GAMMA RAY: Live am 24.10. in der Hamburger Markthalle

GAMMA RAY: Live am 24.10. in der Hamburger Markthalle

Jeder kennt das Gefühl, wenn man nach einem Konzert seiner Lieblingsband die Halle verlässt und ausgerechnet sein Lieblingssong nicht gespielt wurde. So hatten die Jungs von GAMMA RAY die Idee, eine kleine Tournee zu starten, bei der sie nur Songs spielen, die zuvor selten oder nie in den Konzerttempeln gespielt wurden. Der Clou an der Sache: Die Fans konnten über die Website über die Setlist abstimmen. Eine wirklich schöne Idee, die bei mir vor den Gigs ein paar Zweifel hinterließ. Denn wenn eine Band bestimmte Songs nie live spielt, sind sie entweder zu schlecht oder live nicht adäquat umzusetzen. Um sich eines besseren belehren zu lassen, gings also per Flieger nach Hamburg zum Auftaktgig.
Doch bevor es überhaupt losging, war aufgrund der langen Schlange vor der Markthalle schon abzusehen, dass der Abend für gute Laune und vor allem Stimmung sorgen wird.
Als Vorband konnten Kai Hansen und seine Jungs, die Hamburger Band PARAGON gewinnen, die vor allem mit ihrem letzten Album Law of the Blade für Furore sorgten. Und sie legten gleich mit Thunderstorm ordentlich los. Danach folgten dann die Knaller der neuen Scheibe u.a. Across the Wastelands, Palace of sin und Back to Glory, die live noch ernergiegeladener rüberkommen als auf dem Album. Zwar zeigte Sänger Andreas Babuschkin ab und an Schwächen, die er aber durch gutes Stagacting wettmachen konnte. Nach einer guten Dreiviertelstunde hinterließen PARAGON ein gut aufgeheiztes Publikum, das nun gespannt auf GAMMA RAY wartete.

Nach einer relativ kurzen Umbaupause gings dann endlich mit dem Intro Welcome sowie einer sehr atmosphärischen Lightshow los, die dann in den Powerplant-Kracher Gardens of the sinners überging. Sänger und Gitarrist Kai Hansen, Gitarrist Henjo Richter, Bassist Dirk Schlächter sowie Drummer Dan Zimmermann kamen mit Fracks und Zylinder auf die Bühne und zogen das Publikum sofort in ihren Bann. Schließlich konnte die Band nach dem zweiten Song, dem Klassiker Rich and Famous vom Sigh no more Album, erstmal pausieren, da die Meute die Band ordentlich abfeierte und die Band sichtlich beeindruckte. Mit den nächsten Songs No Return, All of the Damned sowie One with the World griff die Band noch mal tief in die Mottenkiste und begeisterte das Publikum noch mehr, bis die Halle kochte. Dann kam leider das Manko der Show zum Vorschein: denn mit Armageddon, Heavy Metal Universe und Razorblade Sigh (sowie dem ersten Song Gardens of the sinners) spielten GAMMA RAY zu viele Powerplant-Songs. So gut das Album auch ist, der eine oder andere Song mehr vom Heading for Tomorrrow-Album wäre nicht schlecht gewesen. Nichtsdestotrotz zeigten auch diese Songs die Klasse der Hanseaten und machten viel Spaß. Denn neben den Songs boten die vier Jungs auch reichlich Bewegung auf der Bühne und bewiesen ein ums andere Mal ihr Können an den Instrumenten. Apropos Können: Nach dem schnellen Heart of the Unicorn vom letzten Album No World Order zeigte Drummer Dan sein Können. Zwar nehmen die Drumsoli immer öfter Spielzeit weg, die man gut und gerne für ein bis zwei Songs nutzen könnte, aber wenn ein Solo so gut ist wie das von Daniel Zimmermann am heutigen Abend, schaut und hört man gerne zu. Über zehn Minuten bot er, mal schnell, mal langsam, sein ganzes Können auf und bezog das Publikum immer wieder mit ein. Dazu sorgte die Lightshow dafür, dass die Chose auch optisch überzeugte. Wirklich genial.
Nach dem Oldie Last before the Storm kam dann mit HELLOWEENs Victim of fate von der uralten EP der vorläufige Höhepunkt der Show. Die Meute war völlig aus dem Häuschen, denn den Song hatte wohl keiner auf der Rechnung.. Mit dem Somewhere out in Space-Highlight Rising Star/Shine on beendeten die Vier ihr Set. Doch das Publikum wurde noch lauter als vorher und die Jungs kamen zurück und legten mit der Ballade The Silence vom Debüt noch ´ne Schippe drauf. Das war nun der absolute Höhepunkt der Show, denn der Song ist dermaßen intensiv, emotional und genial, dass man sich wirklich fragt, warum sie ihn nicht schon vorher gespielt haben. Außerdem zählt er zu den ersten Metal-Songs mit denen ich in Berührung gekommen bin. Einfach geil!!! Mit Heaven and Hell kam dann aber trotzdem noch ein Stück, das GAMMA RAY auf der letzten Tour schon gespielt hatten. Dann beendeten Kai, Henjo, Dirk und Dan die Show mit Guardians of Mankind. Doch nach der Vorstellung wollte das Publikum absolut noch nicht nach Hause, also legte die Band noch I want out nach und hatten nach neunzig Minuten eindrucksvoll bewiesen, warum sie zu den besten deutschen Metalbands gehören. Außerdem gibt es nur sehr wenige Bands, die mit ihren B-Tracks so dermaßen für Stimmung sorgen, dass die Halle kocht. Damit musste ich mich wirklich eines besseren belehren lassen. 😉
Bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass sich die Skeletons in the closet- Tour absolut gelohnt hat und GAMMA RAY überall abgefeiert wurden. Wer also die drei Deutschland-Gigs verpasst hat, muss sich mit der Tonkonserve begnügen, die nächstes Jahr per Livemitschnitt der Tour in die Läden bugsiert wird.

Setlist:

Welcome
Gardens Of The Sinner
Rich And Famous
No Return
All Of The Damned
One With The World
Armageddon
Heavy Metal Universe
Razorblade Sigh
Heart Of The Unicorn
Last Before The Storm
Victim Of Fate
Rising Star / Shine On
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The Silence
Heaven or Hell
Guardians of Mankind
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I Want Out

Gastreview von D@kster