POOSTEW vs. JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE: Heirat aus Hass, Scheidung aus Spaß

Kleine aber feine Split, nicht nur für Grindfans.

Gratulation für den besten Titel den man einer Split geben kann. Noch dazu sehr passend weil JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE mit von der Partie sind – die sind für den fiesen Titel sicherlich eh verantwortlich. Doch gleich vorneweg: Für ein CD-Release ist diese Split ein wenig mager – eine Spielzeit von nicht einmal 11 Minuten passt eher zu Vinylgeschichten. Aber dennoch, das Material auf Heirat aus Hass, Scheidung aus Spaß begeistert nachhaltig und bietet ordentliches Futter für die Grinder der Nation.

Gerade POOSTEW können positiv überraschen. Nicht dass sie bisher schlecht gewesen wären, aber ihre vier Krachnummern treten dem Hörer die Zähne ein. Volle Kanne Blast Beats, melodische Schraddelriffs, angepisstes Kreischen, derbes Grunzen und zwischendurch immer wieder mal ein paar schräge Breaks. Dennoch halten sich POOSTEW in ihren Songs nicht mit vielen Nebensächlichkeiten auf, die kompakten Nummern bestechen durch klare Strukturierung und die komprimierte Wut. Der Abschlusstrack You´re the Fucking Antichrist ist sogar leicht hymnenhaft angehaucht. Fans von MISERY INDEX und CEPHALIC CARNAGE dürfen sich schon mal auf POOSTEWs Beitrag freuen. Die Kehrseite der Medaille: Die vier Stücke sind recht gleichförmig und könnten etwas mehr Abwechslung vertragen. Auf Albumlänge wäre dieses Material ziemlich eintönig, soviel ist sicher.

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE bieten in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil. Punkig geht es mit Wo ist der Inhalt? los und danach ziehen die Krefelder so richtig vom Leder. Wie man es gewohnt ist, mit viel Ironie und Sarkasmus werden die sieben sehr kurzen Lieder aufgelockert. Dabei ist nicht nur Grind am Start, sondern es schleichen sich auch Metal, Stoner Rock, ein paar Black Metal-Riffs und Punk ein. Die Band freillich verleugnet sich nicht selbst, sondern erweitert ihren Stil logisch. Das alles in knapp fünf Minuten unterzubringen ist eine gewagte Sache. Fans der Band stören sich höchstens daran, dass nicht mehr neuer Stoff geboten ist, wer das Sextett vorher noch nicht kannte, könnte seine Probleme hiermit haben. Aber Songs wie Schwanzvergleich, Diese Blackmetalband aus Dortmund oder Egal haben das Zeug zu Klassikern der Bandgeschichte zu werden.

Über das Soundgewand kann man bei den Bands nicht meckern, HATESHPERE-Frontmann Jakob Bredahl hat ganze Arbeit geleistet. Und selbst wenn diese Split verdammt kurz ist, sie macht verdammt Spaß. Gerade der Beitrag von JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE ist gewohnt erstklassig. Einzig die magere Spielzeit trübt das Hörvergnügen etwas. Fans der Bands haben jedoch keinen Grund diese Split im Regal stehen zu lassen, die wird nämlich sicherlich eines Tages als Rarität gehandelt werden. Neulinge sollten aber lieber die aktuellen Studioalben der Bands antesten.

Veröffentlichungstermin: 15. Mai 2006

Spielzeit: 10:52 Min.

Line-Up:
POOSTEW:
Chris – Vocals
Paul – Guitars
Tim – Bass
Guido – Drums

http://www.poostew.de

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE:
Marcus Hoff – Vocals
Andreas Paul – Vocals
Klaus Nicodem – Guitars
Robert Nowak – Guitars
Marco Bachmann – Bass
Christof Kather – Drums

http://www.japanischekampfhoerspiele.de

Label: Silent Stagnation Records

Tracklist:
POOSTEW:
1. Sea of Corruption
2. Turmoil
3. Propaganda Inc.
4. You´re the Fucking Antichrist

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE:
5. X
6. Wo ist der Inhalt?
7. Schwanzvergleich
8. Verrückter Traum
9. Hallo Kinder
10. Diese Blackmetalband aus Dortmund
11. Egal
12. Schlucker