OMNIUM GATHERUM: Beyond

OMNIUM GATHERUM: Beyond

Der Valentinstag ist vorbei, wieder gab es Blumen, wieder ein romantisches Abendessen bei Kerzenschein im Italiener um die Ecke. Versunken im Kitsch, willkommen in der Romantik-Hölle. Ein Glück, dass OMNIUM GATHERUM uns die rettende Hand reichen. Romantik kann auch laut und kantig sein, das verraten die Finnen, die uns mit der geballten Ladung ihres finnischen Charmes im Arm wiegen. Das geschieht zunächst behutsam und rücksichtsvoll, ist alsbald jedoch in nicht geringerem Maße episch, direkt und männlich. Steckt der melodische Death Metal vielerorts in einer Identitätskrise, so suchen die Nordeuropäer einen Ausweg aus der Misere mittels eines durcharrangierten, feinsinnigen Ansatzes. MeloDeath für einen gewissen Anspruch, der vom Ausgangspunkt nicht weit von INSOMNIUM zu verorten ist, gerade den Leadgitarren aber eine ähnlich tragende Rolle zuschreibt, wie es die Landsmänner von AMORPHIS tun.

Hinzuaddiert werden schließlich melodieführende Keyboards, die In The Rim schon mal einen leicht futuristischen Anstrich verleihen können, sowie ein sattes Rhythmusfundament, das die insgesamt recht eingängig angelegten Stücke trägt. Weshalb Beyond auch anspruchsvollere Naturen anspricht, ist vor allem in den wunderbaren Gitarren festzumachen, die nicht nur das aufsteigende Intro LuoTo zu einem Abenteuer machen, sondern darüber hinaus in Sachen Tiefgang zum Rückgrat OMNIUM GATHERUMs avancieren. Die teils mehrstimmigen Melodiebögen sowie die dicht vernetzte Instrumentierung machen das getragene The Unknowing, The New Dynamic und das geradlinige, mit Akustikgitarren und engagiertem Bassspiel aufgewertete Formidable zu einem Nährboden an Kreativität, die dem Genre ausgesprochen gut bekommt.

Der Gesang kann angesichts der instrumentalen Abwechslung, wie sie im Elfminüter White Palace zwischen walzendem Midtempo, melancholischem Keyboard-Piano und großen Leadgitarren aufgefahren wird, nicht mithalten. Trotz schöner Chorpassagen in The New Dynamic und der zum Teil klar gesungenen Powerballade Who Could Say geben hauptsächlich tiefe Growls den Ton an. Solide, doch zugleich etwas eintönig.

Einen Ausfall müssen OMNIUM GATHERUM nicht verzeichnen, auch wenn im ausladenden Nightwalkers das innewohnende Potenzial aufgrund recht eingefahrener Methoden nicht herausgekitzelt werden konnte. Mit dem Melodic Death Metal-Hit The Sonic Sign werden zum Ausgleich die Fans von SOILWORK bis IN FLAMES eingepackt, was uns fast vergessen lässt, warum Beyond nach unserer Neugier gar unsere Aufmerksamkeit zuteil wurde: Mit einem reifen, erwachsenen Ansatz bringen OMNIUM GATHERUM Epik und Romantik mit der stilprägenden Härte unter einen Hut. Melodien, die teils zum Sterben schön sind, andernorts wiederum zum Träumen einladen – das finden wir im ernstzunehmenden Aufzug nicht allzu oft. Anstatt Blumenstrauß und Candlelightdinner gibt es also beim nächsten Mal Beyond und ein Konzertticket für die Liebste. Romantik hat nämlich ab sofort nicht nur Eier, sondern auch einen Namen. Merke ihn dir gut.

Veröffentlichungstermin: 22.02.2013

Spielzeit: 57:10 Min.

Line-Up:
Jukka Pelkonen – Vocals
Markus Vanhala – Guitar
Joonas Koto – Guitar
Aapo Koivisto – Keyboards
Erkki Silvennoinen – Bass
Jarmo Pikka – Drums
Label: Lifeforce

Homepage: http://www.omniumgatherum.org
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/omniumgatherumband

Tracklist:
01. LuoTo
02. The New Dynamic
03. In The Rim
04. Nightwalkers
05. Formidable
06. The Sonic Sign
07. Who Could Say
08. The Unknowing
09. Living In Me
10. White Palace

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.