MAGIC KINGDOM: Metallic Tragedy

30 Minuten non-stop-Doublebass anhören ist so interessant wie anderer Leute Urlaubsbilder anschauen. Die CD ist aber sicherlich ein gutes Stück Symphonic Speed Metal im typischen MALMSTEEN-Stil.

Während ich mir die CD anhöre, läuft vor meinem inneren Auge ungefähr folgender Film ab: Treffen sich ein Tolkki und ein Malmsteen und schreiben zusammen ein Album. Für die Aufnahmen holt der Finne seinen Tastendrücker, der den Herrn Malmsteen ja schon kennt, und seinen Fellverdrescher dazu, während der Schwede ein paar seiner Ex-Sänger versöhnlich stimmt. Die Texte schreibt ein Textanalyseprogramm, das zuvor mit allen AXEL RUDI PELL-Werken und einem Ägypten-Reiseführer gefüttert worden war. Das Ganze wird von Sascha Paeth produziert (in Europas heimlicher Metal-Hauptstadt Wolfsburg) und von Mika Jussila, Mikko Karmila und Mika Häkkinen gemastered (irgendwo mitten in Finnland).

In Wirklichkeit haben alle genannten Personen nichts mit Metallic Tragedy zu tun. MAGIC KINGDOM aus Belgien können ihre Einflüsse auf ihrem zweiten Album allerdings zu keinem Moment leugnen. Nach dem obligatorischen Intro gibt es drei Speed Metal-Nummern, einen Stampfer, zwei weitere Uptempo-Tracks (einer davon instrumental), eine Power-Ballade, einen letzten Hochgeschwindigkeitszug, sowie den überlangen, epischen Titelsong, bei dem ein wenig SYMPHONY X durchscheinen. Vier Minuten vor Schluss gibt es eine Blastspeed-Einschub und ein wenig Gegrunze, was aber nichts weiter als ein kleines Wölkchen an einem ansonsten strahlend blauen Symphonic Speed Metal-Himmel ist.

Obwohl die Stücke (mit Ausnahme des Titeltracks) recht kompakt arrangiert wurden, gibt es zahlreiche Soloeskapaden von Bandchef Dushan Petrossi. Bei zwei Songs (Flying Pyramids und Master Of Madness) übernimmt Gastsänger Oliver Hartmann (ex-AT VANCE) den Gesang, während ansonsten Neuzugang Max Leclerq mit einer kräftigen Stimme den Ton angibt. Der Rest der Band agiert souverän, wenngleich die klare Produktion gerade bei der Rhythmusgruppe eher wenig Druck erzeugt. 30 Minuten non-stop-Doublebass anhören ist eben so interessant wie anderer Leute Urlaubsbilder anschauen.

Unterm Strich ist Metallic Tragedy also keine Tragödie. Eher eine Komödie mit Ben Stiller, bei der gekonnt alte Gags aufgewärmt werden. Die Handlung selbst entwickelt sich vorhersehbar in Richtung Happy, äh, Bombastic End.

Veröffentlichungstermin: 22.03.2004

Spielzeit: 52:09 Min.

Line-Up:
Max Leclerq: Gesang

Dushan Petrossi: Gitarre

Vassili Moltchanow: Bass

Anton Arkhipoc: Schlagzeug

Aymeric Ribot: Keyboard

Produziert von Didier Chesneau
Label: Limb Music Products

Tracklist:
1. Tazira`s Magic Rite

2. Child Of The Nile

3. The Iron Mask

4. Flying Pyramids

5. Barabas

6. Master Of Madness

7. Black Magic Castle

8. Another Sun

9. The Fight

10. Metallic Tragedy