DARKANE: Bitte eine Handvoll US-Green Cards!

DARKANEs erster Streich, „Rusted Angel“ saß voll. Selten erfuhr die Floskel „Voll in die Fresse“ eine derart perfekte Umsetzung. Der Nachschlag folgte in Gestalt von „Insanity“, und nun kommt die nächste geballte Faust auf den geneigten Thrashfan zugerast – „Expanding Senses“, das Drittwerk der mittlerweile eher schon amerikanisch klingenden Schweden! Gitarrist Christofer Malmström meldete sich zum Rapport…

DARKANEs erster Streich, „Rusted Angel“ saß voll. Selten erfuhr die Floskel „Voll in die Fresse“ eine derart perfekte Umsetzung. Der Nachschlag folgte in Gestalt von „Insanity“, und nun kommt die nächste geballte Faust auf den geneigten Thrashfan zugerast – „Expanding Senses“, das Drittwerk der mittlerweile eher schon amerikanisch klingenden Schweden! Gitarrist Christofer Malmström meldete sich zum Rapport:

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, so wirkt „Expanding Senses“ auf mich ein wenig wie ein Immigrationsgesuch an die US-Behörden, damit ihr in die Bay Area auswandern könnt, hehe. Würdest Du zustimmen, dass ihr euer Zuhause mehr denn je im Bay Area-Thrash gefunden habt?

Danke für das Kompliment! Ich selbst bin mir da nicht so ganz schlüssig, weil ich zugeben muss, dass ich in letzter Zeit nicht viel Bay Area-Sachen gehört habe. Klas Ideberg, unser anderer Gitarrist, ist jedoch ein großer Fan dieses Sounds, und das hat sicher einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den unsrigen. Ich war hingegen schon immer eher ein Deathmetaller, kann aber verstehen, was Du meinst. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass DARKANE inzwischen mehr mit dem Bay Area-Sound als mit dem Göteborg-Stil verglichen wird.

Mir scheint zudem, dass ihr den Anteil der Aggressivität noch weiter gesteigert habt. War das die Zielvorgabe beim Songwriting?

Nun, wir versuchen seit jeher, so aggressiv wie nur irgend möglich zu klingen. Beim neuen Album hatten wir das große Glück, eine Produktion verpasst zu bekommen, die der Aggressivität voll zum Ausbruch verhilft. Folglich sind wir mehr als zufrieden damit.

Wie kamt ihr denn so mit den nicht ganz so enthusiastischen Kritiken zu „Insanity“ klar, nachdem euer Debüt „Rusted Angel“ ganz schön eingeschlagen hatte?

Das war kein Problem für uns, da wir auch massig positives Feedback bekommen haben für das Album. Uns war bewusst, dass die Songs darauf sperrig und schwer erschließbar sind; wahrscheinlich waren sie eher für Musiker interessant. Das einzige, an dem wir uns gestört haben, war, dass einige Leute meinten, der Gesang wäre nervig. Beim neuen Album sollte das jedoch nicht mehr der Fall sein.

Wie ist eure Sicht auf „Insanity“ und „Rusted Angel“ heute mit der zeitlichen Distanz dazwischen?

Mit “Rusted Angel” bin ich nach wie vor überglücklich! Für ein Debüt war es echt sehr cool. „Insanity“ wiederum hat seine guten Momente, ich bin auch extrem stolz auf das Intro und das Outro, der Sound war jedoch alles andere als gut, sondern sehr steril und leblos. Mir wurde das allerdings erst bewusst, als wir das neue Album aufgenommen haben. Da schoss mir durch den Kopf: „Genau so hätte es klingen müssen!“

Du hast den Gesang von Andreas erwähnt. Er scheint mir diesmal sehr hart an seiner Stimme gearbeitet zu haben. Manchmal meint man gar, Chuck Billy von TESTAMENT würde da ins Mikro röhren…Hat er Unterricht genommen oder einfach nur viel für sich geübt?

Ich würde sagen, dass die Steigerung seiner Vocals bei der Studioarbeit zustande kam. Bevor wir das Studio enterten, haben wir nicht viele Gedanken daran verschwendet, beim Gesang gegenüber „Insanity“ etwas zu ändern. Nach der Vorproduktion merkten wir aber, dass es noch nicht wirklich gut klang. Im Studio wurde uns dann klar, dass es für Andreas besser wäre, wenn er seine Stimme tiefer einsetzt, und da trat plötzlich seine wahre Stimme ans Licht. Andreas klingt unverfälscht so, er musste also nicht groß daran arbeiten.

Aber hatte nicht auch die Kritik, die Andreas bei „Insanity“ einstecken musste, mit dem Wechsel des Gesangsstils zu tun? Nicht wenige Leute dachten damals ja, dass er nicht so ganz die von Lawrence Mackrory hinterlassene Lücke ausfüllen könnte…

Ja, wir versuchten anfangs, ihn so wie Lawrence klingen zu lassen. Doch das entpuppte sich als keine gute Idee, so dass es nun besser ist, dass er seinen eigenen Stil durchzieht, auch wenn das vielleicht den Sound von DARKANE ein wenig verändert. Andreas ist schließlich ein vollwertiges DARKANE-Mitglied, wir haben gemerkt, dass es besser ist, unseren Stil ein wenig an seine Art zu singen anzugleichen, als ihn weiter verzwungen nach Lawrence klingen zu lassen und krampfhaft exakt die Fahrtrichtung vom ersten Album beizubehalten.

Wobei in “Chaos vs. Order” Lawrence ja nochmal als Gastsänger auftaucht. Wie kam es dazu?

Das kam eher zufällig zustande. Lawrence lebt in der Stadt, in der wir das Album aufgenommen haben. Eines Tages rief er also dort an, um mal zu hören, wie die Dinge so laufen, und da fragten wir ihn spontan, ob er nicht zu einem Song Gesang beisteuern will. Geplant war da nichts, es funktioniert aber wunderbar, wie ich finde.

Wie kommt ihr denn mit ihm persönlich klar inzwischen?

Zwischen uns gab es keinen Streit oder so. Wir mailen uns regelmäßig und treffen uns, wenn wir in Uppsala sind. Er lebt halt nur sieben Autostunden weg von uns, deswegen sehen wir ihn recht selten.

Hast Du Dir mal angehört, was er als Aushilfssänger für die Progmetaller von ANDROMEDA auf ihrem Debüt eingesungen hat? Was denkst Du darüber? Er singt da ja doch sehr unterschiedlich von dem, was er auf „Rusted Angel“ auf Band gebrüllt hatte…

Das bei ANDROMEDA ist eher sein Stil. Bei seiner Hauptband SEETHINGS klingt sein Gesang sehr ähnlich wie auf der ANDROMEDA-Scheibe. Ich finde schon, dass es gut klingt, mein Ding ist es jedoch nicht unbedingt. Ich stehe mehr auf Metal-Geschrei, hehe.

Auf eurer Homepage stand, dass ihr große Teile von „Expanding Senses“ in eurem eigenen Studio aufgenommen habt. Ist das ein komplettes Studio oder lediglich ein Heimstudio mit ´nem Computer drin?

Es befindet sich in unserem umgebauten Proberaum. Es ist ziemlich gut, würde ich sagen. Wie gesagt, halte ich den Sound auf dem neuen Album für sehr gelungen, weswegen es eine gute Entscheidung war, die Gitarren und den Bass dort aufzunehmen. Ein Vorteil war auch, dass wir abends und am Wochenende aufnehmen und tagsüber arbeiten gehen konnten.

Aber war es nicht schwer, sich in so einer gewohnten Umgebung auf die Aufnahmen zu konzentrieren?

Ganz und gar nicht. Ich glaube, es war sogar besser, da wir eben nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ranklotzen mussten, sondern dann aufnehmen konnten, wenn wir es für richtig hielten, dann wieder eine Pause einlegen und mit unseren Freundinnen ausgehen konnten, wann wir wollten. Außerdem konnte ich so nach ein paar Tagen mir ein eingespieltes Solo noch mal anhören und überprüfen, ob ich es nach wie vor so gut finde, wie ich es gespielt hatte. Es wurde erst stressig, als die Deadline bedrohlich nahe kam…

Die Musik auf „Expanding Senses“ klingt für mich bei all euren unbestrittenen musikalischen Fähigkeiten um einiges gradliniger. Eingängige Hooklines, heftige Grooves, direkte Arrangements, auffällige Gitarrenriffs – waren das eure Prioritäten beim Schreiben und Aufnehmen der neuen Songs?

Stimmt genau, das waren die Sachen, die wir erreichen wollten, freut mich, dass Du es so wahrgenommen hast!

Co-Produzent eurer Scheibe war mit Örjan Örnklo ein ehemaliger MISERY LOVES CO.-Recke. Wie groß war sein Einfluss? Gelang es ihm, eurer Musik neue Aspekte hinzuzufügen?

Er war für die Soundeffekte zuständig, was er meiner Meinung nach hervorragend gelöst hat! Soweit ich mich erinnere, hatte er auch einige sehr coole Einfälle, was die Gesangsaufnahmen anging. Ich würde mich freuen, wenn er für uns auf dem kommenden Album wiederum einige Samples zusammenbastelt!

Für “Innocence Gone” habt ihr ein Video gemacht. Wie darf man sich das vorstellen? Was ist die Story in dem Video?

Den Text zu dem Song hatte Klas geschrieben, nachdem er ein Buch über die Grausamkeit von Inzest [Anm. d. Verf.: Ich glaube, er meint vielmehr Kindesmissbrauch, das war jedoch leider nicht mehr zu klären] gelesen hatte. Es geht um die Hilflosigkeit der Opfer in ihrer Situation, um die herum sie ihr Leben aufbauen müssen. Im Video versuchen wir rüberzubringen, wie brutal und widerwärtig so etwas von den Tätern ist.

Nun ist der gute alte Thrashmetal bei den Musikkanälen nur äußerst selten zu sehen. Wieso habt ihr dennoch ein Video gedreht? Habt ihr weitere Verwendungsmöglichkeiten im Hinterkopf gehabt?

Uns war bewusst, dass es für Thrashmetalvideos keinen Platz gibt im Fernsehen, wollten aber dennoch eines drehen. Nuclear Blast meinten nun sogar, dass Fernsehstationen von überall her nun doch Interesse an dem Clip gezeigt hätten. Vielleicht war die Entscheidung für ein Video also doch goldrichtig. Außerdem werden wir es natürlich im Internet verbreiten.

Letztes Jahr bekamt ihr die Chance, auf dem Milwaukee Metalfest zu spielen. Was für eine Erfahrung war das für euch? War der Auftritt was besonderes für euch?

Klar, das war wohl der coolste Moment in der Geschichte von DARKANE! Es war bislang unser erster und einziger Trip in die Staaten. Wir hatten keine Ahnung, was uns bei den amerikanischen Metalheads erwartet, aber wir spielten vor voller Bude, alle Anwesenden gingen richtig gut ab! Der Gig war auch insofern was spezielles, als Loana di Valencia von Century Media einen Gastauftritt bei „Hostile Phantasm“ absolvierte, sie hat den Song verdammt gut gesungen!

Ihr habt in letzter Zeit sehr viele Coversongs für Tribute-Alben aufgenommen, u.a. von IRON MAIDEN, ACCEPT, SLAYER. Welche machten euch selbst am meisten Spaß?

Ich fand, dass “War Ensemble” von SLAYER am besten zu unserem eigenen Stil passte. Die Aufnahmen dazu liefen auch extrem gut, daher bin ich auf diesen Coversong am stolzesten. Es war für mich auch eine coole Sache, bei dem MAIDEN-Tribute mitzuwirken, da MAIDEN in den 80ern meine größten Helden waren. Allerdings bin ich mit unserer Leistung bei dem Song nicht so besonders zufrieden.

Wie siehst Du die Entwicklung von ähnlich angesiedelten Bands wie SOILWORK, THE HAUNTED und CARNAL FORGE?

Bei SOILWORK finde ich es genial, wie sie ihr eigenes Ding durchziehen. THE HAUNTED wiederum halte ich für begnadete Musiker, die puren Thrash so spielen, wie er klingen soll. CARNAL FORGE sind auch sehr cool. Ihr erstes Album „Who´s Gonna Burn” liebe ich!

Bevor wir zum Ende des Interviews kommen, sollst Du mir noch erzählen, was Dir bei folgenden Stichwörtern als erstes durch die Birne schießt…

-ABBA

Waren ein großer Einfluss für mich, als ich aufwuchs. Wenn Du mich fragst: Ihre Musik ist äußerst interessant.

-Fussball-WM

Solange Dein eigenes Land dabei ist, ist sie sehr spannend, danach verliere ich aber jedes Mal das Interesse daran.

-Das neue Album von MESHUGGAH

Bislang habe ich nur ein paar Songs davon gehört. Klang sehr brutal. Ihre vorherigen Alben mag ich sehr!