THE HERETIC: Gospel Songs in E Minor

THE HERETIC schaffen ein beeindruckendes Death / Black Metal-Werk ab, welches gerne in anderen Schubladen herumwildert…

Manchmal tischen die berühmt-berüchtigten Promoinfos dem Reviewer die absurdesten Fakten auf. Irgendwann kommt man zum Schluss, dass in den letzten Jahren nur legendäre Meisterwerke geschaffen wurde und dass selbst ausserordentliche Bands wie DEATH oder EMPEROR schon lange zehn andere Formationen neben sich haben, die genauso brillanten Metal erschaffen. Das nunmehr dritte Werk der Spanier THE HERETIC wird Anhängern von EMPEROR, DEATH, ARCTURUS und THE KOVENANT immerhin nur ans Herz gelegt – die gnadenlose Selbstüberschätzung bleibt also außen vor. Dennoch dürfte es ein steiniger Weg werden, dieses anspruchsvolle Klientel zu befriedigen…

Nach einem kurzen Intro à la CHROMA KEY legen die Spanier gewandt los. Sofort fällt die gute Produktion auf – transparent, aber nicht klinisch, die Instrumente kriegen alle die nötige Aufmerksamkeit. Diese brauchen sie auch, denn THE HERETIC gehen technisch versiert und abwechslungsreich progressiv zu Werke. Dabei verfallen die Spanier nicht dem Geschwindigkeits-Frickel-Teufel, sondern fügen immer wieder auch langsamere und hymnisch-epische Passagen ein, welche etwa das herrliche Chimera bevölkern. Hier wird auch cleaner Gesang vorgeführt, von dem sich so manche Pagan Metal Band in Sachen Raffinesse ein großes Stück abschneiden könnte. Ein weiteres Schmankerl ist Did I Say Why I Hate You?, hier werden Parallelen zu SATYRICONs Volcano-Opener With Ravenous Hunger mit Keyboards à la VAN HALENs 1984 verknüpft – und so absurd das klingt, schaffen es THE HERETIC, daraus einen überzeugenden Song zu kredenzen.

Musikalisch reicht das Spektrum dieser Formation hörbar weiter als die Mischung Black / Death Metal gemeinhin vermuten ließe. Immer wieder kommen symphonische Parts zum Zug, ja stellenweise könnte man die Gospel Songs in E Minor beinahe dem Melodic Metal zuordnen. Doch unvermittelt wie ein Chamäleon wechseln die Spanier immer wieder ihr musikalisches Timbre, ohne jemals die Melodien und die Arrangements zu vernachlässigen. Today mischt wunderschöne symphonische und abgestoppte Gitarrenparts mit perlenden Soli, das melodisch schwarzmetallische Ashamed integriert gekonnt die berüchtigte Kirmes-Orgel am Ende und in Monster zitiert die Formation kurz und keck die chorhaften Passagen von THERION. Insgesamt beweisen THE HERETIC dann auch flott die These des Promo-Infoblatts: Ihre Wandelbarkeit gemahnt an ARCTURUS, die Keyboards manchmal an THE KOVENANT, die Arrangements und die Atmosphäre an EMPEROR und die Gitarristen haben garantiert mehr als eine DEATH-Scheibe und einen Schrein für Chuck (R.I.P.) zu Hause.

Insgesamt liefern THE HERETIC mit Gospel Songs in E Minor also ein ausgezeichnetes Werk ab, welches zeigt, dass der Tellerrand bei melodiösem Schwarzmetall nicht aufzuhören hat. Es gibt ja auch noch die Tischdecke und viele andere bunte Stilschubladen, aus denen man schöpfen kann. Beeindruckend!

Veröffentlichungstermin: 15.10. 2005

Spielzeit: 44:53 Min.

Line-Up:
Rhülk: Vocals

Carlo IV: Gitarre

Phaernan: Gitarre

Nexusseis: Bass, Keyboards

Chrisphoval: Drums

Label: Xtreem Music Releases

Homepage: http://www.thehereticband.com

Email: cristobalhereje@hotmail.com

Tracklist:
1. Sunday Morning, The 13th

2. Chimera

3. Did I Say Why I Hate You?

4. Today

5. We`ve Turned Into Saints

6. Ashamed

7. The Claim Of Integrity

8. Monster

9. The Day Of The Lord