MOTÖRHEAD: Iron Fist – 40th Anniversary Edition [2CD] [Re-Release]

Ich kann mich noch gut erinnern auf die verständnislosen Reaktionen, wenn man damals, 1982 dazu stand, dass man MOTÖRHEADs „Iron Fist“ gut fand. Nach den Knaller-Alben „Ace Of Spades“ und „No Sleep Til Hammersmith“ wurde es als zu glatt und zahnlos abgetan, es gab sogar dezente Melodien, igitt! Ok, Gitarrist Fast Eddie Clarke hatte das Album produziert und der Sound kommt weitaus weniger rumpelig als auf den rauen Vorgängern. Aber auch nicht so kraftvoll, wie es den Songs gutgetan hätte. Der ein oder andere Song wirkt unfertig, auch das ist unabwendbar. Zoff untereinander, Drogen, Druck nachzuliefern vom Label. Dem gegenüber steht das sicher wildeste und schnellste Album, und der leichte Ruck Richtung melodischen Klängen hatte zumindest mir gefallen. Wie auch immer, das im April 1982 veröffentlichte fünfte Studioalbum „Iron Fist“ reiht sich natürlich passend ein in MOTÖRHEADs „40th Anniversary Editions“ und liefert genug Gründe, dieses Album gebührend zu feiern.

„Iron Fist“ reiht sich passend ein in MOTÖRHEADs „40th Anniversary Editions“

Der Titelsong hatte wieder mal alles, was uns MOTÖRHEAD auf allen Vorgängern geboten hatten. Man weiß sofort, wer hier rockt, nur etwas schneller als bisher, alles drin was man braucht. Was sich durch reichlich Songs zieht, neu war kaum was, alles nur etwas schneller gespielt. So fetzt „Heart of Stone“ ordentlich, das Solo gab es auch schon genau so in reichlich Songs auf den Vorgängern. Es darf ausgelassen getanzt werden zum fröhlichen „I’m the Doctor“, das war anders und macht Spaß, ebenso wie die melodischen Nummern „Go to Hell“ oder „Loser“. Es wird einem wieder bewusst, wie viele Hits auf „Iron Fist“ ihr zuhause hatten. Immer wieder wird richtig Gas gegeben wie bei „Sex and Outrage“ oder „Shut It Down“.

MOTÖRHEAD spielen ihren typischen Sound, nur schneller

Natürlich hat man wieder das Gefühl, jeden Song, jedes Solo, jeden Beat und jede Gesangsmelodie von den vorherigen Scheiben zu kennen. Nur dass sie hier schneller gespielt werden, etwas sauberer klingen und oft eine Spur mehr Melodie mitbringen. Was MOTÖRHEAD gut steht, ein totaler „Ace Of Spades“-Abklatsch hätte sicher manchen gefallen, der Band aber kaum gutgetan. Auch weil man sich eh nicht einig war, wie es nun weiter geht. Gitarrist Fast Eddie Clarke war noch während der Tour zum Album ausgestiegen. Das ändert nichts am Wert von „Iron Fist“, das Album gehört in jede MOTÖRHEAD-Sammlung, gerade nun diese remasterte, etwas kraftvoller klingende Jubiläumsausgabe.

Eine geschmackvolle Aufmachung und das übliche Bonus-Material

Die kommt in einer geschmackvollen Hardcover-Aufmachung mit einer stimmigen Zusammenfassung zur Lage bei MOTÖRHEAD seinerzeit vom britischen Journalist Kris Needs und den üblichen seltenen Bildern. Und wie üblich mit reichlich mehr Musik. Demos und Aufnahmen vom Oktober 1981 bis zum Frühjahr 82, gut anzuhören. Dazu einige CD und Digital Bonus Tracks, Alternative Versionen und Instrumentalnummern. Das lustige „Lemmy Goes to the Pub“, „Same Old Song, I’m Gone“ bringt es auf den Punkt, neue Ideen gab es damals nicht. Auf die Instrumental-Tracks hätte man den typischen Gesang gelegt und hätte einen weiteren typischen MOTÖRHEAD-Song. Fast fröhlich gibt es noch das „Peter Gunn“-Theme zur spät-50er US-Detektive-Serie, das ja auch im Albumsong „(Don’t Need) Religion“ verbraten wurde. Mit diesen Zugaben ist es wie so oft, man braucht sie nicht wirklich, aber man hört sich das gerne mal an.

Das Live-Konzert kann man ohne Kopfschmerzen anhören

Das gilt auch für die Live-Aufnahme eines Konzertes, mitgeschnitten im Apollo Glasgow im März 82 für eine Radio-Show. Erinnerungen an Kopfschmerzen! Diese Tour war sicher die lauteste in der Bandgeschichte. Man wusste nicht wirklich, welchen Songs sie da oben gerade spielen, es war alles nur laut und der Show in der Eilenriedenhalle Hannover folgten tagelange Kopfschmerzen. Hier nun kann man besser zuhören, der Sound ist ok, die Band gut drauf. Es gibt einen bunten Mix aus Songs vom betourten Album und den Hits der Vorgänger. Mit den Erinnerungen an diese Tour kann man sich vorstellen, was die Leute vor der Bühne gerade erleben und dreht auch die heimische Anlage mehr auf als geplant.

„Iron Fist – 40th Anniversary Edition“ gehört in jede MOTÖRHEAD-Sammlung

„Iron Fist“ reiht sich passend ein in MOTÖRHEADs „40th Anniversary Editions“ und feiert ein Album, das durchaus ein paar Schwächen hatte. Das aber trotzdem richtig Spaß macht und einige echte Band-Hits an Bord hat. Spätestens mit dieser Jubiläums-Auflage sollte man nachrüsten. Dank besserem Sound und dem Bonus-Material macht sie sich auch gut neben dem Original-Album. Gern auch in der noch schickeren Vinyl-Version. Dazu noch das passende MOTÖRHEAD-Düftchen aufgelegt und die „Iron Fist“-Party ist gesichert!

Veröffentlicht am 23.09.2022

Lineup:
Lemmy – Vocals, Bass
Fast Eddie Clarke – Guitar
Phil ‘Philthy Animal’ Taylor – Drums

Label: BMG

Homepage: https://imotorhead.com

Mehr im Web: https://de-de.facebook.com/OfficialMotorhead

Die Tracklist von “Iron Fist – 40th Anniversary Edition”:

CD 1: Original „Iron Fist“ Album
1. Iron Fist
2. Heart of Stone
3. I’m the Doctor
4. Go to Hell
5. Loser
6. Sex and Outrage
7. America
8. Shut It Down
9. Speedfreak
10. (Don’t Let Em Grind Ya Dawn’)
11. (Don’t Need) Religion
12. Bang To Rights
13. Remember me, I’m Gone

Jackson’s Morgan & Ramport & Studios Demos Oktober 1981 – Februar 1982
14. The Doctor
15. Young & Crazy
16. Loser
17. Iron Fist (Video bei YouTube)
18. Go To Hell

CD & Digital Bonus Tracks, Alternative Versionen und Instrumentals
19. Lemmy Goes to the Pub
20. Same Old Song, I’m Gone
21. (Don’t Let ‘Em) Grind Ya Down (Alternate Version)
22. Shut It Down
23. Sponge Cake (Instrumental)
24. Ripsaw Teardown (Instrumental)
25. Peter Gunn (Instrumental)

CD 2: Live at Glasgow Apollo 18. März 1982
(Previously unreleased)
1. Iron Fist
2. Heart of Stone
3.Shoot You In The Back
4.The Hammer
5. Loser
6. Jailbait
7. America
8. White Line Fever
9.(Don’t Need) Religion
10. Go to Hell
11. Capricorn
12. (Don’t Let ‘Em) Grind Ya Down
13. (We Are The) Road Crew
14. Ace of Spades
15. Bite The Bullet
16. The Chase Is Better Than the Catch
17. Overkill
18. Bomber
19. Motörhead