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HIGH ON FIRE: The Art Of Self Defense [Re-Release]

Ist sie das, die definitive Version des HIGH ON FIRE-Debüts „The Art Of Self Defense“?

Inwiefern „The Art Of Self Defense“ wirklichen Klassikerstatus besitzt, darüber darf man gerne ausgiebig streiten. Fakt ist, dass HIGH ON FIRE gerade in ihren ersten Jahren verdammt große Alben geschrieben haben. Seien es das brandschatzende 2002er Werk „Surrounded By Thieves“ oder „Death Is This Communion“, das Power und Epik gleichberechtigt nebeneinander stehen hat. Der Verfasser tendiert nach wie vor zu zum unschlagbaren „Blessed Black Wings“ als Werk für die einsame Insel, vielleicht auch, weil es das erste Mal war, dass HIGH ON FIRE ihn mitreißen konnten. Egal wie stark Matt Pike, Des Kensel und die jeweiligen Bassisten damals waren, eins ist klar: Vergessen werden sollte das rohe Debüt der Band aber auf keinen Fall.

Das ist allerdings kaum möglich, denn immerhin wurde das mittlerweile 23 Jahre alte Album bereits zahlreiche Male wiederveröffentlicht und war die längste Zeit immer und irgendwie verfügbar. Das neueste Re-Release von „The Art Of Self Defense“ macht zumindest auf den ersten Blick sehr viel her. Arik Ropers Originalcover ist schlecht gealtert, das neue Artwork von Jordan Barlow sieht zeitgemäßer und deutlich frischer aus. Dennoch, das ausführliche Fotobooklet der SOUTHERN LORD-Version aus dem Jahr 2012 fehlt und macht deutlich, dass neue Auflage vielleicht die professionellste ist, aber eben kein Liebhaberprojekt. Auch dass die Doppel-LP nicht im Gatefold kommt, sorgt für Zähneknirschen. Hören lassen kann sich das Album dank der Restaurierung aber auf jeden Fall. Der Schmutz des Originalsounds von Billy Anderson ist geblieben, Justin Weis‘ Remaster lässt das Debüt noch einen Hauch voluminöser klingen.

Neues Cover, neues Master: Auf den ersten Blick überzeugt die Wiederveröffentlichung von HIGH ON FIREs Debüt „The Art Of Self Defense“.

Musikalisch beeindrucken die ersten Gehversuche, der US-Band aber auf jeden Fall – auch heute noch. Matt Pike, der sich nach seiner Zeit bei der Stoner Rock-Legende SLEEP neu orientierte, erschuf einen schmutzigen Sound und ließ den klassischen Metal so gefährlich und dreckig klingen wie selten zuvor. Sein Gitarrenspiel ist damals noch sehr im Stoner Rock verwurzelt, die Verbindung mit urwüchsigem Metal ist damals wie heute wegweisend. Als Sänger liefert Matt Pike hier sein Debüt, und seine Stimme ist Zeuge, dass sein Lebensstil auch in jungen Jahren nicht der Gesündeste war. Mit 27 wie Lemmy zu klingen, das ist eine Leistung.

Während sich Pikes Vocals seither nicht besonders weiter entwickelt haben, hat die Musik der Band in der Folge einen Weg zurückgelegt. „The Art Of Self Defense“ startete im Prinzip als Metal-Version von SLEEP, als Sludge-Version von CATHEDRAL, oder irgendwie dazwischen. Fakt ist, dass HIGH ON FIRE schon zu auf ihrem Frühwerk ziemlich eigenständig klangen, Veteranen wie CROWBAR zum Trotz. Dass das Trio in den 2010er Jahren dann immer mehr den Doom Metal-Anteil zurückfuhr und stattdessen brutaler und wilder wurde, findet der Verfasser schade, irgendwie ging damit ein Teil der primitiven Epik verloren, die HIGH ON FIRE in ihren ersten Jahren so besonders klingen ließ.

Leider nicht ganz vollständig und nicht ganz zu Ende gedacht: „The Art Of Self Defense“ findet auch hier nicht seine definitive Version.

Umso schöner, dass selbst „The Art Of Self Defense“ den ein oder anderen Hit vorweist und viele von diesen genial-primitiven Riffs hat, die der Verfasser so an HIGH ON FIRE liebt. Der Opener „Bahgdad“ nimmt langsam Fahrt auf und wird im Verlauf immer intensiver. Die Riffs und die simplen Grooves von „10.000 Years“ und dem heroischen „Fireface“ fräsen sich ins Gehör und werden zu einem Ohrwurm, den man nur schwer loswird. „Blood From Zion“ drischt mit voller Durchlagskraft fünf Minuten lang auf die Hörer:innen ein – ein wahrer Klassiker. Das Gegenteil davon ist das dynamische „Last“, das weniger aggressiv, aber fast schon ist. Auch das abschließende „Master Of Fists“ ist ein kleines Epos und überhaupt, verglichen mit „Electric Messiah“, ist die Dichte an erstklassigen Songs auf dem Debüt höher.

„The Art Of Self Defense“ ist eine ordentliche Neuauflage, das komplette Wohlfühlpaket liefert diese Veröffentlichung indes nicht. Die Bonustracks „Steel Shoe“ und das CELTIC FROST-Cover „The Usurper“, die sowohl in der TEE PEE RECORDS Auflage von 2001 als auch der SOUTHERN LORD enthalten sind, fehlen bei diesem Re-Release – das ist enttäuschend. Das 1999er Demo ist hingegen enthalten, rundet das Album ab und zeigt nebenbei, dass die Songs zwischen Demo und Album nochmals einen Qualitätssprung erlebt haben. Welche Version nun im Regal stehen soll, ist also Geschmackssache, der Verfasser bevorzugt das 2012 Re-Release. Wichtig ist nur Folgendes: HIGH ON FIREs Debüt gehört in die Sammlung von allen, die auch nur ansatzweise etwas mit dieser Band anfangen können.

VÖ: 4. August 2023

Spielzeit: 66:26

Line-Up:
Matt Pike – Vocals, Guitars
George Rice – Bass
Des Kensel – Drums

Label: MNRK heavy

HIGH ON FIRE „The Art Of Self-Defense [Re-Release]“ Tracklist

1. Baghdad
2. 10.000 Years
3. Blood From Zion
4. Last
5. Fireface
6. Master Of Fists
7. Blood From Zion (1999 Demo)
8. 10.000 Years (1999 Demo)
9. Master Of Fists (1999 Demo)

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