THE QUILL: Silver Haze / The Quill [Re-Releases]

THE QUILL: Silver Haze / The Quill [Re-Releases]

Mönsterås, da denk ich an Mittelalterfeste im Kloster, den Blick auf die wunderschöne Insel Öland und an Chips mit Dillgeschmack, unfassbar lecker! Ok ok, und natürlich an Christian Carlsson und seine Jungs von THE QUILL. 2017 gab es zur Rückkehr von Magnus Ekwall am Mikro mit „Born From Fire“ ein sehr cooles Album. Aber wenn man die Schweden seit dem 93er Demo „Another Fruitful Day“ begleitet hat, dann weiß man, dass sie immer schon starke Scheiben abgeliefert haben. Da ist es nur gut, dass Metalville zwei dieser Werke neu auflegt haben, aufgehübscht mit ein paar Bonussongs. Genauer gesagt gibt es nun das 1995er Debüt „The Quill“ sowie den Zweitling „Silver Haze“ von 1999, die schon lange nicht mehr zu kriegen sind. Und schon diese ersten Alben unterscheiden sich deutlich. Diese Wanderung durch 70er Hippie-Rock über knackigen Heavy Rock mit mal mehr Stoner- und Psychedelic-Wolken, Grunge-Anleihen und wie zuletzt auf „Born From Fire“ coole TROUBLE-Grooves und Southern-Vibes fand ich immer sehr spannend und abwechslungsreich. Manch anderen fehlte sicher etwas die stete Linie, um der Band folgen zu können oder zu wollen.

THE QUILL´s „Silver Haze“ und „The Quill“ endlich wieder erhältlich

Das Debüt „The Quill“ kam 1995 eigentlich genau richtig. Die Jungs brachten einen gelungenen Mix aus dem seinerzeit typischen schwedischen Ableger des Stoner Rock, einer großen Prise Grunge und viel 70er Hippie Rock. Letzteres wurde zudem durch den Einsatz der Hammondorgel betont. Dadurch setzte man sich etwas zwischen die Stühle, vielleicht ein Grund, warum die verdiente Aufmerksamkeit nicht wirklich kam.

Dabei gab es reichlich hörenswerte Songs. Der Opener rockt cool auf einen zu, mit einer guten Portion Grunge, auch im starken Gesang von Magnus Ekwall. Zappelig groovend „Dry“, ZEPPelig bei „Homespun“, auch mal kuschelige 70er Klänge wie bei „Gleam“. Es gibt reichlich gute Songs, die durch den schrägen Mix einerseits interessant waren, aber letztendlich auch Fragen offen ließen.

Das Album wiederzuentdecken macht Spaß, heute klingt alles auch stimmiger, was damals irritierte. Etwas zu viel Grunge, der zerschossen wird durch die Orgel, dagegen stehen groovende Rocker, die durchaus Popo treten. Wirkliche Hits gab es aber noch nicht, das Album lebte ganz klar vor allem vom starken Gesang von Magnus.

Heute macht sich „The Quill“ wirklich gut, ist eine willkommene Zeitreise

Wer THE QUILL mag, der sollte nun nachrüsten. Der Bonustrack „Shovel Goal“ macht sich ebenfalls gut, deutet schon etwas in Richtung des erst vier Jahre später erscheinenden „Silver Haze“-Album. Den Mini-Sample „Are You Driving“ braucht man nicht. Aber durchaus diese Neuauflage des Debüts, zumindest wenn man eh Fan der Schweden ist und das Original nicht im Regal steht.

Veröffentlicht am 22.02.2019

Spielzeit: 62:15 Min.

THE QUILL´s „Silver Haze“ tritt ordentlich Popo

Ein ordentlicher Tritt in den Hintern war dann „Silver Haze“. Es hatte sich gezeigt, dass der neue, kraftvollere Bandsound nicht mehr mit der bisher sehr präsenten Hammondorgel zusammen kam und man trennte sich von Anders Haglund. Mehr Platz also für fette Gitarren! Breitbeinig und heavy rollt „Evermore“ aus den Boxen. Man hat sofort wieder die Luftgitarre in der Hand, ein knackiger Stoner ohne Wüstenstaub, einer der vielen Bandklassiker. Der Furztrockene Groove von „Grand Canjon“ erinnert auch schon stark an TROUBLE der frühen 90er. Überhaupt finden sich deutlich viele Parallelen zum aktuellen Album. Hits gab es reichlich, „Freedom Mountain“, „Into The Vulcano (I Fly)“ klingt, als würden KYUSS einen T.REX-Song covern. Dazu kommen hippieske Klänge, mal leicht psychedelisch angehaucht, „Under A Vow“ könnte auch eins der vielen Zwischenspielchen der alten BLACK SABBATH-Scheiben sein. Ein bisschen LED ZEPPELIN-Romantik bei „Stirring Times Ahead“, verträumt wieder mit Verbeugung Richtung ruhige BLACK SABBATH der Schlusstrack „Rockets Collide“.

„Silver Haze“ steht weit vorne in der Diskographie von THE QUILL

„Silver Haze“ steht bei mir immer noch weit vorne in der nunmehr acht Alben umfassenden Diskographie von THE QUILL. Starke Songs, die zwar nicht wirklich viel Neues geboten haben, aber bei mir damals wie heute genau ins Schwarze getroffen haben. Tolle Gitarrenarbeit, fette Grooves und die starken Vocals von Magnus Ekwall ließen „Silver Haze“ all die Jahre immer wieder in den Player wandern. Und das übernimmt jetzt diese Neuauflage mit nicht zu stark überarbeitetem Sound, letztendlich klang schon das Original sehr gut.

Zudem gibt es hier vier Bonussongs, die neu oder wieder entdeckt werden sollten. „Unbroken“ und der damals untergegangene Titelsong „Silver Haze“ kommen mit mehr 70er/Hippie Rock-Flair. Da wird man durchaus an die Stockholmer Lieblings-Roots-Rocker SIENA ROOT ohne Orgel erinnert. „Sparrow“ und „Where The Lovelight Shines“ mit seinem LED ZEPPELIN spielen Stoner Rock-Touch überzeugen ebenfalls.

„Silver Haze“ ist eine der coolsten Scheiben der Schwedischen Stoner-Welle der 90er

Die Neuauflage von „Silver Haze“ ist ein Wohlfühlpaket, für mich eh eine der coolsten Scheiben der Schwedischen Stoner-Welle der 90er. Wobei man diese sympathische Band darauf eh nie reduzieren konnte. Wer die Band erst später kennengelernt hat oder halt auf einen coolen Mix aus Stoner, Retro- und Heavy Rock steht, der sollte nachrüsten. Sie macht sich auch dank der Bonussongs sehr gut neben dem Original, wenn man dieses bereits besitzt.

Fazit: Schön, dass uns Metalville die ersten THE QUILL-Scheiben neu präsentiert! Das zudem im schicken Digipak mit Linernotes und stilecht auf Vinyl. Das Debüt „The Quill“ gefällt, ist aber eher für echte Fans wichtig. Das Zweitwerk „Silver Haze“ hingegen ist durchweg klasse und gehört als Pflichtkauf in jede Stoner/Retro/Classic Rock-Sammlung!

Da ist es nur zu schade, dass die jetzt gerade eigentlich laufende „Voodoo Over Europe“-Tour bei uns gecanceled wurde. Aber das lag laut Christian außerhalb der Band, er hofft, dass sie diese Tour später dieses Jahr nachholen können.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Spielzeit: 73:01 Min.

Lineup:
Magnus Ekwall – Vocals
Christian Carlsson – Guitars
Anders Haglund – Hammond B5, Rhodes (nur „The Quill“)
Roger Nilsson – Bass
George Atlagis – Drums

Gäste auf „Silver Haze“:
Calle Engström – Harmonica (10)
Lasse Hamnede – Flute (11)

Produziert von Berno Paulsson und The Quill

Label: Metalville

Homepage: http://www.thequill.se

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/thequillsweden

Die Tracklist von „Silver Haze“:

1. Evermore
2. Grand Canyon
3. Freedom Mountain
4. Under A Vow
5. Stirring Times Ahead
6. Mercury
7. Into The Volcano (I Fly)
8. Universal Treehouse
9. Who´s Crying
10. Aeroplane
11. Rockets Collide
Bonus Tracks:
12. Unbroken
13. Silver Haze
14. Sparrow
15. Where The Lovelight Shines

Die Tracklist von „The Quill“:

1. Jet Of Water
2. Dry
3. Lodestar
4. Homespun
5. From Where I Am
6. The Flood
7. In My Shed
8. Gleam
9. Not A Single Soul
10. In The Sunlight I Drown
11. I Lost A World Today
12. Sweetly
13. Shovel Goal (Bonus Track)
14. Are You Driving (Bonus Track)

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.