BONRUD: Gitarrenrock, Hunde und Weihnachtslieder

BONRUD: Gitarrenrock, Hunde und Weihnachtslieder

Mit seinem selbstbetitelten Solodebüt hat Gitarrist Paul Bonrud ein tadelloses Melodic Rock-Album aus dem Hut gezaubert, das schon beinahe mit den Werken von Größen wie FOREIGNER konkurrieren kann. Das ist Grund genug, mit dem in Seattle ansässigen Musiker über das Album, seine Mitstreitern und andere Dinge zu sprechen.

Seit der Veröffentlichung deines vielversprechenden Debüts sind einige Monate vergangen. Wann hast du das Album zuletzt angehört?

Ich habe es angehört, als es frisch rauskam, was toll war. Seither habe ich es nur gehört, wenn ich bei Kumpels im Auto mitfuhr, die die CD in ihrer Anlage hatten.

Wie lange brauchst du um ein Lied zu schreiben?

Ich habe ganze Songs – Musik und Text zusammen – in weniger als einer Stunde geschrieben. Die Musik fällt mir gewöhnlich sehr schnell ein, aber für die Texte brauche ich meistens eine ganze Weile.

Wie viele Stücke musstest du schreiben, bis du die, die auf dem Album gelandet sind, beisammen hattest?

Wir haben irgendwas zwischen 22 und 25 Lieder für die CD geschrieben und die meisten davon zumindest ein Stück weit aufgenommen. Es gab viele großartige Songs, die es letztlich nicht auf die CD geschafft haben, weil sie nicht zum Stil des Albums passten.

Musst du unbedingt sehr laut spielen um harte Rocksongs zu schreiben?

99% der Zeit spiele ich auf elektrischen Gitarren und greife nur zu meiner akustischen, wenn ich eine Akustik-Spur aufnehmen muss. Wenn ich auf meiner elektrischen Gitarre spiele, spiele ich allerdings meistens unplugged, während ich entspannt auf dem Sofa sitze. Üblicherweise spiele ich also noch leiser, als wenn ich auf einer Akustikgitarre spielen würde. Ich gebe jedoch zu, dass ich gerne ziemlich laut spiele, wenn ich meine Sachen aufnehme… besonders die Gitarrensoli, was immer den meisten Spaß macht!

Worin lagen die Vorteile, fast alle Instrumente auf dem Album selbst einzuspielen?

Die größte Vorteil war, dass ich die Musik genau so hinbekommen konnte, wie ich sie haben wollte. Ich hatte die Vision im Kopf, weshalb es einfacher für mich war, die ganze Arbeit in diesem Sinne zu erledigen. Es war auch eine tolle Lernerfahrung. Bis zu dieser CD hatte ich immer nur auf anderer Leute CDs Gitarre gespielt. Dementsprechend konnte ich diesmal den gesamten Prozess mitbekommen, indem ich die meisten Instrumente spielte und die ganze CD produzierte und anderen Mitspielern wie Dave Hendricks und Paul Higgins Anweisungen geben konnte, wie ich ihre Teile gespielt haben will. Es war allerdings schrecklich viel Arbeit, und für die nächste CD werde ich wahrscheinlich jemand anderen die meisten Bass- und Keyboard-Teile spielen lassen.

Traurigerweise verwendet eine ganze Menge Bands ein programmiertes oder zumindest getriggertes Schlagzeug auf ihren Alben. Auf deinem Album hat das Schlagzeug dagegen einen sehr natürlichen Sound. Warst du je versucht, einen Schlagzeugcomputer zu benutzen?

Ich nehme rohe Demos mit einem Schlagzeugcomputer auf, aber ich würde nie einen bei den endgültigen Aufnahmen verwenden. Rock´n´Roll klingt einfach besser, wenn ein echter Schlagzeuger und kein Computer die Sachen spielt. Ich denke, der Grund, dass so viele Künstler heutzutage Schlagzeugcomputer benutzen, ist die Reduktion der Produktionskosten. Es kostet einen Haufen Geld, ein Schlagzeug aufzunehmen. Das lässt sich einfach am schwierigsten von allem aufnehmen. Man braucht einen guten Raum, ein gutes Schlagzeug, einen Schlagzeuger, der weiß, wie er sein Instrument zu stimmen hat, jede Menge gute Mikrophone sowie einen guten Techniker, um den Klang ordentlich auf Band zu bekommen. Man braucht auch eine klasse Leistung, und es braucht seine Zeit, bis man schließlich einen magischen Take hat, und im Studio ist Zeit Geld. Ich bin froh, dass ich die Zeit und das Geld für ein echtes Schlagzeug ausgegeben habe. Ich werde auch auf meiner nächsten CD ein echtes Schlagzeug haben und sogar noch mehr Geld für die Aufnahmen in einem noch größeren Studio ausgeben. Real drums are cool!

BONRUD:
Produzent Keith Olsen half Paul Bonrud bei den Aufnahmen.

Du hast bei den Aufnahmen mit dem legendären Produzenten Keith Olsen zusammengearbeitet. Was war das Wichtigste, das du von ihm gelernt hast?

Es ist schwer, eine einzelne Sache auszuwählen, da er mir so viel beigebracht hat. Vielleicht das Konzept von spektralem Arrangieren. Keith und ich haben einen ähnlichen elektrotechnischen und musikalischen Hintergrund, weshalb wir gewöhnlich auf der selben Wellenlänge kommunizieren.

Hast du inzwischen eine ganze Band beisammen?

Ja, aber bislang waren wir zu beschäftigt, um Konzerte zu spielen. Die Band besteht aus Dave Hendricks (Gesang), Paul Higgins (Schlagzeug), Mark Parris (Bass) und mir (Gitarre).

David Hendricks´ Stimme ist wirklich beeindruckend. Wirst du bei zukünftigen Aufnahmen wieder mit ihm zusammenarbeiten?

Definitiv. Dave hat eine fantastische Stimme. Ich liebe die gefühlvolle Lou Gramm-Natur seiner Stimme. Dave kam heute bei mir vorbei und ich spielte ihm ein paar neue Ideen vor.

Wirst du deine musikalische Ausrichtung in Zukunft beibehalten?

Die meisten neuen Stücke, an denen ich arbeite, haben einen ähnlichen Stil wie die auf der aktuellen CD. Aber ein paar von ihnen erkunden vermutlich auch neue Pfade. Ich folge einfach meinen momentanen kreativen Impulsen und sehe zu, dass die Musik sich natürlich entwickelt.

Eine Frage zu deiner musikalischen Entwicklung: Was war zuerst da, deine spielerischen Fähigkeiten oder die Vision, eigene Lieder zu schreiben?

Ich glaube, die meisten von uns fangen damit an, anderer Leute Musik in Coverbands zu spielen. So habe ich meine musikalischen Fertigkeiten an der Gitarre entwickelt. Schließlich kam dann meine erste Band, EMERALD ISLE, an den Punkt, wo wir anfangen wollten, unsere eigene Musik zu spielen. So habe ich dann begonnen, meine eigene Songs zu schreiben und wollte nie wieder Covernummern spielen.

Wie steht es mit deinem eigenen Gesangstalent?

Ich bin gut genug, um die Backing Vocals auf der CD zu singen, aber meine Stimme ist nicht interessant genug, um Leadsänger zu sein. Ich habe auch nicht den Tonumfang, den man für diese Art von Musik braucht. Man kann mein Gesangstalent beurteilen, indem man die Backing Vocals auf der CD anhört. Ich habe beispielsweise alle Hintergrundstimmen bei Hollywood Movie Star gesungen. Bei dem Stück kann man meine Stimme dementsprechend einfach raushören.

BONRUD:
Wenn er nicht gerade Gitarre spielt, schraubt Paul Bonrud gerne an seinem Auto herum.

Was machst du, wenn du nicht Gitarre spielst oder Interviews gibst?

Ich mag Sporttauchen, mit meinem Hund spielen, Fotografie, Campen, Filme anschauen, Musik hören und an meinem Auto basteln.

Wie haben die Leute um dich herum, Familie und Freunde, auf die Veröffentlichung der Bonrud-CD reagiert?

Sie waren davon begeistert. Sie alle wussten, wie viel Arbeit ich in das Projekt gesteckt hatte. Es war somit schön, das Ergebnis dieser ganzen harten Arbeit zu sehen.

Was war in der Schule dein bestes Fach?

Mathe. Auf dem College hatte ich Einser in Mathe. Das war allerdings nicht immer so. Als ich noch jünger war, hasste ich Mathe, aber ich hatte einen tollen Lehrer in der elften Klasse, der mir irgendwie den Spaß an Mathe vermittelt hat. Das war für mich wirklich entscheidend. Mein Vater war auch gut in Mathe und unterrichtete mich, als ich noch klein war.

Welche Haushaltsaufgaben kannst du erledigen?

Alle. Ich habe meinem Hund zwar einige Tricks beigebracht, aber er hat Angst vor dem Staubsauger. Und wenn er kochen könnte, würde er das ganze Essen verdrücken, weil er in Sachen Nahrung keinerlei Selbstkontrolle hat! Deshalb bleibt es an mir hängen, den Haushalt zu machen, während er auf dem Sofa liegt und mich überwacht. (lacht)

BONRUD:
Sänger Dave Hendricks veredelte die Songs von BONRUD mit seiner charismatischen Stimme und schrieb auch bei einigen Texten mit.

Hollywood Movie Star ist momentan mein Lieblingslied auf deinem Album. Wer ist denn deine Lieblingsschauspielerin? Und hattest du eine bestimmte Schauspielerin im Kopf, als du dieses Lied geschrieben hast?

Danke! Ich mag den Song ebenfalls sehr. Ich schrieb die ganze Musik dafür. Es ist allerdings der einzige Song auf der CD, bei dem Dave Hendricks den gesamten Text geschrieben hat. Ich weiß nicht, an wen er dachte, als er den Song schrieb. Ich selbst denke bei dem Song jedenfalls immer an Grace Kelly. Sie war der Inbegriff eines Filmstars.

Welches ist das beste Party-Album, bevor man ausgeht?

Es gibt zu viele, als dass man eins rauspicken könnte. Es kommt immer auf deine Stimmung an. Die CDs, die ich mir zur Zeit anhöre sind von SIRKUS, VELVET REVOLVER, U2, THE DARKNESS, WALTHAM und NICKELBACK.

Vermisst du manchmal die guten alten Vinylschallplatten?

Ich habe noch meine Plattensammlung, aber ich vermisse es nicht, die Nadel zu bedienen und die LPs umzudrehen. CDs sind viel bequemer und vor allem klingen sie besser, weil sie sich im Gegensatz zu Vinyl mit der Zeit nicht abnutzen. Allerdings hat Vinyl wirklich einen schönen, warmen Klang, wenn die Platten neu sind.

Weihnachten steht vor der Tür! Kannst du dir vorstellen, einmal ein (Hardrock-)Weihnachtslied zu schreiben und aufzunehmen?

Sicher! Das könnte Spaß machen. Allerdings bin ich ein traditioneller Typ, was Weihnachtslieder angeht. Ich liebe Stille Nacht, Little Drummer Boy und What Child Is This. Es gibt auch viele tolle weltliche Lieder wie Rudolph, the Red Nosed Reindeer, White Christmas und It´s the Most Wonderful Time of the Year. Das sind die Lieder, die die meisten Leute zur Weihnachtszeit hören wollen. Und das zurecht! Es sind Klassiker! An alle Bassisten da draußen, die eine herausfordernde Basslinie lernen wollen, hört euch It´s The Most Wonderful Time Of The Year an. Ich habe die Originalaufnahme von Andy Williams, und die Basslinie ist unglaublich. Dadurch funktioniert der Song erst so richtig; das ist kein Witz!

Jutze
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