MARTHE: Further In Evil

Eine Frau auf Vergeltungsmission: MARTHEs Debütalbum „Further In Evil“ ist ein dreckiger Bastard aus Epic Metal, Black Metal und Crust.

Wer den wunderbaren Film „Metalhead“ kennt, erinnert sich garantiert an die großartige Szene der Demoaufnahme im Kuhstall. Dass es nach dem Film nichts mehr von der fiktiven Band SVARTHAMMAR zu hören gab, war schon ein wenig schade, vor allem nach Protagonistin Heras denkwürdigem Auftritt im örtlichen Kaffihús. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie projeziere ich die Geschichte hinter MARTHE auf diesen Film. Vielleicht weil Marzia, die Frau hinter MARTHE (dem Deathrock-Publikum bekannt durch ihre Beteiligung an HORROR VACUI), auch einen einsamen Weg gewählt hat – und sich dadurch selbst findet.

MARTHE folgen den Spuren BATHORYs, aber aus der Perspektive des Crust-Punk: „Further In Evil“ ist heroisch und hässlich zugleich.

Klingt spannend? Ist es auch. „Further In Evil“, das Debütalbum der italienischen Multiinstrumentalistin, fußt im Punk und Crust, hat dazu auch das passende Sounddesign. Die Songs hingegen sind eindeutig Metal. Roh und ungeschliffen ist das, was MARTHE liefert, und vielleicht ist deshalb so eine Durchschlagskraft zu hören und spüren. „Further In Evil“ klingt wie eine Crust-Version von BATHORYs „Twilight Of The Gods“ und „Hammerheart“, ist heroisch und hässlich zugleich und vielleicht deshalb immer wieder sehr mitreißend.

Schon das elfminütige „I Ride Alone“ fühlt sich an, als würde man auf einem Schlachtross an Marzias Seite durch albtraumhafte Gegenden reiten. Es passiert viel in dem epischen Stück: Doomig-düstere Momente, Leadgitarren, die an ganz frühe PARADISE LOST erinnern, BATHORY-Pathos, alles in ein punkiges Flair getaucht, gesteigert in Richtung eines furiosen Finales. Das heisere Geschrei klingt stellenweise so, als wäre Marzia mehrfach über ihre eigenen Grenzen gegangen. Ja, es ist eine schlechte Idee, sich mit ihr anzulegen, da ist Verlieren vorprogrammiert. Ganz großes Kino ist auch das knapp zehnminütige „Victimized“ – selten wurde Vergeltung auf rohe Art so episch vollzogen.

MARTHE klingt authentisch und selbstbewusst: Auf „Further In Evil“ stehen Epik und die richtige Attitüde gleichberechtigt nebeneinander.

Da es ruckelt und kratzt und hier und da schief klingt, versprühen MARTHE einerseits einen old-school Demo-Charme, andererseits aber auch sehr viel Authentizität. Besonders gelungen ist der Gitarrensound, bei dem man förmlich hören kann, wie die Röhren des Amps durchbrennen. Kein Wunder, dass die Finessen, sofern es welche gibt, versteckt sind. Synthesizer und Chorgesänge sind bei „Further In Evil“ in recht geringen Dosen vorhanden und runden das Gesamtbild ab. Dennoch: MARTHEs Songwriting ist nicht immer so stark wie in den beiden Longtracks. Das Titelstück reiht eher unspektakulär die Riffs aneinander und „To Ruined Altars“ hat einen kraftvoll-epischen Start, gerät aber zunächst etwas repetitiv und schließlich ein wenig konfus. Immerhin endet das Album mit dem auf Klavier und Gesang basierendem „Sin In My Heart“ sehr versöhnlich: Statt Kitsch aufzufahren, ist dieser Song mindestens genauso dreckig und kraftvoll wie der Rest des Albums.

Insgesamt ist „Further In Evil“ ein wirklich gutes Debütalbum. Die italienische Musikerin, die sich als antifaschistisch, feministisch und misanthropisch versteht, hat damit drei zusätzliche Argumente mehr, die für MARTHEs Full Length-Einstand sprechen. Dass in dieser Dreiviertelstunde epischer Metal und Crust so verbunden werden, als würden diese Welten seit den frühen Achtzigern schon zusammen gehören, spricht auch für „Further In Evil“. Klarer Fall: Perfekt ist dieses Debütalbum nicht, aber großes Potenzial ist da. Da die Attitüde stimmt und MARTHE einige echte Epen schreibt, ist „Further In Evil“ eine empfehlenswerte Platte für diejenigen, die es sowohl episch als auch undergrounding-räudig mögen. Na dann: Auf in die Schlacht!

Wertung: 9 von 13 Walküren

VÖ: 20. Oktober 2023

Spielzeit: 43:26

Line-Up:
Marzia – Instrumente, Gesang

Label: Southern Lord Recordings

MARTHE „Further In Evil“ Tracklist:

1. I Ride Alone
2. Dead To You
3. Further In Evil (Official Video bei Youtube)
4. Victimized
5. To Ruined Altars (Official Video bei Youtube)
6. Sin in My Heart

Mehr im Netz:

https://martheband.bandcamp.com/
https://marthesl.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/marthesistersofdarkness/

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