VELVET VIPER: Cosmic Healer

Auch wenn es JUTTA WEINHOLD wohl zum Hals raushängen muss, ist das neue Album “Cosmic Healer” von VELVET VIPER vor dem Hintergrund des Alters der Sängerin zu betrachten. Mit 73 Jahren liefert die Frau nach wie vor gute Arbeit ab, selbst wenn das Drumherum stellenweise nicht so packend ist.

“40 ist das neue 20”, heißt es im Untertitel der US-Serie “Cougar Town”, “Fünfzig ist das neue Dreißig”, liest man des Öfteren in Illustrierten wie Brigitte – zugegeben Quellen, mit denen sich Metalheads in der Regel weniger beschäftigen. Womöglich gehen solche Serien und Zeitschriften auch JUTTA WEINHOLD (Ex-ZED YAGO) am Allerwertesten vorbei – und das nicht, weil sie bereits 73 Jahre alt ist, sondern weil sie nach wie vor Metalhead ist und das Alter für die Grande Dame des deutschen Heavy Metals wohl keine Rolle zu spielen scheint.

“Cosmic Healer” wird ein gewisser Alters-Bonus zuteil

Zumindest hätte ich keine andere Ü70-Person im Sinn, welcher ich eine solche Energie zuschreiben könnte, wie sie die Sängerin heute noch rüberbringt. Natürlich wird in der Beurteilung des neuen Albums so ein gewisser Bonus tragend – insbesondere wenn Refrains wie in “Let Metal Be Your Master” (mit Hammond-Orgel zum Schluss) oder “On The Prowl” schwachbrüstig wirken und Gesangsspuren (mitsamt Backing-Vocals) wie in “Osiris” nicht (mehr) ganz so klappen, wie man es gewohnt ist oder es gerne hätte.

Auch wirken manche Songs – gerade gegen Ende des Albums – gar etwas schleppend und müde, was aber nicht zwingend mit der Frontfrau zusammenhängt. Aber es gibt auch flottere Songs (“Voice Of An Anarchist”) und, was mir dann gar am besten gefällt, theatralischere und dramatischere Tracks wie “Holy Snake Mother” und “Sassenach”, die – auch ganz allgemein und nicht zwingend subjektiv – anerkennend aufgenommen werden.

Das Rundherum bei VELVET VIPER ist nicht so packend

Dass sich die Band bei der Produktion für eine möglichst große Nähe zu einem Live-Feeling ausgesprochen hat, hört man dem Album schließlich auch an. Live ist aber live (auch in Sachen Live-Streams by the way) – und auf einem Studio-Album wäre ich mit einer etwas klareren Produktion zufriedener, denn manche Songs auf “Cosmic Healer” klingen einfach nicht sauber. Und dennoch, es überwiegt die Hochachtung für Jutta Weinhold, einer Frau im Übrigen, die sich das jugendliche Auftreten und das mädchenhafte Lächeln so lange behalten hat. Dass mich das Rundherum nicht so sehr packt, ist der objektiv wahrgenommene Teil der Geschichte.

Veröffentlichungstermin: 23.04.2021

Spielzeit: 49:58 Min.

Line-Up:
Jutta Weinhold – Gesang
Holger Marx – Gitarre & Backing Vocals
Johannes Horas Möllers – Bass & Backing Vocals
Micha Fromm – Schlagzeug

Label: Massacre Records

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VELVET VIPER “Cosmic Healer” Tracklist

1. Sword Sister
2. Let Metal Be Your Master
3. Cosmic Healer (Video bei YouTube)
4. Holy Snake Mother (Video bei YouTube)
5. Voice Of An Anarchist
6. Sassenach
7. Osiris
8. On The Prowl
9. Long Shadows
10. Darkness Of Senses
11. Götterdämmerung (Acoustic Version)