LUMSK: Åsmund Frægdegejvar

LUMSK: Åsmund Frægdegejvar

Mit LUMSK schickt sich eine weitere Band an, uns Mitteleuropäern das skandinavische Liedgut, eingebettet in Rock- und Metalklänge, näherzubringen. Und wenn man sich Åsmund Frægdegejvar zu Gemüte geführt hat, muss man zu dem Schluss kommen, dass die Menschen in Norwegen nicht viel zu lachen haben, zeichnet sich die Musik des Septetts doch durch eine unglaublich melancholische Atmosphäre aus. Und genau das ist es auch, worauf LUMSK zu setzen scheinen. Echte Hits und mitreißende Melodien, wie man sie etwa bei TYR findet, muss man auf Åsmund Frægdegejvar mit der Lupe suchen. Stattdessen wird mit Stimmungen gespielt, die nicht einmal innerhalb eines Songs, sondern über mehrere Stücke hinweg aufgebaut werden. Charakteristisch für den Sound der Norweger ist dabei das Wechselspiel von hohem, engelsgleichen Frauengesang und in mittlerer Tonlage angesiedeltem Männergesang (erinnert etwas an neuere ADORNED BROOD), plötzliche Tempo- und Rhythmuswechsel, eine sehr unkonventionelle Melodik, das tieftraurige Violinenspiel sowie der sehr abwechlsungsreiche Einsatz des Keyboards, welchem mal symphonisch-majästische Klänge, dann wieder 70er-Hammond- oder Kirchenorgel-Sounds entlockt werden. Und während meist ein solides Midtempo-Metal-Fundament als Grundlage dient, welches auch schon mal in beinahe doomige Gefilde abdriftet, so gibt es auch viele sehr ruhige Momente, an denen auf die Rock- und Metal-Instrumentierung vollkommen verzichtet wird und bei denen Sängerin Vibeke alleine von Streicher-oder Orgelklängen untermalt das folkloristische Liedgut zum besten gibt mit ihrer hohen Stimme je nach Geschmack zu verzaubern oder dem Hörer den letzten Nerv zu rauben weiß.

Der Zugang zu der Musik der Norweger fällt dabei allerdings alles andere als leicht. Ein Song wie Skip under Lide etwa, in all seiner Komplexität und mit seinen ungewöhnlichen, vielleicht mit ORPHANAGE vergleichbaren Chören will erst einmal so gar nicht ins Ohr gehen und ist symptomatisch für den Großteil des Albums. Ja, LUMSK verstehen es perfekt, den Hörer einzulullen und in ihre Welt zu entführen, aber nach dem die Reise in die Welt von LUMSK vorbei ist, bleibt nicht viel mehr als einzelne Erinnerungsfetzen, dafür ist die Musik einfach zu konfus und unstrukturiert. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. O trollehender etwa klingt wie TYR mit Frauengesang und kann mit einer tollen, eingängigen Gesangs- und Gitarrenmelodie sofort mitreißen. Selbiges gilt für I lytinne två, welches mit einer tollen von der Geige gespielten Folkmelodie beginnt, die dann von den Gitarren und alsdann vom männlichen Gesang aufgenommen wird – ein sehr schönes Stück doomigen Viking Metals.

Gegen die momentan sehr starke Konkurrenz können LUMSK mit Åsmund Frægdegejvar nicht bestehen aufgrund des etwas zerfahrenen Songwritings und einer eher durchschnittlichen Gesangsleistung sowie einer etwas dünnen Produktion. Dennoch muss man der Band einen originellen und atmosphärisch intensiven Sound bescheinigen.

VÖ: 24.11.2003

Spielzeit: 58:20 Min.

Line-Up:
Vibeke Arntzen – Vocals

Alf Helge Lund – Drums

Bjørnar Selsbak – Guitar

Espen Warankov Godø – Keyboards

Eystein Garberg – Guitar

Siv Lena Waterloo Laugtug – Violin

Espen Hammer – Bass
Label: Tuba Records

Homepage: http://www.lumsk.com

Email: bandmail@lumsk.com

Tracklist:
1. Det var Irlands kongi bold

2. Ormin Lange

3. Skip under Lide

4. I trollehender

5. Hår som spunnid guld

6. Slepp meg

7. Skomegyvri

8. Olafs belti

9. I lytinne två

10. Langt nord i Trollbotten

11. Fagran fljotan folen

12. Kampen mot bergtrolli

13. Der e ingin dag´e