GJOAD: Samanōn

Ein Geheimtipp zum Jahresende, noch dazu passend zum Advent: GJOAD ist ein österreichisches Wort für die „wilde Jagd“. Passenderweise ziehen Perchten, Habergoaß und deren Kollegen bald wieder durch die Nächte in dieser Region und sind auf der Gjoad. Und auch der Band scheint es dieses Brauchtum angetan zu haben. GJOAD spielen eine mystische Art des Post Rocks, der genährt ist von Volkssagen, die im Schatten der Berge spielen. Auch wenn das sommerlich-archaische Artwork von Franz Steinfeld aus dem Jahr 1852 es nicht vermuten lässt, in die Zeit zur Wintersonnwend passt das Debüt „Samanōn“ sehr gut.

Dabei klingen GJOAD häufig nach späteren ISIS und MONO, aber immer mit dem Background des Black Metal. So wundert es nicht, dass „Samanōn“ über seine gesamte Spieldauer ein ähnliches Feeling hat wie die atmosphärischen Stücke „Dia Artio“ oder „Woodland Cathedral“ von WOLVES IN THE THRONE ROOM. Hypnotisches Drumming, meist angezerrte Gitarren, bis auf wenige narrative Stellen instrumental gehalten, baut sich über die fünf Lieder eine bedrohliche Klangwand auf, und da stehen GJOAD den Belgiern THE BLACK HEART REBELLION überraschend nah. Gewürzt wird das mit ein wenig frühen HORSEBACK oder späten EARTH, wie in „Hagazussa“, so dass trotz mancher konservativer Post Rock-Momente wie in „Perhat“ ein recht eigenwilliges Gebräu entsteht.

GJOADs Debütalbum „Samanōn“ umweht der Hauch des Geheimnisses

Das ist größtenteils recht zurückhaltend und subtil, erzeugt aber stets einen unterschwelligen Schauer. Als nächtigten wir in der dunklen Hütte, das Feuer ist schon fast erloschen, die Kälte kriecht langsam durch die Ritzen ins Innere und Sagengestalten lauern draußen. Sie bleiben als Schreckensbildnis vor der Türe und drohen jeden Moment herein zu brechen. So wirkt „Samanōn“, als würden wir die ganze Nacht auf die wilde Jagd warten, die uns heimsucht und büßen lässt. Da wundert es nicht, dass gerade dann, wenn GJOAD ihren Wurzeln Tribut zollen und zum Beispiel das Alphorn anstimmen oder mit ganz regionalen Eigenheiten auffahren, das Album seine richtig guten Momente hat.

GJOAD liefern einen soliden Einstand, der vor allem durch seine dichte Atmosphäre überzeugt. Dazu trägt auch der Hauch des Geheimnisses bei, das „Samanōn“ umweht. Die dialektischen Songtitel wirken fast kryptisch, von den drei Musikern sind nur die Vornamen bekannt, eine Webpräsenz gibt es nicht, all das lässt dieses Debüt fast geisterhaft wirken. Schade ist es daher, dass das kurze Album zwar in sich geschlossen, aber leider noch nicht ganz fertig wirkt. Ein, zwei, gerne auch kürzere Stücke, hätten „Samanōn“ nicht geschadet. Immerhin, das alles ist sauber gespielt und von Stefan Traunmüller auch routiniert produziert. So sind GJOAD eine willkommene Alternative zu dem, was es aus dem Post Rock-Bereich sonst so zu hören gibt.

Wertung: 3,5 von 5 Perchtenläufe

VÖ: 15. Dezember 2020

Spielzeit: 35:25

Line-Up:
Hubert – Guitar
Günter – Drums, Percussion, Vocals
Philipp – Guitar, Gass

Label: Antiq

Produziert von Stefan Traunmüller

GOJAD „Samanōn“ Tracklist:

1. Rouh – Samanōn
2. Perhat
3. Gartsang
4. Hagazussa
5. Untar

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