LANFEAR: Progressive Sturköpfe

LANFEAR befinden sich eindeutig auf dem richtigen Kurs. Mit dem letzten Album “The Art Effect” gelang es dem sympathischen Chaotenhaufen endlich in breiterer Fläche auf sich aufmerksam zu machen und die Defizite des Vorgängers konnte man mit dem neuen Werk “Another Golden Rage” auch noch ausmerzen, gleichzeitig aber auch noch an Härte und Eigenständigkeit zulegen. Inzwischen steht auch die lang fällige Tour gemeinsam mit MORGANA LEFAY auf dem Terminplan und sollten alle Beteiligten diesen Trip überleben, dürfte der nächste wichtige Schritt vollzogen sein. Nach einem kurzen Besuch einer DVD-Börse und einem interessanten Informationsaustausch in Sachen “Splattermovies”, durfte ich mich an einem gemütlichen Samstag-Nachmittag mit einem kaffeeverschlingenden Markus “Ulle” Ulrich über das aktuelle Bandgeschehen unterhalten und der nahm erwartungsgemäß mal wieder kein Blatt vor den Mund…

LANFEAR befinden sich eindeutig auf dem richtigen Kurs. Mit dem letzten Album “The Art Effect” gelang es dem sympathischen Chaotenhaufen endlich in breiterer Fläche auf sich aufmerksam zu machen und die Defizite des Vorgängers konnte man mit dem neuen Werk “Another Golden Rage” auch noch ausmerzen, gleichzeitig aber auch noch an Härte und Eigenständigkeit zulegen. Inzwischen steht auch die lang fällige Tour gemeinsam mit MORGANA LEFAY auf dem Terminplan und sollten alle Beteiligten diesen Trip überleben, dürfte der nächste wichtige Schritt vollzogen sein. Nach einem kurzen Besuch einer DVD-Börse und einem interessanten Informationsaustausch in Sachen “Splattermovies”, durfte ich mich an einem gemütlichen Samstag-Nachmittag mit einem kaffeeverschlingenden Markus “Ulle” Ulrich über das aktuelle Bandgeschehen unterhalten und der nahm erwartungsgemäß mal wieder kein Blatt vor den Mund…

Euer neues Album repräsentiert für mich recht gut das zusammengewachsene “neue” Bandgefüge. Zumindest ich als Außenstehender habe den Eindruck, dass jeder bei LANFEAR eine klare Position inne hat und dass das Album in einem anderen Gefüge niemals hätte so klingen können. Jeder trägt seinen Teil zu den Songs bei. Siehst du das auch so?

Schon. Es hat nicht diesen Projektklang und es ist tatsächlich so, dass das Ergebnis komplett anders klingt, wenn jeder seinen Scheiß dazu beigetragen hat. Vor allem die Keys sind da sehr wichtig, da der Richie nicht diese typischen Trottel-Keyboard-Flächen spielt. Das ganze ist jetzt viel grooviger und das Schlagzeugspiel von Jürgen ist eh prädestiniert für LANFEAR. Beim Tobi hört man sicher auch, dass wir jetzt länger zusammen sind.

Genau das ist für mich auch der Punkt. Beim letzten Album war ich teilweise noch etwas skeptisch, aber bei diesem Album ist es jetzt wirklich aus meiner Sicht so, dass der Tobi seine Melodielinien beiträgt, die perfekt passen und der Richie sein Ding auch supergut macht, gerade auch was die Kompositionen angeht. Man kann also überspitzt wirklich sagen: “Okay, den Beffy braucht ihr jetzt wirklich nicht mehr.”

Ich wüsste auch gar nicht, wo der noch aufzutreiben wäre (lacht). Ja, es hat sich ja dann doch einiges getan. Wir sind wieder ein Stück härter, wobei einige Leute jetzt wieder geschrieben haben, dass es schade wäre, dass wir wieder softer geworden sind. Aber für uns macht es einfach richtig Spaß so richtig reinzuholzen und Gas zu geben.

Für mich strahlt das Album eine ganz eigenwillige Kompromisslosigkeit aus. Wenn man “Another Golden Rage” zunächst ganz oberflächlich hört, dann ist die Richtung der Musik schon recht eindeutig. Geht man aber in die Details, so stellt man fest, dass ihr euch eigentlich an gar keine Konventionen haltet. Wenn irgendwo ein Death-Metal-Riff richtig erscheint, dann kommt das. Wenn ein Waber-Keyboard richtig klingt, dann wird das gemacht. Für mich passt das ganz gut zu dem, wie ich euch als Personen kennen gelernt habe. Ich denke ihr habt euren Platz gefunden und fühlt euch auch wohl darin. In eine Schublade lasst ihr euch deswegen aber noch lange nicht pressen.

Ja klar. Wir haben schon immer das gemacht, worauf wir Bock hatten und werden uns auch nie einer Überlegung im Sinne von “das kam jetzt an, deshalb machen wir das nochmal” hingeben. Man muss schon sagen, dass ich die Songs sehr kopflastig schreibe und es ist nicht so, dass wenn ich eine schlechte Zeit habe, meine Songs auch so klingen. Ich schreibe nicht mit dem Bauch oder mit dem Arsch, sondern mit dem Kopf. Und da kann ich so viele Gefühle im Bauch haben, wie ich will: Wenn ich mit dem Kopf nicht mitdenke, klingt das Riff scheiße. Das heißt, die Musik wird schon teilweise konstruiert, aber ich versuche von vorne herein so zu konstruieren, dass es nicht konstruiert klingt. Ich bin aber durchaus so, dass ich mir vor dem Songwriting überlege, was ich für einen Song ich schreiben will, also ob es jetzt zum Beispiel ein schnelles Stück werden soll. Wenn die Grundideen dann stehen, versuche ich das Ganze so zu gestalten, dass das Album abwechslungsreich wird und nicht nur schnelle oder Midtempo-Songs beinhaltet. Wichtig ist, dass es einfach passt. Bei “Shades of Black” war mein Ziel, musikalisch einen Bastard aus Death, Black und Thrash-Metal mit normalem Power-Metal-Gesang zu machen. Als dieser Black Metal-Teil dann da war, war klar, dass da geblastet werden muss – ansonsten klingt er einfach zu lasch. Und als das Geblaste da war, musste dann auch geschrien und gegrunzt werden. Und wenn etwas passen muss, bzw. passend gemacht werden muss, dann ist es meiner Meinung nach falsch zu sagen “das gabs bei uns noch nie”. Der Schinde (Kai) hat sich vielleicht beim Saxofon-Solo kurz gewehrt, aber mittlerweile hat er es auch akzeptiert oder fand es schon immer gut und konnte es nicht zugeben. Letztendlich hab ich mich einfach auch gut gemacht, dafür, dass ich zum ersten Mal Saxofon gespielt habe….

(lacht)

Ich hab schon gelesen, wer es war…

Ja, keine Ahnung, was passt, passt. Wenn wir den Eindruck haben, dass es einfach so klingen muss, dann überlegen wir nicht, ob wir das machen können oder nicht.

Das passt ja dann auch wieder zu dieser Aussage von euch in unserem ersten Interview zur “Zero Poems”, als ihr meintet “nicht, dass irgendwann mal einer im HAMMERFALL-Shirt daher kommt und meint ‘ihr seid so gut, fast so gut wie GAMMA RAY‘.” In einer Amazon-Kundenrezension liest man dennoch über euer Album: “Typisches Metal-Gekniedel und ein Sänger, der mit seinem ewig hohen Gezirpe nur noch nervt”. Das beschreibt euch ja so überhaupt nicht, auch wenn ihr geradliniger geworden seid. Die Musik für den typischen “Dumpf-Metaller” macht ihr einfach nicht.

Ja. Es mag geradliniger klingen, aber es steckt jetzt deutlich mehr in der Musik. Die Songs sind kompakter. Es soll straight wirken, ist aber um einiges schwieriger zu spielen. Ich seh das als Weiterentwicklung im Songwriting. Wir haben bereits bewiesen, dass wir zehnminütige Songs schreiben können, aber wir machen eigentlich nicht die Musik dazu. Es soll krachen und momentan presse ich lieber die gleiche Anzahl von Ideen in vier Minuten als in acht. Was sich aber tatsächlich geändert hat ist, dass wenn GAMMA RAY oder HAMMERFALL-Fans herkommen und uns loben, ich ihnen sage, dass sie es den anderen HAMMERFALL-Fans weitererzählen sollen (schmunzelt). Ich denke, dass die Musik tatsächlich HAMMERFALL- und GAMMA RAY-Fans gefallen könnte, aber es ist nicht unbedingt die erste Anlaufstelle für uns.

Wie geht ihr eigentlich mit den Prog-Fans um, denen ihr mit diesem Richtungswechsel vielleicht vor den Kopf gestoßen habt? Der musikalische Anspruch ist ja nach wie vor vorhanden, aber anders eingepackt…

Lanfear Interview 2005 - Schlagzeuger Jürgen Schrank live auf dem Bretthart Open Air 2003
Lässt sich beim Schlagzeugen nicht mehr bremsen – Jürgen Schrank

Wir verprügeln sie und saufen sie unter den Tisch! Ja, diese Stimmen gibt es immer noch. Aber es sind wenige, denn die “Poems” war zwar irgendwo Kult, aber die Leute waren nur ein Bruchteil von denen, die uns heute hören. Es gibt immer noch Reviews, in denen steht “als Entschuldigung für die alten Fans haben sie dann noch ‘Outliving the Ages’ gespielt.” Aber da kann ich nur noch lachen. Wir haben vier CDs und davon ist eine progressiv. Und die Leute behaupten, das wären unsere Ursprünge. Unser erstes Demo war purer Speed-Metal. Ich seh das teilweise als witzlos an, denn wer uns kennt, der weiß, dass wir uns nie bei irgendjemand angebiedert haben. Einer meiner meistverwendeten Sprüche in den letzten Interviews ist “die drei intolerantesten Gruppierungen in der Metal-Szene sind die True-Metaller, die Death-Metaller und die Prog-Metaller.” Die Prog-Metaller behaupten, dass alles außerhalb ihres Genres oberflächlich und kinderliedmäßig ist, die Death Metaller finden alles, bei dem nicht gegrunzt wird, schwul und die True-Metaller finden alles scheiße, was einen Deal hat und was nicht von 1989 abwärts veröffentlicht worden ist. Beim Heavy, oder was!? wurde ich jetzt gefragt, warum “wir als Prog-Metaller” das und das machen würden. Ich sagte: “mach das progressiv raus, wir sind keine Progressiv Metaller.” Wenn Power-Metal STRATOVARIUS ist, dann sind wir auch kein Power-Metal. Wenn HELSTAR oder WATCHTOWER heute etwas veröffentlichen würden und keinen Namen hätten, würde sie jeder als Progressiv-Metal bezeichnen. Weil sie aus den 80ern sind, sind sie aber kult. Diejenigen, die sich HELSTAR, WATCHTOWER, DEADLY BLESSING oder AGENT STEEL angehört haben, haben sich nicht weiterentwickelt sondern zurück. Die wollen einfach etwas hören was alt ist und das wars. würdest du heutzutage die Platten rausbringen, würde es heißen “mag ich nicht, ist mir zu kompliziert.” Schwachsinn. Dummkopf-Metaller.

Zu Zeiten von “Zero Poems” habt ihr ja auch ganz klar gestellt, dass das jetzt okay war, die nächste Platte aber wieder schneller, härter und lauter werden muss…

Der Kai hat vor kurzem erzählt, dass er zufällig die “Poems”-Demos wieder gefunden hat, auf denen wir teilweise noch mit vier Spuren aufgenommen haben. Er meinte, wenn wir die so aufgenommen hätten, wäre die Frage, warum wir unsere Richtung geändert haben, nie aufgekommen. Das haben letztendlich nur diese Überarrangements ausgemacht und die Produktion. Das war für sich gut, hat aber in eine ganz andere Richtung geschielt. Das war wie eine Metal-Band mit einer MARILLION-Produktion. Der Kai meinte, die Demos hätten reingeprügelt ohne Ende. “Zero Poems” hatte ursprünglich genauso wie “Shades of Black” bei diesem Death-Metal-Part einen Blast-Beat. Der war uns während der Produktion dann aber irgendwie zu extrem, was ich heute nie mehr sagen würde. Der Jürgen würde sich heutzutage auch nicht bremsen lassen.

Warum veröffentlicht ihr das nicht mal als Bonus-Material?

Die Sachen sind vom Sound her halt echt scheiße…

Ja aber so ein bisschen aufpäppeln, als Bonus-CD…

Ja, das wäre bestimmt ätzend…wenn, dann müssten wir das vielleicht neu aufnehmen.

Stichwort “Bonus-Material”. Ihr wollte ursprünglich ja eine Live-Bonus-DVD veröffentlichen, was dann an technischen Problemen scheiterte…

Ja. Wir haben das Material vom Building a Force gesichtet und vom Filmmaterial war es wirklich hammermäßig. Wir haben nicht mal so hässlich ausgesehen (schmunzelt). Vom instrumentalen her waren auch nicht so viele Spielfehler drin, man hätte da durchaus 4-5 Songs nehmen können. Dummerweise war dann aber bei den Stücken, die richtig gut gespielt waren, der Gesang weg. Ursprünglich ging ja noch ein anderer Kanal zum Mischpult und so haben wir zunächst gehofft, dass es den dennoch aufgenommen hat. Nun war der Gesang tatsächlich komplett da, irgendwie gab es aber Probleme mit dem Stereosignal, das immer von rechts nach links gehüpft ist. Ansonsten hätten wir das machen können. Wir wollten dann aber eigentlich trotzdem noch Bonus-Material auf die CD hauen, das Problem ist nur, dass man Bonus-DVDs von der FSK prüfen lassen muss und man das zwei Monate bevor man die DVD benötigt einreichen muss. Um die komplette DVD schneiden zu können, hätten wir maximal zwei Wochen gehabt. Der Tobi hätte das theoretisch hinbekommen, aber der musste eben auch mal wieder zwischendurch was arbeiten. Dann haben wir darauf spekuliert, vielleicht Ausschnitte zu bringen. Wir haben eigentlich extra ein Making-Of im Studio gedreht und aus den zwei Stunden Material hätten wir sicher 20 Minuten Film machen können, bei dem wir das Studiomaterial und die Liveaufnahmen gemischt hätten. Aber auf die Schnelle war es einfach nicht möglich. Es war zu knapp. Im Endeffekt hätte es zum Zeitpunkt des Masterings bereits eine Woche im Presswerk liegen müssen.

Lanfear Interview 2005 - Gitarrist Markus Ullrich live auf dem Building a Force 2004
Markus Ullrich: ” Ich schreib doch nicht 50 Songs, such davon 10 aus und vier davon sind dann auch noch beschissen!”

Beim neuen Album hab ich in Sachen Produktion das Gefühl, dass die Gitarrenpower, die du live dadurch rüber bringst, dass du als alleiniger Gitarrist alle Gitarrenteile übernehmen musst, sehr gut aufgefangen wurde.

Ja, das letzte Album haben wir mit vier Gitarrenspuren aufgenommen, also vier mal exakt dasselbe – normalerweise verwendet man zwei Spuren. Es war so, dass die Aufnahmen recht schnell gingen, weshalb der Jan damals meinte, dass wir einfach nochmal zwei Spuren mit leicht verändertem Sound drüber hauen. Das hat auch gut gedrückt und war cool, aber beim neuen Album haben wir wirklich nur zwei Spuren aufgenommen, weil der Sound von Anfang an besser war. Dadurch dass wir mit den Einstellungen etwas experimentiert haben, war der Sound einfach knackiger.

Wenn ich das richtig gehört habe, verwendet ihr auch ganz selten mehrere verschieden gespielte Gitarrenspuren übereinander.

Es sind wirklich lediglich die paar Stellen, an denen zum Beispiel beim Solo eine Rhytmusgitarre darunter liegt – aber das sind dann wirklich nur ganz simple Rhythmusgitarren. Live machen wir das dann mit verzerrtem Bass. Es gibt glaub ich nur bei “Shades” zweistimmige Gitarren, aber das ist dann oktaviert, so dass es sich nicht so anhört, wie wenn man MAIDEN-mäßig eine Terz verwendet. Eigentlich ist es auch wirklich so, dass ich die Songs an einem Stück eingeholzt habe. An einem Tag die Rhythmusgitarre und etwas später dann die Akustiksachen und Soli.

Auch Tobi hat sich, seit er bei euch eingestiegen ist, nochmal deutlich gesteigert. Beim letzten Album hat er sich meiner Meinung ja zu viel in den oberen Bereichen aufgehalten, was auf dem aktuellen Album eigentlich nicht anders ist. Dieses Mal freu ich mich aber so richtig darüber, wenn er bei den hohen Tönen immer wieder nochmal einen drauf setzt. Das kickt so richtig.

Ja, viel höher geht es eigentlich auch gar nicht. Im Endeffekt habe ich während der Aufnahmen vieles sogar tatsächlich als extrem hoch empfunden, auch wenn es gar nicht so war. Es sind schon sehr viele Sachen drauf, wo er sich eher in seiner mittleren Tonlage aufhält. Und ich finde gerade da klingt er sehr powervoll. Wahrscheinlich werden wir bei den neuen Stücken dann auch versuchen mehr in dieser Richtung zu machen. Da kann er auch sehr gut mit seiner Stimme rotzen. Live wird es ja auch hart, wenn man drei vier Songs in dieser sehr hohen Tonlage nacheinander bringt, wobei der Tobi auch da seine Sache sehr gut macht.

Ich denke also auch, dass er gerade bei den hohen Teilen noch mal ordentlich an Kraft dazugewonnen hat. Mich würde aber gerade in dem Bezug mal interessieren, wie das bei euch allgemein aussieht, wenn es darum geht, an seiner Technik zu arbeiten. Von dir weiß ich, dass du viel zuhause an den Sounds tüftelst, aber wie viel davon ist wirklich ein herumprobieren und wie viel ist gezielt an seiner Technik arbeiten und tapfer üben?

Der Tobi übt mit Sicherheit daheim zu den jeweiligen CDs, hat da auch sein Mikro stehen und singt in den Rechner rein. Der Jürgen übt eh wie ein Besessener. Bei ihm ist es natürlich weniger reine Technik, sondern mehr eine Konditionssache. Also auch mit dem Hintergrund, dass wenn man ins Studio geht, er durchaus mal acht bis neun Stunden lang spielen muss. Wer mal versucht hat dreißig Sekunden lang eine Doublebass zu treten, der wird wissen, dass da ordentlich Kondition dahinter steckt. Aber er probiert natürlich auch Sachen aus. Der Kai ist sehr drumorientiert und vermutlich noch am bodenständigsten. Aber das passt auch gut, denn wenn der Bass jetzt noch komplizierte Sachen spielen würde, wäre das vermutlich auch vollkommen überlagert. Bei mir ist es eigentlich kaum eine Soundsache – ich benutz im Grunde genommen immer denselben. Es geht mehr darum, dass man etwas anders anschlägt oder man sich überlegt, wie ein Ton besser klingen könnte.

Wie sieht bei dir denn aber konkret das Üben aus? Gibt es da eine Vorgehensweise “heute Fingerübung B, morgen Griffübung A”?

Nee, weniger. Bei der reinen Rhythmik-Griffen gibt es eigentlich nichts, was ich nicht spielen könnte und das mache ich mehr aus Spaß. Bei den Solosachen nehm ich mir eine bestimmte Sache vor, bei der ich weiß, dass es mir schwer fällt und das spiele ich dann stundenlang. Es ist nicht so, dass ich der ultra-Theoretiker bin. Ich kann zwar Noten lesen, aber ich wäre der letzte, der stundenlange Monologe darüber halten kann. Teilweise spiele ich Akkorde, die es entweder nicht gibt, oder von denen ich nicht weiß, dass es sie gibt. Und wenn ich weiß, wie ein Akkord heißt, dann kann ich es mir nicht merken. Es klingt geil, fertig. Ob es passt, das hör ich und dazu brauch ich nicht ewig studieren.

Du hast mir vorhin im Gespräch auch kurz erzählt, dass du in “What…for” einen Akkord verwendest, den es für die Gitarre so eigentlich nicht gibt…

Ja, der Song ist auf dem Keyboard geschrieben und ich wollte, dass dieser Teil genauso druckvoll rüber kommt. Ich wollte exakt auf diesen Beat das Riff spielen und habe dann beschlossen, das Ding beim zweiten Durchgang durchzuschlagen. Das macht den Teil auch interessant. Ich habe dann festgestellt, dass viele Akkorde zwar passen, letztendlich hat es aber einfach nicht so gedrückt wie es sollte. Je schräger die Akkorde sind und je wuchtiger man sie anschlägt, desto besser kommt es. Ich habe den Richie dann gefragt, was exakt die vier oder fünf Töne sind, die er greift. Bei einem reinen Keyboard-Streichersound hör zumindest ich einzelne Töne nicht raus. Er gab sie mir und das ist definitiv kein Akkord, den ich je zuvor gespielt habe und ich weiß auch nicht, ob es den überhaupt in irgend einer Grifftabelle gibt. Es ist wirklich ein Spagat über das Griffbrett, du greifst über sieben Bünde teilweise. Ich habe den Akkord ausprobiert und noch erweitert und er klang irgendwie total geil, deshalb musste es auch so sein.

Und in solchen Momenten geht die Begeisterung mit dir vermutlich total durch…

Klar. Ich bin da ja immer auf der Suche und so was ist dann schon geil.

Lanfear Interview 2005 - Promobild der Band aus dem Jahr 2005
“We´re taking over with a vengeance, nothing can ever slow us down, you´ve passed your chances, now we seize the reign” – Lanfear 2005

Keine Ahnung, inwiefern euch das Thema vielleicht schon annervt, ich würd aber dennoch gern drüber reden: ZHORN. Die Parallelen des Debütalbums zu “Zero Poems” sind ja offensichtlich und sicher auch bewusst gemacht. Was waren von euch die ersten Gedanken, als ihr das Album zu hören bekommen habt?

Also für mich war es auf jeden Fall eine “Light-Version” von “Zero Poems” mit ein paar neuen Singer-Songwriter-Einflüssen. Das Album ist effektiv softer, hat aber definitiv den “Poems”-Sound. Die Klampfen sind etwas rockiger. In dem Sinne war es kommerzieller und schon deutlich an “Zero Poems” angelehnt. Aber logisch: zum einen hat der Beffy viel geschrieben und die Band geprägt und dadurch dass der Horn beide Alben produziert hat klingt das natürlich auch ähnlich. Wobei ich nicht denke, dass die beiden mit aller Gewalt auf die “Poems” gezielt haben, denn die war ja nicht unbedingt das große Erfolgsalbum. Komischerweise war es dann aber so, dass die ganzen Reviews und Reaktionen wohl bei weitem nicht so euphorisch waren, wie es bei der “Poems” der Fall war.

…das Publikum war vermutlich auch noch spezieller…

Ja schon, denn Metal ist das Album ja definitiv nicht. Ich denke bei der “Poems” kann man schon noch von Progressive Metal reden, ZHORN war dann eher eingängiger Prog-Rock, bei dem es sicher schwer ist, ein Publikum zu erreichen. Vor allem gibt es kaum Magazine, die darauf voll einsteigen. Deshalb vermute ich, dass das Album hinter den Erwartungen zurück geblieben ist.

Wenn man die Lyrics entsprechend interpretieren möchte, bekommt ihr auf dem Album sicher auch euer Fett ab. Ist das etwas, was euch stört? Also dass diese Interpretationsmöglichkeit überhaupt vorhanden ist?

Um ehrlich zu sein denke ich, dass das niemanden großartig interessiert, weil wir einfach auch nicht so groß waren. Ich habe zu dieser Zeit auch drei Texte geschrieben, die ebenfalls entsprechend interpretierbar gewesen wären, aber irgendwie war es mir dann doch zu blöd. Die Texte sagen meines Erachtens viel darüber aus, wie der Beffy sich gerne gesehen hat, aber nicht unbedingt, wie er wirklich war. Ich weiß nicht, letztendlich hat es mich nicht gestört oder mir weh getan. Ich denke die Texte handeln mehr von ihm, als von uns.

Auf eurer neuen Platte könnte man gewisse Textzeilen ebenfalls interpretieren und auf euch beziehen. Zeilen wie “We´re taking over with a vengeance, nothing can ever slow us down, you´ve passed your chances, now we seize the reign” könnten durchaus Ausdruck für die Bandsituation und die Erwartungen, die ihr habt, sein.

Ja, und das voll bewusst. Der Song an sich besagt allerdings etwas total anderes. Es geht darin ja wirklich um dieses Konzept, aber die Aussage ist tatsächlich auch voll auf uns bezogen, weil es einfach auch total zum Song gepasst hat. Er eröffnet das Album und rotzt voll in die Fresse – ich denke wir hatten noch nie zuvor einen so guten Opener. Dementsprechend hat der Tobi auch den Text formuliert.

Ich denke dass “Another Golden Rage” ganz deutlich zeigt, wie konsequent ihr euren Weg fortgesetzt habt. Aber dennoch würde mich interessieren, inwiefern bestimmte Pläne, die ihr mit LANFEAR hattet, einfach dadurch tabu geworden sind, dass der Beffy jetzt diese Ideen vielleicht schon aufgegriffen hat oder weil sie einfach zu sehr mit Beffy verbunden sind? Ich denke an die Sache mit dem “Cosmic Drama”. Das war ja nicht nur der Text von Beffy, sondern da gab es ja auch lange Instrumentalpassagen, usw. Hat sich das Thema erledigt?

Ich muss sagen, dass das “Cosmic Drama” schon Beffy pur war. Das Instrumental hat mit uns auch nicht wirklich was zu tun gehabt und er selbst hat schon überlegt, ob das überhaupt passt. Vor ca. zwei Jahren stand dann mal im Raum, ob wir die Sache nochmal komplett machen, also eine EP raushauen mit Beffy und vielleicht auch Tobi am Gesang. Das wäre sicher ein interessanter Gedanke gewesen, aber ich weiß nicht ob wir das musikalisch wirklich hätten so umsetzen können wie wir das gewollt hätten. Gerade was die Aggression angeht, die wir inzwischen in den Songs haben, die zum damaligen Zeitpunkt völlig gefehlt hätte. Wenn ich den ein oder anderen Part geschrieben hätte, wären die mit Sicherheit ziemlich in die Fresse gegangen. Die Sache hat sich dann auch irgendwo verlaufen. Ich hatte zwar noch unregelmäßig Kontakt mit Beffy, aber seit einiger Zeit gar keinen mehr. Um ehrlich zu sein ist es auch so, dass wenn ich zwei bis drei Songs schreibe, die ich geil finde, ich diese auch für LANFEAR verwenden möchte und nicht für ein Projekt, das sowieso die Wenigsten interessiert.

Das heißt aber auch wirklich, dass die gemeinsamen Pläne von damals abgehakt sind und ihr gar nicht mehr groß darüber nachdenkt, was man von damals noch verwenden könnte.

Ja, wobei ich persönlich sagen muss, dass wenn Ideen da waren, ich die bereits verbraten habe, und das Textkonzept lag eh nicht bei mir. Bei uns gibt es in dem Sinne ja auch keinen Ausschuss. Wenn ein Song geschrieben ist, dann steht der auf der CD. Denn wenn ein Song scheiße ist, dann schreib ich ihn erst gar nicht. Ich schreib doch nicht 50 Songs, such davon 10 aus und vier davon sind dann auch noch beschissen. Da schreib ich lieber zehn gute. Oder zumindest zehn, von denen ich denk, dass sie gut sind (lacht).

Lanfear Interview 2005 - Sänger Tobias Althammer live auf dem Building a Force 2004
Sänger Tobias Althammer ist auch für das Konzept von “Another Golden Rage” verantwortlich.

Was mich bei den Texten überrascht hat ist diese düstere Aggressivität die man vom Tobi vielleicht gar nicht unbedingt erwarten würde.

Ja, das Album besitzt tatsächlich ein Konzept und das, was bei dem Song “Arteffect” zusammen gefasst war, ist im Grunde die Beschreibung zu den Lyrics auf dem neuen Album. Das einzige Problem ist nur, dass keine durchgängige Geschichte erzählt wird sondern nur die Gedanken der Betroffenen. Es geht um diese fünf Fuzzies, die eine Welt aus reiner Langeweile erschaffen haben. Sie leben dort und irgendwann haben sie vergessen, dass sie die Götter sind. Irgendwann stellt sich die Frage, ob es um unsere Welt geht und ob wir vielleicht alle Götter sind. Im Prinzip wird umschrieben wie sie erkennen, dass sie die Macht haben und diese nutzen, aber nicht wissen warum wieso und wofür. Und sie missbrauchen ihre Macht. Es umschreibt die komplette Evolution einer Welt. Es ist so, dass es sehr extrem wird und dann beim Mittelteil der CD – bei “Shades of Black” – die Situation eskaliert. Ab dort beginnen sie sich zu erinnern und sich darüber Gedanken zu machen. Sie erkennen was sie verdrängt haben. Zum Schluss haben sie es dann gerafft und dennoch ist das Ende offen. Ich denke wenn jemand “The Art Effect” kennt, hat er eine geringe Chance zu verstehen um was es auf dem Album geht. Es gibt eben keine Beschreibungen und es wird sich auf nichts bezogen. Du weißt auch nie, von wem die Gedanken kommen, ob es von einem dieser Götter ist. Wobei “Götter” klingt immer so scheiße und banal – sagen wir “Entwickler”. Der Opener spiegelt die Aufbruchstimmung dieser fünf Götter dar, also von uns fünf… (schmunzelt)

Ich hab da grad irgendwie so ein MANOWAR-Cover vor Augen….

(lacht)…nee, also nach dem Opener geht es ziemlich ab und im weiteren Verlauf wird es fast schon spirituell. Wir haben auch überlegt das Ganze auf die Homepage zu stellen. Tatsächlich ist es aber auch so, dass jeder einzelne Text einen Realbezug hat. Prinzipiell kann man die ganzen Texte am Stück durchlesen und benötigt das Konzept gar nicht unbedingt. Das war so auch beabsichtigt. Es sollte nicht selbstverliebt ausfallen und es sollten nicht ständig Hörspielelemente vorkommen. Jeder Song sollte schon für sich knallen. Ich denke 95 Prozent der Fans interessieren sich eh nicht für die Texte. PAIN OF SALVATION haben die Leute ja eindeutig überfordert. Das ergibt künstlerisch vielleicht einen Sinn, aber ich denke die Melodie sollte noch vor dem Text stehen. Denn der Text reißt mich nicht mit. Wenn mich eine Melodie mitreißt, dann interessiert mich vielleicht auch irgendwann der Text.

Das hört sich nicht unbedingt nach einer Herangehensweise der Sorte “jetzt machen wir unser LANFEAR-Konzeptalbum” an.

Tatsächlich stand zunächt die Idee im Raum “The Arteffect” weiter zu spinnen. Wir haben uns dann aber gesagt, dass wir es nicht mit Gewalt erzwingen und erst mal die ersten zwei bis drei Songs abwarten wollen. Da lässt sich Tobi tatsächlich gefühlsmäßig leiten. Er überlegt sich keinen Text, sondern hört sich die Musik an und lässt sich dann inspirieren. Nach zwei bis drei Songs meinte er, dass es klappen könnte. Er hat Texte geschrieben, die sich auf die Situationen in diesem Kontext beziehen könnten, aber nicht müssen. Dann haben wir beschlossen, dass wir darauf hinarbeiten, haben aber erst nach hinten raus bewusst die Musik auf das Konzept bezogen. Teilweise haben wir das Konzept der Musik angepasst, teilweise – wenn auch weniger – die Musik dem Konzept. So sollte es irgendwo auch sein, damit es funktioniert, und hätte es nicht funktioniert, hätten wir es auch nicht gemacht. Aber es wird jetzt auf jeden Fall keine Weiterführung geben, zumindest nicht beim nächsten Album. Letztendlich war es eine Heidenarbeit das alles hinzubiegen. Die Abfolge musste eingehalten werden und deshalb fängt das Album sehr hart an, hört dann aber softer auf.

Normalerweise ist es ja so, dass wenn eine Band ein derartiges Projekt angeht, das Ganze sehr bewusst geschieht und etwas ganz Besonderes daraus werden soll. Es hört sich nun nicht so an, als hättet ihr bewusst gesagt, dass dies nun ein ganz besonderes Album wird, bei dem ihr auch ganz viel Mühe reinsteckt, damit die Leute das auch sofort erkennen. Also bereits durch die Aufmachung zum Beispiel.

Das Cover ist natürlich schon an das Konzept angelehnt, aber wir haben es nicht bewusst darauf angelegt, dass dieser bestimmte Song nun diese bestimmten Lyrics beinhalten muss. Wir haben viel mehr die Songs den Lyrics zugeordnet. Nur gegen Ende haben wir versucht das alles mehr anzupassen. Ich habe dann auch einige Zitate in die Musik eingearbeitet aber dadurch, dass wir das Konzept frei gestalten und während dem Schreiben der Songs das Konzept auch noch abändern konnten, waren wir recht frei. Wenn ich nun ein eine Geschichte über eine geschichtliche Gegebenheit schreibe, dann mag es ein Konzeptalbum sein das offensichtlicher wirkt, für mich aber uninteressanter ist. Dann kann ich genauso auch ein Buch aufklappen und die Sache nachlesen.

Wobei mir da spontan das letzte DOOMSWORD-Album einfällt, das in diesem Kontext ja so richtig gut funktioniert…

Ich gehe aber nicht davon aus, dass Deathmaster die Musik immer nur auf das Konzept bezogen hat. Ich denke er hat es ähnlich wie wir gemacht. Zudem ist es bei DOOMSWORD ja so, dass die Musik von vorne herein zu einer derartigen Thematik passt – und zwar jeder Song. Ich denke wenn du die Stücke in der Reihenfolge ändern und den Text anpassen würdest, dann würde das Album nicht unbedingt schlechter werden. Ich sag mal: so etwas wie Opener und Abschlusstrack ist schon sehr wichtig bei so etwas. Ich denke aber auch bei unserem Album ist nach hinten raus die Abfolge sehr logisch, gerade auch wie die Ballade in “What…for” übergeht und “Outliving” dann die tatsächlich Erkenntnis bringt. “Outliving” war auch wirklich der letzte Song, der geschrieben wurde, wie auch “The Arteffect” der letzte Song auf dem Vorgänger war.

Thema Ballade: das mit dem Saxofon musste sein, oder?

Ja!

Wobei sich schon mit dem Einsetzen des Saxofons der Vergleich mit DREAM THEATER aufdrängt…

Lanfear Interview 2005 - Bassist Kai Schindelar live auf dem Bretthart Open Air 2003
Bassist Kai Schindelar war Anfangs alles andere als begeistert von der “Saxofon-Idee”

Ja. Ja. Ja. (schmunzelt). Nee, also das war wirklich nicht von Anfang an geplant. Eigentlich hätte die Ballade kein Solo gehabt, sondern nur ein kurzes Gitarrenlead, das ich spontan im Studio machen wollte. Gerade bei solchen rein keyboardlastigen Sachen hört man im Studio erst richtig wie das klingt. Deshalb wollte ich das mal abwarten und dann im Studio was dazu machen. Nun haben wir während der Aufnahmen festgestellt, dass die Position für so ein Solo gar nicht unbedingt wie üblich in der Mitte sein, sondern auf etwas vorbereiten sollte. Wir haben dabei noch gar nicht an das Solo gedacht, sondern einfach diese Vorbereitung auf den zweiten Chorus länger gemacht um die Spannung zu steigern. Nun kam logischerweise die Idee, dass dort ein Gitarrenlead herhalten müsse. Der Jan meinte aber noch “ja, oder ein Saxofonsolo”. Er hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich zu der Idee abgehe. Ich sagte “Klar! kennst du einen? Mach!” “Ja, ich kenn einen, 50 Euro her!” “Hier.” Wir haben kurz überlegt, der Tobi meinte, wir müssten es mal hören, Richie stimmte gleich zu, den Jürgen haben wir daheim angerufen und der meinte nur “klar, cool” und dem Kai haben wir nichts gesagt (lacht). Ich wusste ja, dass es 4:1 steht. Wir waren nicht im Studio als das Ding eingespielt wurde. Wir wussten wie es klingen muss und auch, dass das Ganze geil werden müsste, wenn der Jan das unter seinen Fittichen hat. Er meinte, dass der Saxofonist es enorm drauf hat – ein Studiomusiker hoch zehn. Die Linie war klar. Dem Kai hab ich das dann nebenbei gesagt, bzw. diverse Andeutungen gemacht, wodurch er selbst drauf gekommen ist. Er meinte zuerst “Was? Nie! Kein Saxofon!” Aber er kann inzwischen glaub ich damit leben (schmunzelt).

Und was entgegnet ihr jetzt, wenn jemand meint, dass ihr da nur DREAM THEATER kopiert habt?

Dass man das nur deshalb sagen kann, weil es außer DREAM THEATER bisher niemand mehr gemacht hat.

Wie gesagt, beim Einstieg des Saxofons hat man meiner Meinung nach sofort diese DREAM THEATER-Melodie im Ohr…

Das kann sein, aber eigentlich ist es ja etwas komplett anderes. Ich habe mir die Melodie von DREAM THEATER nie mehr angehört. Ich hab bei der Idee schon gedacht: klar das haben DREAM THEATER gemacht und außer bei DEMON, die das Saxofon ja anders eingesetzt haben, kenn ich nichts, wo so was in einer Ballade vorkommt. Es war logisch, dass dieser Vergleich kommt, aber ich sag mal “what the fuck” (schmunzelt). Es passt einfach, hat ansonst nichts mit DREAM THEATER zu tun und ist so wie es eingespielt ist Feeling pur. Als Gegenfrage müsste ich, wenn jemand als Powermetalband Death Metal-Gesang verwendet, sagen “Habt ihr das von uns abgeschaut? Wir haben das vor sechs Jahren schon gemacht.” Hätte es mittlerweile zehn Songs mit Saxofonsolo gegeben, wäre es wieder okay. Nur hat sich das anscheinend bislang niemand mehr getraut. Es ist ja Klischee, als Metaller Saxofon als Instrument zu hassen. Gerade deswegen haben wir es gemacht. Gegenüber dem “Heavy, oder was!?” bring ich halt das Argument, dass ich vom Arno keine zwölf Punkte haben wollte (lacht).

Wie steht ihr denn im Allgemeinen zu dem Thema “Bandvergleich”?

Schwierig, denn ich kann echt nicht sagen ob mich die Musik einer Band prägt. Bei vielen Vergleichen weiß ich gar nicht was ich darauf sagen soll. Vor kurzem habe ich in einem Interview die Frage gestellt bekommen, ob die frühen QUEENSRYCHE ein besonderer Einfluss wären, weil wir wie eine Mischung aus komplexeren ANGRA-Sachen und alten QUEENSRYCHE klingen würden. Was soll ich darauf antworten? Ich schätze das. Es ist okay und auch ein Lob, aber ich kann es für mich nicht nachvollziehen.

Bei der aktuellen Platte kommen mir aber tatsächlich auch einige Vergleiche in den Sinn. DREAM THEATER, hatten wir schon, an einer Stelle denk ich an PAIN OF SALVATION, dann INTO ETERNITY, CRADLE, WARLORD….gerade in unserem Vorgespräch hast du mir ja schon erzählt, dass der WARLORD-Part eigentlich ganz bewusst passiert ist…

Ja. Die Idee war da und ich dachte mir am Anfang schon, dass der Teil sehr nach WARLORD klingt und ich überlegte, ob ich das überhaupt so machen soll. Die Antwort war “ja, aber dann auch richtig!” Du kannst den Part als Hommage sehen, es ist derselbe Anschlag wie bei “Deliver Us”, wobei der Song im weiteren Verlauf dann enorm US-Metal-lastig wird und eine FATES WARNING/TITAN FORCE-Linie drin hat.

Auf der einen Seite kommen nun also total krasse Vergleiche, auf der anderen Seite gibt es ganz bewusste Bezüge. Inwiefern lasst ihr also grundsätzlich solche Einflüsse bewusst zu?

Dass wir bewusst so etwas einbauen passiert eigentlich nie. Es kommt eben vor, dass wir feststellen, dass etwas nach einer anderen Band klingt. Dann wägen wir ab und bei dem TITAN FORCE-Vergleich z.B. ist es so, dass es im Mittelpart von “In Silence” eine Linie gibt, die so hätte von der Band stammen können. Der Witz ist aber, dass sie komplett vom Tobi stammt der von TITAN FORCE gar nichts kennt. Teilweise hat er in manchen Melodien auch solche “Awaken the Guardian“-Anleihen drin, er kennt FATES WARNING aber tatsächlich nur mit Ray Alder. So was fällt mir dann auf und ich geh komischerweise dann mit dem Jürgen total konform. Wenn ich ihm solche Stellen vorspiele, dann sagt er exakt das, was ich auch sage. Deswegen will ich auch niemand verbieten einen Vergleich zu ziehen und das so kund zu tun. Ich kann es nur nicht immer nachvollziehen. Meistens sind es ja auch Bands, die ich persönlich mag. Allgemein hörst du bei uns aber wohl keinen Vergleich mit einer einzelnen Band raus, sondern bestimmte Teile erinnern einfach an verschiedene Bands. Das mag sein.

Lanfear Interview 2005 - Keyboarder Richie Seibel live auf dem Building a Force Festival 2004
Keyboarder Richie Seibel ist inzwischen ebenfalls stark am Songwriting beteiligt

Sehr aktuell ist für mich z.B. der INTO ETERNITY-Vergleich bei dieser einen Stelle von “Shades of Black”. Ich weiß, dass ihr die Band alle mögt und natürlich könnte man jetzt annehmen, dass ihr da ganz bewusst so klingen wolltet.

Wann kam die erste INTO ETERNITY raus und wann haben wir “Zero Poems” gemacht? Wollten INTO ETERNITY mit unserer Idee Kohle verdienen? (schmunzelt). Ich muss auch ehrlich sagen, dass es mich jetzt überhaupt nicht an INTO ETERNITY erinnert. Es ist vermutlich nur diese Art. Es gibt viele Bands, die derben Gesang haben und ab und an cleane Parts einstreuen. Das ist mittlerweile ja schon Klischee, auch wenn es da gute Sachen gibt. Es gibt aber wenige melodische Bands, die solche derben Parts einstreuen, weil sich fast jeder Sänger, der gut singen kann, dagegen wehrt. Der Tobi war da zunächst auch nicht begeistert und meinte “willst du über den Teil wirklich dieses Gegrunze machen?” Aber die meisten bei uns in der Band sind da sehr offen. Insgesamt hören sich die meisten Fans aber nur entweder das eine oder das andere an. Ein Death-Metaller hört sich nur selten Power-Metal-Bands an und ein Power-Metaller meistens keinen Death-Metal. Das sind diese Klischees: “ich kann mit diesem derben Gesang nichts anfangen…” – “Dann hörs dir halt ein paar Mal an, du Seckel!” “Der Typ klingt irgendwie schwul!…” – “Warum, weil er singen kann?” Wir haben da einfach keine Berührungsängste und INTO ETERNITY ebenso nicht. Wir erinnern eben an die, nicht, weil sie das vor uns gemacht haben, sondern weil sie bekannter sind und weil sie genau dafür bekannt sind. Wir haben 1997 oder 1998 Songs aufgenommen, bei denen wir mit normalem, cleanen Gesang gearbeitet und derbe Vocals eingebaut haben. Der einzige Vergleich zu der Zeit war DEPRESSIVE AGE. Ansonsten gab es nichts, was ich kannte. Damals waren die Abgrenzungen noch viel krasser. Jeder neue Fan wird heutzutage mit GAMMA RAY und IN FLAMES groß. Damals hat man eben entweder das gehört oder das. Für die Extreme gilt das heutzutage eben noch immer.

Thema Berührungsängste: was macht eigentlich euer Konzeptalbum TKKG meets STRATOVARIUS?

(lacht)Haben wir so was wirklich mal gesagt? Eigentlich würde ja ein Konzeptalbum über STRATOVARIUS vollkommen reichen – da hättest du ja Material für drei Doppelalben. Also vor längerer Zeit hätte ich ja gesagt, TKKG sind wenigstens spannender als STRATOVARIUS, wobei sich das echt geändert hat. www.stratovarius.com war eine ganze Zeit lang meine liebste Beschäftigung. Ich fand das genial, vor allem die Sache mit diesem blutverschmierten Gesicht, als plötzlich diese Kabbala bei ihm im Schrank stand und das Buch, das er auch noch nie gelesen hat, quasi aus seiner Sammlung fiel. Dann hat er ja diesen Befehl von Gott bekommen, dass er sein Gesicht mit Blut beschmieren soll, usw. Ich möchte ja nicht das Gerücht weiterführen dass das von Anfang an so geplant war – das glaub ich in dem Sinne nicht unbedingt -, aber es war schon der Hammer. Obwohl ich ja alter TKKG-Fan bin war das, was STRATOVARIUS im Realen gebracht haben, kreativer als alle TKKG-Folgen am Stück. Von daher würd ich jetzt eher zum STRATOVARIUS-Konzeptalbum neigen: Mrs. K. is gone! (lacht)

Was war denn überhaupt der krasseste Vergleich, der euch bislang zu Ohren gekommen ist?

Also Trojan schreibt da ja was von PRETTY MAIDS. Das find ich sympathisch, weil ich die Band mag, aber ich weiß nicht so recht. Was mich zu Zeiten der “Poems” wirklich belastet hat, waren diese SAVATAGE-Vergleiche. Das war zu einem Zeitpunkt, als ich SAVATAGE nicht mehr hören konnte und fand das einfach Scheiße. Es kamen auf jeden Fall schon einige krasse Sachen.

Was denkt ihr eigentlich grundsätzlich, was die Fans für ein Bild von euch haben, wenn sie eure Musik hören? Denkst du, dass die Erwartungen der Realität entsprechen?

Nö, glaub ich nicht. Inzwischen hat es sich ja aber in der Szene schon rumgesprochen, dass wir total krasse Hunde sind (schmunzelt). “Mach alles aber sauf nicht mit ihnen”. Wir haben uns auch schon überlegt, ob wir TANKARD herausfordern sollen, denn langsam fühlen wir uns gewappnet. Unser Roadie würde wohl TANKARD unter den Tisch saufen und wenn er noch Platz hat, macht er MORGANA LEFAY auch noch nieder. Nee, also zu “Poems”-Zeiten war es ja so, wie du es auch gesagt hast, dass du irgendwelche anderen Leute erwartet hättest. Mittlerweile hat es sich ein bisschen rumgesprochen, aber tatsächlich erwarten die Leute wohl immer noch etwas anderes als uns. Das ist ganz witzig, wenn du Interviews gibst mit gewissen Magazinen und man gewisse Dinge ablässt, bei denen die Leute nicht wissen, wie sie drauf reagieren sollen. Die Reaktionen sind teilweise wirklich hart. Inzwischen sind wir ja so weit, dass ich sogar beim Rock Hard meine Playlist angeben darf – das war beim letzten Mal nicht so. Jedenfalls hab ich auch diese zwei Fragen des Monats gestellt bekommen zum Tod von Dimbag Darrel und zur ACCEPT-Reunion und da sind die Antworten wohl auch nicht ganz so ausgefallen, wie sie das erwartet hätten. Eine SECRECY-Reunion wäre mir einfach lieber. Man merkt dann schon, wie die Leute teilweise vor den Kopf gestoßen sind wenn sie merken, dass sie es nicht mit den üblichen Phrasenschleimern zu tun haben und teilweise kann ich auch nicht ernst bleiben, womit viele wohl nicht zurecht kommen.

Mit SECRECY hast du ein gutes Thema angesprochen. Der Jürgen hat im letzten richtigen Interview ja noch gesagt, dass er gerne mal die Jungs von SECRECY treffen würde, inzwischen ist das ja zumindest zu einem Teil gelungen…

Ja, das witzige dabei ist, dass dieser Kontakt durch den Mick von ETERNAL REIGN zu Stande gekommen ist, der ja im Prinzip Gitarrist von SECRECY war, aber kurz vor der Platte ausgestiegen ist. Er ist inzwischen ein super Kumpel von mir und so haben wir den Trödel kennen gelernt. Und der ist einfach krass. Von SECRECY hab ich mir eben auch so ein Bild von introvertierten Typen gemacht, die daheim sitzen und nachgrübeln. Beim Rest der Band war das vielleicht auch so, aber beim Trödel sicher nicht. Da musste man ja erstmal mithalten, so wie der seine Bier gekippt hat. Er war einfach ultra locker. Es war sicher so, dass ich ein falsches Bild hatte, wahrscheinlich hätte es auf alle anderen zugetroffen, wahrscheinlich wären auch die anderen vier oder zumindest zwei Typen, die man für die totalen Spießer und Trottel halten würde. Das hat der Trödel so ja auch bestätigt.

Und was kannst du dann stellvertretend für alle SECRECY-Fans sagen? Wie viele Hoffnungen kann man sich machen, von dieser Band jemals wieder was zu hören?

Null. Ich habe es ja auch versucht an die ran zu bringen, aber der Trödel meinte ja nur “mit so einem Wichser spiel ich nicht mehr zusammen!” (lacht). Einer davon ist wohl auch Vollchrist. Das absolute Viech an der Klampfe, das jetzt wohl nur noch in der Kirche die Akustik-Gitarre zupft. Die Chancen sind wirklich null und ehrlich gesagt möchte ich es auch gar nicht, weil sie vermutlich nie wieder dieses Niveau erreichen könnten. Selbst bei dem Demo ist es so, dass ich es sehr cool finde aber erheblich schwächer als die Alben. Kommerzieller, aber von den Melodien her schwächer.

Ganz allgemeine Frage: wie sieht euer Blick auf die Metalszene heutzutage aus?

Ich weiß nicht, aber es wird extrem viel gepusht, was meines Erachtens nicht gepusht werden müsste. Es kommt einfach extrem viel Durchschnitt raus.

Kannst du mir vielleicht sagen, ob das einfach ein Eindruck ist, den man nach einer gewissen Zeit der Szenebeobachtung erhält, oder woher kommt dieses Gefühl? Früher ist doch genau so gepusht worden, warum empfindet man das momentan anders?

Ich habe vor allem den Eindruck, dass dadurch, dass so viel raus kommt, die Leute nur noch das hören was hochgejubelt wird. Früher gab es ja echt noch das Ding, dass du eine Band entdeckt hast, es deinen Kumpels vorgespielt hast und die waren dann genauso begeistert. Heutzutage sind die Leute so übersättigt, dass sie teilweise nicht mal mehr zuhören. Ich muss auch ehrlich sagen, dass mir der Metalnachwuchs zum Großteil gar nicht so hungrig vorkommt. Sie haben halt ihre Bands, die hören sie, und das wars dann. Es gibt viele, die sich völlig verschließen. Als ich so 15, 16, 17 Jahre alt war, habe ich alles in mich aufgesogen. Damals war der Markt aber auch nicht derart überlaufen. Solche Ultratrends wie jetzt zum Beispiel den Metalcore hat es früher sicher auch gegeben. Da kam irgendwann der Grunge, dann wieder der True-Metal-Boom, der ja immer noch halbwegs anhält. Dann gabs auch Geschichten wie den Nu Metal und jetzt ist es der Metalcore. Wobei ich immer noch nicht verstehen kann, wie ich melodischen Death Metal von Metalcore unterscheiden soll. Wenn ich mir UNEARTH anhöre, die ich geil finde, dann ist das für mich melodischer Death Metal schwedischer Prägung. Aber weil es jetzt Amerikaner sind, muss es Metalcore heißen? Plötzlich haben auch alle Fans Hardcoreeinflüsse. Ich hör die eigentlich nicht raus. Dann ist es aber schon wieder so, dass sich die Leute verschließen, weil sie hören, dass Metalcore jetzt Trend ist. Sie hören die Sachen absichtlich nicht, während andere alles nach Metalcore absuchen. Die würden aber auch alte DISMEMBER geil finden, wenn man Metalcore drauf schreiben würde.

Ich habe gerade beim Beispiel Metalcore den Eindruck, dass der Trend um einiges schneller entsteht, aber genauso auch der Gegentrend. Er war plötzlich da und kaum hat man ihn wahrgenommen, wurden auch schon wieder die Stimmen laut, dass jeder nur noch Metalcore macht.

Das ist absolut so. Das geht so schnell. Die Abgrenzung ist für mich aber so schwer. Ich kann wirklich kaum sagen, dass eine Band keinen melodischen Death Metal sondern Metalcore macht. Okay, da sind ein paar hardcoreige Stakkato-Riffs drin, die aber wirklich niemanden stören, der nur Metal hört und mit Hardcore nix anfangen kann, und die Leute haben kurze Haare. Die Klamotten sind vielleicht noch ein bisschen hip-hoppiger.

Gutes Stichwort. Denn wie du schon erwähnt hast, dass die Jungen nicht mehr so hungrig sind, habe ich inzwischen auch das Gefühl, dass ein gewisser Modeaspekt eine wichtigere Rolle eingenommen hat. Früher hatte Metal mit Mode nichts zu tun, bzw. war bewusst unmodisch.

Am letzten Wochenende waren wir bei einem kleinen Gig und ich hab da echt gesagt “ich glaub es gibt mehr CHILDREN OF BODOM-Shirts, als von S.Oliver” (lacht). Das ist aber echt so. Ich habe das Gefühl der Nachwuchs hat genau diese Bands, die keinem weh tun. Also es gibt einige Ultra-True Black-Metaller, die eh nichts anderes hören, die meisten haben aber als Lieblingsbands CHILDREN OF BODOM, IN FLAMES, HAMMERFALL, usw. Das ist so diese Randschiene, die niemandem weh tut und die in dem Sinne auch nicht extrem ist. Da würden sie aber ihr Leben drauf verwetten, dass es die geilsten Bands der Welt sind, dabei kennen sie insgesamt nur fünf. Sie sind dann aber auch nicht interessiert. Wenn mich früher jemand auf eine Band angesprochen hat, die ich nicht gekannt hab, dann wollte ich die unbedingt kennen lernen. Das interessiert die gar nicht, denn sie kennen ja schon die besten Bands der Welt. Ich weiß nicht, so kommt es mir einfach vor…

…oder sind wir inzwischen in einem Alter, in dem man sagt “schau dir mal die Jungen an…”?

Naja, das ist es natürlich auch. Wobei bei vielen ist es, wenn sie älter werden, ja so, dass sie sich nur noch mit den alten Dingen beschäftigen und ihre alten Sachen hören. Bei mir persönlich ist es schon so, dass ich mich nach wie vor weiter entwickle. Ich hör immer noch Sachen, die ich früher gehört habe, gleichzeitig aber auch Dinge, die ich vor fünf Jahren furchtbar gefunden hätte. Ich glaube auch kaum, dass uns irgendwelche junge Fans etwas erzählen könnten. Selbst wenn es nur um den heutigen Markt gehen würde, weil wir uns einfach auch über die Dinge informieren. Ich pick mir eben auch da die guten Sachen raus, egal wenn sie nicht so bekannt sind.

Was sind denn Alben, denen du in nächster Zeit entgegen fieberst und auf die du richtig wartest?

COMMUNIC! Ich kenne diesen einen Song und bin mir sicher, dass die Platte gut wird. Ich freu mich auch, dass es mal so eine Band gibt, die bei Nuclear Blast einen Vertrag bekommt und jetzt dann auch im Rock Hard Platte des Monats wird – klar, oder? (Das Interview entstand eine ganze Weile vor der entsprechenden Rock Hard-Ausgabe) Ansonsten freu ich mich auch auf Kate Bush. Ich hab mich ohne Ende auf die OVERLORDE gefreut und bin echt enttäuscht. Ansonsten wird viel kommen, von dem ich noch nichts weiß, aber ich muss schon auch sagen, dass ich nicht mehr so begeisterungsfähig bin wie früher. Ich finde auch oft Platten gut, von denen ich behaupte, dass sie geil sind, obwohl ich sie gar nicht richtig kenne. Für mich macht es den Eindruck, dass es geil ist, aber es kann sein, dass mir jemand ein Stück draus vorspielt, ich aber nicht mal sagen könnte, was es ist. Ja, aber auf die COMMUNIC freu ich mich am meisten.

Du wirst vermutlich auch kaum noch die Zeit haben, dich mal richtig lange mit einem Album beschäftigen zu können, oder?

Ja, also ich muss echt sagen, dass ich froh bin, dass ich keine Promos bekomme. So kaufe ich mir meine Sachen, freue mich dann auch halbwegs drauf, aber selbst wenn ich das Album dann habe, beschäftige ich mich doch nie so damit, wie ich davor denke, dass ich es tue. Ich hab mich jetzt auf die KREATOR gefreut und extra davor nichts angehört, hab sie gekauft, zwei Mal durchgehört und jetzt hab ich sie ja. Das ist schon mal gut. Die Platte hat mir gefallen, mehr kann ich nicht sagen, aber da ich sie jetzt habe, kann ich sie theoretisch ja jetzt jederzeit hören, wenn ich will.

Das alte Sammler-Problem also…

Ja klar. Früher hast du die Platten ja bis zum Abkotzen gehört. Sicher hat jeder Sachen in seiner Sammlung, die er nach heutigem Ermessen vermutlich gar nicht mehr so toll finden würde, aber wenn man sich 5-6 Wochen ausschließlich mit diesem Album beschäftigt hat, dann ist das halt was anderes.

Gibt es eigentlich am Ende des Interviews irgendwelche Fragen, die du am Ende eines Interviews nie gestellt bekommen willst?

(lacht)Naja, am meisten nerven mich die Fragen, was wir jetzt als nächstes machen, usw…..