SANCTITY: Der Kebab-Freak und die Tücken der Technik

SANCTITY: Der Kebab-Freak und die Tücken der Technik

Mit „Road To Blodshed“ haben SANCTITY vor Kurzem ihr äußerst beachtliches Debüt auf Roadrunner Records veröffentlicht. Die Mischung aus modernem Metal und traditionellen Einflüssen erinnert nicht nur zufällig an die Label-Nachbarn und Freunde von TRIVIUM, mit denen man gerade, zusammen mit ANNIHILATOR, europäische Bühnen beackert. Wir trafen Gitarrist und Sänger Jared MacEachern vor dem Konzert in Köln. Der junge Frontmann entpuppte sich als äußerst sympathischer und auskunftsfreudiger Gesprächspartner. Leider Gottes machte mir die Technik einen Strich durch die Rechnung und versaute die Aufnahme des knapp halbstündigen Gespräches so sehr, dass sich die Rekonstruktion des Ganzen, als gar nicht mal so einfach erwies. Daher fallen einige von Jareds Antworten hier leider etwas kurz aus, da ich schlicht und ergreifend nicht mehr alles raushören konnte. Aber lest selbst.

Hi! Wie fühlt es sich an, von einem Moment auf den anderen plötzlich beim größten Metal-Label der Welt unter Vertrag zu stehen?

Es ist unglaublich! Ich kann manchmal immer noch nicht so richtig glauben, dass wir echt bei Roadrunner Records gelandet sind. Es ist einfach großartig und sie behandeln uns wirklich gut.

Das ist, wenn ich richtig informiert bin, euer erster Plattenvertrag. Eure bisherigen EP´s habt ihr allesamt als Eigenproduktionen veröffentlicht?

Ja, richtig. Das ist unser erster Deal.

Es ist ja ein großer Sprung für eine Band, die bisher ohne Plattendeal dastand, direkt bei Roadrunner zu landen. Wie sehr habt ihr den Druck gespürt, der auf euch lastete?

Ja, der Druck war auf jeden Fall da. Ich meine, das sind Roadrunner! Die haben großartige Bands im Programm und operieren weltweit. Wir waren anfangs etwas überwältigt. Aber wir haben versucht, weiterhin hart zu arbeiten und ein gutes Album abzuliefern. Es war teilweise etwas stressig, aber nicht so wild. Jetzt müssen wir mal abwarten, der große Stress kommt vielleicht beim zweiten Album.

Hat euch dieser Druck eher gehemmt oder beflügelt?

Es gab einen Punkt, an dem uns der Druck wirklich ein wenig gehemmt hat. Wir haben so hart gearbeitet, versucht gute Songs zu schreiben und haben uns selbst gestresst. Wir haben uns dann mal eine kurze Auszeit genommen und relaxt, sind dann wieder an die Sache ran gegangen und von da an lief es immer besser. Aber es war durchaus Druck da und es gab einen Punkt, an dem es schon etwas härter wurde.

Wie war es, mit Jason Suecof aufzunehmen? War er ausschließlich als Produzent tätig oder hat er euch auch bei den Arrangements etwas unter die Arme gegriffen?

Er hat ein wenig bei den Arrangements geholfen und auch beim Gesang. Er ist ein großartiger Produzent, was Gesang betrifft. Wir hatten viel Spaß bei ihm im Studio, da Jason etwa in unserem Alter und ein guter Freund von uns ist. Die Aufnahmen waren echt spaßig und ich denke das Ergebnis ist wirklich fantastisch.

Den Mix hat, bis auf drei Songs, Colin Richardson übernommen. Wieso habt ihr die drei Songs „Beloved Killer“, „Seconds“ und „Once Again“ nicht ebenfalls ihm überlassen?

Er hatte einfach nicht mehr genug Zeit, weil er sich anderen Projekten widmen musste, also haben wir Zeus die restlichen drei Songs mixen lassen.

Wie viele der Songs auf eurem Debüt sind neue Songs und wie viele stammen noch aus euren Demo-Zeiten?

Etwa zwei Drittel des Albums sind neue Songs. Der Rest sind alte Songs, die wir teilweise aber auch ziemlich überarbeitet haben.

Gibt es noch weitere Songs, die es nicht auf „Road To Blodshed“ geschafft haben?

Es gibt tatsächlich noch ein paar Songs. Einen alten und einen neueren, die nicht auf dem Album sind. Wir werden mal schauen, was mit denen passiert.

Japan Bonustracks?

Wahrscheinlich so etwas in der Richtung.

Habt ihr schon neue Songs geschrieben seit ihr die Arbeit an „Road To Blodshed“ abgeschlossen habt?

Noch nicht so richtig. Wir haben schon ein paar Ideen, aber noch keine kompletten Songs. Aber nach der Tour haben wir vier bis fünf Wochen frei. Dann werden wir uns auf jeden Fall in unseren Proberaum setzen und an neuem Material arbeiten. Ich weiß noch nicht genau wann wir die nächste Scheibe aufnehmen werden, aber wir wollen auf jeden Fall schnell nachlegen.

Ihr seid also keine Band, die auf Tour Songs schreiben kann?

Momentan nicht. Wir arbeiten am besten, wenn wir uns alle zusammen im Proberaum hin setzten. Aber ich denke, dass wir früher oder später dazu übergehen werden, da man kaum eine andere Möglichkeit hat. Man muss als Band natürlich neue Songs schreiben, aber man muss gleichzeitig eben auch viel touren.

Touren scheint eh immer wichtiger zu werden. Ein neues Album ist manchmal ja fast nur ein Aufhänger, um wieder auf Tour zu gehen.

Sanctity Interview 2007 - Jared MacEachern vor dem Konzert in Köln am 17. Mai 2007
„Wir waren anfangs etwas überwältigt. Aber wir haben versucht, weiterhin hart zu arbeiten und ein gutes Album abzuliefern. Es war teilweise etwas stressig, aber nicht so wild.“ – Der Vertrag mit Roadrunner baute Anfangs durchaus Druck auf.

Ja, das stimmt schon. Als Band muss man einfach touren. Auf Tour sind wir in unserem Element. Wir wollen unbedingt Konzerte spielen da wir eine sehr live-orientierte Band sind. Man muss einfach unsere ganze Live-Performance sehen.

Sowohl TRIVIUM, als auch SHADOWS FALL haben auf ihren letzten Alben deutlich mehr Einflüsse des traditionellen (Thrash) Metal eingebracht. Auch bei euch hört man diese Einflüsse deutlich heraus. Woran liegt es, dass momentan so einige Bands diesen Weg gehen?

All diese Bands wie PANTERA, METALLICA oder MEGADETH, das sind Bands, die wir alle hören. Diese Art von Musik wurde eine ganze Weile kaum noch beachtet. Wir versuchen also auch ein bisschen die guten alten Zeiten zurück zu bringen, wollen ihnen aber auch einen etwas moderneren Anstrich geben.

Was würdest du Leuten entgegen, die sich denken: Na toll, eine weitere Modern-Metal Band aus Amerika auf Roadrunner? Was würdest du sagen, unterscheidet euch vom Rest der aktuellen Modern-Metal Welle?

Das ist momentan noch schwer zu sagen. Ich meine, wir haben gerade eine Scheibe draußen und wir versuchen uns erst zu etablieren. Wir haben ein paar alte Einflüsse, ein paar neue. Was uns aber definitiv auszeichnet sind unsere Live-Shows, die wir sehr intensiv gestalten wollen. Wir versuchen immer auch das Publikum mit einzubeziehen. Wenn jemand gelangweilt im Publikum rum steht, versuchen wir ihn anzustacheln. Ich denke das ist unsere Stärke. Aber wie ich bereits sagte, müssen wir einfach mal sehen, wohin unser Weg in den nächsten Jahren führt.

Ihr kommt aus Asheville in North Carolina, einer mit ca 70.000 Einwohnern eher kleinen Stadt. Wie sieht die Szene bei euch aus?

Nicht sehr groß, da es nur wenige Metal-Bands hier gibt. Für Musik allgemein ist es allerdings eine großartige Stadt. Es gibt hier viele verschiedene Sachen wie Bluegrass-Bands, Folk-Bands, Rock-Bands und so weiter. Wir spielen häufig Konzerte zusammen, da sich die Musiker alle untereinander kennen und miteinander befreundet sind. Und die Kids aus den verschiedenen Bereichen kommen auch zu all diesen Konzerten.

Nachdem TRIVIUM euch nach einer Show in deren Vorprogramm bereits mit Roadrunner in Kontakt gebracht haben, nehmen sie euch jetzt mit auf Tour. Ihr scheint ja echt Eindruck bei den Jungs hinterlassen zu haben.

Ja, wird sind gute Freunde geworden und haben jetzt auch viel Spaß zusammen auf Tour.

Wie seid ihr zu der Gelegenheit gekommen, dieses Konzert mit TRIVIUM spielen zu können?

Sie haben bei uns in der Nähe gespielt. Ich glaube es war im Rahmen der Roadshock Tour, unter anderem mit FEAR FACTORY zusammen. Wir haben von der Show gehört und kannten den Besitzer des Clubs. Er nimmt öfter lokale Bands mit auf das Billing. Wir haben ihn also gefragt, ob wir die Show spielen können und er meinte „Ja klar“! Und so ist es halt dazu gekommen, dass wir die Jungs getroffen haben.

Mit TRIVIUM verbindet euch ja nicht nur, dass Mat Heaffy euch bei Roadrunner empfohlen hat. Ihr seid auch bei deren Management Arcangel gelandet.

Ja, sie haben uns wirklich sehr geholfen, sei es nun mit dem Kontakt zum Plattenlabel oder auch zu Jason Suecoff.

Ihr habt 2005 annähernd zweihundert Konzerte gespielt und das alles ohne einen Platenvertrag. Lebt ihr alle noch bei euren Eltern oder wie habt ihr das geschafft?

Die meisten Konzerte waren in einem Umkreis von etwa vier Stunden von unserer Heimatstadt. Wir haben im Schnitt etwa zwei bis drei Konzerte pro Woche gespielt, was ziemlich hart war, da wir alle nebenbei auch noch unsere Jobs haben. Aber wir wollten das durchziehen, weil das genau das ist, was wir tun wollen.

Zur Finanzierung der Demo-Aufnahmen bei Jason Suecof habt ihr ein Konzert veranstaltet zu dem immerhin 600 Leute kamen. Nicht schlecht für eine Band ohne Deal.

Wir kommen aus einer kleinen Stadt und als die Bands aus der Gegend gehört haben, dass wir einen Plattenvertrag bekommen, waren sie echt stolz auf uns und haben uns gerne geholfen und die Kids sind natürlich auch alle gekommen um uns zu helfen.

Dave Mustaine hat euch ja auf seine GIGANTOUR eingeladen. Erzähl mal wie es dazu kam.

Das war fantastisch. Wir haben vorher noch nie so eine Tour gefahren. Wir waren zusammen mit DRAGONFORCE auf Tour und als wir im Whisky in LA gespielt haben, ist Dave Mustaine einfach vorbei gekommen. Ich meine, es ist nicht so, dass er sich vorher angekündigt hätte, oder so. Er ist einfach vorbei gekommen, zu uns in den Backstage-Bereich gegangen und hat uns gefragt, ob wir Lust hätten auf der GIGANTOUR mit zu spielen. Das war echt der Hammer! Er ist echt ein cooler, bodenständiger Kerl. Für uns war es gigantisch mit Bands wie MEGADETH, LAMB OF GOD, OVERKILL und OPETH zu touren. Es war fantastisch mit diesen Bands zu touren und die Gelegenheit zu haben mit den Musikern rum zu hängen.

Sanctity Interview 2007 - Jared MacEachern vor dem Konzert in Köln am 17. Mai 2007
„Wie schlagt ihr generell die Zeit auf Tour tot?“ – „Wir bohren in der Nase, ha ha ha.“

Ja, solche Tour-Billings sieht man in Europa eigentlich nie.

Ja, aber dafür habt ihr sehr viele Festivals. Ich meine, alleine hier in Deutschland gibt es doch glaube ich ungefähr zweihundert Festivals. Das ist echt unglaublich.

Ich nehme an, ihr seid das erste Mal in Europa auf Tour?

Ja.

Bleibt ihr eher den ganzen Tag im Tourbus oder schaut ihr euch die Städte an, in denen ihr so spielt?

Wenn wir die Zeit haben, laufen wir gerne etwas durch die Städte und schauen uns die Sehenswürdigkeiten an, aber leider hat man da nicht immer die Möglichkeiten zu. Entweder muss man vorher noch Interviews geben oder die Show fängt sehr früh an. Aber wann immer wir eine Chance bekommen uns umzusehen, nutzen wir Sie. Aber wir kommen wieder und sehen dann sicher noch mehr.

Wie schlagt ihr generell die Zeit auf Tour tot?

Wir bohren in der Nase, ha ha ha. Ansonsten hängen wir rum, trinken ein paar Bier, spielen dumme Spiele und so weiter.

Deinem Tourtagebuch nach, scheinst du ziemlich auf Kebab zu stehen.

Ich stehe total auf Kebab, besonders so gegen drei Uhr morgens, ha ha ha. Letztens meinte ich noch zu Matt Heaffy, dass ich uns ein paar Kebabs besorgen will und er hat nur angewidert dass Gesicht verzogen, ha ha ha.

Wie ist es denn mit TRIVIUM und ANNIHILATOR unterwegs zu sein? Feiert ihr nach den Shows noch oder geht es brav ins Bett?

In einigen Hallen gibt es nach den Shows noch Musik und dann setzen wir uns da auch gerne noch hin und trinken was. Das führt dann durchaus schon mal zu einigen Ausschweifungen. Es kommt auch öfters mal zu Nacktszenen seitens dieser verrückten Kanadier. Wir haben viel Spaß dabei, mit den anderen rum zu hängen.

Viele aktuelle Bands, insbesondere aus Amerika, spielen selbst als Headliner kaum länger als eine Stunde, was hier für viele Fans ein Anlass zur Kritik ist. Woran liegt das?

Man braucht eine Menge Übung, um richtig lange Shows zu spielen. Ich denke das liegt auch daran, dass man für so eine Show verdammt viel Energie braucht. Die großen Bands wie METALLICA oder IRON MAIDEN können so lange spielen, weil Sie einfach die Erfahrung und das Training haben, um das durch zu ziehen. TRIVIUM touren ja jetzt auch schon einige Jahre und headlinen seit etwa einem Jahr. Es braucht einfach seine Zeit, bis man physisch dazu in der Lage ist, solche Shows zu spielen. Manchmal liegt es aber auch einfach daran, dass die Clubs relativ früh zumachen müssen. Es kommt aber auch auf die Bands an. PORCUPINE TREE zum Beispiel, können sicherlich problemlos zwei Stunden spielen, aber wir rennen auf der Bühne rum, headbangen und verausgaben uns. Das kostet eine Menge Kraft.

Sanctity Interview 2007 - Das coverartwork zu Road to Blodshed
„Etwa zwei Drittel des Albums sind neue Songs. Der Rest sind alte Songs, die wir teilweise aber auch ziemlich überarbeitet haben.“ – das Debütalbum „Road to Blodshed“.

Du warst als Kind im Kirchenchor. Wurdest du von deinen Eltern sehr religiös erzogen?

Ja, durchaus. Als Kind bin ich regelmäßig zur Kirche gegangen. Mit zwölf oder dreizehn habe ich dann zu vielen Dingen in der Welt eine andere Ansicht entwickelt. Dann habe ich auch irgendwann angefangen Heavy Metal zu hören. Die Sache mit dem Kirchenchor war ein Teil meiner musikalischen Karriere und hat mir wirklich bei der Entwicklung meiner Stimme geholfen.

Würdest du dich auch heute noch als gläubigen Menschen bezeichnen und was bedeutet Religion für dich?

Das ist eine schwierige Frage. Religion ist eine sehr persönliche Sache, es gibt Dinge, an die ich glaube und Dinge, an die ich nicht glaube, aber ich bin niemand, der anderen Leuten vorschreibt, was sie zu glauben oder zu denken haben. Das ist aber auch eine Sache, die ich eher für mich behalte.

Was sind deine fünf Lieblingsalben?

Zum einen METALLICA’s „Kill Em All“ und „Victims Of Deception“ von HEATHEN. Oh, und wo ich es gerade sehe (zeigt auf mein EXODUS-Shirt) „Bonded By Blood“. Dann noch „From Mars To Sirius“ von GOJIRA. Ich liebe dieses Album. Das waren vier oder? Oh mann, das fünfte muss ein echt gutes werden. Wie wäre es mit „So Far, So Good, So what“?

Titelfoto: Label
Backstage-Fotos: Philipp Rauf

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.