LANFEAR: This Harmonic Consonance

Prog Power-Supremacy! LANFEAR liefern mit ihrem sechsten Album erneut einen Hammer ab.

Mit ihrem neuen Album This Harmonic Consonance sind die Badenser mit Pure Legend Records beim inzwischen vierten Label gelandet. Mal schauen ob diese der Band endlich die verdiente aufmerksameit verschaffen können. Fällig wäre es schon lange, denn seit Jahren veröffentlichen LANFEAR ausschließlich erstklassige Alben in der Schnittmenge von Power und Prog Metal. Dabei geht die Band erfrischend eigenwillig zu Werke anstatt wahlweise DREAM THEATER oder irgendwelche Melodic Metal-Acts nachzududeln. Ein echter Glücksgriff ist Goldkehlchen Nuno Miguel de Barros Fernandes, der ja bereits auf dem  granatenstarken Vorgänger X To The Power Of Ten zu hören war. Der Kerl verfügt über ein sehr variables Organ, in ruhigen Passagen erinnert er gerne mal an Ray Alder, am Ende von The Reverend wiederum screamt er in bester James Rivera-Manier und in Camera Silens haut er ein paar Schrei raus, die in Richtung Melodic Death Metal gehen. Zwischen all dem wechselt der Mann spielend und liefert all das auf höchstem Niveau. Aber auch Gitarrist Markus Ullrich muss man hier mal erwähnen. Mal haut er klassiche Power Metal-Riffs raus, dann wildert er im Death Metal. Sein Sound ist generell sehr eigenständig und auf Angeber-Dudel-Soli verzichtet er nahezu komplett. Dafür darf es auch mal nach Flamenco klingen wie bei Camera Silens. Der Kerl kann also nicht nur unfallfrei ganze Sätze schreiben wie er es hier tut sondern auch noch Gitarre spielen. Und dazu noch saufen wie ein Loch. Keyboarder Richie Seibel setzt mit teilweise unerwarteten Sounds Akzente, statt nur Füllmaterial und ein paar Klimper-Soli neben die Gitarren zu klatschen.

Nach dem IntroGiorno del Giudizio, dessen Namen übrigens auf einen Italo-Western aus den Siebzigern zurückgeht zeigen LANFEAR mit Colours of Chaos direkt mal, woher das Power in der Genre-Bezeichnung her kommt und hauen dem Hörer ein Rhythmus-Gewitter um die Ohren. Nuno shoutet in den Strophen bevor er im bombastischen Refrain dann melodisch singt. Zwischendurch wird mal schnell ein ruhiger Piano-Teil dazwischen geschoben an den sich ein Shredding-Solo von Ulle anschließt. By-Product Nation beginnt mit Midi-Sounds, deren Thema dann von Gitarre und Keyboard aufgegriffen wird und legt in Sachen Härte noch mal nach. Nuno wechsel weiterhin fröhlich zwischen Shouts, screams, melodischem Gesang und sogar ein bißchen Sprechgesang.

The Reverend ist ein langsamer, fast schon schleppender, verhältnismäßig simpler aber irgendwie auch epischer Song während es sich beim knapp achtminütigen Idiopathic Discreation um ein echtes Epos handelt, bei dem vor allem Nuno Glanzlichter setzt. Bombast und Streicher treffen auf ruhige, einfühlsame, fast schon zerbrechliche Passagen und einen fetten Chorus. Im ruhigen Mittelteil liefert Nuno eine astreine Ray Alder-Gedächtnisleistung ab, vor der ich, nachdem die Gänsehaut wieder abgeklungen ist nur andächtig den Hut ziehen kann. Der Mann hat Gefühl in der Stimme! Man hat diesen Brocken gerade mal hinter sich gelassen, da fällt das anfängliche Inferno von Camera Silens über einen her. Hier wechseln sich die vielleicht extremsten Schreie des Albums mit erneut großartigen, melodischen Gesangslinien ab. Beim Rausschmeißer und Fast-Titeltrack Disharmonic Consonance treffen klassiche Keyboard-Soli auf fast schon thrasiges Riffing und selbst der, den Song beendende Techno-Part am Ende kommt zwar unerwartet, passt dann aber doch irgendwie rein und wirkt kein bißchen deplatziert.

Genau dieses Zusammenspiel von gesunder Härte und großartigen Melodien, die aber eben nie nach Kitsch klingen ist der rote Faden, der sich durch This Harmonic Consonance zieht und dieses Album so unglaublich geil macht. LANFEAR sprühen vor Spielfreude und Kreativität. Unter die neun Songs hat sich nicht eine 08/15-Nummer geschlichen. Mit This Harmonic Consonance haben LANFEAR nach dem bereits verdammt geilen Vorgänger erneut einen Hammer abgeliefert. Sowohl Power Metal-Fans als auch Prog Metal-Anhänger müssen hier auf jeden Fall zugreifen, wenn sie sich nicht im Nachhinein ärgern wollen, eines der Genre-Highlights des Jahres verpasst zu haben.

Veröffentlichungstermin: 24.02.2012

Spielzeit: 49:44 Min.

Line-Up:
Nuno Miguel de Barros Fernandes – vocals
Markus Ullrich – guitars
Kai Schindelar – bass
Jürgen Schrank – drums
Richie Seibel – keyboards

Label: Pure Legend Records

Homepage: http://www.lanfear.eu
Mehr im Netz: http://www.myspace.com/thelanfear

Tracklist:
01. Giorno del Giudizio
02. Colours of Chaos
03. By-Product Nation
04. The Reverend
05. Idiopathic Discreation
06. Camera Silens
07. I, Robo Sapiens
08. Spectrophobia
09. Word not spoken
10. Disharmonic Consonance

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