SUPERSHINE: Kult im Multipack

SUPERSHINE: Kult im Multipack

TROUBLE und KING`S X. Zwei Namen und zwei Bands, die ein ähnliches Schicksal teilen respektive teilten: Von Kritikern geliebt, von eingeschworenen Fans kultisch verehrt und von der breiten Masse geflissentlich ignoriert. Warum diese beiden Bands hier in einem Atemzug genannt werden? Ein Wort nur: SUPERSHINE. Denn hinter SUPERSHINE verbergen sich zwei bekannte Namen: ex-TROUBLE-Gitarrist Bruce Franklin und Doug Pinnick, Bassist und Sänger bei KINGS`X. Und – welch` Freude! – das Album klingt exakt wie erwartet: Instrumentale Songgerüste, die ohne Weiteres jüngerer TROUBLE-Alben entliehen sein könnten, treffen auf urtypische KING`S X-Gesangslinien und ebensolche Vocal-Arrangements.

Bruce, ich war anfangs recht überrascht, von Eurer Zusammenarbeit zu hören. Wie kam`s dazu?

Wir kennen uns schon sehr lange und sind jeweils Fan der Band des Anderen. Schon seit KING`S X ihr erstes Album heraus gebracht haben, habe ich mir jede Show angeschaut, die sie in Chicago gespielt haben. Und Doug war zuvor oft bei TROUBLE-Auftritten. Irgendwann haben wir uns dann kennen gelernt, sind in Kontakt geblieben und haben oft miteinander telephoniert. Als ich an der Musik für dieses Projekt arbeitete und mir die Frage stellte, wer dazu singen könnte, stand Doug ganz oben auf meiner Liste, schließlich ist er auch einer meiner Lieblingssänger. Ich habe gefragt ob er Interesses hätte: Er hatte.

Ich war sehr gespannt, wie seine Stimme zur Musik passen würde. Um ehrlich zu sein, konnte ich mir die Kombination gar nicht recht vorstellen, zumal ich ja den typischen TROUBLE-Sound nur mit Eric Wagner kenne. War Dir klar, daß Dougs Stimme sich so gut in Deine Songs einfügen würde oder warst Du – ebenso wie ich – angesichts der zusätzlichen Dimension überrascht, die Dougs Stimme dem Material verleiht?

Ich wußte eigentlich, daß es großartig klingen würde. Nachdem ich die ersten Songs gehört hatte, die wir zusammen erarbeitet haben, war es sogar noch besser, als ich dachte.

Musikalisch erinnert SUPERSHINE allertdings sehr an die letzten drei TROUBLE-Alben. War Dir nicht danach, etwas gänzlich Neues auszuprobieren?

Nun, es ist so: Ich habe den Großteil der Musik von TROUBLE geschrieben, und ich habe einfach nur da weiter gemacht, wo ich bei TROUBLE aufgehört hatte. Das ist eben immer noch das, was mir am Besten liegt. Aber alleine die Tatsache, daß Doug singt, hat der Musik eine ganz neue Dimension verliehen. Ich denke, seine Vocals haben es zu etwas Besonderem gemacht, das sich sehr von TROUBLE unterscheidet

Derzeit hat SUPERSHINE noch Projektcharakter. Kann daraus mehr werden?

DougDie Chancen, daß daraus eine richtige Band wird, stehen sehr gut. Wir haben gerade erst mit dem Label wegen Live-Shows gesprochen. Es hängt natürlich sehr von Dougs Terminplan aus, denn KINGS´X stehen bei ihm verständlicherweise an erster Stelle, aber wir arbeiten daran ein paar Dates zu spielen. Und wir haben einen Vertrag über vier Alben, insofern wird auf jeden Fall noch etwas nachkommen.

Wird dann Jeff Olsen, Dein alter Kollege aus TROUBLE-Tagen und ursprünglich Mit-Initiator von SUPERSHINE, dabei sein oder gar fester Band-Drummer werden? Auf dem Album hat er ja nur die Hälfte aller Songs eingespielt…

Wir machen Live-Shows, haben dies Line-Up-Fragen aber noch nicht komplett ausdiskutiert. Aber ich denke schon, daß Jeff dabei sein wird.

Auf dem Album habt Ihr außerdem mit Jerry Gaskill von KING´S X gearbeitet, der die restlichen Drum-Parts übernommen hat…

Ja, und er hat seine Job großartig gemacht. Er ist ein großartiger Drummer. Aber wenn es ans Touren geht, wird es wohl schwierig werden, denn ihm reichen schon die Live-Auftritte mit KING´S X und die stehen natürlich auch bei ihm an erster Stelle Daher denke ich, daß Jeff wohl am ehesten in Frage kommt.

Ebenfalls auf dem Album zu hören ist Wally Farkas von den GALACTIC COWBOYS. Irgendwie scheinen alle Beteiligten aus Bands zu kommen, die zwar zu Kritikerlieblingen avanciert sind, aber nie allzu großen kommerziellen Erfolg hatten…

(lacht) Stimmt, stimmt… nun, mit Wally war das so: Wir wußten, daß wir im Intro und im letzten Song `Shadows/Light` ein Keyboard wollten. Ich fragte Doug, ob er jemanden wüßte, der für den Job in Frage käme, und er meinte: Ja, ich kenne jemanden. Wally hat eine Hammond, laß´ ihn uns anrufen. Und das habe wir getan. Das ist alles einfach so passiert, das war kein großangelegter Plan. Aber er hat eine großartigen Job gemacht. Jerry lagt natürlich nahe und es war auch sehr angenehm, mit ihm zu sielen. Und Jeff ist natürlich ein sehr guter Freund von mir. Manchmal ergeben sich die Dinge einfach so.

Und jetzt haben wir ein Konglomerat aus lauter Kultbands…

Ja, ich weiß, was Du meinst. Wir alle haben eine loyale Fanbasis im Untergrund, konnten aber nie ein breites Publikum erreichen. Alle Bands hatten immer sehr gute Kritiken. Tja, was soll ich sagen? Mein persönliche Meinung: Alle drei Bands hätten den Durchbruch verdient gehabt!

Die Meinung teile ich definitiv! Aber leider sind ja nur noch KING´S X im Rennen. Und nun natürlich SUPERSHINE! Aber mal Hand aufs Herz: Welche Erfolgschancen rechnest Du Dir mit dem Album aus?

BruceNun, ich hege keinerlei große Erwartungen, obwohl ich der Meinung bin, daß es ein großartiges Album ist. Das liegt zum Teil natürlich an dem Glück, das ich all die Jahre mit TROUBLE hatte. Das hat mich gelehrt, meine Erwartungen nicht allzu hoch anzusetzen, haha. Es liegt aber auch teilweise daran, daß ich weiß, daß Doug sich eben nicht zu 100 Prozent auf SUPERSHINE konzentrieren kann. Und um ehrlich zu sein: Ich weiß nicht mal, wie die Presse und die Fans das Album annehmen werden. Ich habe einfach nur die Musik geschrieben, die ich schreiben wollte, ich wollte ein gutes Album machen. Und wir denken, das ist es geworden. Jetzt müssen wir abwarten, was daraus wird. Was helfen könnte, wäre eben, auf Tour zu gehen und das Album live zu präsentieren.

Ich persönlich schätze das Album wirklich sehr. Aber wäre es vor ein paar Jahren erschienen, dann wäre der allgemeine Tenor womöglich gewesen: zu altmodisch.

(lacht) Ja, mag sein….

Inzwischen hat sich aber eine gewisse Musikrichtung auf dem Markt etabliert, der sogenannte Stoner Rock, der ja seine Inspirationen auch aus dem Psychedelic Rock der späten 60er und frühen 70er bezieht. Würde es Dich stören, jetzt plötzlich in dieser Schublade zu landen?

Ach, man kann es nennen wie man will. Ich denke, die Einflüsse sind in der Tat recht ähnlich, und das hört man auch. Das kann ich nicht verleugnen, auch, wenn ich solche Musik schon sehr viel länger spiele.

Einer dieser Einflüsse sind wahrscheinlich auch GRAND FUNK RAILROAD, von denen Ihr auf dem Album `Shinin` On` gecovert habt.

Stimmt. Ich war nicht nur der Meinung, daß das ein absolut cooler Song ist, auch textlich charakterisiert er SUPERSHINE sehr gut: Keep your spirit shine, keep it burning, keep it going. Das hat viel damit zu tun, was ich mit SUPERSHINE ausdrücken möchte.

Es scheint, als sei eine positive, geradezu spirituelle Botschaft recht wichtig für Dich?

Ja, das ist sehr wichtig für mich. Das war auch schon bei TROUBLE zu spüren, auch wenn sich da gegen Ende der Fokus etwas verschoben hat, was auch einer der Gründe war, warum sich die Band auflöste. Viele Songs des Albums haben einen spirituellen Hintergrund, aber nicht alle.

Du bist ja seit einigen Jahren bekennender Christ…

Richtig. Genauer gesagt, seit 1988.

Jeff Olsen hat Dich damals auf den Weg gebracht…

Ja. Er ist schon einige Jahre früher zum Christentum gekommen. Er hat dann TROUBLE verlassen, aber wir sind in Kontakt geblieben, und er hat immer versucht, mich zu einem Bibel-Kurs zu schleifen. Aber ich wollte nichts mit der Kirche zu tun haben. Doch er hat weiter gedrängt und immer weiter, bis ich schließlich gesagt habe: OK, ich komm` mit!. Ich dachte, ich gehe halt jetzt einmal mit, damit er mich endlich in Ruhe läßt, haha. Aber als ich dort war, hat mich das wirklich berührt, ich habe die Bibel von einer ganz anderen Seite kennen gelernt und es hat mein Leben verändert.

Interessanterweise wurden TROUBLE ja anfangs in die White Metal-Ecke gesteckt, obgleich zumindest damals niemand in der Band bekennender Christ war…

Nein, wir waren überhaupt nicht gläubig. Wir waren eigentlich nur ein Haufen Kiffer! (lacht)

Später haben zumindest zwei von Euch den Weg zu Gott gefunden. Denkst Du, das war Schicksal?

Hmm, das ist eine tiefschürfende Frage. Durch das, was ich aus der Bibel weiß, denke ich, daß Gott auf jeden wartet, bis er seinen Weg findet. Jeder hat die freie Wahl und kann seine Entscheidung treffen. Manche finden noch zu Gott, wenn sie erst 65 Jahre alt sind, da geht jeder seinen eigenen Weg.

Hat damals das Erwachen Deines Glaubens für Dich persönlich auch Deine Einstellung zu Deinem früheren Schaffen als Musiker verändert?

Ich denke nicht, nein. Ich habe eigentlich schon immer an Gott geglaubt, bin ihm aber nicht gefolgt und habe mir nicht viel Gedanken um ihn gemacht. Aber ich kannte die Bibel schon. Allerdings hat damals Eric die Texte geschrieben, ich denke, er hat die Bibel damals richtiggehend verschlungen und war sehr an den Themen interessiert. Aber auch kannte die Bibel schon zuvor. An der Vergangenheit hat sich also nichts geändert, aber ab diesem Zeitpunkt wurden die folgenden Alben für mich mehr als einfach nur Sammlungen an Songs, die ich schreibe

Ist Deine Musik für Dich seitdem eine Art Mission?

SUPERSHINE:Nun, bei SUPERSHINE geht es nicht in erster Linie darum, Zeuge Gottes zu sein. Aber als Person trage ich das natürlich in mir. Doch diese Band predigt nicht, das ist kein Gospel. Gott hat mir mein Talent gegeben und er wirkt irgendwie durch mich, aber ich bin kein Priester und Doug wohl auch nicht. Seine spirituelle Beziehung zu Gott ist ohnehin eher persönlicher Natur, noch mehr als bei mir, würde ich sagen. SUPERSHINE ist einfach eine Rock-Band, aber der spirituelle Aspekt kommt natürlich durch. Doch wir werden bestimmt nicht auf der Bühne stehen und predigen.

Doug hat in einigen Interviews der letzten Monate von sich gesagt, er sei Atheist geworden und habe den Glauben an Gott und das Christentum abgelegt. Andererseits schwingt in seinen Texten immer noch viel dessen mit, was die eigentliche christliche Botschaft ausmacht, auch wenn nicht direkt von Gott die Rede ist…

Ich kann natürlich nicht für Doug sprechen, aber als ich das erste Mal von seinem Bekenntnis zum Atheismus gehört habe, haben wir uns lange unterhalten. Ich habe ihn letztlich so verstanden, daß er sich vom Verhalten vieler Christen und deren Urteile über ihn sehr verletzt gefühlt hat. (Doug Pinnick hatte sich zur Homosexualität bekannt, womit einige Schäfchen Gottes so ihre Probleme hatten – der Verf.). Viele sogenannte Christen haben sich von ihm abgewandt und das hat ihn so sehr belastet, daß er sich seinerseits vom organisierten Christentum abgewandt hat. Aber ich habe ihn nach unserem Gespräch dennoch so verstanden, daß er immer noch an Gott glaubt, daß er aber nichts mehr mit der organisiertem Kirche zu tun haben will. Aber wie gesagt, da kann er nur für sich selbst sprechen, das kann ich nicht übernehmen.

Ich kann mich des Gefühles nicht erwehren, daß viele organisierte Religionen mit ihren starren Strukturen und ihren fragwürdigen Dogmen viele Menschen eher vom Glauben abhalten als sie mit solchem zu erfüllen…

Richtig. Doch Menschen zu verstoßen ist unreif, auch in der Beziehung zu Gott. Aber eine Menge sogenannter Christen sind so, sie sind eben unreif. So hat Jesus die Menschen jedenfalls nicht behandelt. Laut Bibel haben die religiösen Führer Jesus auch gefragt, warum er sich mit Steuereintreibern, Prostituierten und Dieben abgibt. Aber für Gott sind diese Menschen genauso wichtig wie die hohen religiösen Würdenträger. Es sind diese Menschen, die ihn besonders brauchen. Und so sollte man sie auch behandeln und sie nicht einfach aus der Gruppe oder der Gesellschaft ausstoßen.

Ich finde es recht bemerkenswert, wenn eine Band sich öffentlich zum christlichen Glauben bekennt, denn für viele ist ja harte Rockmusik und christlicher Glaube ein Widerspruch in sich…

Ja, aber das ist der Standpunkt eines Menschen, nicht der Gottes! In der Bibel habe ich gelesen: Preiset Gott mit Klang und Tanz (Freie Übersetzung des Verfassers, der leider nicht sämtliche Textstellen der Bibel auswendig kennt. Bibelfestere Leser mögen bitte etwaige Fehler verzeihen – der Verf.). Ich kann ihn auch preisen, indem ich Musik spiele wie BLACK SABBATH, das sind doch letztlich nur ein paar Akkorde.

Ich denke, es kommt auf das Bewußtsein, nicht auf die Verpackung an.

Genau…

Und man spürt, was an Bewußtsein in diesem Album steckt. Ich glaube, ich kann jetzt auch ganz gut nachvollziehen, was damals mit TROUBLE passiert ist….

Das macht schon Sinn, nicht wahr?

Ja, Plastic Green Head hatte in dieser Hinsicht definitiv eine andere Ausstrahlung als die vorherigen Alben…

Ja, da stimme ich Dir zu. Auch die Qualität der Musik war nicht ganz so gut. Es gab einfach Unstimmigkeiten….

Vor kurzem wurde angekündigt, daß es ein neues TROUBLE-Album geben werde, aber das scheint sich in Luft aufgelöst zu haben…

(lacht) Nun, ich würde es immer noch nicht ausschließen, aber im Moment tut sich nichts. Und ich wäre schon dabei, denn all die Jungs sind wie Brüder für mich. Ich möchte es nicht ausschließen, wir sprechen immer wieder darüber, aber wie gesagt, im Moment passiert nichts. Und wenn, müßte es in die Richtung des 1990er Album gehen…