HOKUM: Pi [Eigenproduktion]

HOKUM: Pi [Eigenproduktion]

Es gibt nur sehr wenige Bands, die in der Lage sind, technische Finesse mit Eingängigkeit zu verknüpfen, ohne dabei kitschig, aufgesetzt oder weichgespült zu klingen. Dass die Freisinger von HOKUM zu dieser seltenen Spezies gehören, haben sie bereits vor zwei Jahren mit ihrer EP „No Escape“ bewiesen; dass dabei aber auch das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht war, zeigt uns nun ihre erste Full-Length Veröffentlichung „Pi“, die eine konsequente und logische Weiterentwicklung darstellt und das bisherige Schaffen mit Leichtigkeit übertrumpft.

In der Tat zeigen die acht Songs mit einer Gesamtlänge von 42 Minuten die Jungs so gut eingespielt wie nie und lassen allesamt keinen Zweifel an der technischen Virtuosität des Quartetts aufkommen. Vor allem mit Neuzugang Nicolai Retzlaff scheint man einen echten Glücksgriff am Schlagzeug gelandet zu haben. Dessen tightes und abwechslungsreiches Drumming bildet nicht einfach nur das rhythmische Rückgrat der Combo, sondern setzt ein ums andere Mal neue Akzente im Sound der Bayern.

„Pi“ besticht durch starkes Songwriting

So auch im Opener „Collapsing Synapses“, der wohl den typischen HOKUM -Song verkörpert: Variantenreiches Thrash-Riffing, viele Tempowechsel, tiefe Death-Growls und ein großartiges Solo. Wichtige Trademarks, die auch beim nachfolgenden Nackenbrecher und Übersong „Live To Suffer“ nicht fehlen dürfen. Spätestens hier dürften auch die letzten Zweifler überzeugt sein. Dass HOKUM aber auch anders können, demonstrieren Nummern wie das experimentelle „Into The Wall“, bei dem Bassist Jonas Fischer sogar zeitweise den Ton angibt, oder das jenseits der Achtminutenmarke angesiedelte „The Dawn Of Change“, das durch starkes Songrwriting und großen Abwechslungsreichtum besticht. Vor allem Gitarrist und Sänger Benji bemüht sich hörbar um mehr Variation am Mikro. Zu den ehemals dominanten Grunts gesellen sich cleane Shouts, gesprochene Passagen und sogar kurze Parts mit Klargesang. Zwar sind dadurch vor allem die Vocals bei „The Key“ zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, den Gesamteindruck trübt dies jedoch nur unwesentlich. Das darauf folgende Instrumentalstück „Pi“, bei dem sich Leadgitarrist Michael Vogl noch mal so richtig austoben kann, ist letztendlich auch ein idealer Schlusspunkt und lässt den Hörer einzig mit dem Wunsch zurück, sich auch von den Live-Qualitäten der Band persönlich zu überzeugen.

HOKUM präsentieren sich auf „Pi“ deutlich erwachsener und reifer als in der Vergangenheit und scheinen kleinere Unzulänglichkeiten der Vorgänger ausgemerzt zu haben. Dafür serviert das Quartett technischen Death-/Thrash-Metal in Perfektion und lässt berechtigterweise die Frage aufkommen, warum diese Band noch immer keinen Plattenvertrag besitzt.

Veröffentlichungstermin: 11.07.2008

Spielzeit: 42:01 Min.

Line-Up:
Benjamin Geppert: Vocals, Guitar
Michael Vogl: Guitar
Jonas Fischer: Bass
Nicolai Retzlaff: Drums

Produziert von Michael Maier und Thomas Scharl
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.hokum.de

HOKUM „Pi“ Tracklist

01. Collapsing Synapses
02. Live To Suffer
03. Into The Wall
04. Sloth
05. The Dawn Of Change
06. How Long
07. The Key
08. Pi

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.