ÖTTEBAND: Kriegsgedanken [EP] [Eigenproduktion]

Vielleicht sollte man mal mit der ÖTTEBAND einen trinken gehen; und wenn sie so echt und ehrlich sind wie die Mucke auf "Kriegsgedanken" wird das eine lange Nacht.

Ich mag die ÖTTEBAND! Seit ihrem Wandel von der Coverband zum reinen Deutsch-Rock mit eigenen Songs haben sie sicher nicht nur meinen Nerv getroffen. Die abwechslungsreichen Songs und vor allem die sehr persönlichen Texte von Bandkopf Ötte sind halt weit weg von dem, was man (oder zumindest ich) sich vorurteilsvoll unter Deutsch-Rock vorgestellt hat.

Nach dem tollen Erstling Saitenwechsel und dem noch etwas rockigeren und musikalisch gereifteren zweiten Longplayer Grünes Licht schickt uns Ötte nun als Feldpost die EP Kriegsgedanken. Ja, genau, wer sich mit Saitenwechsel beschäftigt hat findet das Highlight dieser Scheibe hier noch mal wieder, etwas ausgebaut und neu eingespielt. Und was uns Ötte erzählen möchte, trifft auch heute genauso ins Herz, ein Blick in die Nachrichten und Zeitungen reicht ja, und man kann kaum an eine schöne heile Welt denken. Eingeleitet von einer persönlichen Ansprache von Ötte, gibt´s auf Kriegsgedanken in kompakter Form genau das, was man als Fan von der ÖTTEBAND erwarten darf. Die Jungs bringen ein buntes, dem Thema angepasstes Soundgewand. Ötte lässt seiner Angst und Wut über Krieg, menschliche Gewalt und materiellem Machtdenken freien Lauf. Und das wie gewohnt nicht in einer Form, die belehren will. Man hat das Gefühl, da sitzt ein Kumpel, der sich in deinen Armen ausheult.

Kriegsgedanken ist aufgeteilt in 12 Parts. Ruhig und melancholisch beginnend, ein kleiner Moment der Hoffnung (Flieg Vogel flieg), der instrumentale, metallisch lospreschende Blick auf die üble Realität (Sturzflug), Zweifel, ob Jesus uns retten kann und will, gefolgt von Orientierungslosigkeit, dem Wunsch nach einem Wandel (Nie mehr blind) und Hoffnungslosigkeit (Schöne Welt). Ötte hat keine Angst, seinen wohl christlichen Glauben zu zeigen, scheut sich auch nicht, seine Zweifel diesbezüglich offen zu legen. Die Band zockt wieder klasse und ohne das geringste Schubladen- schema locker drauflos und transportiert die Stimmung der Texte perfekt. Ok, Flieg vogel flieg ist durchaus schlagertauglich und würde jeden PUR-Fan glücklich machen, passt aber emotional genau so ins Gesamtbild. Beim wütenden Jesus zeigt man auch noch mal seine Verehrung für die TOTEN HOSEN. Letztendlich stellt Kriegsgedanken das Grundgerüst für ein Rockmusical, das 2007 an den Start gehen soll und an dessen Entstehung sich die ÖTTE-Fans beteiligen sollen.

Vielleicht sollte man mal mit der ÖTTEBAND einen trinken gehen; und wenn sie so echt und ehrlich sind wie die Mucke auf Kriegsgedanken wird das eine lange Nacht. Bis dieser Tag kommt, kann man sich prima mit dieser EP beschäftigen, schließlich haben gerade Metaller ein großes Herz. Ich kann die ÖTTEBAND gut und gefahrlos zwischen Doom-Gedröhne und US-Metal-Gesäge hören, echt… Ich mag die ÖTTEBAND!

Veröffentlichungstermin: April 2006

Spielzeit: 20:02 Min.

Line-Up:
Christian “Ötte” Otte – Vocals
Jan JEY PEE Purfürst – Gitarre
Markus SCHOLLE Scholz – Bass
Peter PITI Nieswandt – Drums

Produziert von Ötteband
Label: Eigenvertrieb

Homepage: http://www.oette.net

Email: oette@oette.net

Tracklist:
1. Feldpost
2. Kriegsgedanken
Part 1 – Preis der Freiheit
Part 2 – Felder der Nacht
Part 3 – Flieg Vogel flieg
Part 4 – Flug der Hoffnung
Part 5 – Sturzflug
Part 6 – Wirst Du uns verzeihen?
Part 7 – Jesus
Part 8 – Der Weg
Part 9 – Nie wieder blind
Part 10 – Dunkle Schatten
Part 11 – Mit dem Wind
Part 12 – Schöne Welt