MERCYFUL FATE: Dead Again

MERCYFUL FATE: Dead Again

‚Ohoh…ereilen MERCYFUL FATE nun dasselbe Schicksal wie auch CANDLEMASS?‘, waren meine ersten Gedanken, als ich das Cover der neuen MERCYFUL FATE-Scheibe ‚Dead Again‘ zu sehen bekam. Das Ganze ist nämlich eine Variation des 84er-Covers von ‚Don’t break the Oath‘ und auch schon bei CANDLEMASS lag ich ja mit ‚back to the roots‘ ziemlich daneben. Doch bei MERCYFUL FATE haben sich die Befürchtungen nicht bestätigt, die Jungs sind noch ganz die Alten geblieben…tja, eigentlich ja zu sehr die Alten, um mal endlich mit der Kritik anzufangen…

So schwer es mir mal wieder fällt, es zuzugeben, aber die neue MERCYFUL FATE enttäuscht mich doch an vielen Stellen. Mich beschleicht allmählich das Gefühl, dass sich der King doch zuviel vorgenommen hat und ihm die Ideen allmählich ausgehen (wobei der King ja nur teilweise bei MERCYFUL FATE mitkomponiert). ‚Dead again‘ klingt oft recht uninspiriert und es mangelt einfach an Einfällen, die die Songs zu etwas besonderem werden lässt.

„Dead Again“ ist ein typisches MERCYFUL FATE-Album

Na gut, man kennt das ja bei MERCYFUL FATE, dass sich viele Songs erst richtig entfalten, wenn man sich intensivst mit ihnen beschäftigt hat, und auch bei ‚Dead Again‘ muss man hiernach feststellen, dass das Album durchaus gut ist, aber im Gesamteindruck hat man das Gefühl, dass es sich halt um ein weiters MERCYFUL FATE-Album mit typischen MERCYFUL FATE-Songs handelt. Echte Aha-Erlebnisse gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht und das Meiste hat man von MERCYFUL FATE doch schonmal gehört…

Was mich etwas wundert ist, dass der Einfluß von Neuzugang Mike Wead (u.a. Hexenhaus) nicht besonders stark geraten ist, er scheint sich dem gesamten Sound (recht selbstbescheiden? ) unterordnen zu wollen.

Auf Keyboards wurde auf „Dead Again“ gänzlich verzichtet

Zur musikalischen Seite der Band muss ich hoffentlich nicht mehr viel sagen, wer die alten Sachen kennt, weiß ungefähr, wie ‚Dead Again‘ klingt. Es gibt die typischen, leicht 70er angehauchten Sherman-Riffs, unkonventionelle Songstrukturen und Breaks sowie die typischen Schrei/Krächz/Fieps – Vocals von King Diamond, der sich auch hier immer wieder von barocken Melodien inspirieren ließ. Auf Keyboards wurde auf ‚Dead Again‘ mal wieder gänzlich verzichtet, was ich im Falle MERCYFUL FATEs als Pluspunkt zähle, da die Band beweist, dass man einen interessanten, atmosphärischen Background auch rein mit Gitarren gestalten kann.

Von den Songs wirklich irgendwelche hervorzuheben, fällt mir schwer, sehr schöne Melodielinien gibt es z.B. Bei ‚Lady who cries‘ oder ‚Banshee‘, ‚Fear‘ ist so ziemlich der eingängigste Song des Albums und kann schöne Gitarrenharmonien vorweisen und ‚Sucking your blood‘ gefällt mir besonders durch die Dynamik des Songs.

Der Titeltrack ist der Höhepunkt von „Dead Again“

Doch dann gibt es da noch einen Song…ja…das Meisterwerk des Albums, meiner Meinung nach ein absoluter Geniestreich und nicht umsonst wurde das gesamte Album nach diesem 13-Minüter benannt: ‚Dead Again‘. Hier kommt echtes MERCYFUL FATE-Feeling auf, was in erster Linie wohl an dem etwas schrägen, komplexen und unkonventionellen Songaufbau liegt.

Breaks gibt’s zur Genüge, Akustikpassagen folgen fetten Riffs und ‚Abwechslung‘ dürfte der zweite Titel des Songs sein.

‚This is such a weird weird Song‘, gibt der King selbst im Songtext zu, der Sinn der Lyrics bleibt mir jedoch ziemlich verschleiert. Es scheint sich um einen Typen zu handeln, der mal wieder tot ist, der Sterbevorgang wird mit einem Lied verglichen, das durch ein Orchester symbolisiert wird, das sich dann in Türen verwandelt, von denen der Protagonist natürlich die mit der Nummer 666 auswählen muss, also alle Fenster schließen! Und genau zu diesem Durcheinander passt die Musik wie die Faust aufs Auge, ihr seht also, ’ne recht verwirrende, aber auf jeden Fall geniale Angelegenheit.

MERCYFUL FATE müssen in Zukunft das Ruder herumreißen

Okay…werden wir wieder normal…allein wegen des Titelsongs hat sich der Kauf des neuen Albums für mich persönlich gelohnt, der Gesamteindruck der CD hat für mich jedoch einen fahlen Beigeschmack und mich befällt die Angst, dass MERCYFUL FATE ihren Kultstatus mit jedem Album selbst mehr demontieren. Jetzt wird’s einfach mal wieder Zeit für das Album, mit der die Jungs das Ruder rumreißen und beweisen, dass sie auch noch Alben ohne Ausfälle machen können.

Spielzeit: 50.46 min.

Line-Up

King Diamond – Vocals
Hank Shermann – Lead Guitar
Mike Wead – Lead Guitar
Sharlee D’Angelo – Bass
Bjarne T. Holm – Drums

Produziert von Sterling Winfield & Mercyful Fate

Erschienen bei Metal Blade Records

MERCYFUL FATE „Dead Again“ Tracklist

  1. Torture (1629)
  2. The Night
  3. Since Forever
  4. The lady who cries
  5. Banshee
  6. Mandrake
  7. Sucking your Blood
  8. Dead Again
  9. Fear
  10. Crossroads
Fierce
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