LANDMVRKS: Lost In The Waves

Mit einer guten halben Stunde bleibt „Lost in the Waves“ knackig und bietet trotzdem an jeder Ecke Schauwerte. Nicht nur deshalb ist LANDMVRKS in vielerlei Hinsicht ein Lehrstück in Sachen Modern Metalcore gelungen.

Das Pokerface haben sie. Nach den lockeren Akkorden zum Auftakt mit einem humorlosen Breakdown durchzustarten ist eine Sache. Anschließend aber in weniger als vier Minuten ein Ass nach dem anderen aus dem Ärmel zu ziehen, dazu muss man schon verdammt abgebrüht sein. Dass LANDMVRKS mit „Lost in The Waves“ den eigenen Sound eher verfeinern denn neuerfinden wollen, ist verständlich, wenn man sich das musikalische Spektrum der Franzosen ansieht. Der Quasi-Titeltrack packt Hardcore-Keule, Modern Metal-Zitate, Deathcore-Breakdown und kratzigen Klargesang à la Chester Bennington (LINKIN PARK) in einen solch kompakten Abriss, dass wir eigentlich schon alles gesehen haben müssten.

Oder auch nicht, wie wir uns eine halbe Stunde später verblüfft eingestehen müssen. In diese packen die Franzosen neben den üblichen, teils kompromisslosen Metalcore-Klängen („Rainfall“) auch zuckrige Refrains („Silent“), einen Touch Indie Rock („Always“) und sogar französischsprachigen Cloud Rap („Visage“). Nicht jedes Experiment wird bei allen Hörerschichten auf Begeisterung stoßen, doch fehlenden Mut oder gar Stagnation wird man LANDMVRKS mit „Lost in the Waves“ sicherlich nicht vorwerfen können.

In mancherlei Hinsicht ist “Lost In The Waves” ein Lehrstück in Sachen Modern Metalcore

„Tired of It All“ erinnert mit seinen punkigen Gitarren und dem eingängigen Refrain etwas an A DAY TO REMEMBER, doch auch hier schlägt das Quintett letztendlich mit einem Breakdown noch die Kurve zum Metalcore. Humorlos und knackig geht es in „Say No Word“ weiter, wo Fronter Florent zu den tief gestimmten Gitarren und dem Stakkato-Rhythmus kurzzeitig den MC gibt – Doubletime inklusive –, bevor der Track mit einem schleppenden Deathcore-Breakdown in der Betonwand endet.

Anders als ARCHITECTS auf „For Those That Wish To Exist” (2021) wissen sich LANDMVRKS allerdings zu zügeln: Mit einer guten halben Stunde bleibt „Lost in the Waves“ knackig und bietet trotzdem an jeder Ecke Schauwerte. Doch nicht nur deshalb ist dieses Album ein Lehrstück in Sachen Modern Metalcore, sondern weil es beweist, dass Evolution in diesem Genre nicht einfach mit Synthesizern und Autotune gleichzusetzen ist. Und weil es sich trotz der vielen genrefremden Spielereien seine Identität bewahrt.

LANDMVRKS zücken ein Ass nach dem anderen

Dass „Paralyzed“ mit Drumcomputer und Synth-Effekten das kurzweilige Album mit nachdenklicher Note beschließt, ist dann auch gar nicht mehr so abwegig. Und da LANDMVRKS zuvor eine halbe Stunde lang ein Ass nach dem anderen gezückt haben, ahnen wir bereits, dass sich die Formation einen energetischen Ausbruch zum Schluss kaum verkneifen kann – auch das beste Pokerface kann schließlich nicht alle Kniffe verbergen.

Veröffentlichungstermin: 19.03.2021

Spielzeit: 32:35

Line-Up

Florent Salfati – Vocals
Nicolas Exposito – Guitar
Paul C. Wilson – Guitar
Rudy Purkart – Bass
Kevin D’Agostino – Drums

Produziert von Florent Salfati

Label: Arising Empire

Homepage: https://www.landmvrks.com/
Facebook: https://www.facebook.com/LANDMVRKS

LANDMVRKS ”Lost in the Waves” Tracklist

01. Lost in a Wave (Video bei YouTube)
02. Rainfall (Video bei YouTube)
03. Silent
04. Visage
05. Tired Of It All (Video bei YouTube)
06. Say No Word
07. Always
08. Shoreline
09. Overrated (Audio bei YouTube)
10. Paralyzed (Video bei YouTube)