CELTIC FROST, Wil (CH), Remise, 29. Mai 2006

Die Legende kehrt an einem exklusiven Schweizer Club-Gig zurück und beweist, dass sie ihre alten Fans nicht vergessen hat.

In den letzten Monaten rauschten CELTIC FROST mit großer Präsenz durch den analogen und digitalen Blätterwald. Nicht nur Musikpostillen waren zum Ziel auserkoren, nein, die Schweizer Metallegende wurde mit ihrem aktuellen Output Monotheist auch in den einheimischen, dem Mainstream huldigenden Magazinen willkommen geheißen und schafften es gar in das eher Metal-resistente, biedere Schweizer Fernsehen. Relativ erstaunlich war es ob dieser medialen Omnipräsenz dann indes schon, dass das exklusive Konzert von Tom G. Warrior und seinen Mannen nicht stärker beworben wurde. Obschon als Tatort kein Zürcher Club amtete, war das Konzert flugs ausverkauft, und vor der Remise tummelte sich bereits zur Türöffnung ein buntes Publikum. Sofort fiel auf, dass es sich hierbei nicht um das gewohnte Metallerpublikum handelte. Die Anwesenheit der alten Hasen, welche sich unter anderem durch ihre bewährten CORONER oder HELLHAMMER-Shirts abhoben, überraschte weniger als die teilweise präsenten Nicht-Metaller, die sich ebenfalls unters Publikum mischten.

Um 21 Uhr wurde die Menge im vollen Saal dann langsam unruhig, statt des Konzertbeginns waberten sehr lange Intro-Geräusche durch den Raum. Diese wurden hier und dort durch Geflöte und Trommeln, welche an die Soundtracks zu den Dschungelszenen in Filmen wie Clear and Present Danger oder Collateral Damage erinnerten, ergänzt. Die Spannung stieg. Banges Warten. Dann ein schwarzmetallisches Kreischen, weitere Nebelschwaden – und sie standen regungslos auf der Bühne: CELTIC FROST.

Mit dem ersten Uh von Tom G. Warrior kam Leben in die Menge. Die Ehrfurcht war noch immer spürbar, aber die mahlenden Klänge vom Opener Procreation of the Wicked verfehlten ihre Wirkung nicht. Nicht nur die alten Anhänger von CELTIC FROST waren begeistert, da dies eine Setlist erwarten ließ, welche die frühen Werke angemessen berücksichtigen würde. Mit Mesmerized, Dethroned Emperor und The Usurper baute die Kulttruppe die Begeisterung schrittweise auf. Obschon CELTIC FROST anfangs noch etwas unroutiniert (kein Wunder bei der langen Bühnenabstinenz) und hüftsteif wirkten und Drummer Sesa bei den flotteren Parts zeitweise einige Timing-Holperer aufwies, kam je länger je mehr Leben in die Performance. Gierig sog das Publikum sämtliche Uhs in sich auf, denn diese verbreiteten mit dem dreckigen Gitarrensound und dem wummernden Bass die erhoffte Atmosphäre der alten Schule.

Mal tonnenschwer schleppend und doomig, dann wieder etwas flotter agierte die Schweizer Truppe, und es wurde offensichtlich, dass Monotheist ganz klar nicht im Zentrum dieses Auftritts stehen würde. Spätestens bei Necromantical Screams waren die Frostmänner definitiv aufgetaut und lieferten die geballte Ladung an old-schooliger Härte. Egal ob Material von To Mega Therion, Morbid Tales oder dem etwas melodiöseren Into the Pandemonium – die alten Herren erstrahlten spätestens nach 20 Minuten in alter Stärke und brachten auch mit Songs wie Return to the Eve, Visions of Mortality oder dem Kracher Circle of the Tyrants das Publikum in Wallung. Immer wieder prasselten Riffs aus dem CELTIC FROST-Fundus auf das Publikum nieder, auf denen neuere Bands ihr gesamtes Repertoire aufbauen. Das Monotheist-Material wurde mit Progeny, Ground und Ain Elohim in der Setliste eher weniger berücksichtigt, doch klang es dank des Gitarrensounds angenehm roh. Überhaupt hatte man meist das Gefühl, die Gitarrenklänge kämen direkt aus einem modrigen Keller, den seit den 80er Jahren niemand mehr betreten hatte.

Die Stimmung während des Konzertes war indes einzigartig. Einerseits hatte man wegen des teilweise anwesenden un-metallischen Publikums das Gefühl, am falschen Konzert gelandet zu sein. Andererseits entwickelten die alten Werke von CELTIC FROST in der Live-Darbietung einen derartigen Sog, dass man sich auf solche Nebensächlichkeiten gar nicht mehr konzentrieren konnte. Bezüglich Interaktion mit dem Publikum gab sich die Kulttruppe betont distanziert und beinahe ihrem Legendenstatus verfallen. Mit anderen Worten – Ansagen praktisch inexistent, keine Interaktion auf Schweizerdeutsch und mehr als ein scheues Danke von Tom G. Warrior am Schluss des Auftritts war nicht drin. Und doch verzeiht man gerade dieser Truppe gerne solche Pläsierchen. Nicht nur, weil sich CELTIC FROST mit einer beinahe zwei Stunden langen Performance und einer betont altlastigen Setliste geradezu mitten ins dunkle Herz eines jeden anwesenden Metallers spielten – sondern auch, weil wohl keine andere Band den Slogan Wer hat`s erfunden? derart für sich beanspruchen darf.

CELTIC