Am Anfang war das Riff. Jedenfalls ist das die Philosophie, die Josh Middleton und damit SYLOSIS seit jeher prägt. Das änderte sich weder mit der modernen Ausrichtung des Vorgängers „A Sign Of Things To Come“ (2023) noch mit dem Nachfolgewerk „The New Flesh“, dessen Artwork eher zeitgenössischen Keyboard-Overkill suggeriert.
Davon bleiben wir im Laufe der rund 48 Minuten glücklicherweise verschont: Klartext spricht immerhin schon der Auftakt „Beneath The Surface“, welcher in der Schnittmenge von Death und Thrash Metal das Tempo anzieht. Die zuletzt hinzugewonnenen Einflüsse sind indes keineswegs verschwunden: Klargesang spielt in überlegten Dosen weiterhin eine Rolle, wie beispielsweise „Erased“ im Refrain früh darlegt und welcher später in der kontroversen, doch annehmbaren Powerballade „Everywhere At Once“ seine Vollendung findet.
Musikalisch wie stimmlich haben SYLOSIS an Variabilität hinzugewonnen
Dass sich SYLOSIS in Letzterem zurückgenommen und verletzlich präsentieren, mag im krassen Gegensatz zum restlichen Material stehen, ist dramaturgisch vor dem furiosen Finale jedoch klug platziert. Auch stimmlich zeigt sich Middleton hier gereift und souveräner als noch auf „A Sign Of Things To Come“ (2023). Die hinzugewonnene Variabilität schenkt dem Bandkopf weitere Werkzeuge, derer er sich vor allem im synth-gestützten „Adorn My Throne“ bedient.
Immer wieder wollen die Briten allerdings einfach mit dem Kopf durch die Wand: Das ungezügelte „All Glory, No Valour“ und – in Teilen – „Spared From The Guillotine“ setzen auf Thrash-Furor, der SYLOSIS am Maximum ihrer Intensität zeigt. Groove steht derweil im Titeltrack sowie bei „Mirror Mirror“ im Vordergrund, wo dezente Synth-Spuren und Chugs ein Spiegelbild der jüngeren Schaffensperiode zeichnen. Den klar gesungenen Refrain von „Lacerations“ wiederum unterlegen klassische Melodeath-Leads.
Der Biss ist zurück, auch wenn „The New Flesh“ Luft nach oben hat
Ist das Grundniveau auf „The New Flesh“ hoch und vor allem konstant, fehlt es der Platte letztlich an erinnerungswürdigen Momenten: Gefällige Hooks und solide Riff-Arbeit sind trotz Ali Richardsons (BLEED FROM WITHIN) zielgerichtetem Drumming zu wenig, um uns über längere Zeit zu fesseln. SYLOSIS sind dennoch auf dem richtigen Weg: Der Biss ist jedenfalls phasenweise wieder zurück und bestärkt uns in der Gewissheit, dass die Band noch einiges zu geben hat, solange Mastermind Josh Middleton seinem eigenen Grundsatz treu bleibt. Denn wo am Anfang das Riff steht, kann das Ende ja eigentlich nur gut sein.
Veröffentlichungstermin: 03.10.2025
Spielzeit: 47:59
Line-Up
Josh Middleton – Gitarre, Vocals
Ali Richardson – Schlagzeug
Conor Marshall – Gitarre
Ben Thomas – Bass
Produziert von Josh Middleton
Label: Nuclear Blast
Homepage: https://www.sylosis-band.com/
Facebook: https://www.facebook.com/Sylosis
Instagram: https://www.instagram.com/sylosisofficial/
Bandcamp: https://sylosis.bandcamp.com/
SYLOSIS “The New Flesh” Tracklist
01. Beneath The Surface
02. Erased (Video bei YouTube)
03. All Glory, No Valour
04. Lacerations (Video bei YouTube)
05. Mirror Mirror
06. Spared From The Guillotine (Video bei YouTube)
07. Adorn My Throne
08. The New Flesh (Video bei YouTube)
09. Everywhere At Once
10. Circle Of Swords
11. Seeds In The River