ZEBRAHEAD: Call Your Friends

ZEBRAHEAD: Call Your Friends

ZEBRAHEAD bleiben ihrem Veröffentlichungsturnus von zwei bis  drei Jahren treu und hauen mit „Call Your Friends“ ihr mittlerweile achtes Studioalbum raus – die beiden Releases „Waste of MFZB“ (2004 – Überbleibsel der „MFZB„-Sessions; nur als Japan-Import zu bekommen) und „Panty Raid“ (2009 – beinhaltet ausschließlich Coverversionen weiblicher Interpreten, u.a. AVRIL LAVIGNE, AMY WINEHOUSE, PINK) nicht einbezogen.

Kenner der Band wissen, was sie auf „Call Your Friends“ erwartet: energetischer Punk-Rock-Crossover (Zutaten: Pop, Rap, Ska, Funk, Metal, Alternative, Hardcore-Gangshouts), wie ihn nur ZEBRAHEAD beherrschen. Langjährige Fans der Band wissen aber auch, dass sich beim Vorgänger „Get Nice!“ (2011) die Frage aufgedrängt hat, ob das nun Stagnation oder eine bewusste Rückschau im Sinne einer Best Of mit neuen Songs ist. Dazu die Bekanntgabe/ Bestätigung des zweiten Besetzungswechsels der Bandgeschichte nur zwei Monate vor der Veröffentlichung der vorliegenden Scheibe. Nach Sänger/ Gitarrist Justin Mauriello, der die Band bereits 2004 verlassen hatte, fiel mit Flitzefinger Greg Bergdorf für ein weiteres Gründungsmitglied der letzte Vorhang – aus äußerst nachvollziehbaren Gründen: Bergdorf möchte mehr Zeit zu Hause bei seiner Familie verbringen und seine kleine Tochter aufwachsen sehen. Zeitgleich mit dem Abschied erfolgte die Begrüßung des „Neuen“. Dan Palmer (DEATH BY STEREO), der in der Vergangenheit bereits mehrmals auf Tour für Bergdorf eingesprungen war, übernimmt von nun an den vakant gewordenen Posten. UND er ist bereits auf „Call Your Friends“ zu hören. Da kann man als langjähriger Fan der Kalifornier gar nicht anders, als doppelt nervös zu sein, gehört Bergdorfs kreative und stets eingängige Gitarrenarbeit doch seit jeher zu den prägnantesten Elementen des ZEBRAHEAD-Sounds

Nach dem obligatorischen Album-Vorboten „Call Your Friends“, dessen gute Laune-Feeling ungleich seines offensichtlichen Anknüpfungspunkts „Anthem“ („Broadcast To The World“ – 2006) arg dick aufgetragen wurde – man achte auf das gleiche Konzept und den Bären in beiden Videos -, liegen jetzt endlich alle 14 Karten auf dem Tisch. Hat der schwarz-weiß gestreifte Partybus aus Kalifornien zuletzt die Plätze seiner vier Vorgänger zugeparkt, um trotz leichter Abnutzungserscheinungen im Songwriting mit erhöhtem Pop-Appeal (inklusive Stadionanleihen) und erstklassiger Produktion ein schickes Sommeralbum zu kredenzen, versucht sich die 1996 zugelassene Kiste auf „Call Your Friends“ nun daran, an ihr starkes 2008er Machtwerk „Phoenix“ anzuschließen.

Die Eindeutigkeit, mit der die schon immer vorhandenen Metal-Einflüsse im gelungenen, von AVENGED SEVENFOLD inspirierten, „With Friends Like These, Who Needs Herpes?“ und beim galoppierenden „Public Enemy Number One“ (erinnert mich immer etwas an SUM 41s „Still Waiting“) zum Einsatz kommen, ist eine kleine Überraschung.                Kleinere, durchaus klassische Heavy-Parts lassen sich auch im Opener „Sirens“ sowie beim amtlichen Rausschmeißer „Last Call“ finden. Warum Ed Uhus die Doublebass nur für Kurzeinsätze bei „Murder On The Airwaves“ (coole Gitarren im Verse – wah-wah, wah-wah) und in der Bridge (heavy!) des so treibend wie eingängigen „Stick ´Em Up Kid!“ (beste Hook des Albums) bemüht, bleibt sein Geheimnis. Auch „Don´t Believe The Hype“ fällt mit seiner interessanten Verse/Pre-Chorus-Gestaltung angenehm auf. Alles drängt nach vorne. Ruhigere Songs finden auf „Call Your Friends“ überhaupt nicht statt. Der erhoffte frische Wind im Hause ZEBRAHEAD bleibt trotzdem aus.

Wie der „Neue“ klingt? Nun, es ist nicht zu überhören dass sich Palmer schon länger mit Bergdorfs Spiel auseinandersetzt. Er „übernimmt“ Trademarks seines vielseitigeren Vorgängers, bringt aber durch seine stärkere, technischere Metal-Schlagseite auch eine eigene Duftnote mit (siehe oben?). Nächstes Mal bitte mehr Palmer, Mister Palmer. Abgesehen davon macht der Mann eigentlich einen guten Job, müsste er nur das Intro-Solo bzw. die Intro-Melodie in zwölf von 14 Fällen nicht „immer!“ dreimal je Song an den „immer!“ gleichen Stellen unterbringen – eben im Intro, nach dem ersten Chorus und im Outro. In „Until The Sun Comes Up“ (für mich „die“ saure Gurke des Albums) war selbst das noch nicht genug – der Song schießt diesbezüglich mit seiner Penetranz echt den Vogel ab. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese in der vorliegenden Häufigkeit extrem eintönige, auch von Bergdorf (allerdings in Maßen) praktizierte, Form der Songgestaltung auf dem Mist des Lead-Gitarristen gewachsen ist. In „Born To Lose“ zeigt sich Palmer mit einem clean gespielten, chilligen Sonne-Strand-Solo – klingt wie ein naher Verwandter der Solo-Gitarre in „Mental Health“ („MFZB„) – von seiner variablen Seite. Doch statt stimmigem Wellenrauschen und Möwengeschrei schaut ein nerviger Bekannter vorbei und versaut die Stimmung. Ja, „Es“ ist wieder da. Bedauernswerter Weise geht man den auf „Get Nice!“ eingeschlagenen Weg des exzessiven „Whoa-Oh“-Gebrauchs tatsächlich unbeirrt weiter. Hier und da ist das ja wirklich nicht verkehrt, aber in jedem zweiten Song? Gibt´s da wirkliche niemanden im Bandumfeld, der mal darauf hinweist, dass das in etwa so innovativ ist wie das „neue“ Cover-Artwork? Wenn Cameron Webb schon nicht mit der Lebendigkeit der letzten Produktion mithalten kann, sollte er es als langjähriger Weggefährte doch wenigstens schaffen, die Kalifornier vom inflationären Gebrauch der genannten potentiellen Spannungs-/Energiekiller abzuhalten. So agiert man eben frei nach YNGWIE MALMSTEENs More Is More-Logik. Auf Albumlänge kann da schnell Langeweile aufkommen, von den schlechten Voraussetzungen für die Langlebigkeit des Longplayers ganz zu schweigen.

ZEBRAHEAD, die sich dringend mal wieder Mühe beim Texten geben sollten (es herrscht nicht nur Phrasenalarm!…), übernehmen die Schwächen des Vorgängers, versäumen es erstmals einer Platte Dynamik zu verleihen, stellen ihre Vielfalt zugunsten einer auf Albumlänge zu halbherzigen Erhöhung des Härtegrads zurück, haben an Leichtigkeit eingebüßt und anscheinend immer noch nicht mitbekommen, dass die positiven Variationsmöglichkeiten innerhalb ihres liebsten Songwriting-Förmchens ausgeschöpft sind.

Nüchtern betrachtet befinden sich mit „Last Call“ und der angenehm schräg aus der Reihe tanzenden Nummer „Nerd Armor“ lediglich zwei echte Gewinner auf „Call Your Friends“. Für eine Band wie ZEBRAHEAD viel zu wenig. Trotzdem, wenn auch weniger Hooks hängenbleiben wollen und der Fuß nicht mehr so unbeschwert wie früher mitwippt, man kann mit dieser Platte durchaus seinen Spaß haben. Lässt sich doch neben den eben genannten Gewinnern mit „With Friends Like These, Who Needs Herpes?“, „Murder On The Airwaves“, „Public Enemy Number One“, „Stick ´Em Up Kid!“ und „Don´t Believe The Hype“ noch eine ganze Handvoll gutklassiger Songs im Feld der „Infizierten“ finden. Ansonsten gibt es leider viel Durchschnitt, dafür bleibt die Zahl der Ausfälle mit „Until The Sun Comes Up“ überschaubar. Dass die Herren selbst an diesem (Tief-)Punkt ihrer (Diskographie)/Karriere „noch“ zu gut sind, um in der Masse unterzugehen, spricht für sich.

Ich hoffe sehr, dass ZEBRAHEAD den Schuss dieses Mal gehört haben. Um dem eigenen Erfolg – der insbesondere in Japan riesig ist – wieder gerecht zu werden, ist die Rückbesinnung auf vormalige Stärken das Minimum, d.h. Vielfalt, Gesamtdynamik, Leichtfüßigkeit, das Gespür für das richtige Maß… Vielleicht müssen die Kreativbatterien einfach mal etwas länger aufgeladen werden. Will sich das Quintett weiterentwickeln, wird nichts daran vorbeiführen, neue Wege im Songwriting zu gehen.

Wenn die Party-Truppe so weitermacht wie auf „Call Your Friends“, werd ich in Zukunft jedenfalls früher nach Hause gehen.

Live nach wie vor uneingeschränkt empfehlenswert: Demnächst vielleicht auch in deiner Stadt.

PS: Hier kann man sich die drei Japan Bonus Songs von „Call Your Friends“ anhören.

…und bevor jetzt alle auf die Suche gehen. Die Dame heißt Tawnie Jaclyn.

Veröffentlichungstermin: 16.08.2013

Spielzeit: 47:42 Min.

Line-Up:

Matty Lewis – Rhythm Guitar, Vocals
Ali Tabatabaee – Vocals
Dan Palmer – Lead Guitar
Ben Osmundson – Bass
Ed Udhus – Drums, Percussion

Jason Freese – Additional Instruments

Group and Additional Vocals: Ben Osmundson, Daniel Palmer, Ali Tabatabaee, Matty Lewis, Ed Uhus, Marc Kantor, Kevin Baldes, Todd Singerman & Randy Cash

Produziert von Cameron Webb & Zebrahead
Label: Granted Records

Homepage: http://www.zebrahead.com
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Zebrahead

Tracklist:

1. Sirens
2. I´m Just Here For The Free Beer
3. With Friends Like These, Who Needs Herpes?
4. Call Your Friends
5. Murder On The Airwaves
6. Public Enemy Number One
7. Born To Lose
8. Stick ´Em Up Kid!
9. Automatic
10. Nerd Armor
11. Panic In The Streets
12. Don´t Believe The Hype
13. Until The Sun Comes Up
14. Last Call

Japan Bonus Songs:
15. Sex, Lies & Audiotape
16. Battle of the Bullshit
17. Ready Steady Go