BETZEFER: The Great Israeli Trendkill

BETZEFER: The Great Israeli Trendkill

Als mich der Auftrag ereilte, eine Metal-Band aus Israel zu interviewen, wurde ich erstmal stutzig. Metal? Israel? Wie mag das wohl klingen? Und die Antwort: Geil! Auf ihrem Debut „Down Low“ zimmern die vier Jungs ein fettes Metal-Brett vom Allerfeinsten, dass man sich fühlen muss wie die Ratten in PANTERAs Proberaum Mitte der Neunziger. Fett, groovy, mit genialen Vocals und einer unglaublichen Intensität und Hingabe. Kein Metalcore, kein NuIrgendwas, sondern getreu dem Bandmotto einfach „Fucking Rock’n’Roll“!

Und dann sitzt man in einem Kölner Straßencafe zwei Rasta-gelockten, tätowierten und gepiercten Jungs gegenüber, die einfach nur ihre Musik machen wollen und sich um den Rest der Welt herzlich wenig scheren. Es entspinnt sich in der wärmenden Frühlingssonne ein Gespräch über Freaks, Metal und die Art und Weise seinen Lifestyle auszuleben. Es ist doch herrlich zu sehen, dass es im Endeffekt überall auf der Welt das Gleiche ist. Jungs und Mädels, die ihren Spaß und laute Gitarren haben wollen, und beides nicht zu knapp…

Matan: Es gibt eine sehr große Metal-Szene in Israel. Es gibt einige Bands wie ORPHANED LAND, die auch international bekannt sind. Außerdem gibt es sehr viele Konzerte, die immer gut besucht sind. Zu Metal-Shows kommen dreihundert bis vierhundert Leute. Bei uns sind manchmal bis zu tausend Fans.

Einige europäische Bands haben ja auch schon in Israel getourt. Ich kann mich an KREATOR erinnern…

Avital: Das ist aber schon lange her. Heute ist es etwas anders. Im Endeffekt ist es wie überall auf der Welt. Der Unterschied zu anderen Ländern ist höchstens, dass es einen größeren Zusammenhalt gibt. Die Leute gehen auch zu den Konzerten, wenn sie die Band nicht unbedingt mögen.

Vielleicht weil es in einem kleineren Land prinzipiell mehr Zusammenhalt gibt?

Avital: Möglicherweise. Aber die Szene selbst ist nicht klein. Es kommen viele Leute, weil sie Teil der Szene sind. Vor zwei Monaten haben wir vor fast tausend Leuten gespielt. Das ist auch bei uns sehr groß.

Das ist natürlich ein Unterschied zu der Show morgen im Underground hier in Köln…

Matan: Das ist ja auch nicht jedes mal so. Für uns macht das aber keinen Unterschied, so lange wir nur spielen können. Ob es dann 50 oder 50.000 Leute sind, macht da wenig aus.

Ist es das erste Mal, dass ihr in Europa spielt?

Avital: Nein, wir haben schon im letzten Jahr während der Aufnahmen zum Album verschiedene Shows hier gespielt. Unter anderem mal als Opener für FEAR FACTORY in Holland.

Was sind eure Einflüsse? Ich denke, neben FEAR FACTORY zählt sicher auch PANTERA dazu…

Matan: FEAR FACTORY sind sicher nicht unser größter Einfluss, aber ich bin Fan seit ich sechzehn Jahre alt war und kenne alle Platten. Es war toll mit ihnen zu spielen. PANTERA sind definitiv ein Einfluss.

Diese Bands haben ja nie in Israel gespielt. Seid ihr dann nach Europa gereist, um sie zu sehen?

Matan: Ich bin in den letzten Jahren viel gereist, um Konzerte zu sehen, das stimmt.

Avital: Es ist sehr verbreitet zu Festivals nach Europa zu reisen. Viele Leute verbringen ihren Sommer-Urlaub auf Festivals. Es werden sogar Parties organisiert, um das zu finanzieren.

Vielleicht wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Szene ja gerade dadurch gestärkt, dass nicht alles so leicht verfügbar ist…

Avital: Vielleicht. Die Leute teilen mehr und dadurch ist die Verbindung stärker.

Matan: Es ist immer noch sehr selten, dass Metal-Bands nach Israel kommen, dadurch ist es normal für uns zu reisen. Aber wenn eine Band kommt, geht wirklich jeder zum Konzert. Es gibt einen großen Hunger nach Konzerten.

Wie sind die Reaktionen der Szene auf euren internationalen Deal?

Matan: Sehr gut! Alle unterstützen uns. Es ist verdammt cool! Die Leute beginnen zu verstehen, was das für die Szene bedeutet. Nicht jeden Tag nimmt ein so großes Label wie Roadrunner eine Band aus Israel unter Vertrag. Das gilt nicht nur für Metal-Bands, sondern für Bands allgemein. Es gibt insgesamt wenige israelische Künstler mit internationaler Beachtung.

Avital von BETZEFER
„Wir fühlen uns als Underdogs recht wohl. Die Fans wissen, was los ist, und die Medien sind uns verdammt egal.“ – Avital über die Situation für den Metal in Israel.

Es ist auch schwer für den durchschnittlichen Mittel-Europäer wie mich, sich das alles vorzustellen, denn das Bild, dass man hier von Israel hat, ist natürlich durch die eher erschreckenden Meldungen in den Nachrichten geprägt. So etwas wie Metal oder alternative Kultur kommt da eher selten vor…

Avital: Natürlich. Krieg und Gewalt sind leider die vorherrschenden Themen. Aber davon abgesehen ist Tel Aviv eine fantastische Stadt. Modern und im Endeffekt wie andere moderne Großstädte auch. Tel Aviv ist eine sehr offene Stadt und hat sich zur Metropole der Gegen-Kultur entwickelt. Jeder, der anders denkt oder anders leben möchte, geht dorthin.

Matan: Wir kommen aus der Vorstadt und dort ist es noch anders. Das Viertel wurde für Militär-Angehörige gebaut, damit sie einen besseren Lebens-Standard bekommen. Es ist nicht weit von der Stadt, aber die Leute dort sind das komplette Gegenteil.

Inwieweit beeinflusst die politische Situation denn euer alltägliches Leben?

Matan: Eher weniger. Die Straßen in Tel Aviv sehen genauso aus wie hier, mit jungen Leuten und Studenten.

Avital: Die Sicherheitsvorkehrungen sind höher. Manchmal werden die Taschen durchsucht, bevor du in ein Restaurant gehst, oder so. Aber das ist in Ordnung.

Matan: Natürlich möchten die Leute nicht beim Essen in die Luft gesprengt werden. Das ist auch normal (lacht).

Avital: Trotzdem ist es manchmal absurd, denn nur zwanzig Kilometer weiter weg passieren manchmal furchtbare Dinge, während du dein normales Leben lebst. Wir haben in unserem Haus keinen Fernseher und lesen auch keine Zeitung. Wir wollen unser Leben davon losgelöst leben. Und das ist möglich.

Matan: Für manche Leute sind wir deswegen Freaks. Allerdings stört uns das wenig.

Ist es für euch dann nicht befremdlich, wenn ihr ständig nach der politischen Situation gefragt werdet, wenn sie in eurem Leben eigentlich kaum eine Rolle spielt?

Matan: Das ist schon in Ordnung. Wir verstehen ja, dass es die Leute interessiert, und wir geben auch gerne Auskunft. Es ist uns schon klar, dass die meisten Leute die Situation in Israel lediglich aus den Nachrichten kennen und wahrscheinlich denken, dass bei uns die Straßen voll Militär sind, auch wenn das gar nicht der Fall ist. Von daher ist es für uns in Ordnung, darüber zu reden und den Leuten zu erklären, wie es bei uns wirklich ist.

Wir müssen aber jetzt auch über eure Musik reden, denn die ist es definitiv wert. Die Platte wird am 06. Juni 2005 erscheinen…

Matan: Sie wird in den Ländern an unterschiedlichen Daten veröffentlicht. Wir haben keine direkten Erwartungen, sind aber sehr gespannt.

Bei der Promo-Version waren keine Texte dabei. Worum geht es in den Texten?

Avital: Sei du selbst, lebe dein Leben und lass nichts aus! Das ist im Endeffekt die ganze Message. Habe keine Angst anders zu sein, aus den sozialen Mustern auszubrechen. Die Texte sind, wie auch die Musik, sehr zornig und aggressiv. Ich versuche immer die Wahrheit zu sagen, so wie ich sie sehe. Es geht um Dinge, die mich beschäftigen oder ärgern. Es geht darum, das Leben wirklich zu leben.

Manche Songtitel lassen auf interessante Texte schließen, wie „Early Grave“…

Avital: Naja, die Songtitel sind eher zufällig entstanden. Meistens sind sie schon da, bevor der Text existiert. Es sind eher Projekt-Namen für die entstehenden Lieder. Meistens behalten wir sie dann aber.

Matan: Die Songtitel müssen eher cool klingen, als den Inhalt repräsentieren.

Avital: Meistens versuche ich dann den Titel irgendwie in den Text zu integrieren und es passt erstaunlich oft.

Gilt das auch für „Fucking Rock’n’Roll“?

Matan: Nein, das ist eher so eine Art Bandhymne. Ein Statement. Denn darum geht es, das ist das, was wir machen: Fucking Rock’n’Roll!

Avital: Metal ist auch nur eine Art Rock’n’Roll. Dieses Lied und der Titelsong „Down Low“ handeln davon, was im Moment mit der Rockmusik in der Welt passiert. Viele Menschen vergessen die Wurzeln der Musik.

Matan: Außerdem ist es mehr als nur Musik. Es ist ein Lifestyle.

Harte Gitarrenmusik ist ja ein Trend geworden, wenn das auch nicht unbedingt Metal betrifft. Trotzdem bezweifle ich, dass viele der Leute, die jetzt zu den angesagten Bands wie THE HIVES gehen, wissen worum es eigentlich im Rock’n’Roll geht…

Matan: Diese Bands sind zu hübsch. Rock’n’Roll ist sexy, aber nicht hübsch!

Avital: Ich höre diese Bands auch nicht, das ist mir zu wenig Metal. Aber solche Musik ist auch in Israel im Radio sehr populär. Aber es ist besser, wenn der Mainstream mal ein paar ordentliche Gitarrenbands hört, als das, was da sonst so produziert wird.

Vielleicht findet ja der ein oder andere dadurch den richtigen Weg…

Avital: Genau! Dann hat alles einen Sinn…

Was erwartet ihr von eurem internationalen Debut?

Matan von BETZEFER
„Wir machen die Feiertage mit, so wie ihr das hier auch tut, aber es hat für uns keine tiefere Bedeutung.“ – Matan und seine Bandkollegen sind keine religiösen Menschen.

Matan: Ich hoffe es kommt gut an und wir können touren. Wir erwarten nicht unbedingt, direkt die großen Shows zu spielen oder groß heraus zu kommen. Wir wollen nur vor möglichst vielen Leuten spielen. Wir sind bereit viel zu arbeiten und möchten so viele Leute wie möglich erreichen.

Macht ihr euch schon Gedanken über die nächste Platte, die ja naturgemäß schwieriger ist als die erste?

Matan: Wir arbeiten schon daran, aber im Moment wollen wir uns nicht allzu viele Gedanken darüber machen. Wir wollen erst einmal touren.

Avital: Wir haben vor, das meiste Material erst kurz vor den Aufnahmen zu schreiben, damit es frisch ist.

Matan: Es fügt sich dann besser zu einer Einheit zusammen, wenn man die Songs schnell und in einer bestimmten, konzentrierten Arbeits-Periode schreibt. Es ist dann ein Album und nicht nur eine Ansammlung von Songs.

Vielleicht habt ihr ja auf Tour genug Inspiration für ein paar griffige Songtitel…

Avital: Das hoffen wir doch (lacht).

Da wir ja schon von PANTERA sprachen. Wie habt ihr den Tod von Dimebag erlebt?

Avital: Das kann ich dir ganz genau sagen. Der Tag, an dem es passierte, war mein Geburtstag. Ich schaltete mein Handy ein und es kamen die ganzen Glückwunsch-SMS und dann mittendrin: Dimebag Darrell ist tot! Ich war total geschockt und es war ein eher trauriger Geburtstag.

Matan: Es ist der Tod einer Legende! Da könnten wir jetzt Stunden drüber reden. Jeder ist so betroffen, denn er hat so viele beeinflusst und berührt.

Avital: Die Trauer war, glaube ich, in der ganzen Welt zu spüren. Dimebag hat das Leben vieler Menschen verändert, unseres eingeschlossen.

Ihr kommt aus einem anderen kulturellen Umfeld als die meisten Metal-Bands. Wie wird Metal denn bei euch in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

Avital: Die große Öffentlichkeit hat keine Ahnung, was Metal ist oder dass er überhaupt existiert. Sie würden nicht verstehen, dass es unterschiedliche Arten von Metal gibt. In Israel wird Metal von den Medien total ignoriert. Sogar jetzt, als wir bei Roadrunner unterschrieben haben, wurde daraus zwar eine Meldung in den Zeitungen, jedoch eher als Kuriosität, über die Morgen keiner mehr spricht. Aber das ist in Ordnung für uns. Wir fühlen uns als Underdogs recht wohl. Die Fans wissen, was los ist, und die Medien sind uns verdammt egal.

Gibt es Metal-Magazine?

Avital: Nein, Es gibt ein paar Online-Zines, aber sonst nichts. Und von dort erhalten wir Unterstützung.

Gibt es so etwas wie Neid?

Matan: Manchmal fühlt man das. Für jeden, der sich für uns freut, gibt es einen, der neidisch ist. Manche sagen, dass sie sich freuen, aber unterschwellig merkt man, dass sie es nicht tun. Aber das ist deren Problem, nicht unseres.

Ist Religion für euch wichtig?

Avital: Wir sind keine religiösen Menschen.

Matan: Wir machen die Feiertage mit, so wie ihr das hier auch tut, aber es hat für uns keine tiefere Bedeutung. Wir feiern Chanukka, aber wir treideln nicht (lacht). Wir leben kein religiöses Leben. Wir beten nicht einmal.

Avital: Das ist auch nicht so ungewöhnlich. Die meisten Menschen in Israel leben so. Die Traditionen sind stark, aber eher die Feiertage sind mehr familiäre Feiern. Jeder lebt das bis zu dem Punkt, den er für richtig hält.

Matan: Natürlich gibt es Leute, die am Sabbat nicht Auto fahren oder nur bestimmte Sachen essen. Manche machen nicht mal das Licht an, was auch immer das für einen Sinn haben soll.

Avital: Gerade Tel Aviv ist so eine promiskuitive Stadt, da ist ein religiöser Lebenstil schwierig (lacht).

Matan: Am Sabbat darf man auch kein Brot essen. Man darf ja noch nicht mal Bier am Sabbat trinken, da es aus Getreide ist. Vor einigen Jahren gab es noch keine Geschäfte, die am Sabbat Pizza verkauft hätten, aber heute ist das normal. Obwohl die Polizei dich immer noch dafür bestrafen könnte.

Avital: Den Leuten in Tel Aviv ist das aber ziemlich egal. Wir wollen unser Leben so leben, wie wir wollen. Es ist eben eine fantastische Stadt, mit dem besten Essen der Welt. Auch am Sabbat.

Gibt es eine Black-Metal-Szene in Israel?

Matan: Ja, aber sie ist sehr klein. Es gibt für jedes Sub-Genre mindestens eine repräsentative Band und dann ein paar kleinere. Es gibt keine Thrash-Szene, aber es gibt Thrash-Bands. Und alle gehören zur Metal-Szene.

Klingt, als ob sich die europäische Szene daran ein Beispiel nehmen sollte…

Matan: Es ist auch bei Konzerten sehr gemischt. Es können eine Death-Band, eine Thrash- oder Black-Metal-Band und wir am selben Abend spielen. Manchmal sogar auch Punk-Bands. Die Szene hält sehr stark zusammen.

Avital: Bis vor kurzem waren die Punk- und die Metal-Szenen noch quasi vereint. Das ändert sich langsam, seit Metal etwas größer wird und nun auch alleine stehen kann.

Matan: Trotzdem sind immer noch viele Punks bei unseren Konzerten.

BETZEFER: Interview 2005
Mit ihren Tatoos haben BETZEFER in Isael keine Schwierigkeiten zu schocken: „So etwas hatten sie wohl noch nie zuvor gesehen. Sie haben die üblichen Fragen gestellt, ob das wieder weggeht und wie viel mehr vom Körper noch tätowiert ist. Es war sehr lustig.“

Es gibt ein Statement von euch auf der Roadrunner-Homepage, dass ihr eure Musik als Entertainment seht, bei dem die Leute auch mal aus ihrem Leben aussteigen können. Also kein Platz für Botschaften in eurer Musik?

Matan: Nein. Wir sind keine politischen Menschen. Wie gesagt, wir lesen keine Zeitungen und schauen kein Fernsehen. Wir wollen keine expliziten politischen Botschaften in unserer Musik.

Avital: Die einzige Botschaft ist: Stoppt die Gewalt! Wir wollen keine Gewalt, von welcher Seite auch immer. Wir haben die Möglichkeit der Welt zu zeigen, dass es in Israel viele Menschen gibt, die wie wir denken. Wir wollen nur in Ruhe unser Leben leben und uns mit jedermann verstehen. Ohne Krieg und Gewalt. Das mag vielleicht politisch sein, aber wir unterstützen keine bestimmte Richtung oder beziehen keine ideologische Position.

In diesem Moment wird Avital zu einem anderen Interview gerufen. Matan setzt das Interview also alleine fort.

Matan: Wir sind eben die Freaks von Tel Aviv. Avital ist einer der wenigen, der fast vollständig tätowierte Arme hat. Die Leute starren ihn auf der Straße an. Wir haben letztens in Jerusalem gespielt und auf dem Weg dahin haben wir auf dem Land an einer Tankstelle gehalten. Es waren noch andere Freunde mit Tattoos dabei, und die Leute dort waren regelrecht geschockt. So etwas hatten sie wohl noch nie zuvor gesehen. Sie haben die üblichen Fragen gestellt, ob das wieder weggeht und wie viel mehr vom Körper noch tätowiert ist. Es war sehr lustig. Es ist manchmal in Israel noch sehr einfach zu schocken.

Zum Schluss noch eine prekäre, aber wichtige Frage: Wie ist das Verhältnis der jungen Leute in Israel, speziell im alternativen Umfeld, zu Deutschland, im Hinblick auf die schrecklichen Verbrechen des Holocaust?

Matan: Manche wissen sehr wenig darüber, wie es in Deutschland heute wirklich ist. Wahrscheinlich ähnlich wie auch hier die meisten kaum etwas über das normale Leben in Israel wissen. Manche sind ganz erstaunt, wenn man erzählt, dass man nach Deutschland fährt. Ich bin schon öfter hier gewesen und kann ihnen sagen, dass es ein tolles Land ist. Es ist definitiv weniger antisemitisch als andere europäische Länder. In Großbritannien zum Beispiel sind solche Vorbehalte eher spürbar. Ich empfehle jedem nach Deutschland zu fahren, weil es hier toll ist. Die meisten Leute in Israel sind aber einfach unwissend und daher ängstlich. Viele sagen, sie würden niemals nach Deutschland fahren. Aber ich frage sie, wieso nicht? Der Holocaust liegt lange zurück, es liegen mehrere Generationen dazwischen, die Leute hier sind anders als damals. Es ist lediglich derselbe geografische Ort. Meine Großeltern sind vor dem Holocaust geflohen, viele Familienmitglieder wurden umgebracht. Mit ihnen ist es anders darüber zu reden. Wenn ich ihnen erzähle, dass ich nach Deutschland fahre, fühlen sie sich damit nicht sonderlich wohl. Sie würden sicherlich nie mehr nach Deutschland fahren.

Für die jungen Deutschen ist dieses Thema offensichtlich schwieriger als für uns junge Israelis. Wenn ich in Deutschland bin, fühle ich mich nie diskriminiert oder irgendwie unwohl. Keiner schaut mich merkwürdig an. Die Welt ändert sich, und das hat sie auch hier getan. Definitiv.

Na, wenn das kein gutes Schlusswort ist…

Fotos: Roadrunner Records
Layout: doomster