ATLANTEAN KODEX, FER DE LANCE, MIDNIGHT FORCE: Live im Helvete, Oberhausen am 05.09.2026

Saturday night’s alright for fighting, das wusste ELTON JOHN schon 1973. Klar, dass wir also an diesem Samstag dem Ruf gen Oberhausen folgen, wo MIDNIGHT FORCE, FER DE LANCE und ATLANTEAN KODEX zur Schlacht bitten! Dreimal Epic Metal vom feinsten, drei Bands, die das Genre durchaus unterschiedlich interpretieren. Das kann eigentlich nur geil werden und wenn der KODEX in relativer Nähe zu meiner Heimat spielt, ist Anwesenheit sowieso Pflicht. Einige Tage vor dem Konzert konnte das Helvete dann sogar „ausverkauft“ melden. Demzufolge fanden sich 250 Krieger*innen auf dem Schlachtfeld im Keller ein, was bei den durchaus noch sommerlichen Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit versprach. Meine Begleitung und ich waren pünktlich vor Ort, so dass noch Zeit blieb in Ruhe den Merchandise Stand zu erkunden und diverse Bekannte zu begrüßen.

Trotz gleichzeitig in relativer Nähe stattfindendem Forentreffen war auch das Deaf Forever Forum in angemessener Truppenstärke vor Ort. Besonders gefreut habe ich mich darüber, unseren lieben, ehemaligen Vampster-Kollegen und schwäbischen Heavy Metal-Tausendsassa Markus „Ulle“ Ullrich wiederzusehen, der seit kurzem anstelle von Bandkopf Manuel Trummer beim KODEX zusammen mit Coralie Baier das Gitarren-Gespann bildet. Am Merchandise Stand von ATLANTEAN KODEX fühlte ich mich kurz an CRADLE OF FILTH erinnert ob der vielfältigen Motivauswahl. Im Gegensatz zu den geschäftstüchtigen Briten waren es hier allerdings vor allem Restbestände alter Tourshirts, die für mehr als faire 10 € an die Frau oder den Man gebracht wurden, welche das Angebot erweiterten. Am Ende bin ich mit zwei KODEX-Shirts, einem von MIDNIGHT FORCE und einem FER DE LANCE patch nach Hause gefahren. Dann gibt es diesen Monat halt nur noch Toastbrot mit Ketchup, da muss man Prioritäten setzen!

MIDNIGHT FORCE

Während wir uns noch mit Ulle im vorderen Raum unterhielten, legten MIDNIGHT FORE pünktlich um halb acht mit ihrem Set los, also machten wir uns zügig auf den Weg vor die Bühne. Mit zwei Songs vom aktuellen Album „Severan“, welches ich rückblickend in meinem Jahrespoll 2024 wohl eher noch zu niedrig eingestuft habe, legte die Band aus Oberhausen (Gitarrist Ansgar) und Edinburgh (der Rest) los. Vor allem das als zweites gespielte “Three Empires Fall” entpuppt sich als veritable Live-Granate. Danach folgten vier SOngs vom Debüt “Dunsinane” während das 2019er Album “Gododdin” komplett außen vor gelassen wurde.

Sänger John “C.J.” Gunn setzte nicht nur mit seinem “Protect trans lives” Shirt ein deutliches Zeichen, auch die klare Ansage gegen Faschos und sonstige Rechtsextreme war so deutlich wie nötig und wurde vom Publikum gut aufgenommen. Davon abgesehen waren vor allem er und Bassist Brenden Crow die Aktivposten auf der Bühne, während Ansgar eher in sein Gitarrenspiel versunken wirkte. Aber auch Peter Werninck war hinter seinem Drumkit kaum zu bändigen. “Scarlet Citadel”, wohl so etwas wie der kleine Hit der Band, wurde fleißig mitgesungen und auch beim Rausschmeißer “Down With The King” wurde fleißig mit gegrölt. Alles in allem ein richtig starker Auftritt der Band, der meinetwegen ruhig noch etwas länger hätte gehen dürfen. Gerade auf “Severan” gibt es noch ein paar echte Banger wie “The Last Raider King”, die vom Publikum garantiert hart abgefeiert worden wären. Hoffentlich spielt die Band irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, nochmal in der Nähe.

Setlist MIDNIGHT FORCE:
Megas Alexandros
Three Empires Fall
Scarlet Citadel
Dunsinane
Witchfinder
Down With The King

 

FER DE LANCE

FER DE LANCE hätten eigentlich schon vor drei Jahren hier im Helvete spielen sollen, schafften es aber letztendlich dank ausgefallener und verspäteter Flüge nicht rechtzeitig nach Oberhausen, sodass wir uns an diesem Abend mit HELSTAR und SÖLICITÖR begnügen mussten, was zugegebenermaßen schon ein ziemlich geiles Package war. Ich bin zugegebenermaßen nicht so sehr mit dem Material der Band vertraut, habe die EP und das Album zwar digital aber nicht sehr oft und intensiv gehört. Trotzdem konnte das Trio aus Chicago mich vom ersten Ton an überzeugen. Neben epischem Heavy Metal hat auch extremer Metal in Form von Blastbeats und Tremolo-Riffs seinen Weg in den Sound von FER DE LANCE gefunden, dazu viele epische Chöre. Das BATHORY-Shirt des Drummers kommt sicher nicht von ungefähr, der Einfluss der Band auf den Sound von FER DE LANCE ist nicht zu bestreiten.

Bassist Pat “Rüsty” Glöckle, bis vor kurzem auch noch bei MIDNIGHT DICE aktiv, die endlich im Studio sind um neues Material aufzunehmen, kam sowohl auf als auch abseits der Bühne sehr sympathisch rüber und sorgte zumindest für etwas Bewegung während Frontmann MP durch die Doppelbelastung Gesang und Gitarre natürlich etwas unbeweglich war, allerdings ebenfalls jede Menge Spielfreude ausstrahlte. Die Setlist bestand aus je zwei Songs von beiden Alben sowie der EP und als Abschluss noch ein Cover des SAVATAGE-Klassikers “Hall Of The Mountain King”, den die Band engagiert ins dankbare Publikum feuerte, bei dem man aber dann doch einen Klassenunterschied zum Original hören konnte. War dann aber auch egal, der Wille zählt! Auch FER DE LANCE haben auf ganzer Linie überzeugt.

Setlist FER DE LANCE:
City In The Sea
Ad Bestias
Ravens Fly (Dreams of Daidalos)
Fire On the Mountainside
Triumph & Tragedy
Sirens
Hall Of The Mountain King (SAVATAGE cover)

 

ATLANTEAN KODEX

So gut die beiden Bands auch waren, an der Anzahl der Shirts im Publikum konnte man sehr deutlich sehen, wer hier heute für die ausverkaufte Hütte gesorgt hat, wem die Meute am meisten entgegen fieberte. Und so kam schon der erste Jubel auf, als Cora als erste KODEX-Musikerin ihr Equipment auf die Bühne schleppte. Ich hatte mich seit Beginn des FER DE LANCE-Auftritts nicht mehr von der Stelle bewegt und mit somit meinen Platz ganz vorne auf der schwäbischen Gitarrenflanke vor Ulle gesichert. Gegen halb zehn ertönen die Klänge des Intros, welches nahtlos in “The Alpha And The occident” und anschließend “People Of The Moon” übergeht. Und es wurde von der ersten Sekunde an ein Triumphzug für den KODEX! “Holy – Holy – Song of Death and Birth” aus 250 Kehlen, alle Fäuste oben!

Nach “Lion Of Chaldea” kündigt Becker kurz und schmerzlos den neuen Song “The Pattern Under The Plough” an, welchen die Band seit Ende letzten Jahres bereits im Set hat. Der Song hat eine gewisse DOOMSWORD-Note, zumindest, was die Gitarren angeht. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf das kommende Album. Mit dem nachdenklichen “The Innermost Light” gibt es eine kurze Verschnaufpause, bevor ATLANTEAN KODEX mit “Sol Invictus” ihren vielleicht größten Banger raushauen! Und wieder singen alle mit, wird gebangt, die Fäuste hochgereckt. Die Band hat sichtbar Spaß und nimmt die Ekstase des Oberhausener Publikums dankbar auf. Cora und Ulle harmonieren als Gitarrenduo perfekt, beide sind absolute Vollprofis und ich muss mal ehrlich sagen, so gut klangen ATLANTEAN KODEX live noch nie. Auch Becker lieferte an diesem Abend eine astreine Performance ab. Und der wie immer ein solides Fundament legenden Rhythmusgruppe sah man den Spaß an diesem Gig auch überdeutlich an. Insbesondere Bassist Florian Kreuzer strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Und mit “He Who Walks Behind The Years” geht das Hit Feuerwerk munter weiter, bevor mit “Heresiarch” doomigere Töne angeschlagen werden.

Was dann folgte ist der eine große, magische Moment auf jedem ATLANTEAN KODEX-Konzert. Der Song, bei dem der gesamte Raum schon die Gitarrenmelodie mitsingt.

„I wish to speak to you today about the tragedy of Europe“

Die Rede ist natürlich von “Twelve Stars and an Azure Gown”, dieser unfassbar mitreißenden Hymne an Europa. Gänsehaut, Tränen in den Augen, sicherlich nicht nur bei mir. Was für ein Song, ey! Danach die Stimmung oben zu halten ist gar nicht einfach. ATLANTEAN KODEX entschieden sich spontan, die Setlist umzustellen, was Becker mit den Worten “Das ist für uns gar nicht so einfach, wir sind ja keine Prog-Band” kommentierte. Es folgte also das elegische „Pilgrim“, bevor die Band mit der Bandhymne “The Atlantean Kodex” den Sack zumacht. Diesen Banger statt “Pilgrim” ans Ende zu stellen, war eine gute Entscheidung, so haben alle im Publikum nochmal so richtig Gas gegeben und die Band nach allen Regeln der Kunst abgefeiert.

Nach so einem Auftritt kann man sich natürlich nicht einfach so von der Bühne schleichen, auch wenn ATLANTEAN KODEX, wie Becker es selbst sagte, eigentlich keine Zugaben-Band sind. Heute machte die sichtlich gerührte Band aber mal eine Ausnahme. Becker war zwar der Meinung, es gleich total zu verkacken, weil er den Text nicht kann, am Ende lief es aber doch ziemlich gut und mit dem Titeltrack von “The Course Of Empire” feuerten ATLANTEAN KODEX nochmal ein ganz großes Highlight zum Schluss ab. Da habe ich wirklich so ziemlich jede Textzeile mitgesungen. Was für ein Auftritt!

Etwa neunzig Minuten lang bekamen wir an diesem Abend die absolute Vollbedienung. Klar, es gibt immer Songs, die man gerne noch gehört hätte. Ich hätte mich zum Beispiel mal wieder über “The Temple Of Katholic Magick” oder “Enthroned in Clouds and Fire” gefreut, aber alles in allem war die Setlist an diesem Abend schon sehr geil. Danach konnte man alle Musiker noch am Merch, der Bar oder sonstwo im Club sehen und die eine oder andere nette Unterhaltung führen oder noch mehr Merch kaufen. Alles in allem war es ein mehr als gelungener Abend und eines der ganz großen Konzert-Highlights des Jahres. Vielen Dank an alle drei Bands!

Setlist ATLANTEAN KODEX:
The Alpha and the Occident
People of the Moon
Lion of Chaldea
The Pattern Under the Plough
The Innermost Light
Sol Invictus
He Who Walks Behind the Years
Heresiarch
Twelve Stars and an Azure Gown
Pilgrim
The Atlantean Kodex

The Course of Empire