MISFITS: Cuts From The Crypt

MISFITS: Cuts From The Crypt

Seit mehr als 25 Jahren verwirrt diese Band ihre Fans mit einer unerreicht unübersichtlichen Diskographie. Auch die neueste Veröffentlichung macht da keinen Unterschied. „Cuts From The Crypt“ ist eine Raritätensammlung, die die Zeit von 1996 bis 2001 umfasst. Neben den sechs Songs der „Mars Attacks Demos“, bei denen Sänger Michale Graves erstmals zu hören war, finden sich auf dem Album die drei Bonustracks der europäischen „American Psycho“ Digipack Edition, ein IGGY POP Coversong, eine Live-Coverversion des BLACK FLAG Songs „Rise Above“, an der auch Robo und Dez von BLACK FLAG beteiligt sind und drei Songs, die ursprünglich für verschiedene Soundtracks geplant waren, bislang aber noch nicht veröffentlicht wurden.

So weit, so gut. Doch lohnt sich es denn nun, 30 Mark für „Cuts From The Crypt“ zu bezahlen? Für Studienanfänger der MISFITSologie ist es sinnvoller, sich eines der Full Length Alben oder die Collections zu holen. Die-Hard-MISFITS-Fans werden mit „Cuts From The Cryp“ allerdings gut bedient. Von den sechs Songs der „Mars Attacks Demo“ sticht besonders „Dead King Rise“ hervor, ein typischer MISFITS Kracher der neueren Prägung. (Nebenbemerkung für fortgeschrittene MISFITS Experten: Natürlich war dieser Song in einer anderen Version schon auf der limitierten Black Vinyl Pressung des „American Psycho“ Album erhältlich – allerdings in einer anderen Version.) „Blacklight“, „The Haunting“, „The Hunger“, „Mars Attacks“ (das die Band an Tim Burton schickte, der ihnen einen netten Brief schrieb, den Song aber bekanntlich nicht auf dem Soundtrack des gleichnamigen Films verwendete), sind zwar nicht ganz so mitreißend wie „Dead King Rise“, gehören aber zu den wirklich guten MISFITS Tracks. „The Hunger“, „Blacklight“, „The Haunting“ und „Mars Attacks“ wurden in jeweils anderen Versionen auf dem „American Psycho“ Album veröffentlicht, wobei die Versionen der „Cuts From The Crypt“ zu Recht als Demo Versionen ausgewiesen werden. Die Unterschiede liegen hauptsächlich im Sound und in den Gesangsarrangements. Welche Fassungen denn nun besser sind, kann jeder selbst entscheiden, die Demos sind insgesamt einen Tick rauer und direkter.

„Dr. Phibes Rises Again“ zeigt die Band von ihrer metallischen Seite, und zeigt, dass Gitarrist Doyle Wolfgang Von Frankenstein ungewöhnt viele Töne ungewohnt schnell hintereinander spielen kann. Klingt ein bisschen wie IRON MAIDEN für Punks, was der Gute da spielt… Auch dieser Song wurde für das „American Psycho“ Album verwendet: Das Intro „Abdominable Dr. Phibes“ basiert auf dem Misfits-typischen Teil des Songs, auf die metallische Gitarrenstimme wurde bei „American Psycho“ allerdings verzichtet

„Monster Mash“ wurde natürlich auch schon mal in streng limitierter Version veröffentlicht, dürfte vielen allerdings bislang unbekannt sein. (Examensfrage: in welcher Auflage erschien die Version in gelbem Vinyl?). Das Besondere an diesem Song: die Vocals übernahm Doyle, Grave schmachtet nur im Hintergrund. „Monster Mash“ ist ein Song, der perfekt die Atmosphäre der Munsters umsetzt: beschwingtes Gruseln ist angesagt. „I wanna Be A NY Ranger“ ist ein simpler Punk Track mit einer überschaubaren Zahl an Akkorden, der für das New York Ranger Hockey Team gedacht war – entsprechend hoch ist der Mitgröhl-Faktor bei diesem Song.

Die „Scream“ Demo Version ist insofern interessant, als dass sie das Mitsingen für alle, die die Version von „Famous Monsters“ kennen, unmöglich macht – das Demo ist um einiges langsamer und die Vocal Lines sowie das Schlagzeug sind hier nur in einer sehr charmanten Rohfassung zu hören. „1,000,000 Years BC“ ist neben „Helena 2“ und „Devil Doll“ einer der Bonustracks von “Famous Monsters“ Album. Besonders bei erstgenanntem Song ist es mir nach wie vor ein Rätsel, warum er den Weg auf das reguläre Album nicht geschafft hat – er hätte so gut dazu gepasst.

„Fiend Without A Face“ ist ein unspektakulärer Mid-tempo Song, der mich wirklich nicht vom Hocker reißt. Langatmig und mit Geigen-Samples (!!!) unterlegt, dümpelt der Titel vor sich hin und war bislang zu Recht nicht veröffentlicht worden. Auch „Bruiser“ gehört nicht gerade zu den Höhepunkten des Misfits´schen Schaffens, wohingegen „No More Moments“, der dritte bislang unveröffentlichte Songs neben den Urfassungen der „Mars Attacks“ Stücken, eine schöne Helloween Grusel Stimmung verbreitet .

„Rise Above“ vom BLACK FLAG Album „Damaged“ mit Black Flag Schlagzeuger Robo und Dez Cadena an Gitarre und Mikro ist praktisch eins zu eins gecovert, und lärmt gerade deshalb mit viel Live-Atmosphäre aus den Boxen.

Fazit: Für alle Fiends ist „Cuts From The Crypt“ eine interessante Angelegenheit, auch wenn unterm Strich gerade mal drei Songs bislang völlig unbekannt waren, von denen zwei nicht gerade das Rote vom Blut sind, sowie zwei Coversongs, die sich nicht sehr vom Original unterscheiden. Aber man ist ja auch daran gewöhnt, dass es eine äußerst kostspielige Angelegenheit ist, diese Band zu mögen…. Das Booklet mit ausführlichen Linernotes und das Video zu „Scream“ sollten dann aber doch jeden Fan überzeugen – eine der besseren Compilations in diesen Tagen, die einen netten Überblick über die Misfits in den letzten Jahren gibt.

Tracklist:

Dead King Rise (Demo Version)

Blacklight (Demo Version)

The Haunting (Demo Version)

The Hunger (Demo Version)

Mars Attacks (Demo Version)

Dr. Phibes rises again (Demo Version)

I Got A Right

Monster Mash

I Wanna Be A NY Ranger

Scream (Demo Version)

1,000,000 Years BC

Helena 2

Devil Doll

Fiend Without A Face

Bruiser

No More Moments

Rise Above (Live)

Spielzeit:

Besetzung:

Jerry Only: Bass, Vocals

Doyle Wolfgang Von Frankenstein: Gitarre

Michale Graves: Vocals

Dr. Chud : Schlagzeug

VÖ : 29.10.2001

Label: Roadrunner

Hompage: http://:www.misfits.com

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...