLENTHON-Alben wurden berücksichtigt, jeweils die knalligsten, treibendsten und bombastischsten Tracks ausgewählt und kompromisslos der feiernden Masse vor der Pain Stage präsentiert. So und nicht anders kann man Klassik in einen Metalkontext einbauen! Fast schon erschlagen wurde man von der Wucht der Chöre in Verbindung mit galoppierenden Bassdrums und fetten Riffs sowie Martins kehligem Gesang. Sicke Geigenklänge in Horrorfilmmanier ergänzten sich mit derben Thrashparts, und selbst so abstruse Elemente wie eine BEACH BOYS-Surfgitarre und arabische Gesänge fügten sich scheinbar mühelos ins finstere, mächtige Gesamtbild, ohne diesem die Wucht zu nehmen. Vielmehr trugen sie dazu bei, dass HOLLENTHONs Auftritt zu einer Demonstration geriet, wie man heutzutage noch innovativ und kompromisslos zugleich Metal spielen kann. Einzig die offen stehende Mundklappe verhinderte gelegentlich bedingungsloses Abbängen… (Begeistert: Rachendrachen)

THE CROWN

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Endlich ein angemessener Platz im Billing und eine angemessene Spielzeit für THE CROWN!! Genau genommen hatte ich mich die ganze Festivalsaison auf genau diesen einen Auftritt gefreut. Entsprechend hoch waren dann auch nicht nur meine Erwartungen, vor der Bühne herrschte Gedrängel noch bevor das Intro ertönte und The Crown, The Crown-Rufe schallten über das Gelände. Enttäuscht dürfte nach diesem Gig niemand gewesen sein, denn die Skandinavier waren schlicht unglaublich. Unglaublich auch deshalb, weil die Band den Tag über nicht faul auf dem Festivalgelände rumlümmelte, sondern ein Video gedreht hat. Von Müdigkeit war am Abend allerdings nichts, aber auch gar nichts zu spüren. Besonders Sänger Johan Lindstrand wetzte wie von einer Tarantel gestochen auf der Bühne herum, und brüllte sich trotz verschärftem Körpereinsatz und ungebrochenem Bewegungsdrang wahrlich die Lungen aus dem Leib. Schön, dass er wieder zurück ist! Basser Magnus Olsfelt poste, als gäbe es kein Morgen und auch die beiden Gitarristen waren offensichtlich höchst erfreut über die positiven Publikumsreaktionen und gaben wirklich alles. Dass THE CROWN einen der besten Schlagzeuger im ExtremMetal Bereich in ihren Reihen haben, dürfte sich rumgesprochen haben. Spielfehler oder auch nur kleine Ungenauigkeiten gab es nicht, dafür alles niederwalzende Hammersongs – überwiegend von den beiden letzten Alben DeathRace King und Crowned In Terror. Das rotzige Blitzkrieg Witchcraft war beim Summer Breeze einfach eine Spur dreckiger, das brutale 1999 – Revolution 666 eine Spur aggressiver und das pfeilschnelle Total Satan eine Spur spitziger als sonst.

Die Band war nicht zu bremsen, auf unnötigen Ballast verzichtete das Terrorkommando – stattdessen boten THE CROWN eine Show, die allen Erwartungen gerecht wurde und sie stellenweise sogar übertraf. Und spätestens bei World Below zeigte Johan, was wirklich in ihm steckt – fieser und brutaler kann man einen Text kaum ins Mikro brüllen. Auch wenn vor zwei Jahren der einzige Deutschland Gig von THE CROWN mit Interimssänger Tomas Lindberg stattfand, so wird nicht der Gig mit dem berühmt-berüchtigten At THE GATES Frontman in Erinnerung bleiben, sondern der Auftritt von 2003. THE CROWN haben auf dem Summer Breeze 2003 mit ihrem straighten, schnörkellosen und aggressiven Stageacting, einer tadellosen technischen Leitung und einer fast perfekten Setlist DEN Open Air Auftritt des Jahres abgeliefert. (vampi)

IN FLAMES

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Was war denn das, meine schwedischen Freunde? Hölle, so einen Auftritt habe ich von IN FLAMES noch nie gesehen. Sagt mir nur, dass IN FLAMES scheiße sind, das alle hüpften und dass dies voll untrue ist, aber diese Jungs waren als Samstagsheadliner einfach der Hammer! Anfangs machten sie einen müden Eindruck auf mich, was aber daran lag, das THE CROWN vorher sämtliche Geschwindigkeitsrekorde brachen. Doch erstmal eingelebt, rockten die Jungs wie Hölle und machten fast jedem gute Laune. Kein Wunder, boten sie doch für jeden Geschmack etwas: Eine ausgewogene Mischung aus alten und neuen Gassenhauern, untermalt von einer aktiven Band, noch aktiveren Fans und einer Pyroshow, die zeigte, dass IN FLAMES zu den großen Entertainern des Metal-Business zählen. Kein Wunder, wenn man Nummern vom Leder zieht wie Bullet Ride, Gyroscope, Behind Space, Trigger, Reroute to Remain, Scorn und was weiß ich noch alles. So schnell verging keine Show auf diesem Summer Breeze – da half es natürlich auch, dass die Band zwei uralte Perlen aus der Hüfte schoss: Moonshield und Clad in Shadows. Jawohl, und dann, lieber Anders haben wir natürlich alle sehr gerne mitgemacht, damit ihr auch ja ein schnelles Album aufnehmen werdet, ganz so wie Du es uns versprochen hast. Und nach dem die Band ihre letzten Pyros zur Zugabe Colony abfackelte wurde klar, jetzt ist es vorbei. Doch an IN FLAMES werden wir auch weiterhin unsere helle Freude haben, vor allem nach dieser oscarreifen Show. (Captain Chaos)

Ein besonderes Dankeschön geht an Frank Meitzler für seinen RAGE-Bericht und SasH vom Ancient Spirit-Magazin für die freundliche Zurverfügungstellung aller Bilder in diesem Bericht, nachdem unsere eigenen Bilder aufgrund eines defekten Kameraverschlusses nichts geworden sind. Vielen Dank!!!

Fierce
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