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OPETH: Deliverance

OPETH: Deliverance

OPETH, die Klangmagier aus Schweden, haben bislang mit jedem Album verzaubert. Obwohl OPETH immer gerne als die Vorzeigeband für anspruchsvollen Metal herhalten müssen, hat diese Band etwas, was meiner Meinung nach allzu vielen unter dem Banner „progressiv“ zusammengefassten Formationen abgeht. OPETH haben Wärme, OPETH haben Gefühl, OPETH haben Seele. Statt einer lebloser Aneinanderreihung möglichst vieler verschiedener Töne in möglichst vielen verschiedenen Einzelteilen, die wiederum möglichst vielen Musikern möglichst viele Gelegenheiten geben, die eigene Spielkunst möglichst oft unter Beweis zu stellen, schreibt Mikael Åkerfeldt atmende und atemberaubende Songs.

Mit den beiden letzten Alben Still Life und Blackwater Park haben die Schweden ihren eigenständigen Stil perfektioniert. Doch OPETH wären nicht OPETH, wenn sie sich auf ihrem „Erfolgsrezept“ ausgeruht hätten. „Deliverance“ ist wie angekündigt härter und aggressiver als die unmittelbaren Vorgänger. Wer hätte gedacht, dass man von OPETH wieder dermaßen heftige Klänge wie das Doublebass-dominierte „Master´s Apprentices“ zu hören bekäme? Im Verlaufe von „Master´s Apprentices“ schließt sich der Lebenslauf, ausgehend vom wüsten, wenn auch damals schon vertrackten, Metal der ersten Lebenstage der Band bis zu zartestem, harmonischen Gesang und federleichten, unverzerrten Gitarren. Doch die Schweden gehen weiter: Nach acht Minuten flüchtet sich der Song in ein furioses Finale, in dem Åkerfelds wütende Stimme nur die Einleitung für ausufernde Gitarrenmelodien und versetzte Schlagzeugbeats liefert.

„By The Pain I See In Others“ verstört mit unheimlichem Gesangsgegurgel und überraschenden Wendungen. Sanfte, unverzerrte Gitarren schmiegen sich an raue, kantig-spitze Metalriffs, eine putzige Jahrmarktmelodie lugt verstohlen hinter wütenden Growls hervor, und ganz allmählich lullt der Takt ein – bis völlig unerwartet aus dem düsteren Halbschatten wieder ein aggressives Gitarrrengesangsmonster hervorbricht.

Genau diese unerwarteten Brüche und Ausbrüche machen „Deliverance“ so spannend, so undurchdringlich und so schwer zu fassen. Meilenweit von anstrengender Kopfmusik entfernt machen OPETH Musik für den Verstand und für den Bauch. „Deliverance“ ist vielleicht das schwierigste Album von OPETH, doch die vertrackten und verworrenen Strukturen sind immer voller Atmosphäre, voller Stimmung und voller expressiver Kraft. Egal, was OPETH mit den vielen Einzelteilen transportieren, am Ende fügt sich alles zusammen. Die schwelgerischen, wunderschönen Melodien von „A Fair Judgement“ gehen nach einem ergreifenden, langen Solo über in ein langsames, massives Riff, das die kalte und brutale Intensität von „Master’s Apprentices“ andeutet. Dazwischen findet sich mit „For Absent Friends“ ein kleines, ruhiges Zwischenspiel, das die andere Seite der Band zum Ausdruck bringt.

Anfänglich hatte ich mich gefragt, ob ein Album, das die harte, aggressive Seite von OPETH zeigt, denn überhaupt notwendig ist – schließlich kann sich Mikael Åkerfeldt bei BLOODBATH austoben. „Deliverance“ betont die rauere Seite dieser facettenreichen Band ohne einseitig zu sein. Bleibt abzuwarten, wie das ruhigere Album „Damnation“, das im kommenden Frühjahr erscheinen soll, ausfallen wird. Eines ist allerdings jetzt schon klar: Es wird sehr schwer werden, das wunderschöne, stimmungsvolle Booklet von „Deliverance“ zu übertreffen.

Tracklist:

Wreath

Deliverance

A fair judgement

For absent friends

Master´s apprentices

By the pain I see in others

Besetzung:

Mikael Åkerfeldt – Gesang, Gitarre

Peter Lindgren – Gitarre

Martin Mendez – Bass

Martin Lopez – Schlagzeug

Spielzeit: 61:50

VÖ: 4. November 2002

Label: Music For Nations
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Hompage: http://www.opeth.com

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...