SISTERS OF MERCY: live am 11. April 2003 in der Stadthalle Fürth

SISTERS OF MERCY: live am 11. April 2003 in der Stadthalle Fürth

Schon irgendwie cool: Da zehrt eine Band seit Jahrzehnten ausschließlich von dem Kultstatus, der ihr noch aus den frühen 80er Jahren anhaftet. Selbst eingefleischte Fans haben längst aufgehört, nachzurechnen, wann Oberschwester Andrew Eldritch und sein treuer Drumcomputer Doktor Avalanche ihr letztes Studioalbum veröffentlicht haben. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass keine Plattenfirma bereit ist, die Summe auf den Tisch zu legen, die dem Gothfather of Düsterrock für sein neues Material vorschwebt. Also muss die treue Fanschar weiter ohne frischen Tonträger auskommen – auch in der gutbesuchten Fürther Stadthalle, wo das Gastspiel der britischen Gruftlegende zum munteren Generationentreffen avancierte.

Dichte Nebelwände und ein Scheinwerferinferno, Bass, Synths, Chöre und der mächtige monotone Beat kommen vom Band, nur die Gitarren und der Gesang sind live. Und laut! Alldieweil herrscht im Saal munteres Liederraten: Die ein oder andere Melodie im sinistren Soundgewirr kommt durchaus bekannt vor, allein der Wiedererkennungseffekt hält sich in Grenzen. Neue Songs, alte Lieder – einerlei in dieser Nacht, in der sowieso alles gleich klingt. Was genau die Barmherzigen Schwestern da oben auf der Bühne treiben, bleibt nebulös. „Spielt doch mal ein anderes Lied“, brüllt der Typ nebenan – kein schlechter Vorschlag. Doch die Sisters Of Mercy rocken lieber den Uraltklassiker „Marian“ in Grund und Boden, punkten mit einer fetzigen Version von „Vision Thing“ – und geben sich gar nicht erst die Mühe, groß Verbindung mit ihrem Publikum herzustellen. Und zumindest das ist dann doch schon mal ein Stück weit lässig: Ein Konzert, bei dem sich die Band nicht auf die Nostalgienummer reduzieren lässt und allen Erwartungshaltungen konsequent den Mittelfinger zeigt. Ein Selbstverständnis, das so auch auf der bissigen „Sisters“-homepage nachzulesen ist. „Wir sind eine Rock´n´Roll-Band. Und eine Popband.“, heißt es da erklärend. „Manchmal machen wir Platten, und manchmal spielen wir Konzerte.“ Man war zumindest vorgewarnt.

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.