Eine Band, die ich schon seit meiner frühesten Jugend mag, ist NAZARETH aus Schottland. Zwar war es in den letzten Jahren plattentechnisch recht still um die Band, doch live sind die Schotten nach wie vor sehr lebendig. Mit „Homecoming“ liegt nun ein (auch auf DVD/VHS erhältlicher) Livemitschnitt vor – der erste offizielle seit dem (immer noch) legendären „Snaz“-Album aus dem Jahre 1981.
Natürlich ist das Line-up nicht mehr dasselbe wie zu Zeiten den Debütalbums „Nazareth“ aus dem Jahre 1971. Die Anfänge der Band reichen sogar (unter dem Namen THE SHADETTES) bis 1961 zurück. Mann, da gab’s die BEATLES, Hendrix, Joplin und Morrison lebten noch, und von BLACK SABBATH, DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN redete noch kein Mensch. 1968 benannte man sich in NAZARETH um und veröffentlichte im Laufe der folgenden Jahre bzw. Jahrzehnte etliche Platten (hab‘ ich richtig gezählt, sind wir bei mittlerweile 20 Studioscheiben) und landete viele Hits.
NAZARETH konzentrieren sich auf ein „Nummer Sicher“-Set
Heutzutage gehören von den alten Recken nur noch Sänger Dan McCafferty (kaum ein Sänger hat den Begriff „Rock-Röhre“ mehr verdient, als der mittlerweile 55-jährige Schotte) und Basser Pete Agnew zum Line-up, das von Keyboarder Ronnie Leahy (seit 1995 in der Band), Gitarrist Jimmy Murrsion (seit fast acht Jahren dabei) und Lee Agnew (dem 31-jährigen Sohn des Bassers, der 1999 den verstorbenen Ur-Drummer Darrell Sweet ersetzte) komplettiert wird.
Auf „Homecoming“ gibt’s 16 (in Glasgow mitgeschnittene) Songs (72:02 Min.) zu hören und natürlich sind viele der zahlreichen Hits vertreten („Razamanaz“, „Dream on“, „Bad Bad Boy“, „Love Hurts“, „My White Bicycle“ oder „Broken Down Angel“) – doch genauso natürlich sind viele der zahlreichen Hits NICHT zu hören (wo sind Klassiker wie „Shanghai’d in Shanghai“, „Turn on your Receiver“, „Holy Roller“ oder, oder, oder…). Um allen Fans/Alben gerecht zu werden, hätte man wohl eine Doppel-CD veröffentlichen müssen, so dass sich die Herren ansonsten hier auf ein mehr oder weniger „Nummer Sicher“-Set beschränken, dessen Schwerpunkt auf den Jahren 1973 – 1975 (bzw. den Alben „Razamanaz“, „Loud’n’Proud“ und „Hair of the Dog“) liegt.
Auf „Homecoming“ gibt es erdigen, zeitlosen Rock’n’Roll
Die Achtziger werden mit nur drei Songs gestreift („Holiday“, „Dream On“, „Heart’s grown cold“), die Neunziger mit Ausnahme von „When the Light comes down“ vom 98er „Boogaloo“-Album, dem bisher letzten Studioalbum (fast) gar nicht beachtet – und mit „Walk by Yourself“ hat sich – glaube ich zumindest – sogar ein neuer Song aufs Album geschmuggelt. Zu meckern gibt es so gut wie nix, auch wenn es die Herren zeitweise etwas gemäßigter angehen lassen. Unterm Strich gibt’s erdigen, zeitlosen Rock’n’Roll, der zwar etwas unmodern klingen mag, aber alles andere als verstaubt oder angerostet wirkt. Was will man mehr? Höchstens noch die wiederveröffentlichten 20 „digitally remastered“ catalogue albums mit Bonussongs, neuen Fotos und Liner-Notes… (
Spielzeit: 72:02 Min.
Line-Up:
Dan McCafferty (Vocals)
Jimmy Murrison (Gitarre)
Pete Agnew (Bass)
Ronnie Leahy (Keyboards)
Lee Agnew (Drums)
Produziert von Dan Priest
Label: Eagle Records
NAZARETH „Homecoming“ Tracklist
- When the Lights come down
- Razamanaz
- Miss Misery
- Holiday
- Dream on
- Simple Solution
- My White Bicycle
- Walk by Yourself
- Bad Bad Boy
- Hearts grown cold
- Broken down Angel
- Whiskey Drinkin Woman
- Hair of the Dog
- This Flight Tonight
- Beggar’s Day
- Love Hurts