KYLESA: Spiral Shadow

KYLESA: Spiral Shadow

Sie sind unermüdliche Arbeitstiere, Nomaden, Südstaatenoriginale. Und trotzdem wirbeln Bands wie BARONESS, die drei Alben weniger draußen haben, mehr Staub auf. KYLESA sind permanent auf Tour, spielen jeden zweiten Monat in deinem Lieblingsclub und veröffentlichen wie am Fließband neue Alben. Wenn du von dir behauptest, dem neuen Retro-Metal, der dank MASTODON erst ermöglicht wurde, etwas abgewinnen zu können und KYLESA bisher verpasst hast, dann hast du was falsch gemacht. Verglichen mit der Konkurrenz haben KYLESA aber eher am punkigen, Hardcore orientierten Metal einen Narren gefressen, sie sind brachialer, weniger verspielt und deutlich direkter als ihre Kollegen, aber dennoch mit einer Lässigkeit gesegnet, die es eben nur in Georgia geben kann.

Zwischen wilden Riffs, Doppelgrooves, wie jüngst bei den MELVINS, der Gelassenheit des Stoner Rock und der Mentalität des Hardcore gibt es hauptsächlich kurze, aber wirkungsvolle Nummern zu hören, die mit mehr Details und Anspruch gesegnet sind, als es zunächst erscheint. Gerade im Bereich der Gitarren bietet sich vieles, das du beim ersten Hören gar nicht wirklich wahrnimmst. Entspannte Rocknummern wie Drop Out, Don´t Look Back, To Forget und Dust stehen im Gegensatz zu Schlachthymnen wie Tired Climb, Crowded Road und Back And Forth. Hier ist alles kompakt, jeder Song ist genau so lang, wie er sein muss und KYLESA beweisen, wie gut sie ihre Nummern unter Kontrolle haben. Richtig gut sind aber die doomigen, hymnischen Stücke des Albums, die sich langsam aufbauen und trotzdem griffig und straff sind – Distance Closing In, To Forget und vor allem der sagenhafte Titeltrack haben ein paar düstere, feierliche Elemente, die neben der souveränen, unverkrampften Härte sehr erfrischend wirken.

Das Wechselspiel der Elemente, die KYLESA unter ihrem rauen Kleid verbergen, wird von musikalischen Gegenpolen getragen. Entweder plärrt Sänger und Gitarrist Phillip Cope schon punkig die Seele aus dem Leib, oder sein heißkalter, weiblicher Gegenpart in Form der Südstaatenschönheit Laura Pleasants verdreht mit ihrer coolen, rauchigen Stimme allen den Kopf. Spiral Shadow ist ein wirkliches Feel-Good-Album, mit lockeren Songs, einem guten Gesamteindruck, den nötigen Finessen, der beherzten Härte und dem erstklassigen Zusammenspiel, das eine wirkliche Rockband eben braucht, scheißegal ob mit einem oder zwei Drumsets. Apropos zwei Schlagzeuger, Carl McGinley und Tyler Newberry spielen zwar nur selten unabhängig voneinander konzipierte Rhythmen, ergänzen aber ihr Spiel und sorgen für interessante Details. Nichts, das ein Drummer nicht auch alleine bewältigen könnte, dennoch eine gute Performance.

Spiral Shadow ist eine abermals saftige Rockscheibe geworden, die KYLESA von ihrer Schokoladenseite zeigt. Will heißen, das ist zwar kein miterlebtes, schweißtreibendes Livekonzert, aber so organisch, voller Spielfreude und mit einer unsterblichen Liebe für den Rock and Roll gesegnet, dass hier ja gar nichts anderes dabei heraus kommen kann, als ein kurzweiliges Knalleralbum. So gut wie Spiral Shadow auch ist, BARONESS und ihr Blue Record wird von KYLESA nicht auf die hinteren Plätze verweisen. Vergleichen willst du beide Combos aus Savannah dennoch nicht, irgendwie schließt du sie beide gleichermaßen in sein Herz.

Veröffentlichungstermin: 29. Oktober 2010

Spielzeit: 40:11 Min.

Line-Up:

Phillip Cope – Guitar, Vocals
Laura Pleasants – Guitar, Vocals
Corey Barhorst – Bass
Tyler Newberry – Drums
Carl McGinley – Drums

Produziert von Phillip Cope
Label: Season Of Mist

Homepage: http://www.kylesa.com

MySpace: http://www.myspace.com/kylesa

Tracklist:

1. Tired Climb
2. Cheating Synergy
3. Drop Out
4. Crowded Road
5. Don´t Look Back
6. Distance Closing In
7. To Forget
8. Forsaken
9. Spiral Shadow
10. Back And Forth
11. Dust

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle