THE ABSENCE: From Your Grave

THE ABSENCE: From Your Grave

Irgendwie ist man versucht, THE ABSENCE neidvoll vorzuhalten, bislang auf die Schokoladenseite des Musikerlebens gefallen zu sein. Da kommen die fünf Jungs aus der Metal-historisch relevanten Tampa Bay-Area, teilten in der noch jungen Bandgeschichte schon gemeinsam mit Bands wie CANNIBAL CORPSE, SIX FEET UNDER, NAPALM DEATH, DARK TRANQUILLITY, NILE oder STRAPPING YOUNG LAD die Bühne und reduzierten die quantitativen Bemühungen um einen Labeldeal auf ein Minimum. Doch insbesondere bei letzterem Ereignis haben THE ABSENCE fleißig nachgeholfen bzw. nichts dem Zufall überlassen, indem sie für ihre Demo-EP Out of Press 2004 den Morrisound Studios ihre Aufwartung machten.

Bereits ein Jahr später fand nun das Debütalbum den Weg in die Verkaufsläden. Der Stil ist dabei untypisch für eine Band aus Amerika, bündeln THE ABSENCE doch die geografisch erklärbaren Thrash-Einflüsse mit hoch melodiösem Death Metal skandinavischer Prägung. Das sehr gitarrenlastige Album lässt nicht zuletzt aufgrund eines puren Gitarrenintros, was man heutzutage wahrlich nur mehr selten zu hören bekommt, von Beginn an keine Zweifel darüber aufkommen, dass Patrick Pintavalle und Peter Joseph (die beiden Klampfen-Heroen) ihr Hand- und Fingerwerk verstehen. Das Resultat wächst zu einem mordshohen Berg aus Melodien an, der mit markanten Klippen und Überhängen versehen ist, die nur mit verspielten Soli zu bezwingen sind. Dieser Virtuosität an den Sechssaitern wird durch eine vordergründige Abmischung Rechnung getragen, die den Gitarren einen äußerst prominenten Platz in der Soundhierarchie einräumt. Ob nun die anderen Bandmitglieder qualitativ den Gitarristen gegenüber zurückstehen, will ich nicht bejahen. Nur vom Sound sind sie lautstärkenmäßig deutlich benachteiligt. Was insbesondere bei den Drums zu bedauern ist, denn diese warten oft mit großartigen Breaks und Blast- und Doublebass-Attacken auf. Die kreischend knurrenden Vocals von Jamie Stewart passen schließlich sehr gut zum höhenlastigen Sound, für den im Übrigen Erik Rutan (u.a. INTO THE MOAT, SOILENT GREEN, HATE ETERNAL) verantwortlich zeichnet.

Auf die Songs im Detail einzugehen, erspare ich mir hier allerdings. Nicht, dass die Tracks oder deren Aufbau schlecht wäre; das sind sie nämlich keineswegs. Schlüssig aufgebaut, mit verschiedenen Tempi und Aggressionsstufen ausgestattet und jeweils mit Soli und besonderen Leads aufgebrezelt, bringen die Songs eine Melodie nach der anderen dazu, sich geschickt in die Gehörgänge des Hörers zu winden. Und das machen sie, ohne auch nur im Mindesten irgendwo anzuecken. Aber hier ist vielleicht der größte Kritikpunkt von From Your Grave fest zu machen: die Songs wirken noch zu profillos. Durch den allzu klaren – fast nach Retorte klingenden – Sound büßen die Lieder zudem noch einiges an Härte ein. Doch wollen wir den Amerikanern ihren Eintritt in die kommerzialisierte Metal Welt nicht schon von vorne herein vermiesen. From Your Grave lässt großes musikalisches Potenzial erahnen. Vor allem im melodischen Bereich müssen sich THE ABSENCE nicht mehr auf Zehenspitzen stellen, um an die etablierten Band des Melodic Death Metals heran zu reichen. Ein gutes Stück mehr Profil und eine etwas härtere Gangart und die Bay-Area hat einen neuen Stern am Metal-Horizont.

Veröffentlichungstermin: 19.09.2005

Spielzeit: 42:23 Min.

Line-Up:
Patrick Pintavalle – Guitar

Jamie Stewart – Vocals

Jeramie Kling – Drums

Peter Joseph – Guitar

Nicholas Calaci – Bass

Produziert von Erik Rutan
Label: Metal Blade Records

Hompage: http://www.theabsence.com

Email-Adresse der Band: ppintavalle@yahoo.com

Tracklist:
1. Intro

2. A Breath Beneath

3. Necropolis

4. From Your Grave

5. Heaven Ablaze

6. Summoning The Darkness

7. Shattered

8. I, Deceiver

9. My Ruin

10. Seven Demons

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.