METALLICA: Death Magnetic

METALLICA: Death Magnetic

Meine Güte, was für ein Medienrummel. Wohl kaum ein Thema wurde in den letzten Wochen und Monaten derartig diskutiert wie die Veröffentlichung des neusten Streichs aus dem Hause METALLICA. Seien wir einmal ganz ehrlich: Völlig gleichgültig, was wir nun auch vom mittlerweile fünf Lenze zählenden letzten Streich St. Anger gehalten haben mögen, ob wir die bis heute rätselhafte Produktion und sperrigen Songaufbauten gehasst haben oder vollkommen begeistert von der zurückgekehrten Brachialität von Hetfield und Co. waren – ein neues METALLICA-Album weckt das Interesse sämtlicher Metalheads, selbst dann, wenn sie die Band im schlimmsten Falle schon seit …And Justice for All totgesagt haben.

Mit einem schlichten, wenn auch ansehnlichen Cover kommt also eine CD namens Death Magnetic daher. Über dem offenen Sarkophag prangt der klassische Bandschriftzug, der zuletzt in dieser Deutlichkeit auf erwähntem Album numero vier zu sehen war. Sofort keimt Hoffnung auf: Können wir mit einer Rückbesinnung zu alten Glanztaten rechnen? Der Snareteppich wurde in jedem Falle wieder kräftig angezogen, die Produktion von Rick Rubin toppt den Garagensound vergangener Tage um Längen und auch Lead-Klampfer Kirk Hammet tobt sich wieder in den Solopassagen aus, als hätte es die rein rhythmusbasierte St. Anger-Scheibe niemals gegeben. Zuletzt kündigt der Songtitel The Unforgiven III an, dass man den Backkatalog nicht aus den Augen verloren hat, was also steckt hinter diesen vielen deutlichen Botschaften?

So einfach die Frage erscheint, so schwer lautet die Antwort. Ähnlich dem letzten Machwerk gleicht die Spielzeit von über 75 Minuten zunächst einer Reizüberflutung, zumal sich diese Überlänge lediglich auf zehn Tracks verteilt. Mit einem ablebenden Herzschlag eröffnet This Was Just Your Life das Treiben. Nach einem atmosphärischen Düster-Intro wird das Tempo angezogen und ein an Jump in the Fire erinnerndes Gitarrenriff entfacht tatsächlich das lang ersehnte Thrash-Gewitter… meine Fresse, die alten Herren scheinen es in punkto Härtegrad tatsächlich nochmal ernst zu meinen. Weiter geht es mit dem satt groovenden, fast old-schooligen zweiten Track namens The End of the Line und nach zwei Stücken ist bereits eine Viertelstunde vergangen. 15 Minuten, in denen METALLICA zum ersten Mal seit Justitia das Albumcover zierte tatsächlich zum lupenreinen Thrash-Metal zurückgefunden haben. Und dennoch: Auch nach mehreren Durchläufen wollen sich die großen Emotionen, welche die Mannen um James Hetfield spätestens Mitte der 80er mit ihren Klassiker-Alben transportieren konnten, dem Rezensenten nicht erschließen. Umständlich, konstruiert und zu gewollt klingen die Aufbauten der allesamt überlangen Tracks. Um das Problem von Death Magnetic in einem Satz zu formulieren: Egal an welcher Stelle man das Album nun abspielt, zu jeder Sekunde hört man die METALLICA, die man seit fast zwei Jahrzehnten herbeigesehnt hat – lässt man jedoch einige Minuten verinnen, so findet man sich auf einer riesigen akustischen Plantage wieder, bei der man zwar an jeder Stelle köstliche Früchte ernten kann, in der Größe der Felder jedoch völlig den Überblick und schließlich auch die Lust daran verliert. Hätte man jeden einzelnen Track um zwei bis drei Minuten gekürzt, hätte dies der CD jedenfalls gut getan..

METALLICA haben sich nach jahrelanger Abstinenz also wieder zurück ins Thrash-Metal-Terrain gewagt. Trotz wirklich zahlreicher guter Ansätze (The Day That Never Comes, zumindest bis es ab der Mitte einem zweiten Teil von One gleicht, The Unforgiven III, das trotz des Fehlens jeglicher Parallelen zu den beiden Vorgängern überzeugen kann, das gelungene, fast zehnminütige Instrumental Suicide & Redemption sowie die schmissigen Refrains von All Nightmare Long und The Judas Kiss, welche leider in den umständlichen, überladenen Songtrukturen nicht so recht zur Geltung kommen wollen) werden die Four Horsemen ihren Erwartungen erneut nicht ganz gerecht. Dennoch steckt in den zahllosen Riffs im Gegensatz zum Vorgähneralbum wieder hörbares Herzblut und nach ein paar mühsamen Durchläufen will so manche Passage dem Hörer tatsächlich auch ans Herz wachsen. Zugeklappt werden muss der Sarg auf dem Albumcover jedenfalls noch nicht, man darf nur gespannt sein, ob es Tracks wie Cyanide und My Apocalypse länger im Live-Set der Band aushalten werden, als es bei den mittlerweile unter den (Snare-)Teppich gekehrten St. Anger-Stücken der Fall war.

Veröffentlichungstermin: 12.09.2008

Spielzeit: 75:00 Min.

Line-Up:
James Hetfield – vocals, rhythm-guitars
Kirk Hammet – lead guitars
Robert Trujillo – bass
Lars Ulrich – drums

Produziert von Rick Rubin
Label: Vertigo (Universal)

Homepage: http://www.metallica.com

MySpace: http://www.myspace.com/metallica

Tracklist:
01. That Was Just Your Life
02. The End of the Line
03. Broken, Beat & Scarred
04. The Day That Never Comes
05. All Nightmare Long
06. Cyanide
07. The Unforgiven III
08. The Judas Kiss
09. Suicide & Redemption
10. My Apocalypse