KORPIKLAANI: Jylhä

KORPIKLAANI entfernen sich auf “Jylhä” noch weiter von ihrem Spaßband-Image. Die Finnen geben sich experimentell und “Jylhä” wirkt bisweilen wie ein erster Vorstoß in neue Welten.

Schon das Cover des 11. KORPIKLAANI-Albums “Jylhä” verkündet grafisch, dass die Zeiten des “Happy Little Boozer”s wohl vorbei sind. Klar, die Finnen waren in den letzten Jahren noch immer singletechnisch auf der Suche nach “Bier, Bier”, aber “Jylhä” zeigt den gealterten, gereiften Wanderer. Die Motivation zum Weiterwandern ist noch als Funke im Auge zu erspähen, aber die Realität ist klar: KORPIKLAANI haben sich längst als musikalisch kompetente Multiinstrumentalisten bewiesen und sind dem Spaßband-Alter entwachsen (diese Rolle überlassen sie wohl eher ALESTORM).

Sind KORPIKLAANI WALTARI begegnet?

KORPIKLAANI sind – das dürfte keine Überraschung sein – noch weiter hörbar gereift und rücken so im Großen und Ganzen näher an FINNTROLL. Im Opener wirkt der experimentelle Gesang kombiniert mit den tanzbaren (ja, dieses Adjektiv darf hier sehr wohl im Rahmen eines Metal-Reviews zur Anwendung kommen) Rhythmen beinahe schon von WALTARI inspiriert, bevor KORPIKLAANI dann in der Mitte wieder zur finnischen Wehmut der leichten Sorte zurückkehren. “Tuuleton” lässt gar dem Schlagzeuger mehr Raum (schöne Wirbel) und Akkordeon-Fans kommen nicht nur im leicht nachdenklich-eingängigen “Sanaton maa” auf ihre Kosten. In “Leväluhta” klingen KORPIKLAANI gar so tiefenentspannt, dass man sich dabei ertappt, wie man an Strandferien mit Reggae-Klängen denkt. In Finnland. Weil irgendwie wird das schon klappen, sobald man den Mücken Frau geworden ist. 

“Jylhä” ist nachdenklicher, aber nicht still

KORPIKLAANI entfernen sich auf “Jylhä” ganz klar noch weiter von ihrem Spaßband-Image. Akkordeon und Violine werden für viele Melodien genutzt, gerade im Akkordeon-Bereich schweifen die Finnen gar Richtung Pariser Café-Musik ab. “Jylhä” hält der finnischen Sprache die Treue, während Spaß und Metall (wohl primär auffindbar zu Beginn von “Kiuru”) etwas mehr in den Hintergrund treten. KORPIKLAANI geben sich experimentell und “Jylhä” wirkt bisweilen wie ein erster Vorstoß in neue Welten. Noch nicht ganz fertig gedacht, noch nicht ganz geschliffen – aber wohl Zeugnis davon, dass KORPIKLAANI auch Folk Metal ohne Feierfaktor schaffen können. “Jylhä” geht dabei weniger geschmeidig runter als vormals besungenes Bier, also erst Probehören…

Veröffentlichungstermin: 05.02.2021

Spieldauer: 61:00

Label: Nuclear Blast

Website: https://korpiklaani.com

Line Up

Cane – Gitarren, Vocals
Jonne Järvela – Vocals, Gitarre, Mandoline, Hurdygurdy, Violafon, Djembe, Flöte, Schamanentrommel.
Jarkko Aaltonen – Bass
Tuomas Rounakari – Violine
Sami Perttula – Akkordeon
Samuli Mikkonen – Drums 

KORPIKLAANI: Jylhä – Trackliste

1. Verikoira
2. Niemi
3. Leväluhta
4. Mylly
5. Tuuleton
6. Sanaton maa
7. Kiuru
8. Miero
9. Pohja
10. Huolettomat
11. Anolan aukeat
12. Pidot
13. Juuret