FINAL BREATH: Künstler und keine Dienstleister

FINAL BREATH: Künstler und keine Dienstleister

FINAL BREATH haben es nach jahrelanger harter Undergroundarbeit endlich geschafft einen Deal beim renommierten Label Nuclear Blast zu ergattern. Mind Explosion nennt sich die erste Frucht dieser Zusammenarbeit, welches ein gutes eigenständiges Death/Thrash-Album wurde und sicherlich viele Anhänger des Genres aufhorchen lässt. Drummer Heiko Krumpholz plaudert über Hintergründe, Reaktionen und Perspektiven…

Hallo Heiko! Glückwunsch zum neuen Output Mind Explosion und zum Deal bei Nuclear Blast Records!

Hi Psycho, vielen Dank erst mal….

Das mit dem Nuclear Blast-Deal kam für mich überraschend. Wie seid ihr zu diesem Vertrag gekommen und weshalb habt ihr euch von eurem ehemaligen Label Gutter Records getrennt?

Nun, wir wollten einfach einen Schritt weiter kommen. Gutter Rec. ist eine Ein-Mann-Company – der Markus macht zwar seine Sache sehr gut, hat aber auch nur zwei Hände. Wir beschlossen also das Risiko einzugehen, nach einer größeren Firma Ausschau zu halten – auch wenn dies heutzutage nicht unbedingt einfach ist.
Nach einem Interview im Heavy, Oder Was!?, in welchem ich erwähnte, dass wir nach einem neuen Label suchen, meldete sich Andy Siry (A&R von Nuclear Blast) bei mir. Er meinte, er sei ein alter Thrash-Fan und würde sich für unser neues Material interessieren. Ich bzw. wir waren auch sehr überrascht, das kannst Du glauben! Klar, als wir dann endlich die Aufnahmen zu Mind Explosionabgeschlossen hatten schickte ich Andy sofort eine Kopie. Er war begeistert, meinte aber, wir sollen uns nicht zu große Hoffnungen bei NB machen, jedoch wolle er es zu einem günstigen Zeitpunkt versuchen. Tja, und einige Wochen später bekam ich einen Anruf, dass er uns einen Vertrag anbieten könne, welchen wir selbstverständlich auch gleich unterschrieben haben.

Mind Explosion ist mittlerweile auf dem Markt. Wie waren denn bisher die Resonanzen von Presse und Fans?

Von Seiten der Fans kann ich nicht so viel sagen, hier würden wohl die Verkaufszahlen mehr als 1000 Worte sprechen. Diese kenne ich aber leider noch nicht. Jedoch gab es schon das eine oder andere Lob in unserem Gästebuch oder persönlich nach einem unserer Gigs. Seitens der Presse fallen die Reviews eigentlich durchwegs positiv aus und wir wurden auch schon das oder andere mal als CD-Tipp o.ä. hervorgehoben. Einzige Ausnahme bildet bisher das Metal Heart, welches uns mit 4.5 von 10 Punkten zerrissen hat. Man kann es aber nicht jedem recht mache, hahaha…

Ich muss dir ganz ehrlich gestehen, dass ich das Coverartwork recht albern finde. Es passt einfach nicht zur Band und auch nicht zur Musik die ihr macht. Wer zeichnet sich für das Cover verantwortlich und warum habt ihr euch dafür entschieden?

Dass dieses Cover eine recht kontroverse Meinung hervor ruft war uns klar und ist auch beabsichtigt. Ich persönlich mag das Artwork – ich stehe auf diese leicht kitschigen Zeichnungen voller Klischees. Es erinnert mich ein wenig an KREATOR´s Pleasure To Kill und somit passt es meiner Meinung nach auch zur Musik, da wir doch sehr stark vom 80er Jahre Thrash Metal beeinflusst sind. Außerdem hebt sich der Zeichenstil sehr von den derzeitigen Artworks ab. Für eine noch recht unbekannte Band wie uns ist es eben auch wichtig im CD-Regal aufzufallen.

Auch bei der Produktion der Scheibe habe ich bezüglich des Gitarrensounds etwas zu kritisieren. Im Gegensatz zum Rest der Produktion kommen die Klampfen einfach zu drucklos und blechern rüber. Euer Produzent Andy Classen ist eigentlich ein Meister seines Faches. Wolltet ihr selbst diesen Gitarrensound?

Diesen Vorwurfkann ich nicht ganz nachvollziehen, zudem Du eigentlich der Erste bist, der an der Produktion was zu bemängeln hat. Ich finde den Gitarrensound sehr fett und amtlich, fügt sich auch prima in die gesamte Produktion ein. Von blechern oder drucklos kann eigentlich nicht die Rede sein – hier trifft wohl wieder mein Statement von vorhin zu: Man kann es eben nicht jedem recht machen – auch der Sound ist und bleibt Geschmackssache.

Von musikalischer Seite her gesehen gibt es nicht viel auszusetzen. Mir gefällt vor allem dein variables Drumming und die überwiegend thrashlastigen Riffs. Teilweise erinnern mich die Songstrukturen an die von DEATH. Vor allem bei Nondescript. Der Anfang hat Anleihen von Zombie Ritual, die andern Stücke von Mind Explosion tendieren eher in die Richtung von DEATH-Songs der neueren Zeit. Ist euch das auch schon aufgefallen und seid ihr zudem Fans von klassischem (Bay Area)-Thrash Metal?

Freut mich, dass Dir der Bezug zu DEATH auch aufgefallen ist. Dem kann ich auch nur zustimmen. Wir sind auf jeden Fall Fans von klassischem Thrash Metal, jedoch versuchen wir grob ausgedrückt die technische, variable Seite von Bands wie eben DEATH mit der Straightness und der Power von SLAYER oder TESTAMENT zu verbinden. Dein Vergleich mit neueren DEATH ist natürlich auch Balsam für jeden Musiker, hehehe… vielen Dank auch!

Ihr habt nun mit Jürgen Eumel Aumann (ex-SOUL DEMISE, ex-VIOLATION) endlich wieder einen festen Sänger im Line-Up, der auch stimmlich optimal zu euch passt. Soviel ich weiß wollte sich Jürgen nach seinem Ausstieg bei SOUL DEMISE der musikalischen Laufbahn abwenden. Wie kam er zu FINAL BREATH und inwieweit konnte er sich beim Songwriting zu Mind Explosion einbringen?

Eigentlich kaum. Er ist für den Text von Nondescript verantwortlich und hat auch bei einigen weiteren Texten noch kleine Änderungen vorgenommen.
Wir hatten die gesamte CD bereits mit unserem Ex-Shouter Michael aufgenommen, waren jedoch mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden. Michael wollte mehr die melodischere Schiene fahren, was meiner Meinung nach überhaupt nicht zur Musik gepasst hätte. Statt die Scheibe nochmals einzusingen zog er es dann vor die Band zu verlassen, um sich nach einem neuen Wirkungskreis umzusehen. Jetzt ist er bei den Stoner-Rockern THE DAREDEVILS tätig und auch sehr zufrieden damit.
Eumel hatte SOUL DEMISE wegen seines ehemaligen Berufes verlassen. Als er merkte, dass er ohne Musik nicht klar kommt, hat er seinen Job an den Nagel gehängt und ist bei VIOLATION eingestiegen. Die genauen Gründe, weshalb er sich dann von VIOLATION getrennt hat kenne ich nicht. Jedenfalls kannten wir ihn und seine Performance dann schon bestens. Somit war er für uns die erste Wahl, er hat unserem Angebot dann auch gleich zugestimmt und als erstes Mind Explosion neu eingesungen.

Zeichnet er sich auch für die Lyrics auf dem aktuellen Werk verantwortlich oder wer schreib bei euch die Texte?

Wie gesagt nur teilweise. Ein großer Teil der Lyrics ist aber bereits zusammen mit unserem alten Sänger Michael entstanden.

Kannst du mal unseren Lesern die Inhalte eurer Texte kurz darstellen und was beeinflusst euch beim Schreiben der Lyrics?

Die Texte sind völlig unterschiedlicher Natur – von Fantasy-Lyrics bis hin zu sozial kritischen Zeilen ist alles dabei. Wir wollen uns nicht festlegen, schließlich sehen wir die Stimme vorrangig als Instrument. Es ist nicht unser Ziel eine tiefschürfende Botschaft zu vermitteln, sondern die Texte müssen zur Stimmung der Musik passen. Also verarbeiten wir private Ereignisse ebenso wie – unserer Meinung nach – gesellschaftliche Missstände oder eben auch Fantasien, was eben gerade so anfällt.

Ein Song wie Mind Explosion ist schon relativ alt. Welche Songs auf der CD sind neueren Datums und habt ihr schon genug Material für eine neue Scheibe zusammen? In welche Richtung werden die neuen Stücke tendieren?

Nun, so viele Songs haben wir noch nicht. Vielleicht 3 oder 4….. es ist nicht einfach die Motivation für neue Stücke zu finden, wenn man noch mit der Produktion und der Veröffentlichung des aktuellen Albums beschäftigt ist. Das Feedback von Presse und Fans ist schon ein wichtiger Bestandteil beim Songwriting, sprich die Meinung von Außenstehenden. Man selbst ist von seiner Sache immer sehr überzeugt – man sieht nur Fehler, die sonst keinem auffallen, dafür entgehen einem vielleicht wirkliche Mängel. Es ist nicht so, dass wir jeden Kritikpunkt auch verarbeiten, schließlich wollen wir Künstler und keine Dienstleister sein. Jedoch erhält man so oft nützliche Anregungen, die man bei genauerer Betrachtung auch selbst nachvollziehen und verarbeiten kann.
Die bisherigen Stücke fallen recht schnell und aggressiv aus, allerdings weiterhin mit vielen Breaks und Tempowechseln. Wir werden also unser Marschrichtung beibehalten.

Nuclear Blast ist bekanntlich ein finanzkräftiges Label. Haben sie schon etwas bezüglich einer Tour verlauten lassen?

Leider gibt es noch keine konkreten Pläne. Wir sind eine kleine Band und vielleicht auch ein wenig der Versuch von Nuclear Blast, auch mal wieder im heimischen Underground zu signen. Es hängt jetzt erst mal viel von den Verkaufzahlen und dem Erfolg der Scheibe ab. Wir werden mit Sicherheit von Nuclear Blast unterstützt, jedoch kommt es noch darauf an, wie intensiv und in welcher Form dies möglich sein wird.

Denkst du nicht, dass FINAL BREATH nur eine unter vielen Bands bei Nuclear Blast sein werden und bezüglich Promotion eher die großen Acts wie MANOWAR, PRIMAL FEAR oder HAMMERFALL vernünftig gepusht werden?

Nun ja, der Deal bei Nuclear Blast ist nicht unsere Erfolgsgarantie. Natürlich sind wir nur `ne kleine Nummer und wir werden hart daran arbeiten unseren Status innerhalb und außerhalb des Labels zu verbessern. Je höher die Absatzchancen stehen, desto intensiver wird auch die Werbung sein. In dieser Beziehung können wir selbstverständlich dem Vergleich mit HAMMERFALL oder gar MANOWAR noch (!) nicht stand halten. Es steht jedoch fest, dass wir unseren Bekanntheitsgrad innerhalb der Szene durch den Deal deutlich verbessern können und das ist schon mal sehr viel wert!

Über wie viele Alben habt ihr den Vertrag abgeschlossen?

Das sind eigentlich die Dinge, über die man nicht spricht, hahaha… Ich kann nur so viel sagen, dass wir in den nächsten paar Jahren keine Label-Probleme haben sollten. Außer wir verkaufen so schlecht, dass uns Nuclear Blast gleich wieder droppt – was wir allerdings nicht hoffen wollen!

Heiko, du bist ja auch Organisator des UP FROM THE GROUND-Festivals. Neben euch haben dieses Jahr TANKARD und DEW-SCENTED die Headlinerrollen eingenommen. Das Festival geht nun in die sechste Runde. Wie bist du auf die Idee gekommen das UFTG in die Welt zu rufen und wie liefen die Festivals bisher? Ist dies nicht ein großes finanzielles Risiko, da auch die Eintrittspreise recht human gehalten sind?

Neben mir ist noch Jörg (Lead-Gitarre) Hauptorganisator. Wir sind schon stolz darauf das Festival recht günstig gestalten zu können. Natürlich stellt ein solches Event auch ein gewisses Risiko dar. Allerdings haben wir sehr knapp kalkuliert, d.h. mit einem Minimum von Besuchern gerechnet. Um die Preise niedrig zu halten haben wir viel über lokale Sponsoren finanziert und versucht die Unkosten möglichst niedrig zu halten. Dazu ist es nötig, möglicht alle Einnahmequellen in den eigenen Reihen zu halten und viel zu improvisieren.
Dieses Jahr ist unsere Rechnung auch aufgegangen – wir haben ordentlich schwarze Zahlen geschrieben, somit haben wir für nächstes Jahr genügend Budget in der Hinterhand, um das Festival wachsen zu lassen.
Die Idee zum UFTG ist eigentlich sehr simpel. Als wir mit FINAL BREATH angefangen haben, versuchten wir uns viele Auftritte mittels Austauschgigs zu verschaffen. Ein von uns organisiertes kleines Festival in unserem Jugendzentrum hieß eben UP FROM THE GROUND. Es gibt in unserer Gegend kaum Veranstaltungen dieser Art, also machte es Sinn, das Konzert zu wiederholen. Nachdem das Jugendzentrum zu klein wurde und wir keine passende Halle finden konnten haben wir uns dann dazu entschlossen, das UFTG künftig als Open Air zu veranstalten.

FINAL BREATH gibt es mittlerweile neun Jahre. Das ist eine lange Zeit. Hast du mit der Veröffentlichung von Mind Explosion dein Traumziel mit der Band erreicht oder was schwebt dir als weiteres musikalisches Ziel noch vor?

Ich habe mit Sicherheit ein Traumziel erreicht, denn hätte mir jemand vor neun Jahren gesagt, dass ich mal über ein großes Label wie heute Nuclear Blast eine CD weltweit veröffentlichen werde, ich hätte ihn ausgelacht! Das bedeutet aber nicht, dass meine bzw. unsere Ziele jetzt nicht neu gesteckt werden. Was den Erfolg betrifft habe ich keine konkreten Vorstellungen. Wir nehmen mit was wir kriegen können und freuen uns über jede Einheit die wir mehr verkaufen können.
In musikalischer Hinsicht wollen wir uns auf jeden Fall weiterentwickeln. Es gilt technischer zu werden und den eigenen Stil auszubauen und zu verfeinern.

So, Heiko, ich wünsche euch viel Erfolg für die Zukunft, viele verkaufte Exemplare von Mind Explosion und ich hoffe das harte Business macht euch nicht kaputt. Die letzten Worte gehören dir! Cheerz, Psycho!

Hahaha… danke! Aber keine Sorge – so schnell lassen wir uns nicht unterkriegen, auch nicht durch das Business. Wir haben jetzt so lange dafür gekämpft, dass wir den bisherigen Erfolg schon zu schätzen wissen. Vielen Dank für Deine Unterstützung und dieses Interview!

Psycho