DOOM SHALL RISE 2006: Der Festivalbericht

DOOM SHALL RISE 2006: Der Festivalbericht

Das Festival


Freitag, 31. März 2006
Iron Hearse | Ahab | Dantesco | Dawn of Winter | Solitude Aeturnus | Versus the Stillborn-Minded

Samstag, 01. April 2006
Doomraiser | Beehoover | Heavy Lord | Glow | Bunkur | Jack Frost | Against Nature | Veni Domine | Debris Inc.

Das Festival

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Im letzten Jahr ist es mir wieder extrem aufgefallen – mit echten Liebhaberfestivals können die großen allgemeinen Events einfach nicht mithalten. Zwar bedarf es grundsätzlich einer anderen Betrachtungsweise, die Atmosphäre dieser kleinen Veranstaltungen können die Massenzusammenkünfte aber nicht erzeugen.
Das Doom Shall Rise ist dabei keine Ausnahme, sondern Bestätigung und Vorbild. In entspannter Atmosphäre treffen sich Fans des Genres mit Größen und Kleinen und freuen sich an dem, was sie an ihrer Musik haben.

Die beiden Doom Shall Rise-Veranstalter Jochen und Frank
Die Köpfe hinter dem Doom Shall Rise – Jochen Fopp und Frank Hellweg

Die Organisation bleibt auch 2006 ohne größere Makel. Faire Getränkepreise, gutes, wenn auch nicht unbedingt günstiges Essen, kein Gedränge und freundliches Personal. Auf Securitymaßnahmen kann weiterhin verzichtet werden und unangehme Zeitgenossen oder Szeneanbiederer halten sich ebenso fern. Wenngleich die Absperrgitter vor der Bühne doch etwas überraschten, die aber weniger zum Schutz der Musiker, als mehr dem des Equipments dienten. Auf Gegenliebe stieß diese Maßnahme allerdings weniger, weshalb am zweiten Festivaltag die Gitter auch ein ganzes Stück weiter in Richtung Bühne geschoben wurden und so wesentlich weniger störten.
Das Rahmenprogramm blieb spartanisch zweckmäßig und letztendlich baute man wieder voll auf die Livedarbietungen auf der Bühne. Die Ausbeute war dabei dieses Jahr nicht ganz so groß, wie in den Vorjahren und auch wenn keine Band wirklich nach unten abfiel, war das vierte Doom Shall Rise nicht mit der Menge an Higlights gesegnet wie die Vorjahre. Zudem mussten sich die Veranstalter zum ersten Mal mit dem Thema „kurzfristige Absagen“ auseinander setzen, so blieben LOW MAN´S TUNE dem Doom Shall Rise komplett fern, bei SOLITUDE AETURNUS musste lediglich Sänger Robert Lowe zu Hause bleiben. Das tat natürlich besonders weh, waren die Texaner doch eines der großen Zugpferde der vierten Veranstaltung und da das Problem lediglich durch einen abgelaufenen Reisepass entstand, war die ganze Sache doppelt ärgerlich. Kurzerhand behalfen sich Organisation und Band damit, mit Timmy von DOOMSHINE, Erico von DANTESCO und Gerrit Mutz von DAWN OF WINTER Ersatzsänger auf die Bühne zu schaffen, die entstandene Lücke konnte dadurch aber selbstverständlich nicht geschlossen werden, auch wenn alle Beteiligten das Beste aus der Situation zu machen versuchten. Nichtsdestotrotz wird man in ein paar Jahren von diesem legendären Auftritt erzählen können, denn auf die Art wird man SOLITUDE AETURNUS sicher nie mehr zu sehen bekommen.
Das Doom Shall Rise bleibt eines der schönsten Festivalereignisse des Jahres, das bleibt auch im Jahr 2006 unbestritten. Hier lebt und atmet die Szene und das in einer Weise wie man sie on anderen Genres nicht geboten bekommt. So muss das sein.

Freitag, 31. März 2006

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IRON HEARSE

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Iron Hearse live auf dem Doom Shall Rise 2006
Nett anzuhören, aber nicht wirklich umwerfend – IRON HEARSE

Nach der Hiobsbotschaft, dass SOLITUDE AETURNUS ohne Rob Lowe auftreten würden, ging es gleich zu Beginn des Festivals außergewöhnlich chaotisch weiter, denn LOW MAN’S TUNE, die das vierte DOOM SHALL RISE eröffnen sollten, waren weder vor Ort und auch im weiteren Verlauf des Abends fehlte von ihnen jede Spur. Wie sich herausstellte, kam Bassist Patrick am Donnerstag wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus, Veranstalter Frank konnte wegen des Festivalstresses die Absage per Mail aber nicht mehr lesen. IRON HEARSE wurden somit unerwartet zum Opener des Festivals und begannen ihren Gig pünktlich zu der ursprünglich für sie vorgesehenen Zeit. Der sehr vom Sound der Siebziger beeinflusste Doom-Rock des englischen Trios rockte straight nach vorne und bewegte sich zwischen coolen Midtempo-Grooves und flotteren Passagen – richtig langsam, wie man es gemeinhin von einer Doom-Kapelle erwartet, wurde es hingegen nie. Dafür präsentierte sich die Band mit einem Hang zu ausgedehnten Solopassagen und Improvisationen. Das alles war nett anzuhören, aber nicht wirklich umwerfend, zumal Gitarrist Grant Powell mit seinem dreckigen Gesang manchmal ein wenig daneben lag. Punktabzüge gab es zudem für die das sehr verschlossene Auftreten auf der Bühne: Die Kommunikation mit dem Publikum beschränkte sich auf ein Minimum, und Bassist The Khan starrte die meiste Zeit des Auftritts auf seine Schuhe. Das sind nicht die besten Voraussetzungen, um die Leute für sich zu begeistern. (doomster)

AHAB

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Ahab live auf dem Doom Shall Rise 2006
Sorgten mit ihrem Funeral Doom für ein intensives Hörerlebnis – AHAB

Daniel Droste und Chris Hector spielen nicht nur bei MIDNATTSOL Gitarre, sondern haben mit AHAB auch noch eine Band am Start, in der sie sich ganz dem Funeral-Doom verschrieben haben. Dieser war zwar zu keiner Sekunde originell, verfehlte seine intensive Wirkung aber nicht und stellte für das insgesamt eher traditionell ausgerichtete Festival definitiv eine Bereicherung dar. Die tonnenschwere, aber gleichzeitig sehr melodische Musik, geprägt von tieftraurigen Gitarrenharmonien und dem unglaublich tiefen Gegrunze von Daniel Droste, strahlte eine Erhabenheit aus, dass es eine wahre Freude war, sich in den im Zeitlupentempo zäh dahin fließenden Klängen versinken zu lassen. Aufgelockert wurde die Musik durch vereinzelte cleane Vocals, diese hätten aber durchaus noch etwas sicherer kommen können und lagen leider teilweise neben der Spur. AHAB spielten – auch das typisch für ihr Genre – nur vier Songs, die dafür aber umso länger ausgefallen waren. Nur einer der Songs, das mehr als zwölf Minuten dauernde „The Stream“, war vom Demo, das die Band vor einiger Zeit veröffentlicht hat, bekannt. Doch auch das restliche Material, welches hoffentlich auf dem bald erscheinenden Album zu hören sein wird, konnte überzeugen. Das sah das reichlich vorhandene Publikum in der mittlerweile vollen Chapel ähnlich, so dass die Musiker unter großem Applaus die Bühne verließen. (doomster)

DANTESCO

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Dantesco live auf dem Doom Shall Rise 2006
Sorgten in Mönchskostümen und spanischem Operngesang für Aufsehen – DANTESCO

Dass man von DANTESCO etwas Besonderes erwarten konnte, dass wussten alle. Wie das konkret aussehen würde dagegen die wenigsten. So hatten die Puerto Ricaner die ungeteilte Aufmerksamkeit sofort auf ihrer Seite, als sie in Mönchs- und Priestergewändern die Bühne betraten und zum apokalyptischen Tanz aufriefen. Die Jungs passen wirklich perfekt in ihre Verkleidung. Bassist Ramon De Jesus scheint geradezu der „Der Name der Rose“-Verfilmung entsprungen zu sein und Sänger Erico La Bestia mimt mit dem weißen Kardinalskostüm und den umgedrehten Kreuzen auf seiner Stola den Black Pope – Stimm- und Körperumfang passen perfekt. Nur an seiner Ausstrahlung müsste er noch arbeiten, denn die ist eindeutig zu positiv und fröhlich für die Rolle. Aber wer will es Koloss auch verdenken, wenn man derart vom Publikum in Empfang genommen wird? DANTESCO hatten keine Probleme, das Doom-Volk zu überzeugen. Der doomlastige Epic-Metal gewinnt vor allem durch die spanische Sprache enorm an Anziehungskraft und die Kompositionen sind treffsicher. Natürlich kann man die Vergleiche mit CANDLEMASS schon allein des Auftretens wegen nicht vermeiden, dennoch kommen sich die beiden Bands weder in der Performance noch bei der Musik zu nahe. Die große Bühnenshow ziehen DANTESCO allerdings nicht durch, vielmehr konzentriert sich ein Gig der Band in erster Linie auf die Präsenz von Maestro La Bestia und der meistert seine Aufgabe mit Bravur. Seine Opern-Tenor-Teile bringt er genauso glaubwürdig und natürlich, wie auch sein etwas roherer Metalgesang und die einprägsamen folkloristisch inspirierten Gesangsmelodien machen den Zugang zur Musik von DANTESCO leicht. Diejenigen, die mit der Musik der Truppe schon vertraut waren, fraßen den Puerto Ricanern eh aus der Hand, der Rest ließ sich gerne davon anstecken. Und da die Truppe eh erst ein Album veröffentlicht hat, waren Hits wie „La Tempestad“, „Chronicas de la Muerte Negra“ oder „Dantesco“ natürlich Pflicht. Ich schätze, da ist ein neuer Kult geboren. (fierce)

DAWN OF WINTER

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Dawn of Winter live auf dem Doom Shall Rise 2006
Geile Songs mit etwas verkrampfter Live-Performance – DAWN OF WINTER

Wir kennen das alle, denn alle sind wir toll – an manchen Tagen, da läuft es einfach. Jeder Spruch ein Treffer, egal was man tut oder sagt, es ist ganz natürlich das Richtige. Die Leute mögen einen, weil man diese gewisse positive Ausstrahlung mit sich trägt. An anderen Tagen sieht es anders aus. Irgendetwas hemmt einen. Schon wenn man den Mund aufmacht merkt man die innere Verkrampfung – am liebsten würde man seine Sätze gar nicht zu Ende sprechen, weil man im Ansatz schon merkt, dass das nichts wird. Nun, DAWN OF WINTER scheinen bei ihrem Auftritt eher solch einen Moment erwischt zu haben. Irgendwie wollte der Funke nicht so recht überspringen und vermutlich lag das nicht ausschließlich daran, dass Gerrit Mutz nach eigener Aussage ordentlich einen im Tee hatte. Vielmehr schien die Chemie nicht hundertprozentig zu stimmen, alle vier Musiker wirkten etwas für sich allein auf der Bühne, auch wenn Gerrit immer wieder versuchte, alle Beteiligten mit in die Show einzubeziehen. Das Positive bei DAWN OF WINTER ist aber, dass die Musik zu persönlich ist, als dass sie einfach von den Musikern heruntergespielt werden könnte. Und dann sind die Songs natürlich zu gut, um ihre Wirkung auf das Publikum nicht zu entfalten. DAWN OF WINTER hatten wieder einmal eine interessante Songauswahl am Start. Mit „Ritual Magic“ oder „Sad Ocean“ ältere Klassiker, mit „Titus Vanis“ und „Slow is the Suffering“ jüngere Klassiker und mit „A Lovelorn Traveller“ und „The Music of Despair“ definitiv zukünftige Klassiker. Ja, tatsächlich hatten DAWN OF WINTER auch zwei Songs vom kommenden Album mit dabei, das nun unter dem Titel „Ritual Magic“ veröffentlicht wird. Musikalisch waren DAWN OF WINTER also einmal mehr absolut auf der Höhe, nur eben in Sachen Performance nicht. Und somit ändert das auch nichts daran, dass es schön war, die Band endlich mal wieder live erleben zu können – das ist eh viel zu selten der Falle. (fierce)

SOLITUDE AETURNUS

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Solitude Aeturnus live auf dem Doom Shall Rise 2006
Von „ganz lustig“ bis „katastrophal“: richtig begeistern konnten SOLITUDE AETURNUS an diesem Abend niemanden.

Ein großer Schock war es, als man bei der Ankunft an der Chapel hören musste, dass SOLITUDE AETURNUS ohne Rob Lowe, dafür aber mit Gastsängern auftreten würden, da dieser offenbar aufgrund von Problemen mit seinem Reisepass nicht das Land verlassen durfte. SOLITUDE AETURNUS ohne Rob Lowe – geht das überhaupt? Nicht wenige halten den Ausnahmesänger nicht nur wegen seiner Stimme, sondern auch wegen der unglaublichen Ausstrahlung, die er auf der Bühne zumindest vor Jahren mal besessen hat, für unersetzbar. SOLITUDE AETURNUS versuchten trotzdem, das Beste aus der Situation zu machen und ließen sich von Erico La Bestia von DANTESCO und DOOMSHINE-Frontmann Timmy Holz unterstützen. Die Beurteilung dessen, was die Band dann ablieferte, fiel allerdings sehr unterschiedlich aus und reichte von „ganz lustig“ bis „katastrophal“ – richtig begeistert von dem Auftritt der Texaner wollte sich aber so niemand zeigen. Dabei konnten die Power-Doomer sogar mit einer exzellenten Setlist aufwarten, mir der sie einem unter normalen Umständen Freudentränen in die Augen getrieben hätten, hatten sich doch eine Reihe von Klassikern der ersten beiden Alben hineingeschlichen, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Allein die Umsetzung war mangelhaft, war die Show doch geprägt von unzähligen falschen Einsätzen. Timmy Holz, stimmlich absolut souverän, setzte nicht nur bei „The 9th Day: Awakening“ falsch ein, sondern hatte auch bei „Seeds Of The Desolate“ arge Probleme und zeigte Perez immer wieder an, dass er übernehmen sollte. Der DOOMSHINE-Sänger war sichtlich überfordert und machte gar keine gute Figur. Erico La Bestia war da zwar selbstsicherer, verhunzte aber ebenfalls den einen oder anderen Part. Am Besten kamen somit diejenigen Songs rüber, in denen John Perez selbst den Gesang übernahm, so etwa „Lament“, das neue, aber schon bekannte „Sightless“ oder das zunächst von Timmy begonnene, ebenfalls neue „Scent Of Death“, ein sehr orientalisch geprägtes, doomig-schleppendes Stück. Aber auch instrumental war der Auftritt nicht wirklich überzeugend, das Zusammenspiel nicht wirklich tight. Während John Perez absolut souverän spielte, machte Steve Mosley mehr als einmal durch falsche Einsätze auf sich aufmerksam. Das alles sah nicht nach einer Band aus, die regelmäßig probt, sondern eher nach einer Hobby-Kapelle. Zusätzlich getrübt wurde der Eindruck durch den Auftritt von DAWN OF WINTER-Frontmann Gerrit P. Mutz, der plötzlich bei „Destiny Falls To Ruin“ auf der Bühne auftauchte und sich auch bei „Falling“ und dem MANOWAR-Cover „Secret Of Steel“, die den Gig abschlossen, in den Vordergrund drängte und die Unsicherheit der anderen Sänger zur Selbstdarstellung ausnutzte, ohne dies durch eine akzeptable Gesangsleistung rechtfertigen zu können. Alles in allem eine zwar einzigartige, aber enttäuschende Vorstellung. (doomster)

VERSUS THE STILLBORN-MINDED

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Versus the Stillborn-Minded live auf dem Doom Shall Rise 2006
Harte Kost zu später Stunde – VERSUS THE STILLBORN-MINDED

„Sie werden die Leute platt machen“, kündigte Veranstalter Frank in unserem Special an. Ja, dazu wären VERSUS THE STILLBORN MINDED sicher in der Lage gewesen, doch zu solch später Stunde war das leider gar nicht nötig – platt waren die meisten nämlich schon von ganz alleine. Wer aber versucht war, sich von den Strapazen des ersten Festivaltages durch ein Nickerchen in der Chapel zu erholen, der hatte wenig Erfolg, denn die Franken waren laut und und ungemein heavy. Feedback-Orgien und monotone, stumpfe Gitarrenriffs standen auf dem Programm, mal langsam, mal groovig, aber auch vor schnellem Geprügel machte man nicht Halt. Auch der dreckige Schreigesang verfehlte seine Wirkung nicht, alles war darauf ausgelegt, möglichst derb und böse zu klingen. Das ist den Jungs auch vortrefflich gelungen – was SPANCER vor zwei Jahren waren, das waren VERSUS THE STILLBORN MINDED in diesem Jahr. Dass es für den Hörer aber auch ein sehr anstrengendes Unterfangen war, dem lärmigen Sludge-Doom der Band zu lauschen, soll dabei nicht unerwähnt bleiben. (doomster)

Samstag, 01. April 2006

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DOOMRAISER

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Doomraiser  live auf dem Doom Shall Rise 2006
Poste viel und gut: DOOMRAISER-Bassist BJ

DOOMRAISER hatten auf dem letztjährigen DOOM SHALL RISE fleißig Werbung in eigener Sache gemacht, indem sie ihre Demo-CD „Heavy Drunken Doom“ verteilten und sich dabei so überzeugend verkauften, dass manch einer auch gleich noch ein T-Shirt dazu gekauft hat. Nun also standen sie selbst auf der Bühne, anstatt nur davor, und angesichts der letztjährigen Werbemaßnahmen war zu erwarten, dass nicht wenige der Besucher mit dem Material der Italiener bereits vertraut waren. Und so tummelte sich am frühen Nachmittag, wenige Minuten, nachdem die Band ihre Show begonnen hatte, dann auch schon eine beachtliche Zahl von Doomfreaks in der Chapel, um den Klängen der Band zu lauschen. Der 70er-Doom der langsamen Sorte mit nur vereinzelten flotten Passagen war zwar nicht sonderlich originell, und die ausgedehnten Solopassagen in den überlangen Songs, in denen man sich auf altbekanntes Pentatonik- und Bluesskalen-Gedudel beschränkte, waren teilweise etwas langatmig. Doch das glichen die Italiener mit viel Elan und einer guten Show wieder aus. Man merkte den Musikern an, wie sehr sie in ihrer Musik aufgingen, und besonders Bassist BJ poste viel und gut. Zudem konnte man mit Cynar einen Frontmann vorweisen, der zu den besseren Doom-Sängern gehört. Ganz gleich ob weinerlicher, an Scott Reagers erinnernder Gesang, aggressivere Töne oder hin und wieder eingestreute Grunts: Cynar beherrschte alle diese Facetten und sorgte so dafür, dass die Musik trotz der monotonen instrumentalen Darbietung nicht langweilig wurde. Ein gelungener Einstieg in den zweiten Festivaltag, der verdient mit mächtig Applaus bedacht wurde. (doomster)

BEEHOOVER

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Beehoover live auf dem Doom Shall Rise 2006
„Natürlich anders“ – BEEHOOVER

„Natürlich anders“ – so könnte man BEEHOOVER vielleicht am einfachsten beschreiben. Welche Band würde es schon schaffen, zu zweit mit Schlagzeug, Bass und Mikro bewaffnet auf eine Festivalbühne zu treten und trotz eines für das Publikum etwas untypischen Sounds alle Anwesenden in Begeisterung zu versetzen. Noch mehr davon? Nun, anstatt auch nur einen Song ihres bislang einzigen Outputs „A mirror is a window´s end“ zu spielen, greift man ausschließlich auf Songmaterial des gerade aufgenommen ersten Full-Length-Albums zurück und gespielt wird ausschließlich im Sitzen. Und das auch noch seitlich zum Publikum – zumindest im Falle von Bassist und Sänger Petersen. Die außergewöhnliche „Bühnenshow“ wird zudem durch einen ganz eigenen Sound unterstrichen. Die Gitarre vermisst man bei BEEHOOVER zu keinem Zeitpunkt. Was Petersen ganz ohne aufgesetzte Frickeleien aus seinem Instrument rausholt ist wirklich grandios. Dabei möchte ich nicht mal behaupten, dass BEEHOOVER Über-Musiker und vor allem Über-Songwriter sind. Denn ehrlich gesagt ist beim ersten Hören der neuen Songs recht wenig hängen geblieben. Vielmehr sind die Jungs wahre Könner der musikalischen Interpunktion. Bei denen braucht es keine Worte, es reicht die Mimik, um sie zu verstehen – um es mal so darzustellen. Die Arbeit mit Dynamik und Betonung macht die Musik so reizvoll und man kann wirklich gespannt sein, wie die neuen Stücke wohl auf CD funktionieren werden. Insgesamt wirkt das neue Material auf den ersten Blick etwas straffer und songorientierter, als die drei Stücke der Mini-CD. Ob es wirklich doomiger ausgefallen ist, wie angekündigt, mag ich jetzt noch nicht beurteilen. Spannend und abwechslungsreich ist es aber in jedem Fall und live konnte die Musik von BEEHOOVER wirklich zünden. Einflüsse mag man aus den unterschiedlichsten Richtungen heraushören, von Neil Young bis RUSH kann man sich vieles vorstellen. Aber letztendlich ist das auch Nebensache, denn genauso natürlich wie die Auftrittsweise rüber kommt, genauso sehr scheint die Musik spontan und ungekünstelt. BEEHOOVER live, das macht richtig Spaß und Herz wie auch Kopf kommen genauso zum Zuge. Klasse Gig. (fierce)

HEAVY LORD

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Heavy Lord live auf dem Doom Shall Rise 2006
Primitiv, aber wirkungsvoll – HEAVY LORD

HEAVY LORD wurden ihrem Namen dann absolut gerecht. Irgendwo zwischen traditionellem Doom und Doomcore im Stil von Bands wie CROWBAR, machten die Niederländer mit ihren langsamen, tonnenschweren Klängen einer Dampfwalze die Chapel sprichwörtlich dem Erdboden gleich. Dafür sorgten nicht nur der ordentlich tiefer gestimmte, extrem dreckige Gitarrensound und die fetten, unisono gespielten Riffs, die nur selten durch einfache Leads unterbrochen wurden. Nein, auch der gelungene Brüllgesang von Bassist Steve und die auf den Punkt gespielten Breaks, stets im Einklang mit dem Doom-Dancing der Musiker, trugen ihren Teil dazu bei, wie auch das druckvolle Drumming von Wout, der die Toms geradezu verprügelte. Primitiv, aber wirkungsvoll war das, was die Niederländer da ablieferten, wenn auch ein wenig eindimensional. Fans der härteren Doomschiene kamen mit dieser gelungenen Verquickung traditioneller und moderner Doomsounds auf ihre Kosten. (doomster)

GLOW

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Glow live auf dem Doom Shall Rise 2006
Gute Musik für Nebenbei – GLOW

Nun, das hätt was werden können. Schlecht war der Auftritt der Spanier GLOW echt nicht. Aber wirklich aufregend halt auch nicht. Das Problem, dass der Funke nicht überspringen wollte: das Songwriting. 70er-beeinflusster Midtempo-Groove-Doom, versiert dargeboten mit einem guten Frontmann, das kann man sich gut antun und ist hervorragend als Hintergrundbeschallung geeignet. Aber für einen mitreißenden Auftritt muss man noch ein bisschen mehr bieten. Und es sollte auch etwas mehr auf der Bühne passieren. So konzentrierte sich das Geschehen insgesamt doch sehr stark auf Sänger Ralph, der seine besten Momente eindeutig dann hatte, wenn er etwas mehr in die DANZIG-Richtung tendierte und gleiches gilt auch für die Songausrichtung. So gab es immer wieder Momente, in denen man wieder aufhorchte und anfing, sich von der Musik anstecken zu lassen. Spätestens beim darauffolgenden Song wurde die Band dann aber wieder einfallsloser und bot eben gute Musik zum Anhören. (fierce)

BUNKUR

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BUNKUR live auf dem Doom Shall Rise 2006
Minimalistisch bis zum Abwinken – BUNKUR

Apropos „da passiert nix auf der Bühne“. BUNKUR. Geht es eigentlich noch minimalistischer? Diese Typen sind ja schon auf Platte extrem, aber live echt noch ne Spur heftiger. Ultra-Slow-Doom. Hier sind Sprüche wie „ich trink mal noch nen Schluck Bier vor dem nächsten Gitarrenanschlag“ tatsächlich kein hohles Geschwätz. Bewegung ist Fehlanzeige, Schlagzeuger Triii hat keine Probleme, sich während dem Trommeln immer mal wieder die Sonnenbrille hochzuschieben und die beiden Basser und Kreischer sind mit einem Bewegungsradius von „1 m zurück vom Mikro, 1 m hin zum Mikro“ vermutlich auch keine Freunde des Hochleistungssports. Dennoch – der ultradüstere Slow-Mo-Doom zeigt seine Wirkung. Bei vielen der Anwesenden zwar die, den Raum zu verlassen, für andere war der Auftritt von BUNKUR dennoch ein Highlight des Festivals. Und auch mich hat das Ganze gepackt. Dieser Sound ist einfach heftig, wenn Mvii und Kiii ihre Bässe wabern lassen und Triii mit einfachen Mitteln dem Song eine Struktur gibt. „Bludgeon“ wurde hier auf zirka eine halbe Stunde heruntergekürzt und um ehrlich zu sein ist es ja nicht so, dass dabei wesentliche Teile verloren gehen. Es ist doch eher total egal wie lange man diesen Song spielt, seine unbarmherzige Atmosphäre verstrahlt er auch in Kurzform. Wenn Kiii seine Texte in die Welt hinauskreischt, weiß man schon, dass man es hier nicht gerade mit Menschenfreunden zu tun hat. Richtig heftig wird es aber, wenn Mvii zu seinem Inhale-Todeskampf-Gekreisch einsetzt – als würde er den Tod förmlich in sich aufsaugen. Als dann urplötzlich die Sonne durch das gegenüberliegende Oberfenster der Chapel direkt auf die Musiker leuchtete, war man wahrhaft erstaunt, dass die Typen nicht direkt zu Asche verfielen. BUNKUR haben es definitiv drauf mit einfachsten Mitteln eine unheimliche Wirkung zu erzielen. Schade, dass es bei den Jungs so schwer fällt einzuschätzen, ob man sie nun mögen darf, oder ob nicht. Denn um ihrer extremen Ausstrahlung noch einen oben drauf zu setzen, coverte man als zweiten und letzten Song ausgerechnet BURZUM. Wie gut sie das taten, kann ich nicht einschätzen – bislang habe ich die Band gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Die BUNKUR-Version hatte es aber auf jeden Fall in sich, das Stück kam verdammt tight, atmosphärrisch und ergreifend – Gastsänger Eklipse brachte gleichzeitig die richtig angepisste Attitüde mit. Ganz ehrlich: der Song hat gerockt und BUNKUR genauso – auf ihre Art eben… (fierce)

JACK FROST

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Jack Frost live auf dem Doom Shall Rise 2006
Live unschlagbar – JACK FROST

Diese Österreicher sind live schlichtweg der Oberhammer. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, muss ich es doch wieder loswerden: auf Platte find ich die Band sehr gut, auf der Bühne sind die Jungs unschlagbar. Diese Rock´n´Rollige Coolness bringen nur wenige so hin – JACK FROST sind Meister darin. Ein Auftritt dieser Band geht rum wie nix und dabei könnte man dem Vierer doch ewig zuschauen. Ähnlich wie bei END OF GREEN ist da immer so etwas wie eine Vorwärtsbewegung zu spüren, die einen richtiggehend anpeitscht. JACK FROST sind für die Bühne geboren und kommen vollkommen ohne Allüren aus. Und das Songmaterial klingt live irgendwie immer einen Tick eingängiger und mitreißender. Egal ob sie ihre getrageneren Stücke zum Besten geben oder ob sie ihre typischen Slomo-Rocker ins Publikum schmettern, live gehen einem die Tracks wahrlich unter die Haut. Und die Jungs tun auch alles dazu, dass man mit der Musik mitgeht. Die Österreicher hängen sich in ihre Instrumente rein und spielen sie mit einer unglaublichen Energie – mal tief nach vorne gebeugt, mal in breitbeiniger Rocker-Pose oder auf den Knien liegend. Und Phred Phinster setzt dem Ganzen noch das Häubchen Sahne oben drauf, wenn er mit seinem tiefen, weinerlichen Vocals den Zuschauern sanft in die Magengrube tritt. Zuhause vor der Anlage musste mich ich in der Woche darauf dann doch wieder davon überzeugen, dass trotz des Eindrucks des Live-Auftritts diese Energie einfach nicht auf CD gebannt werden kann. Aber das ist egal, denn umso mehr kann man sich auf den nächsten Auftritt der Österreicher freuen. (fierce)

AGAINST NATURE

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Against Nature live auf dem Doom Shall Rise 2006
Musiker aus Leib und Seele – AGAINST NATURE

Allmählich wurde es Zeit für die Auftritte der ganz alten Hasen der Szene. AGAINST NATURE, die Nachfolgeband des ersten REVELATION-Line-Ups, eröffneten den abendlichen Reigen und strahlten auch diese gewisse Erhabenheit gereifter Musiker aus, denen die große Karriere schon lange nicht mehr wichtig ist. Musiker aus Leib und Seele also, und trotz einiger kleiner rhythmischer Holperer war auffallend, wie tight das Trio zusammenspielte. Progressive Elemente hatte die Band schon zu REVELATION-Zeiten in ihrem Sound und die leben sie auch heute noch aus. Allerdings muss ich zugeben, dass ich bei AGAINST NATURE dasselbe Problem habe, wie ich es schon bei ihrer Vorgängerband hatte. Die Musik der Truppe will sich bei mir einfach nicht im Kopf festsetzen. Man hört der Musik zu, geht mit ihr auch gerne mal mit, zwei Minuten später weiß man aber schon nicht mehr so recht wieso. Von daher fällt es mir schwer, diese Band richtig zu beurteilen, denn da sind echte Sympathieträger auf der Bühne, die ihre Musik mit Herz spielen und dabei ihr Handwerk auch wahrhaft verstehen. Allzu viel darf man bei AGAINST NATURE auch von der Bühnenshow nicht erwarten – das Thema „Erhabenheit gereifter Musiker“ hatten wir ja schon. Das Trio lässt die Musik für sich sprechen und nebenbei haben Musiker natürlich auch an der astreinen Darbietung ihre Freude. AGAINST NATURE schaut man sich eben eher gemütlich an, wobei Fans sich gerne auch zum Ausrasten anstecken ließen. Dass die Band wirklich allen sympathisch war, bewies die Tatsache, dass nach Ende des Gigs dann auch die Rufe nach einer Zugabe laut wurden. Für die Jungs von AGAINST NATURE wohl etwas besonderes, John Brenner gab zumindest zu Protokoll, dass dies die erste Zugabe in der zwanzigjährigen Bandkarriere wäre und man deshalb nicht so recht wisse, wie man darauf reagieren solle. Bescheidenheit ist eine Tugend, die AGAINST NATURE definitiv gut zu Gesicht steht. Schön. (fierce)

VENI DOMINE

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Veni Domine live auf dem Doom Shall Rise 2006
Spielten mit ihren christlichen Texten zwar am richtigen Ort, aber vor dem falschen Publikum – VENI DOMINE

Mit der Verpflichtung von VENI DOMINE erfüllte sich Veranstalter Frank einen Traum. Er brachte die Band sogar zu, extra für ihn den Song „The Mass“ vom ersten Album einzuproben und zu spielen, den die Band zum Schluss des Auftritts darbot. Die Mehrzahl der Besucher hingegen konnte seine Begeisterung für die Musik der Schweden anscheinend nicht nachempfinden, so dass die Chapel nach einigen Minuten erschreckend leer war und die Band nur von den vorderen Reihen abgefeiert wurde. Was war es, das die Leute scharenweise hinaus getrieben hatte? Die christlichen Texte? Die Tatsache, dass die Musik zu progressiv war? Der sehr hohe Power Metal-Gesang im Stil eines Geoff Tate? Wahrscheinlich kamen all diese Faktoren zusammen, kombiniert mit der geringen Toleranz für genrefremde Elemente, wie in der Doomszene zum Teil vorzufinden ist. Technisch spielten VENI DOMINE auf jeden Fall alle anderen Bands in Grund und Boden, was sich nicht nur in den virtuosen Soli von Gitarrist Torbjörn Weinesjö zeigte. Nein, es war schon erschreckend, dass Fredrik Olsson seine schwierigen Gesangsparts genauso perfekt darbot wie auf den Alben der Band. Seine hohe, eigenwillige Stimme und das affektierte Stageacting muss nicht jeder mögen – technisch aber war Fredrik sämtlichen anderen Sängern, die dieses Jahr in der Chapel auf der Bühne standen, überlegen. Doch auch mit hervorragenden Songs konnten die Schweden punkten, wie etwa „Dawn Of Time“ vom „Spritual Wasteland“-Album, einer perfekten Balance zwischen Progressive Metal und epischem, erhabenem Doom. Von den Songs des neuen Albums „23:59“ hingegen hat ausschließlich „Valley Of The Visions“ sofort gezündet, ein Midtempo-Stück mit mystischen Keyboardteppichen und einem eingängigen, süßlichen, fast schon etwas poppigen Refrain. Eigentlich ein guter Auftritt, allerdings vielleicht vor dem falschen Publikum. Auf dem ProgPower etwa wäre die Band ganz sicher besser weggekommen. (doomster)

DEBRIS INC.

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Debris Inc. live auf dem Doom Shall Rise 2006
Traten mit Punk und VITUS Ärsche – DEBRIS INC.

Von den katastrophalen Live-Auftritten von DEBRIS INC. hat man ja schon viel gehört. Den Ansprüchen, die an die Band gestellt werden, wurde sie seit ihrem ersten größeren Auftritt auf dem Wacken Open Air 2002 eigentlich noch nie gerecht – enttäuschte Reaktionen sind bislang immer in der Überzahl geblieben. Und auch an diesem Abend schien sich daran nichts ändern zu wollen, zumindest erweckte die Band mit dem Opener nicht unbedingt den Eindruck, dass sie heute in besonders guter Form wäre. Doch irgendwie schafften es die Jungs dann doch, das Publikum für sich zu gewinnen. Für mich persönlich trug dabei Schlagzeuger Henry Vasquez von ARCHIE BUNKER/BLOOD OF THE SUN einen besonderen Teil bei, der dem Punk-Doom einen gottesallmächtigen Tritt in den Arsch verpasste. Junge, was haute dieser Typ auf seine Riesen-Becken ein – ich habe jetzt noch dieses unvergleichliche Klirren der Becken im Ohr. Hammergeil, Schlagzeugspiel ganz nach meinem Geschmack mit vollem Körpereinsatz und einer unglaublichen Wucht. Kaum zu glauben, dass die Felle den Gig durchgehalten haben, richtig gefährlich wurde es aber sowohl für Musiker, als auch Publikum, wenn dem Kerl seine Schlagzeugstöcke aus der Hand glitten und die Dinger wie Geschosse vom Becken in Richtung Publikum geschleudert wurden. Heftig und saukuul. Der Mann scheint die perfekte Ergänzung zum Duo Chandler/Holzner zu sein und so verwundert es nicht, dass gerade die simplen Punk-Songs der Band besonders cool rüber kamen. Ich seh das Album seit diesem Auftritt auf jedem Fall in einem ganz neuen Licht und Stücke wie „Pain“, „Fuckin´Mess“, „Full of Shit“ oder „Nightmare“ als echte Smasher an. Natürlich ist Chandler einfach kein guter Sänger und diesbezüglich muss man von DEBRIS INC. wahrlich nichts erwarten. Dreckigen und knarzigen Metal, das schon eher – und den bringen die Jungs wirklich verdammt überzeugend. Natürlich durfte an diesem Abend eins nicht fehlen: und das waren VITUS-Songs. Und wie das Publikum bei „Dying Inside“, „Living Backwards“ und dem abschließenden „Born Too Late“ ausrasteten, muss ich vermutlich gar nicht beschreiben. Definitiv hatten DEBRIS INC. die Leute jetzt voll in ihren Bann gezogen. Sehrsehrgeil, wirklich! Es lag definitiv nicht am Auftritt der Band, dass wir uns die Zugabe danach noch entgehen ließen – DEBRIS INC. haben die Hütte gerockt und vermutlich einige Leute mehr für sich gewinnen können. (fierce)

Fierce
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