TREHA SEKTORI: Rejet

Eine Meditation über den Prozess des Sterbens: Mit „Rejet“ kreieren TREHA SEKTORI ein Dark Ambient-Ritual, das weit über die Grenzen der Musik hinaus reicht.

Ich glaube fest daran, dass unsere fleischliche Hülle, eben das, was wir wieder an die Erde zurückgeben müssen, nur eine vorübergehende Leihgabe von etwas Größerem ist und dass danach irgendetwas mit dem passiert, das wir Seele nennen. Daher ist es meiner Meinung nach sinnvoll, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Wer loslassen kann, wird frei sein, heißt es. Und wer den Tod zum Freund hat, muss ihn nicht fürchten. Dehn Sora alias TREHA SEKTORI übt sich auch darin, diese letzte Schwelle zu ehren. Wie ein Fiebertraum wirkt „Rejet“, ein multimediales Werk, bestehend aus Musik, Buch und Liveperformance, und ist doch so greifbar und real.

Und auch die Grenze zwischen Publikum und Künstler wird aufgelöst. Natürlich ist „Rejet“ zunächst mal Musik. Mit Kopfhörern genossen scheint die Musik wirklich in die Hörerinnen und Hörer einzudringen. Es wird geradezu physisch. Und es verändert das Denken. Es ist, als würde man beim Konsum des Albums die Welt mit den Augen Dehn Soras sehen, vielleicht auch, weil dieses Schwellenland zwischen Sein und Vergehen so gewaltig ist. „Rejet“ ist nicht finster und nicht groß, es ist tief. Die Tiefe, die von diesem Werk ausgeht, ist beinahe bodenlos, und so ist es ein Leichtes, sich dem Fall hinzugeben.

Im freien Fall: TREHA SEKTORI begeben sich mit „Rejet“ zur Schwelle zwischen Leben und Tod.

TREHA SEKTORIs künstlerischer Weg führt das Projekt seit weit über zehn Jahren mittels rituellem Dark Ambient hin zu dem Punkt, an dem sich das Ich auflösen darf, um eine neue Struktur zu finden. Das ist nicht immer schön und einfach zu ertragen, kann aber zu einer tiefgreifenden Erfahrung werden. Und mit „Rejet“ ist Dehn Sora so ein Moment geglückt, da sich auch hier Strukturen auflösen und neu zusammenfügen. Perkussive Elemente, verfremdete Stimmen, Synthesizer, bearbeitete Gitarren: TREHA SEKTORI geht seinen stilistischen Weg konsequent weiter und hebt sich von den vielen Künstlern ab, die solche Musik nur mit Synthesizern, ohne analoge Momente bestreiten. Es wird sofort klar, dass dieser Aufwand sich mehr als auszahlt. Die Tiefe, die TREHA SEKTORI bietet, lässt sich eben nicht über Effekte erzielen.

Nun sind die zehn Tracks dieses Albums recht kurz und fern von klassischen Strukturen, viel mehr lösen sich die Strukturen geradezu auf, aber in den meisten Stücken gibt es Momente, die auf ihre Art und Weise haften bleiben, gerade wenn TREHA SEKTORI perkussive Elemente einsetzen, wie in „Sevorh Deh Armenh“, „Neh Ehn Ravh“, „Vehemah Mereh Tahermah“, „Virdehmh“. Und damit lässt sich auch in die visuelle Komponente von „Rejet“ eintauchen. Das Buch im 7“-Format, das zu dem Werk gehört, ist voller archetypischer Bilder, die Dehn Soras klare Handschrift zeigen. Auch hier hilft die Ratio nicht weiter, viel mehr sind sie eine Einladung an das Unterbewusste, sich einer kollektiv in den Menschen verankerten Seite zu öffnen, die den Tod nicht als Endpunkt begreift, sondern vielleicht erst als Start von etwas Großem und Neuem.

Ritual Dark Ambient mit Energie und großer Wirkung: TREHA SEKTORI erschaffen mit „Rejet“ eine multimediale Erfahrung.

Es ist geradezu fantastisch, was TREHA SEKTORI mit ihren Mitteln erschaffen. TREHA SEKTORI mag das andere Ende der Härteskala für Dehn Sora darstellen und einerseits das Gegenteil von seinem Metal-Projekt THROANE, andererseits aber doch untrennbar damit verbunden sein. Die Energie der Musik ist gar nicht so weit entfernt vom Metal, eingefangen wurde das hervorragend von Tontechniker Tim de Gieter. Das prägnante Artwork findet sich übrigens auch in einer Liveperformance wieder, die TREHA SEKTORI vergangenes Jahr aufführte. Es ist kein Zufall, dass er an diesem Tag „Rejet“ performte, hoch oben in den Pyrenäen, wo die Luft dünn ist und das Auge dem Geist so manchen Streich spielt. Diese Performance ist jede Sekunde eurer Zeit wert. Überhaupt ist TREHA SEKTORI mit „Rejet“ erneut ein ungeheuer wertvolles Projekt gelungen. Es ist ein Ort des Rückzugs, der Introspektion, des Friedens inmitten so vieler zunächst morbide anmutender Bilder, um Frieden mit dem Tod zu machen. Wer einen Zugang in die eigene Tiefe sucht, erhält hiermit ein wirkmächtiges Werkzeug.

Wertung: 8,5 von 10 Reliquien

VÖ: 5. November 2021

Spielzeit: 34:41

Line Up:
Dehn Sora

Label: Norma Evangelium Diaboli

TREHA SEKTORI „Rejet“ Tracklist:

1. Sevorh Deh Armen
2. Devarhahn
3. Seh Anh Teh Veriah
4. Vorah
5. Neh Enh Ravn
6. Vehemah Mereh Tahermah
7. Dehoh Nerveh Hahn
8. Virhdemh
9. Kareh Neh A Kereh Va Nah
10. Obleh

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