VATTNET VISKAR: Sky Swallower

VATTNET VISKAR: Sky Swallower

Fast hätten mich VATTNET VISKAR an der Nase herumgeführt. Name, Bartvolumen und stilistische Ausrichtung erinnern allesamt an die nördlichen Regionen Skandinaviens, zu Hause ist das Trio aber in den USA, genauer gesagt New Hampshire. Immerhin haben sie dort im Granitstaat ebenfalls ein paar Berge. Der massive und mächtige Klang von „Sky Swallower“ hat somit einen nachvollziehbaren Ursprung, dessen Naturgewalt nicht bloßes Kalkül darstellt. „Sky Swallower“ zu hören ist wie in den Schlund von Mutter Erde zu blicken: ein dreckiges, tiefes Loch, aus dessen Mitte ein bedrohliches Grollen emporschallt, während torfiger Gestank den Geruchssinn vernebelt

Zeichnet sich der Black Metal üblicherweise durch Kälte und Unnahbarkeit aus, sind VATTNET VISKAR vergleichsweise warm und vereinnahmend. Die organische und erdige Produktion trägt gewiss einen Teil dazu bei, bezeichnend für „Sky Swallower“ ist hingegen, dass die Tragpfeiler des Black Metal im Sound der Amerikaner nur einen Teil der Last schultern. Die aggressiven Blastbeats in Mythos sind für die drei Künstler ebenso essentiell wie die schneidenden Gitarrenwände.

„Sky Swallower“ ist ein bisschen schizophren

Und doch drosseln VATTNET VISKAR das Tempo regelmäßig bis in doomige Regionen, intonieren in „Breath Of The Almighty“ mit einem instrumentalen Songaufbau zwischen BURIED INSIDE und ISIS einen beschwerlichen Aufstieg, bis auf dem Gipfel ein Schneesturm hereinbricht. Minimalistische Ausflüge mit Ambient-Touch gehören ebenso ins Bild wie unüberwindbare Gitarrenwälle – dennoch ist „Sky Swallower“ kein Post-Metal- / Post-Hardcore-Behemoth, wie wir ihn von CULT OF LUNA oder NEUROSIS her kennen.

VATTNET VISKAR bleiben im extremen Metal, selbst wenn sie ein Faible für leise Töne und meditative Interludes Marke „Ascend“ nicht verbergen wollen. Ein bisschen schizophren mag „Sky Swallower“ sein mit seinem Black-Metal-Rückgrat, den sludgigen Vocals und der nicht minder dreckigen Produktion. Weil die Dynamik nicht vergessen wird, das Grollen aus der Mitte des Erdreichs immer wieder verstummt, trifft das nächste Intervall derweil umso heftiger. Insofern können wir uns fast glücklich schätzen, dass das Epizentrum dieses Phänomens hinter dem Atlantik liegt und nicht wie angenommen auf demselben Längengrad im Norden Europas.

Veröffentlichungstermin: 06.09.2013

Spielzeit: 38:14 Min.

Line-Up:
Nick Thornbury – Vocals,  Guitars
Chris Alfieri – Guitar
Seamus Menihane – Drums

Produziert von Brett Boland
Label: Century Media

Homepage: http://www.vattnetviskar.com/
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/vattnetviskar

VATTNET VISKAR „Sky Swallower“ Tracklist

01. New Alchemy
02. Fog Of Apathy (Audio bei YouTube)
03. Monarch
04. Breath Of The Almighty (Video bei YouTube)
05. Ascend
06. Mythos (Audio bei YouTube)
07. As I Stared Into The Sky
08. Apex

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.