HIM: The Funeral Of Hearts

HIM: The Funeral Of Hearts

In den Strophen klingt Sänger Valo so engelsgleich wie noch nie, wobei er mühelos ins Falsett gleitet und jedes Wort liebkost. Dann gehen die Strophen über in einen sagenhaften Refrain, der uns zu diesem gewissen Ort bringt, an dem Baudelaires Blumen des Bösen in voller Blüten stehen und die Engel Bluttränen weinen. The Funeral Of Hearts. Und jeder, der schon mal da war, weiß es sofort – so hört es sich an, wenn einem das Herz bricht. Ein Sound, der niemals anklagt, niemals verbittert ist. Nur manchmal ein bisschen verwirrt von all der Schönheit/ Grausamkeit (Quelle: Super Sonic Records, Info zu The Funeral Of Hearts)

Mit fehlen die Worte. Auf jeden Fall will ich sie auch haben, diese Drogen, die Infoschreiber bekommen, um derartige Tiraden kreieren zu können. Offenbar zieht man sich für derartige Ergüsse einige Tage in eine Hütte im tiefsten Wald zurück und dröhnt sich die Birne derart zu, dass man solche eloquenten Zeilen zu Papier zu bringen vermag.

Wie dem auch so, es geht um die neue Single von H.I.M., auch His Infernal Majesty genannt – allein dieses Pseudonym dürfte den wahren Schwarzjüngern kalte Schauer über den Rücken und Angstschweiß auf die Stirn treiben.

H.I.M.-Interessierte dürften das Video zum Song ja bereits mehrfach bei den einschlägigen Teenie-Sendeanstalten bewundert haben und den Song bereits mitträllern können. Bemerkenswert an H.I.M. ist das unglaubliche Gespür für Hooks, für eingängige Melodien, die jedermann nach dem ersten Hördurchgang mitsingt. Das muss man den Finnen zugestehen. Herz, Schmerz, lustvolles Leid und andere emotionale Eskapaden werden in melodiöse Gewänder verpackt und der vornehmlich weiblichen Hörerschaft mit viel Schmalz präsentiert – fertig ist der neue H.I.M.-Hit, und genauso verhält es sich auch mit The Funeral Of Hearts. Nur die Ukulele-mäßige Gitarre a la Stefan Raab, besonders deutlich in den einzelnen Strophen zu vernehmen, zerstört den herzerweichenden Charakter des Stücks ein wenig.

The Funeral Of Hearts ist dann auch gleich in drei Versionen auf dieser Single – in der Radio edit, der etwas längeren Album version, und einer Akustik-Version, die aber mit Lagerfeuerromantik nicht viel zu tun hat, da man beim Hören definitiv gleich ins Reich der finnenlosen Träume eintritt.

Persönliche Probleme hatte ich immer schon mit Ville Valos Stimme, und dank Michael Mittermeier weiß ich jetzt auch, warum Villewalla so gequält klingt: seitdem dieser Bayer mir die Clavin Klein-Werbung für Obsession erklärt hat, weiß ich, was Herr Valo und Kate Moss gemein haben: sie haben einfach nur Hunger…

Es ist anzunehmen, dass die Jungs von H.I.M. eine gehörige Portion Humor besitzen, denn egal, wie das komplette Album klingen mag – Love Metal scheint eher ein ironischer Seitenhieb der Finnen auf die sie verachtende und meidende Szene zu sein als ein Bekenntnis zu einem Genre, mit dem sie so gar nichts zu tun haben. Aber zum Album kann Chris Näheres berichten.

Es ist Futter für Mädels bis 14, für die MTVIVA-Generation, denen Projektionsobjekte für pubertäre Gelüste geliefert werden müssen. All diejenigen, die nach Gothic Rock/Metal dürsten und ihre Pubertät erfolgreich absolviert haben und Sänger mögen, die den Stimmbruch bereits hinter sich hatten, sollten sich der POISONBLACK-Scheibe zuwenden.

Spielzeit: 12:15 Min.

Line-Up:
Ville Valo – Vocals
Migé Amour – Bass
Lily Lazer – Guitar
Gas Lipstick – Drums
Emerson Burton – Keyboards

Produziert von Hiili Hiilesmaa
Label: Super Sonic Records

Homepage: http://www.heartagram.com

Tracklist:
1. The Funeral Of Hearts (Radio edit)
2. The Funeral Of Hearts (Album version)
3. The Funeral Of Hearts (Acoustic version)